Virus: Gastlichkeit nur gegen Bezahlung.

Nicht nur in Katalonien, auch im nahen Nord- und Osttirol sollen Corona-Patientinnen und unter Quarantäne Stehende in nun ohnehin leeren Hotels untergebracht und versorgt werden.

Und hierzulande? Während viele andere ihren Beitrag leisten, lese und höre ich bislang nicht davon, dass jemand seine großzügig geförderte Bettenburg freiwillig zur Verfügung gestellt hätte. Aber auch nicht, dass die Landesregierung diesbezügliche Zwangsmaßnahmen in Erwägung zöge. Im Land der Luxushotels darf die gemeine Bevölkerung die Quarantäne nach wie vor in ausrangierten Militärquartieren aussitzen.

Dafür zitiert Rai Südtirol Busunternehmer Thomas Rauch wie folgt:

Viele vor allem rumänische Arbeiter in den Hotels versuchen mit Flügen noch rauszukommen. Das sind teils tragische Geschichten, die sie erzählen. Von einigen Hoteliers wurden sie einfach vor die Tür gesetzt.

Wo bleiben da Solidarität und Menschlichkeit? Manche Damen und Herren, die zahlende Kundschaft aufs Vorzüglichste zu versorgen wissen, sind wohl außerstande, ihren nicht mehr benötigten Mitarbeiterinnen auch nur Ansätze von Gastlichkeit zukommen zu lassen.

Das ist viel empörender, als die etwaige Abweisung von Zweitwohnungsbesitzerinnen, deren oft späte Flucht den Beigeschmack von Sozialdarwinismus hat.

Wir halten zusammen? Nicht wirklich.

Siehe auch:

Gesundheit Medien Migraziun Militär Politik Racism Solidarieté Soziales Tourismus Wirtschaft+Finanzen | Coronavirus Zitać | | Rai | Catalunya Nord-/Osttirol Südtirol/o | Land Südtirol | Deutsch

Il virus sovrano.
Quotation 596

[L]e procedure democratiche vengono sospese da disposizioni prese nel segno dell’emergenza. Un decreto di qua e un decreto di là: così cittadine e cittadini finiscono per accettare «misure» che dovrebbero garantirne la sicurezza, ma che in effetti ne limitano fortemente la libertà. I provvedimenti presi negli ultimi giorni da governo e regioni – in ordine sparso – sono emblematici. Si giunge fino a chiudere i luoghi della cultura, a vietare manifestazioni e riunioni. Sono «misure» che hanno – inutile dirlo – un sapore autoritario e un carattere inquietante.

È indubbio che si usi biecamente la paura per governare. Proprio per questo il sovranismo, soprattutto quello anti-immigrati, non è una riedizione del vecchio nazionalismo. È un fenomeno nuovo: fa leva sul timore dell’altro, l’allarme per ciò che viene da fuori, l’ansia della precarietà, la voglia di esserne immuni.

La democrazia immunitaria è perciò un’inedita forma di governance dove la politica, ridotta ad amministrazione, per un verso si rimette al dettato dell’economia planetaria, per l’altro si autosospende abdicando alla scienza – «facciamo parlare gli esperti!» – che s’immagina oggettiva, vera, risolutiva. Come se la scienza fosse neutra e neutrale, come se non fosse già da tempo strettamente connessa con la tecnica, altamente tecnicizzata.

Il coronavirus, questo virus sovrano già nel nome, si fa beffe del sovranismo d’eccezione, che vorrebbe grottescamente profittarne. Sfugge, glissa, passa oltre, varca i confini. E diventa metafora di una crisi ingovernabile, di un crollo apocalittico. Ma il capitalismo, lo sappiamo, non è un disastro naturale.

da un commento della filosofa Donatella Di Cesare apparso sul Manifesto (1 marzo 2020)

Vedi anche:

Democrazia Gesundheit Grundrechte Migraziun Nationalismus Politik Repression Sicherheit Wirtschaft+Finanzen | Coronavirus Quote | Donatella Di Cesare | il manifesto | Italy | | Italiano

Immigration und Vertrauen in die EU.
Südtirol sticht hervor

Der Chapel Hill Expert Survey (CHES) untersucht und klassifiziert schon seit 1999 die politischen Positionen europäischer Parteien. Diese umfassende Datenfülle hat nun der EU Science Hub der Europäischen Kommission genutzt, um die EU-Wahlergebnisse von 2014 und 2019 in sämtlichen rund 80.000 Wahlkreisen der damals noch 28 Mitgliedsstaaten zu analysieren.

Insbesondere wurde geschaut, wo zuwanderungs- und EU-feindliche Parteien in welchem Ausmaß gewählt werden — um daraus im Abgleich mit sozialen, ökonomischen und demographischen Faktoren Schlüsse ziehen zu können.

Interessant finde ich aus – und aus Südtiroler Sicht, wie unter anderem Schottland (roter Pfeil), Wales (gelb), Katalonien (orange), aber auch Südtirol (blau) in der entsprechend eingefärbten Kartographie hervorstechen — als Gebiete, in denen migrationsfeindliche Parteien bei der EU-Wahl 2019 besonders wenige Stimmen erhalten haben.

Pfeile von hinzugefügt.

Dies gilt in weniger ausgeprägtem Maße auch für das Baskenland (grüner Pfeil). Die durch den schwarzen Pfeil gekennzeichneten Gebiete im Westen — aber auch jene im Süden — von Finnland dürften mit dem Siedlungsgebiet der schwedischen Minderheit übereinstimmen.

Betrachtet man die Ergebnisse nach Staaten, konnten migrationsfeindliche Parteien insbesondere in der Slowakei, aber auch in Polen, Tschechien, Ungarn und Italien hohe Stimmenanteile gewinnen.

Was die Ergebnisse EU-feindlicher Parteien betrifft, sind die Ergebnisse diffuser:

Auch in diesem Fall sticht Südtirol im Kontext des italienischen Staates als Gebiet hervor, wo EU-feindliche Positionen besonders wenig Erfolg hatten. Dies gilt auch für Schottland, während sich etwa Katalonien und Baskenland nicht vom restlichen Spanien unterscheiden.

Parteien, die der europäischen Einigung skeptisch gegenüberstehen, konnten vor allem in Italien und Ungarn — aber auch in England — stark punkten.

Siehe auch:

Quelle: Immigration and trust in the EU (EU-Kommission 2020). Gebiete, in denen von CHES erfasste Parteien weniger als 70% der Stimmen erreicht haben, wurden nicht berücksichtigt.

Migraziun Nationalismus Politik Umfrage+Statistik | Europawahl 2014 Europawahl 2019 Good News | | | Baskenland-Euskadi Catalunya Europa Finnland-Suomi Italy Scotland-Alba Spanien Südtirol/o Wales-Cymru | EU | Deutsch

STF bewertet Schülerinnen nach Herkunft.

Wieder einmal schlägt die STF Alarm, weil es in Südtirol (drei) Kindergärten und (drei) Grundschulen mit deutscher Unterrichtssprache gibt, die von mehr Kindern ohne als von Kindern mit italienischer Staatsbürgerinnenschaft besucht werden.

Dabei sagt erstens die Staatsangehörigkeit, zumal bei Kindern, rein gar nichts über die Sprachkenntnisse aus: Es gibt (no na!) genug italienische Staatsbürgerinnen, die kein Deutsch sprechen, genauso wie sich unter den sogenannten »Ausländerinnen« deutsche, österreichische und schweizerische Kinder — oder eben Kinder, die in Südtirol geboren und aufgewachsen sind — befinden können.

Zweitens beschwert sich die STF in genauso regelmäßigen Abständen darüber, dass die Zuwandernden die »Italiener von morgen« seien. Es dann in ihrer Pressemitteilung als »bittere Realität in Süd-Tirol«, »besonders besorgniserregend« und »besonders erschreckend« zu bezeichnen, wenn die deutsche Schule viele Kinder (auch mit Migrationshintergrund oder aus der italienischen Sprachgruppe) anzieht, ist hanebüchen und paradox. Freudensprünge wären angemessener.

Sicher: da wo es die Situation — und nicht irgendwelche nichtssagenden Zahlen — verlangt, sollen Inklusions- und Integrationsmaßnahmen gesetzt werden. Ein konservierender Minderheitenschutz hat hingegen keinen Sinn.

Siehe auch:

Kohäsion+Inklusion Lingaz Migraziun Minderheitenschutz Politik Racism Scola Service Public Umfrage+Statistik | | | | Südtirol/o | STF | Deutsch

Kostenlose Sprachkurse für alle.
Québec

In Québec könnten Französischkurse schon bald für alle, die ihren Hauptwohnsitz in der Provinz haben, kostenlos werden. Das ist der Vorschlag der wichtigsten Oppositionspartei, der Parti libéral du Québec (PLQ), der bei Ministerpräsident François Legault (CAQ) auf offene Ohren stößt. Die Maßnahme soll demnach nicht mehr — wie bisher — auf Zuwandernde aus dem Ausland beschränkt sein, damit auch Anglophone aus Kanada in den Genuss der kostenlosen Sprachkurse kommen. Ihre Französischkenntnisse reichen heute Erhebungen zufolge vielfach nicht aus, um ein Alltagsgespräch zu führen.

Siehe auch:

Bildung Kohäsion+Inklusion Migraziun Minderheitenschutz Plurilinguismo Politik | affirmative action Best Practices | | | Canada Québec | | Deutsch

Gesundheit: Einsprachig in den Tod?
Zur neuen Kampagne der STF

Die STF hat eine krasse Kampagne zum Recht auf Gebrauch der Muttersprache im öffentlichen Gesundheitssystem ins Leben gerufen. Ob sie mit solchen Bildern — die entsprechenden Plakate zeigen eine Leiche mit Fußkärtchen, auf dem »Hier stirbt das Recht auf Gebrauch der Muttersprache« steht — der Sache einen Dienst erweist, wage ich stark zu bezweifeln.

Sicher ist auf der anderen Seite aber auch, dass die Gleichstellung der deutschen und der italienischen Sprache in unserem öffentlichen Gesundheitssystem immer mehr unter die Räder kommt. Die Behandlung von Patientinnen in ihrer eigenen Sprache finden Kommentatorinnen ungeachtet ihrer ideologischen Herkunft wichtig (vgl. ). Darüberhinaus werden die schwerwiegenden Risiken von Sprachbarrieren in diesem sensiblen Bereich auch von wissenschaftlicher Seite untermauert. Die Erkenntnisse gehen sogar in die Richtung, dass ein mehrsprachiges Gesundheitssystem letztendlich kostengünstiger sein kann, als der Verzicht darauf.

Es handelt sich also um ein Recht, das man bei klarem Verstand eher ausdehnen sollte, als es einzuschränken — sowohl auf die Ladinerinnen, als auch nach Möglichkeit auf Sprecherinnen anderer Sprachen sowie auf die Gebärdensprache(n). Trotz schwieriger Umstände und allgemeinen Ärztinnenmangels.

Hierfür müssten aber alle Beteiligten an einem Strang ziehen und auch die Arbeitsbedingungen möglichst attraktiv gestaltet werden. Womit konkurrenzfähige Gehälter genauso gemeint sind, wie ein ernstzunehmendes, solides Engagement für die Mehrsprachigkeit (tatsächlich funktionierende Sprachkurse, kontinuierliche Sensibilisierung des Personals, entsprechende Dienstplangestaltung…). Außerdem müssen zur Überbrückung von Notständen auch unkonventionelle Lösungen angedacht werden.

Ein absolutes No Go ist hingegen die einseitige Gewährung von Ausnahmeregelungen wie jener zum Erlernen der zweiten Sprache binnen mehrerer Jahre. Wenn dies sowohl für deutsch- wie italienischsprachige Ärztinnen und Pflegerinnen gilt, bleibt wenigstens die Möglichkeit gewahrt, Turnusse so zu gestalten, dass Patientinnen jeweils eine Behandlung in ihrer Muttersprache garantiert werden kann. Wird dies — wie derzeit — faktisch nur einsprachig italienischem Personal ermöglicht (weil einsprachig deutsche Ärztinnen aus der Kammer geworfen werden), kippt die Situation wohl unweigerlich in eine Richtung, die kaum noch die Zweisprachigkeit sicherstellt. Außerdem handelt es sich um offene Diskriminierung.

Dass Landtagsabgeordnete aller Couleur beschlossen hatten, gegen diese Ungerechtigkeit vorzugehen, stimmt zuversichtlich. Doch noch wurde das Problem nicht gelöst. Und die Zeit drängt.

Bei der STF vermisse ich leider jegliche Differenzierung.

Siehe auch:

Discriminaziun Gesundheit Migraziun Minderheitenschutz Plurilinguismo Politik Recht Service Public | Bilinguismo negato Italianizzazione | | | Südtirol/o | Sabes STF | Deutsch

Hinter dem Ethnopluralismus.
Quotation 579

Die Idee des Ethnopluralismus ist eine Tarnstrategie. Wie man strategisch vorgeht, wird beispielsweise sehr gut in einem Beitrag aus dem Jahr 1973 in der Zeitung »LA-PLATA-RUF«, herausgegeben von Wilfried von Oven, dem ehemaligen Goebbels-Adjutanten, illustriert:

»Wir müssen unsere Aussagen so gestalten, dass sie nicht mehr ins Klischee des ›Ewig-Gestrigen‹ passen. Eine Werbeagentur muß sich auch nach dem Geschmack des Publikums richten und nicht nach dem eigenen. Und wenn Kariert Mode ist, dann darf man kein Produkt mit Pünktchen anpreisen. Der Sinn unserer Aussagen muß freilich der gleiche bleiben. Hier sind Zugeständnisse an die Mode zwecklos. In der Fremdarbeiter-Frage etwa erntet man mit der Argumentation ›Die sollen doch heimgehen‹ nur verständnisloses Grinsen. Aber welcher Linke würde nicht zustimmen, wenn man fordert: ›Dem Großkapital muß verboten werden, nur um des Profits willen ganze Völkerscharen in Europa zu verschieben.‹ Der Sinn bleibt der gleiche: Fremdarbeiter raus! Die Reaktion der Zuhörer aber wird grundverschieden sein.«

Das Identitäre Wir grölt heute nicht: »Ausländer raus!«, sondern entwirft ethnoplurale Konzepte. Die Verschiedenheit der Völker gelte es zu respektieren, deshalb solle man die Völker nicht entwurzeln. Grenzverwischungen seien zu vermeiden, die Unvereinbarkeit der Lebensweisen und Traditionen anzuerkennen. Zugrunde gelegt wird ein essentialistisches Kulturverständnis, in dem Kulturen als quasi-naturwüchsige Gebilde erscheinen, die man nur um den Preis der eigenen Identitätsaufgabe verändern könne. Der Begriff »Ethnopluralismus« soll den offensichtlichen Rassismus des Identitären Wir verdecken. Dazu dienen auch ethnoplurale Phrasen, so etwa »100% Identität – 0% Rassismus«.

aus Manemann, Jürgen, Demokratie und Emotion – Was ein demokratisches Wir von einem identitären Wir unterscheidet (S. 21f), transcript Verlag Bielefeld, 2019

Siehe auch:

Faschismen Migraziun Nationalismus Politik Publikationen Racism Wirtschaft+Finanzen | Quote | | | | | Deutsch

Eins, zwei…
Südtirol rappt sich ab.

Von der Welt nahezu unbemerkt hat ihr eigener Untergang begonnen, an ihrem Nabel stülpt sie sich gerade langsam — vor Scham? — nach innen weg. Oder ist es nur das Abendland, das sich da klanglos verabschiedet? Die Staatsanwaltschaft wird uns Genaueres sagen, sobald die Ermittlungen abgeschlossen sind. Derweil will Lega-Landesrat Vettorato (oder Vettori, die heißen alle gleich) überprüfen lassen, ob Sozialschmarotzertum vorliegt. Der Klimawandel ist unschuldig, Greta auch, diesmal sind es andere Kinder, angeblich aus Sinich, mit echten Spielzeugwaffen und mehrsprachiger Musik. Schickt uns endlich mehr Polizei.

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