SZ: Politischer Prozess für Puigdemont.
Quotation 589

Thomas Urban, SZ-Korrespondent in Madrid, unterbreitet EU-Abgeordneten den Vorschlag, die parlamentarische Immunität von Carles Puigdemont (PDeCAT/JxC) und Toni Comín (JxC) nicht aufzuheben — einhegen sei besser als auszugrenzen.

Dem ehemaligen katalanischen Präsidenten sollten die anderen Parlamentarierinnen jedoch

vermitteln, dass sie ihn als gewählten Volksvertreter in den eigenen Reihen behalten wollen – falls er sich von dem Unabhängigkeitsprojekt distanziert.

Wahnsinn.

Urban, sicher kein Hardliner, glaubt tatsächlich, ein Abgeordneter könne zur Aufgabe einer demokratisch legitimen Forderung genötigt werden, mit der er ins EU-Parlament gewählt wurde. Andernfalls solle man ihn einem nationalen Gericht ausliefern, das sich — wie Urban selbst (»europäischer Justizskandal«!) feststellt — über EU-Recht hinwegsetzt.

Weit haben wirs gebracht. Der Selbsterhaltungstrieb der etablierten nationalstaatlichen Ordnung scheint so manchen den Verstand zu vernebeln.

Währenddessen wird die Separatistin Nicola Sturgeon (SNP) aber als »mutige Kämpferin gegen jene, die Europa spalten wollen« geehrt — weil sie Schottland vom Vereinigten Königreich loslösen und in der EU halten möchte.

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Democrazia Medien Nationalismus Politik Recht Selbstbestimmung | Medienkritik Quote Referendum 1-O 2017 | Carles Puigdemont Nicola Sturgeon | SZ | Catalunya Europa Spanien | EU-Parlament EuGH JxCat PDeCAT SNP | Deutsch

Crisafulli, la sanità e le lingue.

Incalzato da Salto sulla problematica dell’espulsione di medici dall’Ordine professionale e sulla necessità di parificare le lingue tedesca e italiana, il neo membro della Commissione dei sei in quota 5S, Luca Crisafulli, risponde in modo sibillino:

[S]tando allo Statuto dovrebbero essere pretes[e] entramb[e le lingue]. Del resto viviamo in una provincia in cui il bilinguismo è un valore assoluto.

ma

Nel settore della sanità ci sono degli interessi superiori, quelli della salute, che devono essere soddisfatti, il criterio linguistico non può essere l’unico su cui soffermarsi.

Risponde nei commenti Max Benedikter, medico presso l’Ospedale di Bolzano e cofondatore di Salto:

Risposta un po’ deboluccia e contraddittoria. “Nel settore della sanità ci sono degli interessi superiori, quelli della salute, che devono essere soddisfatti, il criterio linguistico non può essere l’unico su cui soffermarsi”.

Appunto. Vale in entrambe direzioni. Visto che esiste una deroga di 3anni per i colleghi italiani ad acquisire padronanza sulla lingua tedesca, allora lo stesso deve valere per i colleghi tedeschi (germanici, austriaci, ed altro…). Quindi la mancata iscrizione nel ordine dei medici in Alto Adige dei colleghi tedeschi ed austriaci impedisce la possibilità di lavorare (abuso della professione). Quindi é discriminatorio ed anti-europeo.

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Arbeit Discriminaziun Gesundheit Minderheitenschutz Nationalismus Plurilinguismo Politik Recht Service Public | Bilinguismo negato Zitać | | Salto | Deutschland Italy Österreich Südtirol/o | 5SB/M5S Sabes | Italiano

Ärztinnen mit Rückzahlungsforderungen konfrontiert.

In Südtirol werden deutschsprachige Ärztinnen aus dem Berufsverzeichnis gestrichen, wenn sie nicht ausreichend gut Italienisch sprechen. Wenn sie kein Deutsch beherrschen, ist dies nicht der Fall. In Südtirol haben Ärztinnen mit Anzeigen einer Gewerkschaft (!) zu rechnen, wenn sie an einer Fachausbildung des Gesundheitsbetriebs nach österreichischem Modell teilnehmen. Und in Südtirol ist ihr Einstiegsgehalt nur halb so hoch, wie in benachbarten Gebieten jenseits der Grenze.

Aufgrund eines Dekrets der SVP-gestützten Regierung von Matteo Renzi (damals PD) sind ihre Einnahmen zudem auf 240.000 Euro (brutto!) begrenzt — unerheblich, ob es sich um Krankenhaus- oder Basisärztinnen mit eigener Praxis handelt. Letztere müssen mit ihren Einnahmen Personal, Gerätschaften, Mieten bezahlen. Einige von ihnen sehen sich nun deshalb mit Rückforderungen des Gesundheitsbetriebs in Höhe von bis zu 400.000 Euro konfrontiert.

Schon vor wenigen Jahren sah sich ein Kinderarzt im Pustertal veranlasst, aufgrund dieser hanebüchenen Beschränkung seine gut funktionierende Praxis kurzerhand zu schließen.

Mit all diesen Schikanen haben Ärztinnen jenseits der (angeblich inexistenten) Grenze im restlichen Sprachraum nicht zu rechnen. Im Gegenteil: sie werden händeringend gesucht und mit offenen Armen empfangen. Sie müssen dafür ihren Lebens- oder lediglich ihren Arbeitsort teils nur um wenige Kilometer verlegen — in Länder mit einer höheren Lebensqualität und oft deutlich besseren Sozialsystemen. Eine neue Sprache zu lernen erübrigt sich.

All das wird sicher nicht dazu führen, dass Südtirol seinen Mangel an (zweisprachigen) Ärztinnen in den Griff bekommt. Ganz im Gegenteil. Schikanöse staatliche Normen und nationalistische Reflexe ( ) fügen unserem Gesundheitssystem aktiv und billigend großen Schaden zu. Tun wir bitte nicht so, als wäre der Mangel an ärztlichem Personal gottgegeben. Mit einer echten Autonomie wäre er viel leichter zu lösen. Oder wenigstens abzumildern.

Siehe auch:

Bürokratismus Gesundheit Gewerkschaften Grenze Nationalismus Plurilinguismo Politik Service Public Vorzeigeautonomie Wirtschaft+Finanzen Zentralismus Zuständigkeiten | Bilinguismo negato Italianizzazione | Matteo Renzi | | Italy Nord-/Osttirol Südtirol/o | ANAAO Land Südtirol PD&Co. Sabes SVP | Deutsch

Brixen: Easy parken in der via Brennero.

Neulich habe ich in Brixen auf einem öffentlichen Parkplatz geparkt und zur Begleichung der Parkgebühr mangels Bargeld die auf den Ticketautomaten beworbene Easypark-App genutzt. Die gibt es zwar auch auf Deutsch, das sieht dann aber so aus:

Man parkt auf einem Straßenparkplatz im Comune di Bressanone, zum Beispiel in der via Brennero und kann, wenn man möchte, den Codice Fiscale eingeben. Nennt sich dann vermutlich Erfüllung der Zweisprachigkeitspflicht — und zwar in einer Gemeinde mit einer absoluten SVP-Mehrheit und 72,8% deutscher Bevölkerung laut letzter Volkszählung.

Was wäre wohl in Bozen (73,8% italienische Bevölkerung) los, wenn ein ähnliches Service — in der italienischen Sprachversion — den Gemeindenamen, die Straßenbezeichnungen und weitere Begrifflichkeiten nur auf Deutsch kennen würde? Ja, nicht einmal in einer Kleinstgemeinde auf dem Lande würde sowas durchgehen.

Die Easyparkerei ist übrigens auch eine Bestätigung für meinen Hinweis, dass Amtlichkeit nicht alles ist: Straßenbezeichnungen sind — anders als die Namen der Ortschaften — schon heute auch auf Deutsch offiziell, was jedoch nicht verhindert, dass sie einfach weggelassen werden.

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Discriminaziun Minderheitenschutz Mobilität Nationalismus Ortsnamen Plurilinguismo Politik Service Public Sprachpfusch Tech&Com Vorzeigeautonomie | Bilinguismo negato Italianizzazione | | | Südtirol/o | SVP | Deutsch

Christmas Market statt Marcià da Nadel.

So wird der Weihnachtsmarkt Christmas Market von Sëlva (hier an einer Bushaltestelle im Tal) beworben:

In einer Gemeinde, wo sich 2011 knapp 90% der ansässigen Bevölkerung als ladinisch (5,15 deutsch und 5,11 italienisch) erklärt haben, wird diese einzigartige Sprache unsichtbar gemacht. Neben lingua franca nazionale und (immerhin noch) lingua franca internazionale ist — sieht man von der Zweinamigkeit des Ortes ab — auch für Deutsch kein Platz.

Man würde — diese Feststellung ist keineswegs auf Ladinien beschränkt — wohl auch die eigene Großmutter verkaufen, wenn sich damit ein paar Cent mehr verdienen ließen.

Siehe auch:

Außendarstellung Lingaz Nationalismus Ortsnamen Tourismus Wirtschaft+Finanzen | Bilinguismo negato Italianizzazione | | | Ladinia | | Deutsch

Alto Adige / Südtirol, ovvero dell’impossibilità psicologica di ritenere normale che in Italia ci siano territori di cultura e di lingua non italiana.
Frontiere naturali e culturali

di Robi Ronza

[Articolo pubblicato sul Corriere del Ticino del 17 ottobre 2019]

C’è un recente episodio che merita di venire attentamente esaminato per farsi un’idea sempre più chiara della grande distanza che — malgrado la continuità linguistica e culturale — sul piano della filosofia politica separa l’Italia dalla Svizzera italiana, in quanto parte della Confederazione Elvetica. Si tratta del polverone che si è sollevato in Italia alla notizia che in un disegno di legge della Provincia autonoma di Bolzano/Bozen l’aggettivo «altoatesino» e il nome «Alto Adige» erano stati tolti e sostituiti con le espressioni «della provincia di Bolzano» e «provincia di Bolzano».

La Provincia autonoma di Bolzano, i cui abitanti sono oggi per quasi il 70 per cento di lingua tedesca, comprende i territori germanofoni del Tirolo cisalpino che, insieme a quelli di lingua italiana (l’attuale Trentino), vennero annessi dall’Italia dopo la Prima guerra mondiale a seguito della sconfitta e poi della dissoluzione dell’Impero asburgico.

L’annessione venne legittimata in nome del principio secondo cui ci sarebbero delle “frontiere naturali”, coincidenti con la linea di spartiacque e con l’asse mediano dei maggiori bacini fluviali, che i grandi Stati formatisi nelle pianure avrebbero perciò il diritto di raggiungere a prescindere dalla volontà delle popolazioni coinvolte.

Elaborato nel secolo XVIII in Francia nel quadro delle guerre contro la Spagna per il controllo dei Pirenei, ovunque sia stato applicato il principio dello spartiacque ha condotto all’arbitrario smembramento delle comunità politiche formatesi, queste sì naturalmente, a cavallo delle grandi catene montuose e dei grandi bacini fluviali. In pratica solo la Svizzera riuscì a sfuggire a questa sorte. Altrove, dal Tirolo al Paese Basco, alle terre catalane, alle Fiandre, al Kurdistan e così via, l’applicazione del principio dello spartiacque è stato all’origine di smembramenti che hanno lasciato dietro di sé una lunga scia di disagio, di attriti e di tensioni. Nel caso della parte germanofona del Tirolo di lingua tedesca annessa dall’Italia (dove era allora di lingua tedesca l’89 per cento degli abitanti), un duro tentativo di italianizzazione forzata venne immediatamente avviato dal fascismo ben presto sopraggiunto. Senza soffermarci in dettaglio su tutto ciò che ne seguì, limitiamoci qui a ricordare che tra il 1962 e il 1969 fra l’Italia e l’Austria, in quanto patrona dei diritti dei sudtirolesi, si giunse ad un accordo garantito dall’Onu, detto “pacchetto per l’autonomia” della provincia di Bolzano, che vige tuttora.

Il “pacchetto” ha risolto tanti problemi sulla carta, ma non è bastato, né poteva bastare, a rimuovere del tutto negli italiani la diffusa impossibilità psicologica — frutto di decenni di indottrinamento nazionalistico sommerso ma non rimosso — di accettare come qualcosa di normale che ci siano parti del Paese in cui si hanno culture e si parlano lingue diverse dall’italiano. Tanto è radicata l’idea che la gente debba parlare la lingua dello Stato, e non lo Stato la lingua della gente, che viene ritenuta una generosa concessione che in un territorio in cui il 70 per cento degli abitanti è di lingua tedesca anche il tedesco sia lingua ufficiale, e nemmeno alla pari con l’italiano. Ben pochi in Italia si rendono conto che a rigor di logica e di democrazia dovrebbe essere il contrario.

Un altro sintomo del pregiudizio di cui si diceva è quello dei toponimi. La Repubblica italiana nata nel 1948 confermò infatti i 30 mila fra toponimi e micro-toponimi in lingua italiana del territorio sudtirolese laboriosamente inventati dai nazionalisti negli anni ’20 del secolo scorso e poi imposti dal fascismo (che invece ad esempio in Val d’Aosta vennero eliminati e sostituiti con gli originari toponimi francesi). Tra questi il nome «Alto Adige» che all’inizio del secolo XIX, al tempo del Regno d’Italia napoleonico, era stato dato a un dipartimento in ampia parte coincidente con l’attuale provincia di Bolzano. Con la pretesa di affermare una presunta antica italianità di quell’area si ricuperò dunque un nome risalente all’epoca di una dominazione francese. Tanto caro è però questo nome alla minoranza di lingua italiana della Provincia di Bolzano — che adesso vive il disagio tipico dei “coloni” eredi di un tentativo fallito di colonizzazione, e che oggi è obiettivamente svantaggiata — che alla notizia della sua scomparsa da un disegno di legge si è avuta la levata di scudi di cui si diceva.

Ieri il presidente della Provincia di Bolzano, Arno Kompatscher, leader della Südtiroler Volkspartei, il locale partito di maggioranza, ha gettato acqua sul fuoco annunciando che il testo del disegno di legge verrà modificato reintroducendo i due termini che erano stati espunti. Il problema politico è risolto, ma resta il problema culturale.

Vedi anche:

Comparatio Grenze Nationalismus Ortsnamen Politik | Italianizzazione | Arno Kompatscher | | Italy Südtirol/o Svizra Ticino | SVP | Italiano

Einigermaßen zweisprachige Dauererhebung.
Nachbesserungsbedarf

Die sogenannte Volkszählung wurde von einer zehnjährigen statistischen Erhebung in eine Dauererhebung umgewandelt, weshalb fortan jedes Jahr ein Teil der Bevölkerung dazu aufgerufen ist, sich daran zu beteiligen. In Südtirol wird die Zählung vom Istat in Zusammenarbeit mit dem Landesstatistikinstitut (Astat) umgesetzt.

Wer Teil der Stichprobe ist, erhält einen Brief und folgendes Faltblatt auf Deutsch und Italienisch:

Ob es auch eine ladinische Fassung für Bewohnerinnen der entsprechenden Gemeinden gibt, ist mir nicht bekannt.

Sämtliche auf dem Faltblatt angegebenen Internetadressen und Hashtags sind nur in Italienisch — und auch die damit abrufbaren Informationen gibt es nicht auf Deutsch.

Tippt man die ellenlange Adresse www.istat.it/it/censimenti-permanenti/popolazione-e-abitazioni ein, landet man zum Beispiel auf einer Seite, die neben Italienisch auch auf Englisch (keine Amtssprache) verfügbar ist:

Erst die eigentliche Seite der Online-Erhebung ist auch in den Amtssprachen Deutsch, Französisch und Slowenisch verfügbar. Größere Minderheitensprachen wie Friaulisch und Sardisch bleiben ebenso unberücksichtigt, wie etwa Ladinisch:

Auffallend ist (hinsichtlich der Konsistenz), dass hier der Text zum Logo der Dauerzählung (links: »Dauerzählungen – Bevölkerung und Wohnungen«) auch auf Deutsch übersetzt wurde, während dies auf dem deutschsprachigen Faltblatt (s. erste Abbildung) nicht der Fall ist. Dafür wurde das Datum (»6 ottobre«) vergessen.

Die gute Nachricht ist aber, dass die deutsche Fassung der Webseite deutlich besser geworden ist, als noch bei der letzten zehnjährigen Erhebung von 2011. Und dennoch liegt noch immer einiges im Argen.

Weiterführende Informationen, wie hier zur Auskunftspflicht (unter der angegebenen URL) sind in den Minderheitensprachen nicht verfügbar, was sie zu Fassadensprachen für nicht gleichwertig zu behandelnde Bürgerinnen degradiert:

Selbst noch die vom Land (oder vom Astat) eingerichtete, einschlägige Emailadresse für Südtirol lautet erstaunlicherweise censimentipermanenti.popolazionelista@provinz.bz.it:

Der Anmeldevorgang zur Eingabe der Daten ist Englisch/Italienisch, wer das Passwort vergessen hat, muss (»ripristino password«) wiederum auf Deutsch (oder eine andere Minderheitensprache) verzichten:

Die Südtiroler Ortsbezeichnungen sind in den Ausklappmenüs stets in der Reihung Italienisch/Deutsch angeführt, werden aber im Unterschied zu 2011 wenigstens auch dann erkannt, wenn nur die »deutsche« Ortsbezeichnung eingetippt wird.

Bei der Angabe ausländischer Staatsbürgerinnenschaften oder eines ausländischen Geburtslandes scheitert man mit der deutschen Landesbezeichnung jedoch ganz:

Österreich wird etwa nicht gefunden, Austria schon.

Auch nach dem Ausloggen gelangt man wiederum auf eine einsprachige Mitteilung:

Wieder einmal bleibt also trotz offensichtlichen guten Willens (aber in Ermangelung ausreichender Sorgfalt) der nationalstaatliche Quellcode deutlich erkennbar. Ohne Kenntnis der lingua franca nazionale ist es in diesem Fall vielleicht nicht ganz unmöglich, aber zumindest schwierig, ans Ziel zu gelangen. Ob das nun mehr am Astat oder am Istat liegt, ist von außen schwer zu beurteilen. In jedem Fall herrscht weiterhin Nachbesserungsbedarf.

Siehe auch:

Minderheitenschutz Nationalismus Ortsnamen Plurilinguismo Service Public Sprachpfusch Tech&Com Umfrage+Statistik | | | | Italy Südtirol/o | Astat Istat Land Südtirol | Deutsch

Wichtige Symbolpolitik.

Wir haben uns hier schon oft für politische Gesten ausgesprochen, in der Erinnerungskultur, aber auch zur Anerkennung von Vielfalt und Andersartigkeit. Der kürzlich — am 23. November — stattgefundene Besuch der beiden Staatsoberhäupter Alexander Van der Bellen und Sergio Mattarella war geradezu ein Konzentrat solcher Gesten. Anlass waren 100 Jahre Vertrag von Saint Germain und 50 Jahre Südtirolpaket.

Da war zunächst die kleine, aber lehrreiche Geste des »grünen« Bundespräsidenten als Bahnreisender.

Dann die gemeinsame Ehrung der Opfer der faschistischen und nationalsozialistischen Regimes am neuen Mahnmal des Bozner Durchgangslagers.

Mit dem — wie ich es sehe — Misston einer schwer bewaffneten Alpini-Formation und vieler Flaggen nur eines der beiden Staaten an den Balkonen der umliegenden Häuserblocks. Beides zu sehen auf dem Bild der Woche in der aktuellen ff.

Das längst überfällige und trotzdem alles andere als selbstverständliche Gedenken an das erste Südtiroler Opfer des Faschismus, Franz Innerhofer, am Ort seiner Ermordung.

Die feierlichen Reden auf Schloss Tirol, das dem zweigeteilten Land seinen Namen gibt, mit dem wichtigen Hinweis des — allerdings mit der rassistischen Lega regierenden — Landeshauptmanns, dass die Südtirolerinnen im Faschismus und im Nationalsozialismus nicht nur Opfer, sondern auch Täter waren. Mit dem Chor des Vinzentinums, das zwar die beiden Nationalhymnen (Siam pronti alla morte!), dann aber auch die Ode an die Freude in den drei Landessprachen Ladinisch, Deutsch und Italienisch vortragen durfte.

Nicht zuletzt ist auch die Anwesenheit zweier Staatsoberhäupter zu einem solchen Anlass, in einem Land mit dieser Geschichte, schon per se ein wichtiges Zeichen.

All dies gilt es nach meinem Dafürhalten aus Südtiroler Sicht dankbar und wertschätzend anzuerkennen. Bevor wir dann natürlich — auch das ist legitim und nötig — von der Symbol- zur Realpolitik zurückkehren, um dort auch zu beobachten, ob den Worten und Gesten ein Handeln entspricht.

Siehe auch:

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