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Zweisprachig von 8.15 bis 16.00 Uhr.
Sparkasse

Eine kurze Geschichte über die zunehmende Marginalisierung der deutschen Sprache in Südtirol:

»[…] Sehr geehrter Kunde, nach 16.00 Uhr können wir die Dienstleistung nur in italienischer Sprache anbieten. Wir bitten um Ihr Verständnis. Für den Dienst in deutscher Sprache stehen Ihnen unsere Mitarbeiter von Montag bis Freitag von 8.15 bis 16.00 Uhr zur Verfügung. Um das Gespräch in italienischer Sprache fortzusetzen, wählen Sie 1.« (Transkription von mir.)

Entweder es gibt bald Vorschriften, die so etwas untersagen — oder die Richtung ist vorgegeben. Selbst Regionalbanken wie Sparkasse und Volksbank, für die die Verwurzelung im Land einer der größten Wettbewerbsvorteile ist, scheren sich immer weniger um die (noch) mehrheitlich gesprochene Sprache.

Dass sich an dieser verhängnisvollen Entwicklung von selbst noch einmal etwas ändert, halte ich für äußerst unwahrscheinlich.

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Discriminaziun Minderheitenschutz Nationalismus Plurilinguismo Verbraucherinnen Wirtschaft+Finanzen | Bilinguismo negato Italianizzazione | | | Südtirol/o | | Deutsch

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Wer impft wie viel?

Nachdem es in letzter Zeit um die Impfstatistik wieder ruhiger geworden ist, habe ich mir heute die aktuellsten Daten rausgesucht. Verglichen habe ich die Euregio Tirol mit Deutschland und Italien. Und dies ist das Ergebnis:

Die Daten beziehen sich auf die Gesamtzahl der Verabreichungen, wobei nicht zwischen erster und zweiter Dosis unterschieden wird. Vorsicht ist auch deshalb geboten, weil die Werte für Südtirol und das Trentino den heutigen Stand wiedergeben, während die aktuellsten Daten für Nord-/Osttirol vom 18. Februar sind. Auch zwischen Italien (22. Februar) und Deutschland (21. Februar) gibt es Unterschiede. Trotzdem lassen sich die Größenordnungen meiner Ansicht nach vergleichen.

In Südtirol wurden zwar im Verhältnis zur Bevölkerungszahl am meisten Dosen verimpft, das heißt aber nicht unbedingt, dass wir es »besser« machen. Um ihn verabreichen zu können, muss der Impfstoff auch vorhanden sein — diese Voraussetzung ist aber nicht überall in vergleichbarem Umfang gegeben.

In jedem Fall aber sind in allen berücksichtigten Gebieten noch sehr wenige Menschen geimpft. Da ist auch der Südtiroler Vorsprung noch lange kein Grund zur Freude.

Siehe auch:

Gesundheit Umfrage+Statistik | Covid-Stats | | | Aoûta-Aosta Bayern Deutschland Friaul-Friûl Italy Lombardia Nord-/Osttirol Sardigna Schleswig-Holstein Sicilia Südtirol/o Trentino Venetien-Vèneto | Euregio | Deutsch

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Zomholten… aber mit wem?

Viel wurde während der letzten Tage schon über die Initiative Zomholten geschrieben, die dazu gegründet wurde, um während Corona Menschen in Not zu helfen. Vor allem Initiatorin Angelika K. wurde, nachdem sie zunächst unkritisch hochgelobt worden war, näher unter die Lupe genommen. Da ist von Verschwörungstheorien (bis hin zu QAnon), Ausländerfeindlichkeit, Coronaleugnung die Rede, zudem soll die Hilfsaktion zu Marketingzwecken für ein Schneeballsystem missbraucht worden sein.

Verschiedene Personen und Gruppen haben sich inzwischen von Zomholten zurückgezogen oder distanziert.

Wenig bis gar nichts war aber bislang — soweit ich weiß — über Alex K. zu hören, ebenfalls prominentes Mitglied von Zomholten und Co-Administrator der entsprechenden Facebook-Gruppe. Auf seinem persönlichen, öffentlich zugänglichen Profil trägt der Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma stolz seine Tatoos zur Schau: Blood & Honour auf den Armen, Skinhead auf dem Rücken. Da braucht man sich über die Gesinnung gar nicht mehr lang streiten.

Wer sich solchen Leuten anvertraut, macht sich mitschuldig.

Siehe auch:

Faschismen Racism | Coronavirus | | Social Media | Südtirol/o | | Deutsch

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Corona: Die Lage im Gefängnis.

Am 27. November hatte sich Ulli Mair (F) mit einer Landtagsanfrage erkundigt, wie die Corona-Lage im Bozner Gefängnis ist. Am 2. Februar antwortete LR Thomas Widmann (SVP) endlich darauf.

Demnach wurden seit Pandemiebeginn drei Häftlinge positiv auf das Virus getestet — alle im November 2020 und in derselben Zelle. Keiner von ihnen musste außerhalb der Haftanstalt versorgt werden. Sie wurden in einem getrennten Bereich untergebracht.

Bei der Gefängnispolizei gab es fünf Positive, einen im März und vier im November.

Todesfälle hat es glücklicherweise weder bei den Häftlingen noch beim Personal gegeben.

Das Personal verfügt über die nötige persönliche Schutzausrüstung (PSA), die monatlich ins Gefängnis geliefert wird.

Besuche sind derzeit ausgesetzt. Lediglich via Skype und unter Aufsicht sind Gespräche mit Menschen außerhalb der Anstalt möglich.

Siehe auch:

Gesundheit Politik Polizei | Coronavirus | Thomas Widmann Ulli Mair | | Südtirol/o | Freiheitliche Landesregierung Südtiroler Landtag SVP | Deutsch

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Red Land: Doch keine Einsicht?
Meran

Die TAZ schrieb am Mittwoch, der revisionistische Film Red Land sei »nach Kritik von mehreren Seiten« von der Homepage der Gemeinde Meran »wieder entfernt« worden. Unserem Screenshot der — nach wie vor abrufbaren — ursprünglichen Presseaussendung ist jedoch zu entnehmen, dass der Film von Anfang an nur vom 8. bis zum 11. Februar hätte verfügbar sein sollen. Also im zeitlichen Umfeld des sogenannten Tages der Erinnerung.

Dass nicht etwa Einsicht hinter der angeblichen Entfernung des Films steckt, legen auch die Aussagen von Elisabetta Rizzi (Abteilung Bildung und Kultur der Gemeinde Meran) nahe, die von Salto wie folgt zitiert wird:

Wir verstehen diese unnötigen Polemiken nicht. Wir haben den Film gesehen, der in verschiedenen italienischen Gemeinden vorgeführt wurde. Wir haben die Rezensionen der Seite MyMovies angeschaut, die sagen, dass der Film das Gefühl der Orientierungslosigkeit des 8. September der verschiedenen beteiligten Parteien ausgewogen wiedergibt. Natürlich handelt es sich um einen Film, ein fiktionales Werk und nicht um ein Lexikon, doch wir bezeichnen es nicht als nazifaschistische Propaganda. Wir fühlen uns durch die Schirmherrschaften bestätigt, die von den Institutionen vergeben wurden und von der positiven Kritik, die wir auf der Webseite gelesen haben. Ich anerkenne, dass es ein heikles Thema ist und dass es sich für politische Spekulationen eignet, wenn man möchte.

Übersetzung von mir. Originaler Wortlaut: Non capiamo queste polemiche inutili. Abbiamo visto questo film, che è stato presentato in diversi comuni italiani. Abbiamo guardato le recensioni del sito di MyMovies e dicono che rappresenta con equilibrio la sensazione di smarrimento dell’8 settembre delle varie parti in causa. Ovviamente è un film, un’opera di fantasia non un’enciclopedia, ma non lo definiamo un’opera di propaganda nazifascista. Noi ci siamo sentiti rassicurati dai patrocini elargiti dalle istituzioni e dalle critiche positive che abbiamo letto sul sito. Riconosco che è un tema delicato e che se si vuole fare speculazione politica la si può fare.

Übrigens ist jetzt auch klar, wer den Beschluss gefasst hat, den Film auf Kosten der Gemeinde anzumieten: Barbara Nesticò, Direktorin der Abteilung Bildung, Kultur und Sozialwesen. Dies ist der entsprechenden Verfügung zu entnehmen.

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Eine Topographie des Grauens.
Südtirol

Anlässlich des morgigen Yekatit 12 und der entsprechenden vom Wu-Ming-Kollektiv initiierten Aktion veröffentlichen wir auf eine eigene Topographie des Grauens für Südtirol.

Sie ist entstanden, weil ich vorhatte, Wu Ming zur Vervollständigung ihrer Karte auf weitere Orte in Südtirol hinzuweisen. Allerdings geht es bei der für Yekatit 12 geplanten Guerrillaaktion in erster Linie um Spuren des Kolonialismus, während ich es interessant fand, eine umfassendere, nicht nur zu diesem Anlass passende Bestandsaufnahme zu machen:

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Es handelt sich dabei um ein work in progress und erhebt allein schon deshalb keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Was die berücksichtigten Orte betrifft, haben wir uns unter anderem auch vom Postcolonial-Italy-Projekt inspirieren lassen.

Über Korrekturhinweise, Anregungen und Ergänzungsvorschläge — in den Kommentaren zu diesem Beitrag — freuen wir uns.

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Merano rimuove il film neofascista.
Red Land

In seguito alla denuncia pubblica di Thomas Kobler (OstWestClub), ripresa anche da , il Comune di Merano ha ora ritirato il proprio invito a visionare il film revisionista Red Land – Rosso Istria, corredato di indirizzo internet e password per accedervi gratuitamente. La raccapricciante iniziativa era comparsa in occasione della cosiddetta Giornata del ricordo, dedicata alle Vittime delle foibe ma regolarmente usata per fare propaganda neofascista, raccontando la Storia in modo parziale, decontestualizzato e autoassolutorio.

Vari storici hanno accusato Antonello Belluco (sceneggiatore) e Maximiliano Hernando Bruno (regista) di aver contribuito attivamente a un’interpretazione distorta dei fatti, con i fascisti nel ruolo dei «buoni» e i partigiani in quello dei «cattivi».

Il Comune di Merano è attualmente amministrato dalla Commissaria ed ex-prefetta Anna Bruzzese.

Come precisa Thomas Kobler su Facebook, non sarebbe ancora stato possibile chiarire chi fosse responsabile dell’inziativa e in particolare dell’acquisto della pellicola.

Vedi anche:

Faschismen Geschichte Politik | Geschichtsaufarbeitung Good News | | Social Media | Südtirol/o | OstWestClub | Italiano

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Wer trumpelt da von draußen rein?
Ex-Landtagsabgeordneter Andreas Pöder mit skandalöser Rhetorik

Am kommenden Montag soll am Silvius-Magnago-Platz neuerlich eine Protestkundgebung gegen die Corona-Maßnahmen stattfinden. Der ehemalige Landtagsabgeordnete der Bürgerunion, Andreas Pöder, ist an vorderster Front mit dabei und ließ im Vorfeld folgende trumpsche Wortspende vom Stapel. Einziger Unterschied: er tat das auf Facebook und nicht auf Twitter.

Es ist wirklich unfassbar, dass ein ehemaliger “Volksvertreter” zwar nicht explizit, aber doch wenig zweideutig zum Sturm auf die wichtigste demokratische Institution unseres Landes aufruft. Was Pöder da macht ist nahezu deckungsgleich mit der “Anstiftung zum Aufruhr”, welche dem abgewählten Präsidenten der USA vorgeworfen wird.

Dazu ein paar Gedanken: Meinungsfreiheit bedeutet, dass ich jeden Unsinn, der nicht gegen das Gesetz verstößt, ungestraft von mir geben darf. Meinungsfreiheit bedeutet nicht, dass ich dies immer und überall tun kann, dass andere mir zwingend zuhören oder gar eine Plattform bieten müssen und dass sie mich nicht kritisieren dürfen. Meinungsfreiheit heißt auch nicht, dass alle Meinungen gleichwertig sind und das gleiche Recht haben, medial verbreitet zu werden. Ein „Flat-Earther“ kann sich nicht unter Berufung auf die Meinungsvielfalt in eine Diskussionsrunde mit Geowissenschaftlern hineinzwingen.

Die Versammlungsfreiheit garantiert mir, dass ich meine Meinung – im Rahmen der Gesetze – auch zusammen mit anderen auf einer Demonstration öffentlich kundtun darf. Versammlungsfreiheit heißt nicht, dass ich aus einem lautstarken Auftreten zwingend irgendwelche Ansprüche ableiten kann.

Wer in einer Demokratie das Sagen hat, bestimmen wir nicht dadurch, wer – während eines Gesundheitsnotstandes zumal – mehr Menschen auf die Straße bringt, die „Wir sind das Volk!“ brüllen, sondern wer mehr Stimmzettel in der Wahlurne hat. Das wollte ich nur einmal gesagt haben. Angesichts eines Mobs, der im Namen des abgewählten Präsidenten das US-Parlament stürmt, und angesichts zahlreicher „Corona-Demonstranten“, die sich demonstrativ Regeln widersetzen und – bei aller berechtigten Kritik – glauben, im Besitz der Wahrheit zu sein.

Wir haben in einer Demokratie die Freiheit die Regeln mitzubestimmen aber nicht die Freiheit, uns die Regeln auszusuchen, an die wir uns halten.

– Kathrin Stainer-Hämmerle

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