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Blogspot nationalisiert das Netz.

Das grenzenlose Internet ist jetzt etwas weniger grenzenlos. Google, derzeit wohl mächtigstes Unternehmen im Netz, hat kürzlich damit begonnen, die Adressen seines Blogdienstes Blogger.com (Blogspot) zu »nationalisieren«: Leser müssen zusehen, wie das .com-Suffix der Weblogbücher nach und nach durch nationale Endungen (.de, .es oder .fr) ersetzt wird, je nachdem, aus welchem Land man auf die Seiten zugreift. Betrachtern aus Südtirol werden seitdem Inhalte mit .it-Suffix angezeigt, eine »lokale« italienische Version der Blogs. Google begründet dies mit einer flexibleren Handhabung von nationaler Zensur.

Anstatt, dass das Internet zur Abschaffung von Grenzen beiträgt, tragen immer öfter Grenzen dazu bei, auch das Internet zu zerstückeln.

Siehe auch ‹1

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8 replies on “Blogspot nationalisiert das Netz.”

wenn computer mitdenken, wird’s immer arg. ich bin ein gegner der todesstrafe, aber für den, der bei microsoft die autoformatierung bzw. -korrektur erfunden hat, würde ich eine ausnahme machen. jedes mal wenn man was neues installiert, verbringt man stunden damit, all diese automatismen abzustellen.

z.b. hab ich auf facebook die red-bull-nachrichten abonniert. obwohl mein profil deutsch eingestellt ist, bekomm ich die nachrichten immer auf italienisch. wohl weil mein “heimatort” in italien liegt. hab noch nicht herausgefunden, wie ich die deutschen nachrichten bekommen kann.

Ebenso ist es unmöglich, als in Südtirol Wohnhafter im deutschsprachigen iTunes- oder App-Store von Apple einzukaufen, es sei denn, man besorgt sich eine ausländische Kreditkarte. Trotz Grenzenlosigkeit. Trotz Binnenmarkt.

Aber wenn jemand Microsoft-Produkte benützt, ist er selber schuld ;)

Wenn jemand Apple-Produkte benützt, ist er selber schuld. inzwischen gilt man ja schon als alternativ, wenn man pc hat.

Dass man kostenlose Produkte mit einem Account auch ohne Kreditkarte bekommt, wusste ich bereits. Deshalb habe ich bewusst »einkaufen« geschrieben. An das Workaround mit den Gutscheinkarten hatte ich nicht gedacht, ist halt ziemlich umständlich. Außerdem kann ich meines Wissens jeweils nur einen Account mit dem iPhone synchronisieren. Auch dafür wird es wahrscheinlich ein Workaround geben, aber in einem einheitlichen Binnenmarkt sollte das wirklich nicht nötig sein. Ich danke dir jedenfalls für den Tipp, kann absolut nützlich sein.

Besitze selber seit Jahren einen deutschen iTunes-Account und lade mir das Guthaben immer mit (deutschen) Gutscheinkarten auf. Funktioniert tadellos und man brauch auch keine Kreditkarte, obwohl ich eine hätte.
Gab bis jetzt nie Probleme, außerdem wird mir alles in Deutsch angezeigt. nicht dass ich mit italienisch ein Problem hätte, aber die italienischen Charts, egal ob Musik oder Apps interessieren mich nicht wirklich.
Das einzige was mir Probleme bereitet hat, war als ich die TIM-App bzgl. Guthabenüberprüfunge etc. runterladen wollte. Ging nicht, Tim vertreibt diese nur im italienischen iTunes-Store, ein Hoch auf die nicht existierenden Grenzen.
Muss ich halt die Webseite direkt ansteuern…

Leider ist es eben so, dass manche Apps nur im deutschen oder nur im italienischen (bzw. einem anderen) Store verfügbar sind. In manchen Fällen wird dies wohl am Urheberrecht liegen, bei anderen — wie dem von dir genannten TIM-App — jedoch sicher nicht. Beides ist m. E. jedoch eines Binnenmarktes unwürdig. Wenn ich mir durch ein Workaround (wie etwa die Benützung der Gutscheinkarten) Zugang zum deutschen Store verschaffe, muss ich halt stattdessen auf die Produkte verzichten, die nur im italienischen vorhanden sind (aber aufgrund der Zugehörigkeit Südtirols zu Italien auch für uns relevant wären). Ich kann ja (außer vielleicht wiederum mit einem Workaround, doch wieviele tun sich einen derartigen Aufwand an?) mein Gerät mit nur einem einzigen Account bzw. Store synchronisieren.

etwas off-topic:

Liebe Leserin, lieber Leser,

erneut ist die Unabhängigkeit der italienischen Wikipedia bedroht.

Der italienische Senat diskutiert zurzeit einen Gesetzesentwurf zum Thema Verleumdung (Gesetz #3491). Sollte das Gesetz mit den Änderungsvorschlägen (3.204, 3.400 und insbesondere 3.207) angenommen werden, würde von Wikipedia verlangt werden, dass sie auf bloße Anfrage von jedem, der glaubt in seiner Privatsphäre verletzt oder verleumdet worden zu sein, ihre Inhalte ändert oder entfernt. Dieser Aufforderung wäre unabhängig von ihrer Gültigkeit Folge zu leisten. Zuwiderhandlungen könnten strafrechtlich verfolgt und mit einer Geldbuße von bis zu 100 000 Euro geahndet werden.

Wikipedia erkennt das Recht eines jeden Einzelnen an, dessen Ruf zu schützen, und freiwillige Mitarbeiter arbeiten jeden Tag an der Wahrung dieses Rechts. Wenn dieses Gesetz jedoch verabschiedet würde, müsste jede Aussage in jedem Artikel der Wikipedia unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt auf Anfrage zwingend geändert oder gelöscht werden.

Diese Forderung würde die Grundprinzipien von Wikipedia untergraben, es wäre eine inakzeptable Einschränkung ihrer Unabhängigkeit und eine einschüchternde Bedrohung gegen die fortgesetzte Arbeit der 15 Millionen Freiwilligen auf der ganzen Welt. Sie würden sich von der Arbeit an Artikeln über aktuelle Themen zurückhalten, nur um “keine Probleme zu bekommen”.

Wikipedia ist das größte Gemeinschaftswerk in der Geschichte der Menschheit: In den letzten 12 Jahren ist Wikipedia zu einem Teil der Gewohnheiten von Millionen Internetbenutzern geworden, die nach guten Wissensquellen suchen. Wissen, das kostenfrei erhältlich ist und auf den Prinzipien der Neutralität und der freien Meinungsäußerung basiert.

Die italienischsprachige Wikipedia hat fast eine Million Artikel, die täglich rund 16 Millionen Mal aufgerufen werden, aber dieses Gesetz könnte sie verschwinden lassen – für immer.

Die freie Enzyklopädie gehört uns allen. Lassen wir nicht zu, dass sie verschwindet.

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