Richard Theiner wird nicht LH.

Laut aktuellster Meldung hat Richard Theiner (SVP) seine parteiinterne LH-Kandidatur zurückgezogen. Damit blieben nur noch die Kandidaturen von Arno Kompatscher und Elmar Pichler-Rolle aufrecht.

Theiners Entscheidung, deren Gründe zum jetzigen Zeitpunkt unbekannt sind, ist ein wesentlicher Schritt in Richtung sinnvoller und notwendiger Erneuerung. Gegen Erneuerung als Selbstzweck hatte ich mich bereits geäußert, in diesem Fall jedoch gibt es handfeste Gründe, sie zu befürworten: Mit dem Ausscheiden von Landeshauptmann Durnwalder sollten — aus politischer Sicht — möglichst viele Exponenten, die seine Ära begleitet hatten, die Szene verlassen, da sie (direkt oder indirekt, selbst wenn aus juristischer Sicht unschuldig) mit den zuletzt aufgedeckten Skandalen und Unsitten in Vebindung gebracht werden können.

Vor wenigen Tagen hatte der Sozialtisch seine Unterstützung für Kompatscher publik gemacht. Ein starkes Signal, da Richard Theiner als »Arbeitnehmer« der natürliche Kandidat für die sozialdemokratische Seele der SVP gewesen wäre.

Nachtrag (15.55 Uhr): Laut TAZ begründet Theiner seinen Rückzieher mit angeblich unfairem Verhalten Arno Kompatschers.

Siehe auch 1/

Politik/ · · Arno Kompatscher/ · TAZ/ · · SVP/ ·
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23 replies on “Richard Theiner wird nicht LH.”

wobei das 1.) immer SVP-interne Sandkastenspiele sind. Zum Schluss entscheidet der Wähler. Theiner kann z.B. bei den LT-Wahlen trotzdem noch am meisten Vorzugsstimmen innerhalb der SVP-Liste bekommen. Das würde jeden anderen LH-Kandidaten sehr schwächen. Und 2.) kann ein starkes Absacken der SVP dazu führen, dass (endlich) auch andere Parteien bei der LH-Bestellung durch den Landtag etwas mitzureden haben.

Das erste mal, das im Südtiroler Politzirkus Facebook eine größere Rolle spielt. Habe mich gewundert, wieso das so lange gedauert hat…

Theiner ist sicher nicht nur wegen der Anfeindung Kompatschers zurückgetreten. Der Landeshauptmann hat ihn doch schon vorher mit seinen Ausagen im Interview mit der Tiroler Tageszeitung praktisch demontiert.

Ich kann auch da nichts wirklich Schlimmes finden. Dass der Beliebteste nicht immer der Beste ist sagt Durnwalder ja grundsätzlich, um seine Skepsis gegenüber Basiswahlen zum Ausdruck zu bringen und nicht, um Theiner anzugreifen.

An und für sich halte ich Durnwalders Aussage aber für einen Angriff auf die Demokratie — denn was sollte diesbezüglich bei der Basiswahl anders sein, als bei einer Landtagswahl? Auch dort könnte man argumentieren, der Wähler würde nicht die Besten, sondern die Beliebtesten belohnen. Übrigens war Durnwalder selbst ja (siehe Vorzugsstimmen) immer wieder einer der Beliebtesten, womit er sich auch einige Male gebrüstet hat.

Allein dieses Zitat reicht doch (TT vom 31.03.):
… Der Südtiroler Landeshauptmann verhehlt jedoch nicht, dass es in der Partei den Wunsch nach Erneuerung gibt. “Das bekommt sogar Theiner zu spüren, weil auch er schon seit Jahren in der Politik ist.” Kein Verständnis hat Durnwalder für die Ankündigung Theiners, dieser werde sich als Parteiobmann zurückziehen, sollte er bei der Basiswahl verlieren. “So darf man nicht in eine Wahl gehen. Wenn man schon vorher Bedingungen stellt, ist das kein guter Start.”

Also ich weiß nicht, kann man noch deutlicher werden?
Und das lässt man dem Adressaten über eine ausländische Zeitung ausrichten. Das macht Durnwalder normalerweise, wenn er über Rom schimpft!

Zwischen dieser Kritik und »kaum ein gutes Haar an einem Kandidaten lassen« sehe ich einen großen Unterschied. Gerade die Aussage zum »Wunsch nach Erneuerung« sehe ich nicht einmal als Angriff… er sagt ja, das bekomme »sogar« Theiner zu spüren. »Sogar« bedeutet für mich, dass er es nicht für ganz angemessen hält.

Und ob man eine Tiroler Zeitung als »ausländisch« bezeichnen kann? Klar, streng genommen ist sie es — andererseits ist es »dasselbe Land, aber ein anderer Staat«.

Also gut, das mit der “ausländischen Zeitung” nehme ich zurück. Er hätte Theiner das aber auch einfach unter vier Augen oder am Telefon sagen können.

Eine Kurzschlussreaktion, ein verspäteter Aprilscherz … anders kann ich mir das nicht erklären, das ergibt für mich rational betrachtet keinen Sinn.

Was erreicht er denn mit dem Rückzug seiner LH-Kanidatur ?
– eine Verbesserung des Gesprächsklimas innerhalb der Partei? Nein.
– eine Diskussion über politischen Stil in der breiten Öffentlichkeit? Nein.
– ein Imageschaden Arno Kompatshers? Nein.
– mehr Glaubwürdigkeit, mehr Integrität? Nein.

Egal, wie ich es drehe und wende, der Schuss geht für Theiner nach hinten los.

vielleicht, dass man mit sich selbst im reinen ist? eine kategorie die vielen absolut unerklärlich zu sein scheint

vielleicht weil man sich zu recht fragt “chi me lo fa fare?”

vielleicht weil es einer menschlichen größe bedarf, jenseits vom billigen machtgehabe, diesen schritt zu tun?

ich jedenfalls habe großen respekt vor diesem schritt und bedaure den rückzug außerordentlich. für die allermeisten ist der rückzug ja etwas was nie im bereich des möglichen ist.

ich fürchte jetzt können wir wählen zwischen einem der seit über 25 jahren in der politik ist und irgendentwas von erneuerung faselt und einem der von lobbys und medien am gängelband geführt werden wird.

vielleicht, dass man mit sich selbst im reinen ist? eine kategorie die vielen absolut unerklärlich zu sein scheint

vielleicht weil man sich zu recht fragt ”chi me lo fa fare?”

vielleicht weil es einer menschlichen größe bedarf, jenseits vom billigen machtgehabe, diesen schritt zu tun?

Könnte alles sein… dann wäre es aber eher kontraproduktiv, einen ziemlich harmlosen Facebookeintrag als Begründung anzugeben.

am großen und ganzen hat kompatscher fein säuberlich argumentiert. das posting hat mehr substanz als die meisten politikerreden, die man sonst so zu hören bekommt. der berlusconi-vergleich ist vielleicht nicht ganz nett, aber wenn das jetzt schlammschlacht ist und dem theiner noch nie was schlimmeres passiert ist, können wir uns bzw. er sich glücklich schätzen.

p.s. ich bin kein freund von negativwahlkämpfen. ich verabscheue schlammschlachten. ich hab auch großen respekt vor einer verantwortungsbewussten “rücktrittskultur”. aber was kompatscher da geschrieben hat, hat nicht viel mit schlammschlacht zu tun und was theiner da macht nichts mit “rücktrittskultur”.

Jetzt sehen mal wieder alle in Kompatscher einen Messias (Obama, Monti, Schuler). Seine Aussagen weisen ihn wohl eher als primitiven Populisten aus, dem nichts zu blöd ist. Allerdings hat er seit Monaten geschickt intrigiert; ein großer Teil der Partei (darunter auch eigentliche Theiner-Unterstützer wie die Arbeitnehmer) sowie die Gebrüder Ebner sowie die öffentliche Meinung blablabla stehen hinter ihm und sehen in Theiner einen Vertreter der “bösen” alten Garde. Aber vielleicht ist es für einen Politiker ja durchaus ein positives Charakteristikum, ohne Rücksicht auf die Gegner intrigieren zu können.

Das läßt sich wohl nur damit erklären, dass sich Theiner seiner Sache nicht sicher war. Anscheinend musste er, nachdem schon klar war, dass sich auch Kompatscher der Vorwahl stellen würde, von Freunden dazu gedrängt werden, in den Ring zu steigen.
Der Facebook Eintrag von Kompatscher ist, abgesehen vom Berlusconi Vergleich, ja ziemlich vernünftig und sachlich.
Inhaltlich weitgehend eine sehr gute Stellungnahme mit der Relativierung des populistischen Vorschlages der “günstigeren Strompreise” was ökologisch und ökonomisch tatsächlich grober Unfug ist. Auch Norwegen verkauft den Sprit nicht günstiger, nur weil das Land Erdöl exportiert, sondern legt die Überschüsse in einen Zukunftsfond an, der letztendlich dem norwegischen Volk gehört. So etwas wäre auch für Südtirol anzustreben, vorausgesetzt wir haben diese Chance mit dem Riesen Schlamassel, den uns Durnwalder hinterläßt, nicht sowieso verwirkt. Allein bei der Konzession um das St. Anton Kraftwerk geht es auf den Zeitraum von 30-Jahren bezogen um eine knappe Milliarde Euro.
Das war nun alles etwas off-topic, aber vielleicht sollte in schwierigen Zeiten wie den jetzigen generell wieder über wichtigere Themen diskutiert werden und nicht über eine parteiinterne Vorwahl.

Mit menschlicher Größe oder sonstigem Pathos hat dieser Rücktritt mMn nicht viel zu tun. Ich denke, dass er sich knallhart die Rechnung gemacht hat. Theiner hatte ja angekündigt, wie auch bei den Parlamentswahlen, im Falle einer Niederlage als Obmann zurückzutreten. Ich vermute nun einfach mal, dass sich so eine Niederlage jetzt abzeichnet und er sich so mit der erstbesten Gelegenheit elegant aus der Affäre gezogen hat, damit er zumindest Obmann bleiben kann. Weil der FB-Eintrag an sich ist ja Pipifax, da ist man in Italia ja anderes gewöhnt (Hurenböcke, Schlampen,…).

also ich bin froh, dass es noch leute gibt, denen ein vergleich mit berlusconi zutiefst zu wider ist.
wer die pk gesehen hat, ahnt, dass das populistische fb-posting wohl der berühmte tropfen zu viel war. vorher schon konnte sich der lh an keine wortmeldung theiners in der landesregierung erinnern – wieder mal so eine erinnerungslücke? die saint ebner brothers nahmen’s dankend an
auch von der parteileitung fühlte sich niemand bemüßigt kompatscher zu widersprechen als er in theiner einen wendehals fehl-diagnostizierte
ich erwarte, dass noggler/schuler die langjährige position theiner&energie demnächst aus ihrer sicht darlegen

Ich finde den Kommentar Komaptschers insgesamt sehr gut – den Berlusconi-Bezug hätte er sich sparen können, ist aber weiter kein persönlicher Angriff. Von einer Schlammschlacht zu sprechen finde ich hingegen etwas hoch gegriffen.
In der SVP ist wohl niemand mehr einen richtigen Wahlkampf gewohnt. Bisher war alles vorgekaut, höchstens der Verdauungsprozess hinterließ manchmal ein paar Spuren.
Und wenn ich das Theiner-Interview zum Rücktritt sehe, muss ich sagen, dass es gut so ist.
Wenn bei diesem kleinsten Gegenwind die Haut bröckelt, möchte ich nicht wissen wie er reagiert, wenn er als LH scharf beschossen wird.

Zu Theiners Verteidigung muss man sagen, dass es einen Unterschied macht, ob die Angriffe von außen oder von der eigenen Partei kommen. Allerdings hätte er sich das bei einer Basiswahl, wo sich der Wahlkampf zwangsläufig innerparteilich abspielt, erwarten müssen. Insgesamt bin ich (für mich persönlich) zum Schluss gelangt, dass wohl andere Gründe für Theiners Rücktritt ausschlaggebend waren — dann hätte das Theiner jedoch auch sagen sollen… dafür hätte er wahrscheinlich mehr Respekt geerntet.

Theiner hat schon via Facebook gestern Abend noch andere Gründe genannt: https://www.facebook.com/theiner.im.dialog/posts/451388241602671
1) Unfairer innerparteilicher Wahlkampf, 2) Sache (Neuausrichtung Strompolitik) ist wichtiger als Person, 3) Obmann kann keine Grabenkämpfe machen
Das Ganze klingt aber genau so wenig überzeugend wie die Reaktion auf den ungeschickten Berlusconi-Vergleich.
In Wirklichkeit hat er in den letzten zwei Wochen erkannt, dass er trotz des persönlichen Erfolgs bei den Parlamentswahlen nicht den Hauch einer Chance gegen Kompatscher hat. Bei einer Niederlage hätte er die Obmannschaft ablegen müssen (selbst so angekündigt) und wäre sehr geschwächt in den Herbstwahlkampf gegangen. So erhofft er sich jetzt durch die Mitleidstour bessere Chancen zu haben.

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