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Riskantes Unterfangen?
Der Zentralismus im Kopf

Die TAZ schreibt heute auf der Titelseite:

Der zweite Sonderweg
Obwohl die römische Regierung Südtirol nach wie vor als rote Zone einstuft, wagt der Landeshauptmann “vorsichtige Öffnungen”. Ein riskantes Unterfangen.

Den ganzen Artikel habe ich zugegebenermaßen nicht gelesen. Doch ich will bewusst diese Darstellung auf Seite 1 kommentieren, weil sie symptomatisch für die Bewertung der Corona-Maßnahmen im Lande ist.

Dass auch ich kein Fan zu schneller — womöglich unüberlegter — Öffnungen bin, habe ich bereits an anderer Stelle dargelegt.

Doch was genau hat das schon wieder mit Rom zu tun? Entweder die epidemiologischen Daten, der politische Wille, die Vorkehrungsmaßnahmen in Südtirol geben (bei aller Unwägbarkeit) eine Öffnung her oder nicht.

Wären wir — nicht nur rechtlich, sondern vor allem im Kopf — autonom, würden wir darüber debattieren, und nicht stets alles im Lichte römischer Entscheidungen betrachten, die zudem äußerst undurchsichtig sind.

Außerdem würden wir uns an den Ländern mit den besten Ergebnissen orientieren und nicht an jenem einzigen, das hier bestimmen würde, wenn wir unsere Autonomie nicht hätten oder nicht wahrnähmen.

Ich selbst bin der Meinung, dass die Landesregierung am Ende des Sommers falsche Entscheidungen gefällt hat, was — im Zusammenspiel mit einem noch immer schlecht vorbereiteten Gesundheitssystem und dem Verhalten vieler Menschen — zur extrem schlechten Lage der letzten Wochen geführt hat.

Die Maßnahmen und das Risiko in Südtirol stets nur aufgrund ihrer Strenge im Vergleich zu jenen Roms zu beurteilen, bringt uns m.M.n. jedoch nicht weiter.

Siehe auch:

Gesundheit Medien Vorzeigeautonomie Zentralismus | Coronavirus Medienkritik Zitać | Arno Kompatscher | TAZ | Italy Südtirol/o | Landesregierung SVP | Deutsch

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»Blödes Geoblocking.«
Quotation 637

[Geoblocking] baut digitale Grenzbalken in die EU, nimmt keine Rücksicht auf Minderheiten, und (fast) niemand schert sich drum.

Aber zurück ins Kino. Das ist geschlossen, aber online ist das österreichische Kino offen. Der VOD-Club der österreichischen Programmkinos ist so eine Plattform, oder Flimmit. Unter dem Motto „Streamen auf österreichisch“ bietet sie alles an, was es im Nachbarland an Film und Fernsehen gibt. Aber Flimmit sagt mir knallhart: „Sie befinden sich gerade in Italien. Zur Zeit ist Flimmit nur für Einwohnerinnen und Einwohner folgender Länder verfügbar: Österreich, Schweiz, Deutschland“. Dazu gehöre ich nicht.

Der einzige Weg zu Flimmit, VOD oder ins THW-Festival ist eine VPN-Adresse. Sie anonymisiert meine Identität. VPN-Adressen gibt es zu kaufen. Illegal sind sie also nicht, aber ein teurer Umweg, und immer öfter werden VPN-Adressen ebenfalls blockiert.

Renate Mumelter in Blödes Geoblocking (TAZ Online, 22.11.2020)

Siehe auch:

Cultura Discriminaziun Grenze Lingaz Minderheitenschutz Nationalismus Recht Tech&Com | Geoblocking Quote | | TAZ | Deutschland Italy Österreich Südtirol/o Svizra | EU | Deutsch

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Maskenpflicht im Freien.
Quotation 633

Während in Italien jetzt eine allgemeine Maskenpflicht im Freien herrscht, muss in Südtirol die Maske im Freien nur aufgesetzt werden, wenn die Abstände nicht eingehalten werden können. Reicht das?

Aerosole, bei denen 1,5 Meter Abstand nicht ausreichen würden, spielen im Freien keine Rolle. Es gibt kein belegtes Beispiel für eine Aerosol-Übertragung im Freien. Kann man im Freien die 1,5 Meter einhalten, dann ist man quasi nicht gefährdet. Tatsächlich kennen wir keine großen Infektionsketten, die im Freien stattgefunden haben.

Ulf Dittmer, Virologe, im TAZInterview vom 10. Oktober

Gesundheit Medien | Coronavirus Quote | | TAZ | Italy Südtirol/o | | Deutsch

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Zanin will kein Duell auf Deutsch.

Angeblich reichen die Deutschkenntnisse des rechten Bozner Bürgermeisterkandidaten Roberto Zanin nicht für ein TV-Duell mit Renzo Caramaschi auf Rai Südtirol. Dies berichtet die Tageszeitung. Er habe nicht nur eine Person benannt, die ihn bei der Fernsehdebatte vertreten soll, sondern auch darum gebeten, das Format ganz fallen zu lassen. Noch vor wenigen Tagen hatte Zanin in den sozialen Medien behauptet, ihm liege die deutsche Sprache »seit Jahren« (sic) sehr am Herzen — so sehr, dass er den gut 25% Bürgerinnen deutscher Muttersprache in der Landeshauptstadt eine Wahlsendung in ihrer Sprache am liebsten streichen lassen würde.

Zanin, der unter anderem von postfaschistischen Kräften unterstützt wird, hat es als jahrelanger Vizepräsident des FC Südtirol und Bewohner der mehrheitlich deutschsprachigen Gemeinde Eppan offenbar nie für nötig befunden, die größte Landessprache so gut zu lernen, dass er darin eine kurze Diskussion führen könnte. Trotzdem möchte er am Sonntag zum Bürgermeister der Landeshauptstadt gewählt werden.

Die Boznerinnen wissen Bescheid.

Nachtrag vom 2. Oktober 2020: Das Duell hat gestern Abend dann doch stattgefunden. Das Sprachniveau beider Kandidaten war dem angestrebten Amt leider nicht angemessen.

Siehe auch:

Democrazia Medien Plurilinguismo Politik | Bilinguismo negato Gemeindewahl 2020 | Renzo Caramaschi | Rai Social Media TAZ | Südtirol/o | | Deutsch

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Hurra, Zanin spricht Deutsch!

Südtirol ist jenes Land mit dem weltbesten Minderheitenschutz, wo man sich wochenlang über einen Jagdaufseher lustig macht, der kein gutes Italienisch spricht. Das nimmt eine Zeitung zum Anlass, »nachzufragen«:

Schwärzung von uns.

Derselben Zeitung ist es aber eine feuchte Schlagzeile wert, wenn ein Anwärter auf das Bürgermeisteramt der Landeshauptstadt Deutsch spricht — gebrochen, nicht in freier Rede und auch erst nach dem ersten Wahlgang.

Niemand fragt nach, warum der Herr, der Südtirols Stadt mit der größten deutschsprachigen Gemeinschaft regieren möchte, »nicht so gut Deutsch spricht«. Genauso übrigens, wie sein Kontrahent.

Dabei ist Deutsch eine der beiden Amtssprachen von Bozen und offiziell immerhin die Muttersprache von über einem Viertel seiner Einwohnerinnen.

Dieser krasse Unterschied in der Bewertung von Sprachkenntnissen sagt meiner Meinung nach einiges über den sozialen Status der beiden Sprachen als lingua franca nazionale (Italienisch) und Minderheitensprache (Deutsch) aus. Von Gleichstellung kann — auch in den Köpfen — keine Rede sein.

Immerhin aber hat Zanin angekündigt, er wolle sich bemühen, sein Deutsch zu verbessern. Als lebte er erst seit drei Monaten in Südtirol.

Siehe auch:

Medien Minderheitenschutz Nationalismus Plurilinguismo Politik | Gemeindewahl 2020 Italianizzazione Medienkritik | | TAZ | Südtirol/o | | Deutsch

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15° compleanno del suffisso catalano.

Esattamente quindici anni — un decennio e mezzo — fa nasceva il suffisso internet che non poteva esistere: il punto cat per la Catalogna, o meglio, per la comunità catalanofona della rete. Presentata la candidatura all’autorità competente, l’ICANN, il 16 marzo 2004 col sostegno esplicito di 98 entità e associazioni, 2.615 imprese e 65.468 individui dall’associazione puntCAT, nonostante importanti pressioni politiche avverse, nell’aprile successivo si apriva ufficialmente una fase di trattativa — che il 16 settembre 2005 sfociava nella creazione del nuovo suffisso.

Il primo dedicato a una comunità regionale, ha poi fatto da apripista a moltissimi altri territori e città che nel frattempo si sono dotati di una propria identità in rete.

Non fa parte di questa comunità di «autonomie digitali» il Sudtirolo, che nonostante i diversi annunci non ha mai ufficialmente intrapreso la strada verso la creazione di un proprio dominio. Anzi, nel 2013 — a ormai quasi un decennio dall’attivazione del suffisso catalano — Tageszeitung dichiarava praticamente impossibile l’ottenimento di una identità telematica indipendente per la nostra terra.

Vedi anche:

Außendarstellung Föderal+Regional Tech&Com Vorzeigeautonomie | | | TAZ | Catalunya Südtirol/o | | Italiano

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‘Unmögliches’ Coronagesetz: keine Anfechtung.
Falsche Prophezeiungen

Der autonome Weg aus dem Lockdown hat sich also gelohnt: trotz lauten und wiederholten Säbelrasselns hat nun die römische Regierung um Ministerpräsident Conte (und Regionenminister Boccia (PD)) beschlossen, das Südtiroler Corona-Gesetz nicht vor dem Verfassungsgericht anzufechten.

Es war Anfang Mai mit 28 Ja bei nur einer Gegenstimme und sechs Enthaltungen vom Landtag genehmigt worden und bildet nach wie vor die rechtliche Grundlage für den eigenständigen Umgang mit der Pandemie im Land.

Im Vorfeld war das Gesetz nach beliebter Südtiroler Façon als utopisch und unmöglich bezeichnet worden. Stichwort »Corona-Selbstbestimmung«.

Einige Beispiele:

Insgeheim wissen Philipp Achammer & Co. ganz genau, dass Südtirol in Sachen Corona nie einen Sonderweg einschlagen kann (das erklärt am Dienstag in der TAGESZEITUNG auch der Verfassungsrechtler Karl Zeller ganz klar).

Die Corona-Selbstbestimmung, erschienen in der TAZ am 28. April

[D]ie Autonomie Südtirols gründet sich auf der Geschichte und der besonderen Situation der Sprachgruppen im Lande. Die Autonomie steht in keinem Zusammenhang mit der Coronakrise. Im Gegenteil.

Pressemitteilung der Südtiroler Grünen vom selben Tag, mit der die Autonomie auf den Minderheitenschutz begrenzt wird

Im Grunde weiß jeder halbwegs politisch Gebildete in Südtirol, dass der von der SVP am Montagabend angekündigte Südtiroler Sonderweg in Sachen Corona – also eine Corona-Selbstbestimmung – schlicht und ergreifend nicht möglich ist.

Spiel mit dem Feuer, ebenfalls am 28. April in der TAZ erschienen

Verfassungsrechtler und ehemalige Abgeordnete, die er gehört habe, stuften diesen Entwurf als verfassungswidrig ein. Er habe den Eindruck, dass die Landesregierung dies wisse, aber mit diesem Gesetz Zeit gewinnen wolle. Dieses Gesetz greife in die Öffnungszeiten im Handel ein, also in eine staatliche Zuständigkeit. Der Landeshauptmann sei laut Statut für die öffentliche Sicherheit nur in genau aufgezählten Bereichen zuständig. Es gehe bei der Verabschiedung dieses Gesetzes auch um die rechtliche Verantwortung; bei Verordnungen liege sie beim Landeshauptmann, bei Landesgesetzen beim Landtag, und jeder Landtagsabgeordnete habe seinen Eid auf die Verfassung abgelegt.

Hanspeter Staffler, Abgeordneter der Grünen, am 7. Mai im Landtag

Wenn sich diese konservative und defätistische Sichtweise durchgesetzt hätte, hätte Südtirol vorauseilend auf wesentlichen autonomen Handlungsspielraum verzichtet. Jetzt sofort, aber auch als Präzedenzfall für die Zukunft.

Wieder einmal hat sich gezeigt, wie unbedacht Wörter wie »unmöglich«, »utopisch« oder »unrealistisch« in den Mund genommen werden. In vielen Fällen sind es Totschlagargumente, die wichtige gesellschaftliche und politische Entwicklungen im Keim ersticken können.

Siehe auch:

Democrazia Gesundheit Medien Politik Recht Staat vs Land Vorzeigeautonomie Zentralismus Zuständigkeiten | Coronavirus Good News Medienkritik Zitać | Francesco Boccia Giuseppe Conte Hanspeter Staffler Karl Zeller Philipp Achammer | LPA TAZ | Italy Südtirol/o | Land Südtirol Landesregierung Südtiroler Landtag Vërc Verfassungsgericht | Deutsch

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Covid: Medienvielfalt erhalten!
Ein dringender Aufruf

Als kleiner, ehrenamtlicher Blogger habe ich absolut kein Verständnis dafür, wie mit dem bescheidenen Bittsteller Michl E. des regionalen Medienmonopunternehmens A. (Unkenntlichmachung von mir) umgegangen wird. In einem leider öffentlich gewordenen, bescheidenen Brief an den Landeshauptmann und drei weitere Regierungsmitglieder bedauert E., dass das Land Südtirol (im Unterschied zu Nord-/Osttirol) nur sehr wenig Geld bereitstellt, um die Bevölkerung über die wichtigsten Covid-Maßnahmen zu informieren — nur weil dann etwas Kleingeld auch bei Firma A. landen könnte.

Der Shitstorm war (o tempora, o mores!) zu erwarten. Doch als kleiner, ehrenamtlicher Blogger halte ich es für eine Unverfrorenheit, auf die satte Medienförderung oder auf die vielen, teuren Inserate der öffentlichen Verwaltungen zu verweisen. Was allein Domainregistrierung und Webspace kosten, weiß ich aus eigener Erfahrung. Herr E. , im Hauptberuf auf ein bescheidenes Beamtengehalt angewiesen, hat sicher noch weitere Kosten (Mieten, Angestellte…) zu stemmen, von denen wir einfachen Menschen gar keine Ahnung haben. Auch höhere Zugriffszahlen oder gestiegene Einnahmen aus den Todesanzeigen können das sicher nicht wettmachen! Deshalb ist die Frage, ob seine Medien Information nicht auch ohne öffentliches Geld machen könnten, purer Zynismus.

Für mich ist jetzt klar: Entweder stellt sich diese unfähige Landesregierung endlich hinter die wirklich Bedürftigen — oder ich kleiner, ehrenamtlicher Blogger sehe mich gezwungen, ein Spendenkonto für Herrn E. zu eröffnen. Das wäre tragisch, aber die Rettung der Medienvielfalt im Lande wäre es mir wert.

Der Brief von M. E. wurde heute von der Tageszeitung publiziert.

Siehe auch:

Medien Politik Satire Wirtschaft+Finanzen | Coronavirus | Arno Kompatscher Arnold Schuler Philipp Achammer Thomas Widmann | Athesia TAZ | Nord-/Osttirol Südtirol/o | Land Südtirol Landesregierung SVP | Deutsch