Fahrt zur Hölle.

Heute bin ich zufällig an der neofaschistischen Bar »la Destra« in Bozen vorbeigekommen. Direkt an der Eingangstür wird dort per Aushang eine feine Bildungsreise nach Predappio zum Grab des »DVCE« angeboten: Beitrag 20.- Euro.

Beunruhigend, was sich da am helllichten Tage mit (zu) weitgehender Duldung durch BürgerInnen, Medien und Institutionen abspielt.

Wo bleibt »Odessa«? Wo eine Reaktion des eifrigen Verteidigungsministers?

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6 replies on “Fahrt zur Hölle.”

was heisst da: zu weit gehende duldung der bürger

die bürger haben doch keinen anspruch darauf jemanden von einer pilgerreise, egal wo sie hingeht, abzuhalten

als liberale gesellschaft muss man in manchen situationen wohl weniger tolerant mit nicht-liberalen ideen umgehen um die liberalität langfristig nicht aufs spiel zu setzen. im vorliegenden fall wäre es wohl ein zu grosser eingriff in die freiheit der pilger.

Es geht nicht “nur” um diese Pilgerfahrt, sondern darum, dass in Bozen ein Treffpunkt von Neofaschisten (und es ist nicht der einzige) stillschweigend geduldet wird.

Ein islamischer Gebetsraum im Gewerbegebiet, ein Poster des Schwulenverbandes, ein Pornofilm-Abend stören und werden offen angefeindet, ein Faschotreff in unmittelbarer Schulnähe wird nicht einmal thematisiert.

Ich bin jedenfalls nicht der Meinung, dass wir die Liberalität unserer Gesellschaft durch Feinde der demokratischen Ordnung missbrauchen lassen sollten. Für eine wehrhafte Demokratie.

“Ich bin jedenfalls nicht der Meinung, dass wir die Liberalität unserer Gesellschaft durch Feinde der demokratischen Ordnung missbrauchen lassen sollten.”

dies sieht wohl jeder demokrat so

ein liberaler gesteht jedem mensch zu ein sozialist, ein faschist oder kommunist zu sein. das gehört zu jedermans recht. ein sozialist muss nicht unbedingt jemand sein der andere in ihrem bestand verletzen will, nur weil er andere ideale hat.
ich kann mich noch an schily erinnern: präventiv freiheiten einschränken um freiheit zu garantieren.
wer diesen anspruch erhebt delegitimiert seine eigene argumentation wenn er sich dabei wieder auf die freiheit beruft.

Faschismus ist im Staate Italien (einzigartig in Europa) scheinbar nicht verboten. Außerdem wissen wir mittlerweile, dass bei deutschsprachigen Neonazis die Staatsgewalt (richtigerweise) hart durchgreift, bei italienischsprachigen Neonazis (oder Faschisten, wie man will) jedoch keinen Finger rührt.
Im Kleinen kann man dies eigentlich schon Rassismus nennen, wenn das Gesetz Unterschiede zwischen den Ethnien macht. Obwohl die politischen Tendenzen total gleich sind, hängt es scheinbar davon ab, ob ich deutsch oder italienisch spreche. Sehr bedenklich in einer Demokratie wie ich finde.

Was ich viel alarmierender finde, als eine etwaige Ungleichbehandlung deutscher und italienischer Nazis ist die von pérvasion angedeutete neue “Normalität” dieser Regierung: Eine ANTI-Faschismus-Kundgebung ruft postwendend eine Gegenreaktion aus Rom hervor, während faschistischen Nestern mit “Toleranz” begegnet wird.

Gegen die Verherrlichung des Faschismus oder gegen menschenfeindliche Äußerungen ist meines Wissen nie ernsthaft vorgegangen worden. Ich denke da an die Mussolini-Büsten an Raststätten, Weinetiketten oder auch Äußerungen eines Herrn Bossi oder eines Herrn Borghezio und und und.

Was die Bozner Rechten anbelangt, wusste man schon immer, in welchen Lokalen sich die Sympathisanten trafen. Jetzt steht wenigstens drauf, was drin ist.

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