Rosmini: Die »ahnungslose« Uni.

Prof. Stefania Baroncelli, von Rektor Paolo Lugli ernannte Prorektorin für Bildungsbelange an der Uni Bozen, hätte heute um 9.30 Uhr den Vortrag »Europa der Regionen: eine Vorstellung von Europa, die noch aktuell ist?« halten sollen. Ich weiß nicht, ob es dazu kam.

Ganz so ahnungslos, wie sie sich laut Salto bezüglich dem organisierenden Rosmini-Institut und den Tagungsteilnehmerinnen gibt, dürfte die Akademikerin jedoch nicht sein. Erstens, weil das Programm keineswegs »bis heute neutral war«, wie sie sagt. Die geplante Anwesenheit des russischen Neofaschisten Alexander Dugin war schon länger bekannt. Und zweitens, weil Frau Baroncelli nicht zum ersten Mal mit dem dubiosen Verein kooperiert.

Auf ihrem vier Seiten umfassenden, öffentlich im Netz abrufbaren Curriculum findet das Institut fünfmal Erwähnung. Hier die entsprechenden Auszüge:

  • Responsibilities for organizing conferences and seminars in the last 13 years:
    • 47° International Conference of the International Institute of European Studies “A. Rosmini”, Bolzano. Title “Europa: Costituzione o Trattato per suo fondamento? Sul Trattato di Lisbona e i suoi sviluppi” (together with prof. Marcello Fracanzani)
  • Selected publications:
    • Books – Edited:
      • Fracanzani MM, Baroncelli S (a cura di) (2017). Le Università: fra autonomia, formazione e informazione. INSTITUT INTERNATIONAL D’ÉTUDES EUROPÉENNES ANTONIO ROSMINI, NAPOLI:Edizioni Scientifiche Italiane, ISBN: 978-88-495-3416-0
      • Fracanzani – Baroncelli (2015), L’Ethos dell’Europa, Institut International d’Etudes Européennes Antonio Rosmini, Edizioni Scientifiche Italiane, Napoli
      • Baroncelli S, Fracanzani M (a cura di) (2012). Quale lingua per l’Europa? Welche Sprache für Europa?Institut International D’Etudes Européennes Rosmini. p. 1- 138, NAPOLI:Edizioni Scientifiche Italiane, ISBN: 978-88-495-2434-5
    • Book Chapters:
      • Baroncelli S (2012). Quale multilinguismo per l’Unione europea? Il principio di parità della lingua nell’ordinamento giuridico europeo . In: (a cura di): Fracanzani M, Baroncelli S, Quale lingua per l’Europa? Welche Sprache für Europa?Institut International D’Etudes Européennes Rosmini. p. 81-106, NAPOLI:Edizioni Scientifiche Italiane, ISBN: 978-88-495-2434-5

Da kann einer rührigen Uniprofessorin doch nicht entgangen sein, mit wem sie es zu tun hatte? Wenn doch, wäre das natürlich kein so gutes Zeugnis.

Der ehemalige Dozent der Uni Bozen Marcello Maria Fracanzani, dessen Name in Baroncellis Curriculum 18 Mal (worunter die fünf oben wiedergegebenen Punkte) gefunden wird, ist übrigens offizielles Mitglied des Rosmini-Instituts.

Nachtrag: Es gibt auch ein Buch mit dem Titel »Quale religione per l’Europa?«, herausgegeben von Marcello M. Fracanzani und Stefania Baroncelli fürs Rosmini-Institut im Verlag Edizioni Scientifiche Italiane, Neapel (2014).

Die Autoren:

  • Franco Cardini: Historiker, Gast der Rosmini-Tagung von 2013, ehemaliges Mitglied der rechtsradikalen MSI und Jeune Europe.
  • Danilo Castellano: Mitglied des Rosmini-Instituts. Die italienische Verfassung sieht er als von einem teuflischen Prinzip (dem freien Willen) inspiriert, an dessen Wurzel nicht die Gerechtigkeit, sondern die Anarchie stehe. Die Säkularisierung habe die Menschenrechte an die Stelle der göttlichen Rechte gestellt.
  • János Frivaldszky: Gast der Rosmini-Tagung von 2013. In seinem Buchkapitel bezeichnet er das Recht auf Abtreibung, die gleichgeschlechtliche Ehe und die Sterbehilfe im Gegensatz zu den »naturrechtlichen« Menschenrechten als »unmenschliche« Rechte (S. 57).
  • Umberto Galeazzi: Gast der Rosmini-Tagung von 2013.
  • Jerzy Ochmann: Mitglied des Rosmini-Instituts.
  • Christophe Réveillard: Mitglied des Rosmini-Instituts, vorbestraft für das Attentat auf ein Kino.
  • Andrea Sandri
  • don Michele Tomasi: damaliger Generalvikar der Diözese Bozen-Brixen, inzwischen Bischof von Treviso. Gast der Rosmini-Tagung von 2013 in Vertretung von Bischof Ivo Muser.
  • Giovanni Turco
  • José Luis Widow Lira: Gast der Rosmini-Tagung von 2013 und 2014.

Der Titel dieser Publikation, die im Curriculum von Prof. Baroncelli nicht genannt wird, ist gleichlautend mit dem Titel der Tagung von 2013 des Rosmini-Instituts.

Bildung Faktencheck Faschismen LGBTQIA Politik Publikationen Recherche Religiun Wissenschaft | Zitać | | Salto | Südtirol/o | Freie Universität Bozen | Deutsch English

FCS: Halb- und Unwahrheiten im Landtag.

Zur teilweise einsprachigen Kommunikation des FC Südtirol haben die »Blauen« eine Landtagsanfrage (424/19) eingereicht, die am 6. September von Landesrat Philipp Achammer (SVP) beantwortet wurde.

In der Anfrage heißt es unter anderem:

Der Verein […] ist laut eigener Beschreibung „mit Südtirol, seinem vielfältigen Landschaftsbild, der Bevölkerung, der Kultur und den Traditionen eng verbunden und verwurzelt“. Dem wiedersprechend gestaltet sich oftmals die Kommunikation des Vereins in seiner Öffentlichkeitsarbeit. Beispiel dafür ist die rein italienisch gehaltene Abo-Kampagne „Perché qui siamo a casa“ für die Saison 2018/2019. Einsprachig italienisch ist [sic] ebenso der Youtube-Kanal „FCS-TV“ sowie die Ethikkodizes für Mannschaft und Fans.

Auf die konkrete Frage:

2) Wie beurteilt die Südtiroler Landesregierung diese zum Teil rein italienisch stattfindende Kommunikation bzw. Öffentlichkeitsarbeit des mit üppig öffentlichem Geld gesponserten Vereins?

antwortet Achammer folgendermaßen:

Sämtliche Kommunikation des FC Südtirol wird in deutscher und italienischer Sprache veröffentlicht[,] wie z.B. Presseaussendungen, News, Monatszeitschrift, Spielkalender, Spielankündigungsplakate, Werbekatalog, Geschläftsausstattung [sic], Autogrammkarten, Abos, Eintrittskarten, Website, Social Networks etc.

Sämtliche Kommunikation? In der Anfrage wird neben der Abo-Kampagne (die in einer gesonderten Frage behandelt wird) klar auf den Youtube-Kanal und auf die Ethikkodizes Bezug genommen. Doch der Landesrat nennt bewusst andere »Beispiele«, um die Behauptung in den Raum zu stellen, dass sämtliche Kommunikation zweisprachig sei — was eben nicht der Fall ist. Eine glatte Lüge.

Doch selbst das mit den Presseaussendungen und den Eintrittskarten stimmt nur bedingt, denn

  • die Grafiken zur Vorstellung neuer Spieler sind nicht zweisprachig Deutsch und Italienisch, sondern Italienisch und Englisch (»benvenuto/welcome to FCS«);
  • für das Online-Ticketing wird man auf eine einsprachig italienische Homepage (DIY-Ticket) verwiesen;
  • das »Ticket- und Stadionreglement« auf der Webseite des FC Südtirol ist ebenso einsprachig Italienisch.

Die Frage bezüglich der Abo-Kampagne beantwortet Achammer zweideutig:

Die Abo-Kampagne wird auf sämtlichen FC Südtirol-Medien (Monatszeitschrift FCS News, Website, Facebook, Presseaussendungen) zweisprachig beschrieben und beworben. Einzig jene Grafik der Abo-Kampagne, welche auf die vielen italienischsprachigen Fußballbegeisterten der Stadt Bozen ausgerichtet ist und verschiedene Stadtteile als Hintergrundbild führt, ist mit dem Leitsatz „Perchè qui siamo a casa“ versehen.

Diese Antwort könnte man (und würde man wohl normalerweise) so verstehen, dass es zwei unterschiedliche Abo-Kampagnen gibt — eine zweisprachige und eine auf die »italienischsprachigen Fußballbegeisterten« der Stadt Bozen ausgerichtete einsprachige. Da müsste mir aber schon ganz grob etwas entgangen sein. Ich habe es noch einmal überprüft und habe nur eine Kampagne gefunden, die zwar tatsächlich »zweisprachig« ist, aber immer mit der einsprachigen Grafik mit den wechselnden Bozner Stadtteilen versehen ist. Der FC Südtirol behandelt seine Fans also unterschiedlich, je nachdem welche Sprache sie sprechen.

Es scheint sogar eine grundsätzliche Regel zu sein, dass Grafiken (»i convocati«, »line up«, »calendario«, »presentazione squadra«, »ritiro 2019«, »season highlights«, »happy birthday« etc.) auf Italienisch und/oder Englisch beschriftet werden, aber nie auf Deutsch.

Besonders aufschlussreich ist schließlich die Antwort auf die dritte Frage:

3) Sieht die Landesregierung in der teils einsprachigen Kommunikation der Fußballmannschaft FC Südtirol einen Widerspruch zu den landeseigenen Richtlinien für Wirtschaftssponsoring laut Beschluss Nr. 1051 vom 04. Oktober 2016? Falls ja, welche Schlüsse und Konsequenzen zieht die Landesregierung daraus?

Die Antwort auf diese Frage entnehmen Sie bitte der Antwort auf die Frage 2. Zudem spielt der FC Südtirol großteils außerhalb der Region und somit zielt die Bekanntmachung der Dachmarke in diesem Fall auf den italienischen Markt.

Das Land sponsert eine Südtiroler Mannschaft, die ihre Heimspiele in Südtirol absolviert und vermutlich vorwiegend Südtiroler Fans hat, verweist dann aber darauf, dass sie angeblich »großteils« außerlandes spielt, um die teils einsprachige Kommunikation zu rechtfertigen? Eine derartige Argumentation ist — gerade für eine Minderheit — höchst… amüsant. Mal davon abgesehen, dass der FC Südtirol auch drei C-Jugendmannschaften hat, die fast ausschließlich im Land spielen.

Würden sie ähnlich denken, könnten etwa die Ladinerinnen und andere Sprachgemeinschaften mit sehr kleinem sprachlichem Hinterland faktisch auf ihre Sprache ganz verzichten.

Es gibt meines Wissens keine Vorschrift, die den FC Südtirol zur Zweisprachigkeit verpflichten würde — wiewohl dies ab einer gewissen Fördersumme (auch wenn indirekt über Werbeverträge) durchaus eine Überlegung wert wäre. Ein Landesrat wäre hingegen dazu angehalten, Anfragen wahrheitsgetreu zu beantworten.

Siehe auch:

Discriminaziun Faktencheck Minderheitenschutz Plurilinguismo Politik Sport | Bilinguismo negato Italianizzazione Zitać | Philipp Achammer | | Italy Südtirol/o | Freiheitliche Südtiroler Landtag SVP | Deutsch

Il dato sui laureati.
Quotation 570

[Il] dato sui laureati […] colloca quasi sempre la Provincia di Bolzano in fondo alla classifica. La verifica l’ho fatta personalmente qualche tempo fa, in occasione della apposita graduatoria stilata dal Sole 24 ore: “I dati – mi hanno spiegato – provengono dal Ministero dell’Università e Ricerca e considerano solo i laureati negli atenei italiani”. Cifre che, quindi, penalizzano pesantemente la provincia di Bolzano dove, come noto, quasi il 40% delle lauree è ottenuto presso le università austriache.

Massimiliano Boschi per AAI

Vedi anche:

Bildung Faktencheck Medien Umfrage+Statistik | Quote | | S24O | Italy Österreich Südtirol/o | | Italiano

Suicidi, il Sudtirolo nel contesto internazionale.
Nella media europea

[Questa] è la terra dei suicidi, del più alto tasso di suicidi perché qui ci si annoia, perché non c’è niente da fare, questa è la verità drammatica, è la terra della sonnolenza e i modelli che vengono proposti sono i modelli dei territori sonnolenti, quelli che chiudono, quelli del nulla, del vuoto. Vi ricordate com’era la città di Bolzano qualche anno fa? Io sono di Bolzano, era un mortorio, era il nulla, oggi è una città modestissima, di periferia, ma che comunque ha una sua dignità, una sua vita.

Certamente non sarebbe stato necessario citare questa vera e propria schifezza, pronunciata da Alessandro Urzì (AAnC/FdI) nel Landtag il 16 maggio, per occuparmi — dal solo punto di vista statistico, beninteso — di suicidi. Se ho deciso di farlo è perché i dati ufficiali dimostrano come, oltre a essere un’enorme sciocchezza mettere in relazione i suicidi con le aperture domenicali dei centri commerciali (e non sto nemmeno qui dimostrarlo), sia un’enorme stupidaggine anche lo stesso ritornello della «terra dei suicidi».

Seguono i dati standardizzati di tutti i Länder della Germania e dell’Austria, oltre che delle regioni italiane e di alcune altre realtà europee, riferite al triennio 2014-2016 (Eurostat, suicidi per 100.000 abitanti):

RegioneDonneUominiTotale
Eszak-Alföld (H)9,1245,5124,55
Bretagne*10,3337,6223,15
Vallonia (BE)11,1431,0620,31
Lubuskie (PL)4,8038,0220,16
Kärnten8,1532,9619,59
Alentejo (P)7,2833,9618,99
Steiermark7,9128,4217,14
Açores (P)3,7431,3115,93
Niederösterreich6,4627,5715,03
Salzburg7,1824,3714,88
Sachsen5,9623,4113,83
Sachsen-Anhalt5,2723,6613,58
Nord-/Osttirol6,6621,5513,43
Bayern6,7321,0813,26
Oberösterreich5,4822,4213,20
Islanda5,7920,4613,15
Schleswig-Holstein6,8120,7313,00
Zürich7,1919,6112,86
Algarve (P)4,9122,3912,75
Thüringen4,2622,4912,57
Praha (CZ)5,3920,6712,51
Hamburg7,0319,0812,43
Helsinki-Uusimaa7,4118,1912,38
Vallée d'Aoste3,5222,2112,36
Wien6,7219,1612,22
Rheinland-Pfalz5,1020,0812,05
Hessen6,0218,8611,97
Svizzera Centrale6,0420,1911,83
Vorarlberg3,9320,6511,78
Alsazia*5,6319,0611,75
Baden-Württemberg5,7718,7111,74
Bruxelles7,3816,6711,56
Sjælland (DK)5,2918,2911,49
Saarland4,4519,3011,41
Asturias (ES)6,4617,6411,41
Berlin6,5417,1711,37
Niedersachsen5,2518,5111,27
Brandenburg5,8117,7811,27
Galicia5,9117,3611,24
Bremen6,3017,3811,17
Ø Media UE4,7617,7710,83
Burgenland4,5317,8410,67
Südtirol/o5,5416,5310,62
Mecklenburg-Vorpommern4,2117,9510,55
Corsica*6,3415,5210,51
Stockholm6,7714,6810,48
Scotland5,5015,6110,37
Lisbona4,7215,199,15
Ticino5,8412,669,09
Trentino2,5116,169,07
Nordrhein-Westfalen4,7513,959,00
Sardigna3,0215,418,95
Northern Ireland3,5014,438,83
Andalusia3,5914,848,74
La Rioja (ES)3,4713,508,33
Wales2,7913,788,13
Friûl VG4,2812,388,07
Umbria3,7213,328,05
Marche3,4913,087,97
Piemonte3,4912,807,75
Navarra5,3910,317,69
Euskadi4,1411,827,69
Emilia-Romagna3,4512,207,42
Malta2,4512,347,08
Île de France3,8511,017,06
Veneto2,7411,296,82
Catalunya3,6810,586,82
Toscana2,5411,706,70
Creta1,3811,566,22
Lombardia2,8110,026,18
Basilicata1,3710,485,64
Calabria2,028,845,21
Sicilia2,088,815,18
London2,448,115,17
Madrid (Comunidad)2,837,765,04
Puglia1,928,024,75
Lazio1,887,624,50
Cipro1,866,914,28
Molise1,776,694,05
Liguria1,986,564,03
Campania1,515,693,44
Istanbul0,501,831,13
Ankara0,240,810,49

*) Francia: triennio 2013-2015

Prescindiamo pure dal fatto che le statistiche su questo delicato tema devono fare i conti con un’enorme mole di dati sommersi e sono quindi da prendere con le pinze. Anche lo stolto ritornello della «terra dei suicidi» si basa infatti sul medesimo dato statistico, con tutti i problemi che ciò comporta. Tuttavia, inserito nel contesto europeo, anche tale dato ne esce ridimensionato: il Sudtirolo si trova leggermente al di sotto della media UE.

Questo senza volere minimizzare alcunché, perché ogni morte che avvenga per suicidio è una di troppo. Ma allora, e a maggior ragione, che se ne parli con il giusto rispetto.

Info Prävention | Info prevenzione

Sollten Sie selbst dringend Hilfe benötigen, können Sie sich an die Caritas-Telefonseelsorge wenden: täglich rund um die Uhr — auch sonn- und feiertags — unter der Nummer 0471 052 052 oder online unter https://telefonseelsorge-online.bz.it (Erstantwort innerhalb von 48 Stunden) erreichbar.
Vertrauliche und kostenlose Beratung für junge Menschen: Young+Direct
Whatsapp: 345 081 70 56, Tel.: 840 036 366 (Grüne Nummer), Montag-Freitag: 14.30-19.30 Uhr, E-mail: online(at)young-direct.it

Se avete bisogno di aiuto, potete rivolgervi a Telefono Amico (ascolto rispettoso, anonimo e gratuito) al numero verde 800 851 097 (ore 15.00-24.00), sito www.telefonoamico.it.
Servizio di consulenza per giovani, confidenziale e gratuito: Young+Direct
Whatsapp: 345 081 70 56, tel. 840 036 366 (numero verde) dal lunedì al venerdì, 14.30-19.30, mail: online(at)young-direct.it

Quelle | Fonte: Caritas Südtirol.

Comparatio Faktencheck Gesundheit Politik Soziales Umfrage+Statistik | Zitać | Alessandro Urzì | | Aoûta-Aosta Baskenland-Euskadi Bayern Belgien Breizh-Bretagne Catalunya Corsica Deutschland Elsass Europa Finnland-Suomi France Friaul-Friûl Galiza Griechenland Island Italy Koroška-Kärnten Lombardia Malta Nord-/Osttirol Nordirland Österreich País Valencià Sardigna Schleswig-Holstein Scotland-Alba Sicilia Spanien Südtirol/o Svizra Ticino Trentino Turchia United Kingdom Venetien-Vèneto Wales-Cymru Zypern | Eurostat PDL&Co. Südtiroler Landtag | Italiano

Fitch-Panne: Fast alles in Butter?

In der heutigen Tageszeitung ist auf Seite 3 (mit Verweis auf ) ein Beitrag erschienen, in dem es um das angebliche »Triple A« von Fitch für das Land Südtirol geht. Die Pressemitteilung wird zudem in den Kontext einiger weiterer Falschmeldungen der LPA aus der jüngeren Zeit gestellt.
Zur Rating-Angelegenheit befragt, reduziert Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) den Fehler auf die Groß- und Kleinschreibung, während alles andere in der Aussendung »völlig richtig« sei. Der neue Chefredakteur der LPA, Guido Steinegger, hält die Kritik von BBD gar für eine Spitzfindigkeit.

Ich möchte hier nochmal betonen, dass ich der LPA nicht Vorsatz unterstelle. Aber die Groß- und Kleinschreibung ist wirklich nur der auffälligste Fehler in der Aussendung. Darüberhinaus wurde

  • das AAA (bzw. aaa) als »Rating« bezeichnet, obwohl es keines ist (es handelt sich ausdrücklich um einen Rating-Bestandteil);
  • die Erstellung eines Standalone Credit Profile als ein »Ad-hoc-Verfahren« (und somit als etwas Besonderes) bezeichnet, was es aber nicht ist;
  • dies wiederum als Beweis dafür gewertet, Zitat: »dass unsere Autonomie, auch aus finanzieller Sicht, international betrachtet und anerkannt wird« (was irreführend ist, weil diesbezüglich keinerlei Zusammenhang besteht);
  • geschrieben, dass der Ausblick für das tatsächliche Rating (A-) »als “stabil” bezeichnet« wurde, was nachweislich falsch ist (weil der Ausblick laut Fitch in Wahrheit »negativ«) ist.

Inzwischen hat mich Harald noch auf eine weitere Ungereimtheit hingewiesen. Der Titel der Aussendung lautet:

Südtirol erhält erstmals AAA-Rating

Neben »AAA« und »Rating« ist auch das Wort »erstmals« falsch, denn Südtirol hatte schon von Februar 2007 bis Oktober 2011 ein AAA-Rating, und zwar ein echtes.

Wenn man all das als Spitzfindigkeit und — mit Ausnahme der Großschreibung von »aaa« — »völlig richtig« abtun möchte, kann man das natürlich gerne tun. Das zeigt dann aber nur, dass es bei der sogenannten Fehlerkultur noch sehr viel Luft nach oben gibt.

Übrigens, Stand 19. Juli um 23.00 Uhr wurde die Pressemitteilung noch immer nicht korrigiert — auch nicht die Großschreibung.

Faktencheck Medien Politik Service Public Wirtschaft+Finanzen | afk Zitać | Arno Kompatscher | LPA TAZ | Südtirol/o | Land Südtirol SVP | Deutsch

Fitch: Es gibt kein AAA (Triple A).

Verbreitet die Landespresseagentur (LPA) jetzt schon Fake News, um die Landesregierung besser dastehen zu lassen? Oder gab es hier nur ein Missverständnis?

In jedem Fall hat die LPA gestern hinausposaunt, die Rating-Agentur Fitch habe das Land Südtirol unabhängig vom gesamtstaatlichen System bewertet und ihm dabei »die höchste Bewertung AAA (Triple A) erteilt«. Viele Medien haben diese Nachricht bereitwillig kopiert.

Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) wird in der Aussendung mit folgenden Worten zitiert:

“Diese erstmalige Bewertung Südtirols außerhalb des gesamtstaatlichen Systems bestätigt das Wohlergehen unserer Finanzen und unserer Wirtschaft.” Das erfreuliche Ergebnis komme dank der positiven Mischung aus geringer Verschuldung, solider Bilanzen und starker sozio-ökonomischer Faktoren zustande. Dass eine so vertrauenswürdige und international agierende Rating-Agentur ein Ad-hoc-Verfahren für das Land Südtirol durchführt, ist laut Landehauptmann “ein Beweis dafür, dass unsere Autonomie, auch aus finanzieller Sicht, international betrachtet und anerkannt wird”.

aus der Pressemitteilung der LPA vom 16. Juli 2019 mit dem Titel: »Finanzen: Südtirol erhält erstmals AAA-Rating«

Warum das falsch ist: Die Ratingagentur Fitch hat für Südtirol ein sogenanntes Standalone Credit Profile (SCP) erstellt, das nicht von ungefähr mit den Kleinbuchstaben »aaa« bewertet wird. Das SCP ist nämlich ausdrücklich kein Rating, sondern einer mehrerer Bestandteile des Ratings, das insgesamt auf »A- mit negativem Ausblick« bestätigt wurde. Bei Fitch hatte das Land Südtirol bislang folgende Ratings:

  • ab Oktober 2003 AA+ (Erstrating)
  • ab Februar 2007 AAA (Upgrade)
  • ab Oktober 2011 AA+ (Downgrade)
  • ab Februar 2012 AA- (Downgrade)
  • ab März 2013 A (Downgrade)
  • seit Mai 2017 A- (Downgrade)

Dass die Herabstufungen großteils der schlechten Performance des italienischen Staates geschuldet sind? Geschenkt — und von mehreren Bewertungsberichten bestätigt. Dass Südtirol aufgrund seiner Teilautonomie und guter wirtschaftlicher Kennzahlen trotzdem noch immer eine bessere Bewertung (A-) hat, als der Gesamtstaat? Stimmt ebenfalls.

Falsch ist hingegen, dass das angebliche »Ad-hoc-Verfahren« für das Land Südtirol beweise, »dass unsere Autonomie, auch aus finanzieller Sicht, international betrachtet und anerkannt wird«. Allein schon deshalb, weil es gar kein Ad-hoc-Verfahren gibt: Obschon ein SCP für Südtirol offenbar tatsächlich zum ersten Mal ermittelt wurde, ist es insgesamt absolut nichts Besonderes. Nicht nur für autonome Regionen wie Sizilien (bbb) oder Sardinien (a+), sondern auch für solche mit Normalstatut wie die Marken (aa) und das Latium (bb-) wurde bereits eines erstellt.

Was sagt uns das »aaa« wirklich? Unter anderem bestätigt es, dass Südtirol ohne Italien vermutlich ein wesentlich besseres Rating hätte, als das mickrige »A- mit negativem Ausblick« — vielleicht sogar ein Triple A (AAA). Aber das ist keineswegs sicher.

Insgesamt ist das aus meiner Sicht weder etwas wirklich Neues, noch etwas Berauschendes.

Nachtrag vom 19. Juli 2019: In der Pressemitteilung steht ferner, dass der Ausblick für Südtirols A- »stabil« sei. Auch das ist falsch: Der Ausblick ist laut Fitch-Rating »negativ«.

Siehe auch:

Faktencheck Medien Politik Wirtschaft+Finanzen | Finanzabkommen 2014 Medienkritik Zitać | Arno Kompatscher | LPA | Italy Sardigna Sicilia Südtirol/o | Land Südtirol SVP | Deutsch

Mehrsprachige Schule, Wunsch vs. Gesetzentwurf.

Ich komme nochmal auf den grünen Gesetzentwurf (Nr. 2/18) zur sogenannten mehrsprachigen Schule* zurück, weil ich mir nun den Wortlaut angesehen habe. In ihrer einschlägigen Pressemitteilung schreiben die Grünen:

Der Fachunterricht erfolgt in einer der beiden Landessprachen Deutsch bzw. Italienisch. Um einen ausreichenden Fachwortschatz zu garantieren, wird die Sprache im Laufe der Schulkarriere gewechselt. Wann und wie oft dieser Wechsel stattfindet, wird von den autonomen Schulen festgelegt.

— Pressemitteilung

Wiewohl ich die Einrichtung paritätischer Schulen oder Klassen in Südtirol aus Gründen nicht befürworte, ist das mit dem Fachwortschatz ja grundsätzlich eine gute Idee.

Schade, dass davon im Gesetz gar nix steht. Dort findet sich nur dieser Satz:

Die Schulen legen fest, wie der Wechsel der Fachsprachen nach Schulstufen bzw. innerhalb derselben geregelt wird.

— Gesetzentwurf

Weder steht ausdrücklich drin, dass der Sprachwechsel stattfinden, noch, dass er alle Fächer betreffen muss. Und das Ziel, dass Schulabgängerinnen einen ausreichenden Fachwortschatz in beiden Sprachen erwerben sollen (»garantieren«!), wird leider auch nicht definiert.

Ferner steht in der Pressemitteilung:

Die Einschreibung in zweisprachige Abteilungen basiert auf Freiwilligkeit und ersetzt nicht das bestehende Kindergarten- und Schulangebot. Dieses ist in jedem Fall gesichert.

— Pressemitteilung

In jedem Fall gesichert? Das finde ich schwierig. Was passiert, wenn in einer Schul(stuf)e nur noch ein, zwei oder fünf Kinder das klassische Angebot wahrnehmen wollen? Aus dem Gesetzentwurf geht es nicht klar hervor:

Eine mehrsprachige Klasse wird dann errichtet [sic], wenn die Anzahl der Schülerinnen und Schüler pro Jahrgang an dieser Schulstelle für die Errichtung [sic] von Parallelklassen ausreicht und mindestens 15 Einschreibungen für diese Klasse vorliegen.

— Gesetzentwurf

Wie ist das zu verstehen? Es muss mindestens zwei Klassen derselben Schulstufe geben, wovon aber eine in jedem Fall nach heutigem, nicht-paritätischem Modell unterrichtet werden muss? Was ist, wenn bei 30 Schülerinnen 28 in die paritätische Klasse eingeschrieben werden? Werden dann einige dieser 28 auf ihren Wunsch verzichten müssen? Nach welchen Kriterien? Oder werden die zwei (mehr oder minder subtil) unter Druck gesetzt, damit sie einlenken?

Die Einschreibung in Klassen, in denen der Unterricht nach dem muttersprachlichen Prinzip laut Art. 19 des Autonomiestatuts erteilt wird, muss an jedem Schulstandort in jedem Fall gewährleistet bleiben.

— Gesetzentwurf

Die Einschreibung muss gewährleistet bleiben? Oder auch die Klassen als solche? Das ist ein ziemlich großer Unterschied. Zudem ist beispielsweise unklar, ob sich dieser Passus auf alle Kinder bezieht — oder nur auf die, die eine paritätische Klasse besuchen möchten (falls diese Klasse also nicht zustande kommt).

Ich hätte da zwar noch ein paar weitere Zweifel, aber das hier sind die wichtigsten. Also höre ich auf. In jedem Fall vermisse ich die Sorgfalt, die in einem so zentralen Bereich der Autonomie unbedingt notwendig wäre, wenn überhaupt ein so massiver Eingriff vorgenommen werden soll.

Siehe auch:

*) Die Bezeichnung ist eigentlich irreführend, weil sie suggeriert, dass wir heute einsprachige Schulen haben — was aber nicht stimmt.

Faktencheck Minderheitenschutz Plurilinguismo Politik Scola Service Public | CLIL/Immersion Zitać | | | Südtirol/o | Vërc | Deutsch