Feiger Einschüchterungsversuch.

Heute Nacht ist es zu einem hinterfotzigen Gewaltanschlag auf ein Flüchtlingsheim in Vintl gekommen, bei dem mittels mehrerer Molotow-Cocktails glücklicherweise nur Sachschäden verursacht wurden. Das ist ein offensichtlich rassistisch motivierter Akt gegen Menschen, die vor untragbaren Zuständen in ihrer Heimat geflüchtet sind, aber auch gegen alle, die eine tolerante, solidarische und inklusivistische Gesellschaft wünschen. Dagegen müssen wir gerade in solchen Augenblicken zusammenstehen, wenn wir es mit der »Freiheit« ernst meinen. Gewalt ist, zumal in einem demokratischen Land, kein legitimes Mittel der Politik — aber vielleicht sollten wir in Hinkunft auch zunächst »harmloser« wirkende Formen von Rassismus und Intoleranz im politischen Alltag deutlicher verurteilen. Sie bieten den Radikalsten einen fruchtbaren Nährboden.

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11 replies on “Feiger Einschüchterungsversuch.”

Schlimm, dass es solche menschenverachtende Anschläge auch in Südtirol gibt. Leider erreichen derartige Anschläge und subtilere Formen der Gewalt gegen Flüchtlinge, indirekt häufig ihr politisches Ziel.
So ist es ein offenes Geheimnis, dass in bestimmten europäischen Ländern, entgegen jeglicher Vernunft, eine raschere Erteilung der Staatsbürgerschaft für ImmigrantInnen bzw. schnellere Erteilung von Arbeitsgenehmigungen für Flüchtlinge, eine Konzession an nationalistische Kreise darstellt.
Und wir sollten uns auch bewusst sein, dass die europäische Flüchtlingspolitik ein menschenrechtliches Desaster ist.
Wichtig ist uns Europäern letztendlich nur, dass die Flüchtlinge nicht kommen. Ob dies über ein Sponsoring von nordafrikanischen Despoten geschieht, die die Flüchtlinge in KZ-ähnlichen Strukturen abfangen oder Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken ist dann einerlei.

“Es gibt keine einheitlichen Kriterien für die Anerkennung von Flüchtlingen, es gibt keine Lastenverteilung, es gibt nur eine harsche Flüchtlings-Abwehrpolitik. Europa schützt die Grenzen, aber nicht die Flüchtlinge”, so die Süddeutsche Zeitung in ihrer gestrigen Ausgabe, S4.

@ niwo

d’accord. zudem beginnt “gute flüchtlingspolitik” eben nicht erst im direkten umgang mit den menschen, sondern vor allem mit einem nicht hypokritischen umgang mit anderen regionen der welt (absage an despotentum) und mit fairer wirtschaftlicher zusammenarbeit (statt erpressung mittels monopolen, iwf und weltbank usw.).

Als ich Anfang der 80er-Jahre in den “Dolomiten” um Verständnis für die Roma-Flüchtlinge aus Mazedonien warb (ich habe eine Zeit lang im Roma-Viertel Shutka in Skopje gelebt und viele gute Menschen kennengelernt), erhielt ich prompt Morddrohungen, natürlich anonym. Der Anschlag auf die Flüchtlinge hat mich wieder daran erinnert, ich fühle mich mit betroffen.

Hoyerswerda im südlichen Tirol?

Wer kennt nicht den Namen dieser Stadt, wo vor 21 Jahren ausländerfeindliche Pogrome stattfanden. In der Nacht auf den 3. Mai 2012 wurde eine Grenze überschritten, die in unserem Land nie wieder überschritten werden darf.

Unser Land, das für uns das Wort “Heimat” bedeutet, und Heimat, die für uns Schutz bedeutet, muss diesen Schutz für alle Menschen, die hier leben, garantieren. Es kann nicht angehen, dass blinder Rassenhass auf fruchtbaren Boden stößt. Die Feigheit dieses Anschlags, der glücklicherweise keine Menschenleben gefordert hat, ist unglaublich und zeugt von einer Hinterlistigkeit seinesgleichen.

Was bleibt, und was auch niemand einschätzen kann, sind die psychischen Folgeschäden der betroffenen Menschen. Das sind Narben auf der Seele, die sicherlich nicht so schnell verheilen werden und die diesen Menschen ihre Form von Heimat, die sie bei uns bis jetzt gefunden haben, nicht so schnell zurückgeben werden.

Wir müssen diese Tat verurteilen und abwehren. Es darf zu keinem Hoyerswerda, Mölln oder Rostock-Lichtenhagen kommen. Deshalb sprechen wir den betroffenen Flüchtlingen unsere Solidarität aus und die Hoffnung, dass sie die Hoffnung auf eine sorgenfreie Zukunft nicht fallen lassen. Wehret den Anfängen, heute und in Zukunft.

Mjr. Günther Morat
Kultur- und Bildungsreferent [der Südtiroler Schützen, Anm.]

Freut mich sehr, dass sich die Schützen ohne wenn und aber von diesem Anschlag distanzieren — ganz anders übrigens, als die Freiheitlichen, die euch das friedliche Zusammenleben predigen wollen. Ich bin nach wie vor fassungslos über die Aussagen der örtlichen F-Gemeinderäte, die die Tat nur auf aktive Nachfrage verurteilen und selbst dann sofort verständnisvolle Sätze, gar Rechtfertigungen und den Hinweis nachschieben, dass das »erst der Anfang« war. Auf der sonst recht fleißig aktualisierten Homepage der F-Gemeinderatsfraktion steht bis heute kein Wort über den Brandanschlag. Zum Kotzen.

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