Rechtschreibung ade.

Der Spiegel: Rechtschreipkaterstrofe.Der Spiegel widmete seine Titelgeschichte von Ausgabe 25/13 der zunehmend schlechter werdenden Rechtschreibung der Schüler. Ein Grund für diese Entwicklung sind laut Spiegel die Unterrichtsmethoden, welche nicht in der Lage sind, insbesondere schwächeren Schülern, eine korrekte Rechtschreibung zu vermitteln. Dahinter steckt viel Ideologie, ob den Kindern sozusagen die Rechtschreibung aufdoktriniert oder ob sie sich selbst die korrekte Schreibweise beibringen sollen, im Grunde ein altes 68er-Thema. Bei der Methode “Lesen durch Schreiben” dürfen die Kinder anfangs so schreiben, wie es ihrer Vorstellung nach richtig ist, im Laufe der Zeit sollte sich dann die Rechtschreibung von selbst ergeben. Dieser Wunsch geht allerdings nur bei besonders begabten Schülern in Erfüllung. Für alle anderen Schüler mit durchschnittlicher Begabung und bei solchen mit einer Rechtschreibschwäche ist die Methodik geradezu katastrophal:

“Deutschlands Schüler werden so zunächst systematisch zu Rechtschreibanarchisten erzogen – um sie dann mühsam wieder aus der fremd verschuldeten Unfähigkeit zu befreien. […] Lange haben Eltern das hingenommen. Doch allmählich wächst der Widerstand, Kritiker finden sich zusammen. Alarmiert von Studien, die einen erschreckenden Verfall der Orthografie bei deutschen Schülern offenbaren, warnen Linguisten und Didaktiker, Pädagogen und Hirnforscher: Vor allem Risikokinder, die in einer spracharmen Umgebung oder mit Deutsch als zweiter Sprache aufwachsen, lernen so möglicherweise nie richtig schreiben. Gleiches gilt für Mädchen und Jungs, die zu einer Legasthenie neigen.”

Der Artikel spricht mir aus der Seele, seit Jahren beobachten meine Frau und ich schlechte Rechtschreibleistungen bei unseren Kindern. Zur Zeit habe ich drei schulpflichtige Kinder, jeweils in einer Südtiroler Volks-, Mittel- und Oberschule. Alles begann mit der Einschulung unseres ältesten Sohnes vor elf Jahren. Erstmalig wurde an unserer Schule “Lesen durch Schreiben” erprobt. Anfangs waren wir recht begeistert, unser Sohn schien schnell schreiben zu lernen, die offensichtlichen Fehler sollten wir aber nicht ausbessern, denn die Schüler sollten sich ihre Rechtschreibkompetenz selbst erarbeiten. Skeptisch wurden wir in den darauffolgenden Jahren, als sich das schriftliche Deutsch unseres Sohnes angesichts der Schulstufe einfach nicht bessern wollte. In Gesprächen mit den Lehrern wurde dies als nicht weiter bedenklich eingestuft, auch wenn wir zunehmend Zweifel bekamen, ob diese Methode wirklich die gewünschten Ergebnisse bringen würde. Schlussendlich wurde unser Sohn getestet, es wurde eine durchschnittliche Rechtschreibleistung festgestellt. Er besucht nun die vierte Oberschule und leider ist das Niveau der Rechtschreibung nicht tolerierbar. Auch bei meinen anderen zwei schulpflichtigen Kindern sind die Rechtschreibleistungen im Vergleich zu unserer Generation deutlich schlechter. Seit Jahren machen meine Frau und ich auf diesen Missstand aufmerksam, ohne allerdings Gehör zu finden. Die Lehrer der Oberschule bemängeln das Niveau der Schüler, welche aus der Mittelschule kommen, die Lehrer der Mittelschule wiederum das Niveau der Schüler beim Übertritt von der Volks- zur Mittelschule.

Wir hatten und haben das Gefühl, dass die Schule auf diesem Gebiet nicht ihrem gesellschaftlichen Auftrag nachkommt. Da wir aber beide keine Pädagogen sind, konnten wir nur an die Lehrer appellieren, doch wieder mehr Wert auf die Rechtschreibung zu legen — bisher allerdings erfolglos. Das Fass zum Überlaufen brachte dieses Jahr eine Volksschullehrerin, die auf die Bitte meiner Frau nach besserer Rechtschreibkontrolle uns damit vertrösten wollte, dass sie sagte, in Zukunft sei das nicht mehr so wichtig, da bald die Computer alle Rechtschreibfehler korrigieren werden! Das war für uns der absolute Tiefpunkt, wir fragen uns, was bei diesem Berufsstand an Selbstreflexion und Berufsstolz übriggeblieben ist. Schleierhaft ist für uns auch die Rolle des Pädagogischen Institutes, welches zwar bestens besetzt ist, aber anscheinend von den Mängeln in der Schule nichts mitbekommt. Stattdessen werden an den Schulen munter weiter zahlreiche Projekte betrieben, vor lauter Kartoffelwochen, Bananenkoffer, Theater und Musicals bleibt den Schülern kaum Zeit, die Grundlagen von Lesen, Schreiben und Rechnen zu erlernen. Im Übrigen wird kaum Knabenspezifisches gemacht, unsere Söhne haben die Volksschule mit all dem Gesang und “kindischen” Basteleien in schlechtester Erinnerung.

Ein weiterer Problemfall ist der Italienischunterricht, auch hier ist ein Fehler im System zu attestieren, allein des Durchblättern der Lehrhefte zeigt, dass diese den Vergleich mit den englischen Lehrbüchern nicht standhalten, nach mehr als 10 Jahren Italienischunterricht ist unser Sohn kaum imstande ein paar Sätze auf Italienisch zu sprechen, wohingegen Englisch, obwohl erst seit der 4. Volksschule Unterrichtsfach, deutlich besser gelingt. Unserer Meinung nach gibt es hier ein didaktisches Problem, das aus politischen Gründen nicht thematisiert wird. Viele aktive Lehrer haben unseren Eindruck bestätigt.

Was tun? Es genügt nicht mehr, diese Defizite in Expertenkreisen zu diskutieren, hier braucht es eine gesamtgesellschaftliche Diskussion, wohin die Schule steuern soll. Nicht die elende Diskussion über die Fünf- oder Sechstagewoche sondern die schonungslose Offenlegung der Unterrichtsdefizite sollte im Mittelpunkt stehen. Nachdem meine Generation der Vierzigjährigen in der Schulzeit sicherlich zu wenige Schulprojekte erlebt hat, muss angesichts dieser Auswüchse und Negativleistungen eine Gegenreaktion erfolgen, eine Besinnung auf traditionelle Kompetenzen, allen voran Lesen, Schreiben, Rechnen. Ansonsten droht uns, wie mir bereits mehrfach Arbeitgeber berichteten, eine wahre Flut von kaum vermittelbaren Schulabsolventen.

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23 replies on “Rechtschreibung ade.”

Das Pendel will oder kann bei solchen Reformen nicht in der Mitte angehalten werden, sondern schlägt voll zur anderen Seite durch, um mal ein bildliche Beschreibung zu nehmen. Scheinbar kann man in der Schule neue Lehrsätze nur im “totalem” Ausmaß übernehmen und positive oder gute Ansätze, die sich in der Vergangenheit bewährt haben, werden beiseite geschoben, anstatt diese mit neuen Formen des Unterrichts zu verbinden. Schade, den die Auswirkungen beschreibt der Artikel von succus sehr gut!

Und über den italienisch Unterricht will ich gar nicht erst anfangen. Bis zur Matura sind es ungefähr 2.000 Unterrichtstunden und ich brachte trotzdem keine halbwegs zivilisierten Sätze zustande und war damit in der Klasse keineswegs in der Minderheit. Aber hey, wenigstens haben wir die letzten drei Oberschuljahre damit verbracht über die italienische Literatur im Mittelalter bis zur Neuzeit, einschließlich Dantes Divina Commedia zu “philosophieren”…

Flo da gebe ich dir Recht, auch ich glaube, dass reformpädagogische Ansätze einmal richtig und gut waren. Allerdings wird vieles übertrieben und die Auswüchse erst zu spät erkannt. Jetzt müsste das Pendel mal in die andere Richtung zurückschwingen.

Aber hey, wenigstens haben wir die letzten drei Oberschuljahre damit verbracht über die italienische Literatur im Mittelalter bis zur Neuzeit, einschließlich Dantes Divina Commedia zu ”philosophieren”…

Bei uns war’s absolut der gleiche Jammer — zum Glück konnte ich bereits Italienisch. Aber jetzt muss es ja CLIL sein, anstatt dass man mal damit beginnen würde, im Italienischunterricht (richtig) Italienisch zu unterrichten.

Zur Verteidigung der Lehrer muss ich sagen, dass diese meist nicht hinter dieser Ideologie stehen, sondern vom Gesetz zu solchem gendergerechten, kompetenzorietierten, sprachzentrierten Unterricht gezwungen werden. Sie könnten zwar trotzdem an den althergebrachten Methoden festhalten, was bei “normalen” bis guten Schülern auch positiv aufgenommen werden würde. Das Problem sind die Schüler, welche durchfallen: hier hagelte es von Seiten der Eltern sofort Rekurse, wenn auch nur ein Komma im Gesetzestext übersehen würde. Da so ein Rekurs schnell teuer werden kann (abgesehen von Anwalts- und Gerichtsspesen auch Schadenersatz für ein “verlorenes Jahr”, vom Lehrer aus eigener Tasche zu bezahlen, sofern keine eigene Versicherung), fügen sich die Lehrer den Vorschriften und stoßen seufzend in das selbe Horn (abgesehen von ein paar Emanzen und grün-alternativen, die den Unsinn auch noch glauben…).
P.S. Beim Italienischen scheitert es wohl nicht nur an der Unterrichtsmethode…

Man kann nicht ausschließlich den Lehrern alles in die Schuhe schieben. Sie müssen sich auch nur an sinnlos, pädagogische Anweisungen halten! Was ihre Arbeit auch noch erschwert, ist folgende Tatsache (gefunden in ARD Themenwoche):
Skandale wie der Fall der Rütli-Schule oder der andauernde PISA-Schock offenbaren grobe Fehlleistungen im deutschen Bildungssystem. Die Lehrer sollen nicht nur die Leistungen ihrer Schüler verbessern, sondern in vielen Fällen auch noch die Aufgaben der Eltern übernehmen. Gerade die jüngste Diskussion um das Versagen der Hauptschulen hat gezeigt, dass dies auch ein gesellschaftliches Problem ist. Schon heute sorgen manche Lehrer dafür, dass ihre Schüler ein Frühstück bekommen, kümmern sich um private Angelegenheiten, gehen in die Familien, müssen – um überhaupt unterrichten zu können – ihren Schülern grundlegende Dinge wie Pünktlichkeit, Verlässlichkeit, Ordnung beibringen. Wissen zu vermitteln, ist dabei nur noch eingeschränkt möglich. Dafür sind sie aber eigentlich ausgebildet – nicht für die Rolle als Elternersatz. Für solche Aufgaben müssten an Schulen vermehrt Erzieher und Sozialpädagogen eingestellt werden, die mit ihrer Arbeit die Lehrer entlasten und damit das Lern- und Schulklima verbessern. Mithelfende und engagierte Eltern finden sich häufig vor allem dort, wo auch die Schüler eher unkompliziert und leistungsstärker sind. Dabei fällt die Grenze zwischen Mithilfe und Einmischung in die schulische Bildung und Erziehung oft sehr schmal aus, zumal das Vertrauen der Eltern in die Lehrer seit Jahren sinkt. 2004 waren es nur noch 32 Prozent der Bundesbürger, die ein großes Vertrauen in die Lehrer hatten. Mithilfe der Eltern setzt allerdings ein Vertrauen in die Arbeit der Schule und Lehrer voraus, denn es geht dabei nicht um die elterliche Einmischung in Lehrpläne und den Unterricht, sondern um die Unterstützung der Lehrer.

Genau deswegen habe ich geschrieben, dass es eine gesamtgesellschaftliche Diskussion braucht. Ich wollte in keinem Fall ein generelles Lehrer-Bashing betreiben. Die von dir geschilderten Probleme und Zusatzaufgaben, die Lehrer übernehmen müssen, sind sicherlich auch eine Folge gesellschaftlicher Entwicklungen. Gleichzeitig fragen wir uns als berufstätige Eltern von vier Kindern, wieso wir zu Hause die Grundlagen von Lesen, Schreiben, Rechnen nachholen müssen, währenddessen in den Schulen munter Projekte veranstaltet werden.

Bin absolut deiner Meinung. Das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem.
Denn würden munter die munteren Schulprojekte gestrichen werden, würden sich die Eltern wiederum munter beklagen, wie ach so streng die liebe Schule ist. ;-)

Hier in Südtirol wird viel über Autonomie geredet. Es wäre gut wenn die Schulen auch eine Form von Autonomie hätten, damit sie tun können was im Interesse ihrer Schüler ist, und nicht nur tun müssen was vom Geldgeber vorgeschrieben wird. Dann würden zum Beispiel die von succus beschriebene, scheinbar immer noch benützte, Rechtschreibungsmethode ‘Lesen durch Schreiben’ den Platz bekommen, den sie verdient: den Papierkorb.

Durch das LG 12/2000 haben die Schulen bereits weitgehende Autonomie erhalten. Das Problem ist die unüberschaubare Anzahl an Gesetzen (die ältesten noch gültigen sind Königliche Dekrete aus dem Jahr 1924!!!), die sich teilweise widersprechen und so den Lehrer immer angreifbar für Rekurse macht. Deswegen wird im Zweifel der Schüler durchgeschoben, was dieser natürlich irgendwann spitzkriegt und entsprechend sein Engagement “anpasst”. Die Unterrichtsmethoden an sich kann der Lehrer frei wählen, doch müssen diese im Einklang mit den Bildungsstandards, auch bekannt als Rahmenrichtlinien, sein. Auch hier die selbe Geschichte: bevor man sich gegen irgend einen Rekurs angreifbar macht, zieht man lieber den Unterricht laut RRL durch, und das führt irgendwann zwangsläufig zu den ganzen Projekten.

Ich glaube auch nicht, dass die Schulautonomie in diesem Bereich ein Allheilmittel ist, wie Schuurbiers sagt. Wissen die Lehrer vor Ort denn wirklich immer besser, welcher Theorie bzw. Erkenntnis sie Vertrauen schenken können? Wohl kaum. Besser wäre es nach meiner Ansicht, wenn sich das ’Pädagogische Institut’ Arbeit und Ergebnisse vor Ort genauer ansehen und entsprechende Richtlinien und Empfehlungen ausarbeiten würde. Was nützt es, wenn jeder einzelne Lehrer erst am eigenen bzw. am Leib seiner Schüler erfahren muss, ob eine Lernmethode funktioniert?

Dass »Lesen durch Schreiben« zentral verordnet wurde und flächendeckend angewandt wird glaube ich ohnehin nicht.

Wissen die Lehrer vor Ort denn wirklich immer besser, welcher Theorie bzw. Erkenntnis sie Vertrauen schenken können? Wohl kaum.

Dazu sind sie schließlich ausgebildet worden. Und da jede Klasse, jeder Schüler anders ist, macht es auch keinen Sinn, wenn das PI Richtlinien ausgäbe. Adaptivität ist nicht umsonst eine der Kernkompetenzen, die von einer Lehrpersonen gefordert werden. Genauso gut könntest du sagen:”Stellt denn der Hausarzt wirklich immer die richtige Diagnose? Besser wäre es, das Gesundheitsministerium würde vereinheitlichte Diagnoseverfahren für alle Patienten einführen.”
Das Problem ist eher, dass die Schulautonomie in einem zentralen Punkt nicht greift, und zwar bei der Aufnahme der Lehrpersonen in den Schuldienst. Da kann einer noch so schlecht sein; wenn er mehr Dienstjahre (oder noch schlimmer: Stammrolle) hat, wird er gegenüber dem weitaus talentierteren, aber eben jüngeren Kollegen immer den Vorzug erhalten. Dies ist wieder eine Besonderheit vom italienischen Schulsystem, das es in dieser Form in keinem anderen mir bekannten Land gibt. In AUT oder GER z.B. stellen die Schulen ihre Lehrer selbst ein und entlassen diese bei mangelnder Leistung auch wieder. Nur bei unbefristeten Verträgen wirds schwieriger…wie halt in einem normalen Betrieb auch. Wenn hier angesetzt würde, wäre ein wichtiger Schritt zur Qualitätssteigerung getan.

Du willst mir also sagen, dass nicht eine landesweite Begleitung und flächendeckende Evaluation nötig ist, um den Erfolg bzw. Misserfolg einer Methodik wie “Lesen durch Schreiben” zu messen? Und falls die Untauglichkeit derselben festgestellt wird, soll das PI auch keine Negativempfehlung an die Lehrer ausgeben?

(Lass mal den Aspekt der Einstellung und Entlassung von Lehrern beiseite — das ist nämlich sehr wohl auch meiner Ansicht nach ein Thema für die Schulautonomie.)

Es geht mMn nicht um nötig oder unnötig, sondern der Ansatz an sich ist mMn falsch. Evaluieren macht nur Sinn, wenn sich die Rahmenbedingungen nicht ändern. Da aber jede Klasse und jede/r SchülerIn anders ist, ändern sich auch die Bedingungen. Oder mit anderen Worten: eine Methode, die bei einer Klasse gnadenlos versagt, kann bei einer anderen Klasse Wunder wirken. Dies zu erkennen und zu entscheiden, betrifft die Professionalität der Lehrperson, Stichwort Adaptivität. Das PI (welches übrigens aufgrund der Sparmaßnahmen in den letzten Jahren deutlich personell beschnitten wurde und keineswegs “bestens besetzt” ist) gibt in dieser Hinsicht sehr wohl Empfehlungen.
Da nun aber:

1.) Viele Lehrer “nur” diplomiert sind und keine pädagogische Ausbildung aka Lehramt haben (wieder eine Besonderheit des italienischen Schulsystems)
2.) Aufgrund von Stammrollen- oder Ranglistenregelung diese auch bei schwachen Leistungen keine Konsequenzen zu fürchten und somit keinen Anreiz haben, sich pädagogisch fortzubilden

laufen diese Empfehlungen oft ins Leere.

Auf der anderen Seite gibt es zwar Lehrpersonen, die den Sinn von Unterrichtsmethoden wie etwa Projektunterricht, Gendergerechtigkeit,…hinterfragen. Da aber die Schulgesetzgebung, wie nicht anders zu erwarten, ein Flickwerk all’italiana ist und somit Rekursen Tür und Tor öffnen, greifen auch diese Lehrpersonen notgedrungen zu solchen Unterrichtsmethoden, um mit den RRL konform zu gehen und damit vor Rekursen geschützt zu sein.

Übrig bleiben noch die Lehrer “con i controcoglioni”, die auf die RRL pfeifen und Unterricht “by old school” halten. Diese sind aber nur an solchen Schulen zu finden, wo ohnehin nur starke SchülerInnen hingehen und somit keine Rekurse zu erwarten sind.

Was man auch kritisieren muss, sind die Personen, die überhaupt Lehrer werden, oder werden wollen. Einige wenige machen ihren Job hervorragend, aber bei vielen kommt es mir vor, dass der Lehrerberuf “sich einfach so ergeben hat”, oder “man nicht wusste was sonst studieren”, gefolgt von ganz Schlauen, oft Studenten der Geisteswissenschaften, die zum Ende des Studiums hin realisieren, dass ihr Studium keine wirklich rosigen Jobchancen bietet und deswegen schnell auf Lehramt umsatteln.
Dass dann irgendwelche Reformprogramme, die schon schludrig von oben diktiert wurden, von solchen Leuten auch noch umgesetzt werden müssen, ist das Chaos perfekt, und die Leittragenden sind wie so oft die Kinder bzw. Schüler.

Jeder dritte Lehrer fühlt sich nach einer Studie in seinem Beruf überfordert. Schulleiter und Bildungsforscher dringen darauf, dass gescheiterte Lehrer aus dem Schuldienst entfernt werden können.

Wenn wir das hier bei uns fordern würden, der Aufschrei wäre riesengroß. Dabei gibt es eine Untersuchung der OECD, die unter anderem nach den Erfolgskriterien für einen guten Lehrer geforscht hat. Der Schluss ist simpel, aber bemerkenswert:

1. Ein Lehrer sollte beste fachliche Qualifikation mitbringen
2. Ein Lehrer sollte gerne mit Kinder und Jugendlichen arbeiten
3. Ein Lehrer sollte die Fähigkeit besitzen, die beiden erstgenannten Punkte zu einem optimalen Ergebnis zu kombinieren und den Schülern mit Freude ein fachlich hochwertigen Unterricht zu bieten.

Wenn ich an meine eigene Schulzeit zurückdenke, dann war mindestens ein Drittel der Lehrer nicht für den Lehrberuf geeignet. Was mich als Freiberufler immer wieder wundert: Viele Lehrer klagen und haben kaum mehr Freude im Beruf, allerdings wird niemals darüber nachgedacht, ob man nicht den Beruf wechseln könnte. Mit der Erlangung der Stammrolle scheint der Lehrberuf alternativlos zu sein.

Die ganzen Studien haben halt einen Haken, und zwar dass sie Kinder als kleine Erwachsene sehen, die sie nun mal nicht sind. Die drei genannten Punkte klingen auf dem Papier ja super und auch einleuchtend. Sie setzen aber voraus, dass die Kinder wirklich in die Schule gehen und etwas lernen WOLLEN, aber mal ehrlich, bei wie vielen ist das der Fall? Grundschülern trau ich das noch am ehesten zu, Mittelschüler hingegen gehen vielfach schon nur mehr hin, weil sie müssen. Oberschüler haben oft die Wahl zwischen Pest und Cholera, da sie arbeiten noch weniger möchten und dann halt eine “feine” Oberschule besuchen…an TFOs und Realgymnasien wird man diesen Typus daher eher selten antreffen. Erst an der Uni kommt langsam wieder die Einstellung durch, dass man etwas lernen WILL und daher geht dort z.B. eine Vorlesung auch sehr viel disziplinierter über die Bühne als eine Unterrichtsstunde.
Aber ist auch kein Wunder: die Kinder sind vollgedröhnt von “Angry Birds” und “Dschungelcamp”, häufig auch noch unausgeschlafen. Dass die dann keine Lust mehr auf Lernen haben und sich nicht mehr motivieren lassen, sondern im Gegenteil den Unterricht noch boykottieren, ist kein Wunder. Im Grunde ist es so, als wolle man einen Drogensüchtigen auf Entzug dazu bringen, ein motiviertes Bewerbungsschreiben zu verfassen. Da kann eine Lehrperson noch so gut sein, aber z.B. Latein-Vokabeln büffeln ist nun mal fordernd.

Es ist aber sehr schwer sich das vorstellen zu können, wenn man das nicht selber probiert hat. Die Rahmenbedingungen für Lehrkräfte sind ja nicht immer ideal und manchmal tauchen persönliche Faktoren auf, die die Arbeit erhebliche erschweren.
Man hat eben immer nur mit Personen zu tun: die Mitarbeiter, die Obrigkeiten, die Eltern, die Schüler und man wird immer fleissig kontrolliert (auch in der Freizeit, beim Einkaufen oder auf FB). Wenn Schwierigkeiten auch nur mit Einzelnen entstehen, kann sich eine Dinamik entwickeln, die die Arbeit in einer Klasse oder im Lehrerzimmer wesentlich erschwert. Und das hat wenig mit Kompetenzen zu tun, sondern bloß mit unserer menschlichen Unvollkommenheit.

Im Grunde ist es so, als wolle man einen Drogensüchtigen auf Entzug dazu bringen, ein motiviertes Bewerbungsschreiben zu verfassen. Da kann eine Lehrperson noch so gut sein, aber z.B. Latein-Vokabeln büffeln ist nun mal fordernd.

Gerade deshalb sollten nur die besten und motiviertesten den Lehrberuf ergreifen. Ich könnte es nicht und beneide jeden Mittelschullehrer der einen guten Unterricht leistet. Diese Lehrer gibt es und sollten auch entsprechend honoriert werden. Allzu lange war aber der Lehrberuf für Teilen der Lehrerschaft nur eine Notlösung und nicht Berufung. Das ist leider auch heute noch so. Ich wollte mit dem Kommentar einfach darauf aufmerksam machen, dass ein Teil der Lehrer nicht nur bei uns fehl am Platz ist und es angesichts der Wichtigkeit des Themas es große Anstrengungen geben muss, die oben genannten Bedingungen zu erfüllen. Eigenartig, dass jede Schuld auf die Schüler geschoben wird.

> Gerade deshalb sollten nur die besten und motiviertesten den Lehrberuf ergreifen.

Dieser Grundsatz sollte eigentlich für jeden Beruf gelten.

> Allzu lange war aber der Lehrberuf für Teilen der Lehrerschaft nur eine Notlösung
> und nicht Berufung.

Das ist wahr, liegt aber teilweise auch daran, dass es kein eigenes Lehramtsstudium in Italien gibt. Daher sind zumindest jene, die in Italien ihre “laurea” erworben haben, zwangsläufig immer “Quereinsteiger” gewesen.

> Ich wollte mit dem Kommentar einfach darauf aufmerksam machen, dass ein Teil > der Lehrer nicht nur bei uns fehl am Platz ist

Stimme ich 100% zu. Ist aber nahezu im gesamten öD so (zumindest dort, wo es noch unbefristete Verträge gibt).

> und es angesichts der Wichtigkeit des Themas es große Anstrengungen geben
> muss, die oben genannten Bedingungen zu erfüllen.

Das ist mMn zu kurz gedacht. Diese Bedingungen werden von Personen im Elfenbeinturm erdacht, welche seit Jahrzehnten nicht mehr unterrichtet haben (wenn überhaupt) und keine Ahnung mehr von der realen Schulwelt haben. Letzte Ausgeburt ist die Inklusion. Dass diese aber mit Klassen von 25+ SuS nicht zu bewältigen ist, begreifen sie nicht. Man kann nicht von der Schule immer mehr fordern (zudem ohne konkrete Handlungsanweisungen zu geben) und gleichzeitig stetig die Geldmittel kürzen.

> Eigenartig, dass jede Schuld auf die Schüler geschoben wird.

Also, das entspricht jetzt wirklich nicht der Realität. Sehr überspitzt ausgedrückt, ist heutzutage doch jedes Kind hochbegabt, bei einer 5 wird zum Direktor gerannt oder mit Rekurs gedroht und wenn das Kind den Stoff nicht begreift, dann hat die Lehrperson schlechten Unterricht geleistet.
Ich bin absolut der Meinung, dass es völlig ungeeignete Lehrpersonen gibt (fachlich oder menschlich oder beides) und dass man diese auch loswerden können muss. Aber diese OECD-Untersuchung suggeriert doch: man nehme diese drei Zutaten, rühre einmal kräftig durch und fertig ist der gute Schüler. Wenn nicht, so hat die Lehrperson Schuld. Darüber, dass auch die Rahmenbedingungen passen müssen (Klassengröße, Ausstattung, Rechtssicherheit (es gibt noch Schulgesetze aus dem Jahr 1926, teilweise widersprechen sie sich gegenseitig), Kontinuität von Seiten des Schulamts (sei es betreffend Festanstellung, sei es betreffend rechtlicher und organisatorischer Vorgaben), konkrete Hilfestellung und nicht nur hehre Ideale im Bereich der Inklusion, Supervision der Lehrpersonen durch Experten bzw. Coaching,…) und dass die Realität zu vielschichtig ist, um in drei Punkte gepresst zu werden (lässt sich etwa ein Kind zum Lernen motivieren, das in der Schule gemobbt und zu Hause geschlagen wird?) wird kein Wort verloren. Jede Lösung eines Problems sollte so einfach wie möglich gestaltet werden – aber nicht einfacher.

Die FAZ hat sich jüngst auch mit dem Thema befasst. Im Artikel Studenten können keine Rechtschreibung mehr wird auf die Misstände eingegangen. Die Autorin Hannah Bethke moniert, dass bei Hausarbeiten an den Universitäten erschreckend schlechte Arbeiten abgeliefert werden:

Was sich dem Leser dieser Arbeiten mittlerweile zunehmend darbietet, ist nun allerdings eklatant. Man kann von Glück reden, wenn eine Hausarbeit vorliegt, die Mängel in der wissenschaftlichen Analyse aufweist – denn das setzt voraus, dass das Einstiegsniveau immerhin so hoch ist, dass man überhaupt von einer wissenschaftlichen Arbeit sprechen kann. In erschreckend vielen Fällen lässt sich dies nicht einmal ansatzweise behaupten. Dabei geht es nicht um wissenschaftstheoretische Feinheiten, nicht um “Expertenwissen” und Scheingefechte im belächelten Elfenbeinturm der Wissenschaft, sondern um eine leider völlig abhanden gekommene Selbstverständlichkeit, die eigentlich bereits mit dem Erreichen der Mittelstufe gegeben sein sollte: die Beherrschung der deutschen Grammatik.

Nicht nur, dass die Grammatik von deutschsprachigen Schülern nicht mehr beherrscht wird, die Mängel zeigen sich bereits bei der Rechtschreibung, wo elementare Wörter nicht korrekt geschrieben werden.
Telepolis setzt sich auch mit dem Problem auseinander, im Artikel Der Fisch stinkt vom Kopf wird auch auf den FAZ-Artikel eingegangen und als eine der Ursachen die “Bildungsnivellierung” genannt.

Groß verwundern sollte diese Misere jedoch nicht. In den letzten Jahrzehnten sind im Zuge der Bildungsreformen Lerninhalte ständig abgeändert und geschliffen worden. Man hat vormalige Bildungs- und Leistungsstandards systematisch abgesenkt und gleichzeitig die Zugangsbeschränkungen für die weiterführenden Schulen systematisch aufgeweicht. Bis auf wenige Ausnahmen sind diese Hürden nach und nach fast vollkommen aufgehoben worden.

Zwar werden überall, in Sport, Kunst und Unterhaltung, Leistungsgrenzen und Leistungskontrollen für die Bewerber aufgebaut, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Im Studio, auf dem Sportplatz oder auf dem Laufsteg lassen sich Tausende, auch auf Geheiß und mit kräftiger Unterstützung der Eltern vor einem Millionenpublikum von einer mehr oder minder kompetenten Jury vorführen und sich ihre Stärken und Schwächen vorhalten.

Nur im Schulbetrieb scheint man Auswahl und Zuweisung dem Lehrpersonal, für dessen Ausbildung der Staat eine Unmenge an Steuergeldern ausgibt, nicht zuzutrauen. Man stelle sich vor, der deutsche Skiverband, die Kölner Haie oder der FC Bayern würden ebenso verfahren und statt auf die akribische Beobachtung durch Talentscouts, Sichtungslehrgänge und Leistungskader lieber auf Inklusion und gemeinsames Lernen achten und dem Wunsch und dem Willen der Eltern folgen.

In den Gymnasien Deutschlands ist es Brauch geworden, den Schülern, einmal den Übertritt ins Gymnasium geschafft, den Verbleib an der Schule zu sichern. Dadurch werden Schüler mitgeschleift, die nie und nimmer den Anforderungen gerecht werden.

Das sprachliche Wissen, das ein Großteil der Gymnasiasten mittlerweile in der Unterstufe aufweist oder von der Grundschule mitbringt, ist teilweise erschreckend. Sie verwechseln nicht nur Wortarten mit Satzgliedern und kennen Zeitformen des Verbs nicht (schwamm, schwomm oder schwimmte), sie wissen auch nicht, wann oder warum ein ß oder ein ck geschrieben wird.

Zudem schaffen sie es kaum, einen sprachlich korrekten Satz zu formulieren und haben wenig Ahnung, wie man eine spannende Geschichte verständlich zu Papier bringen kann. So gesehen muss man das “Armutszeugnis”, das die Dozentin den Gymnasien ausstellt, weil sie es nicht schaffen, ihren Schülern die Regeln der deutschen Sprache und Rechtschreibung beizubringen, relativieren.

Der Fisch beginnt bekanntlich vom Kopf her zu stinken. Der Autor findet es deshalb wichtig, dass bereits in der Grundschule verstärkt auf die Grundkompetenzen Lesen, Schreiben, Rechnen Wert gelegt wird, da sich sonst die Probleme bis in die Hochschule fortpflanzen.

Neben dem Erziehungsauftrag haben sie bekanntlich auch und vor allem den zur Bildung und Ausbildung. Schule ist und kann, auch wenn ihr das zugemutet wird, auf Dauer kein Reparaturbetrieb für mangelnde Hygiene oder fehlende Zuwendung im Elternhaus und zudem kein Vehikel zur Gesellschaftsveränderung sein. Sie kann höchstens unterstützend tätig werden, aber nicht fehlende Liebe, Empathie und Vertrauen ersetzen. In Vergessenheit gerät dabei mitunter, dass Schule vorwiegend eine Bildungseinrichtung ist, bei der Leistungen erbracht und gemessen, entsprechend eingefordert und angemessen honoriert werden.

Aber nicht nur die Schule ist gefordert, die Eltern vernachlässigen vielfach auch ihre Verantwortlichkeiten, sie scheuen sich davor, von ihren Sprösslingen Leistungen einzufordern und können kaum Grenzen setzen.
Ich hoffe, diese Diskussion kommt in Südtirol auch langsam in Gang, ansonsten werden wir in ein paar Jahren mit Schrecken feststellen, dass eine ganze Generation nicht über die elementaren Grundkenntnisse für ihr späteres Berufsleben verfügt.

nichts für ungut libertè, aber deine beiträge sind oft derart “unortographisch”, dass man sich schwer tut, überhaupt herauszufinden, was du eigentlich sagen möchtest.

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