Südtirol verliert.

Südtirol verliert, nicht weil die Vorlagen des ersten Landesreferendums nicht umgesetzt werden, sondern — weil mit teils unlauteren Mitteln erfolgreich verhindert wurde, dass sich die Südtiroler überhaupt dazu aussprechen. Dabei wäre die Abstimmung in der Schweiz, in Bayern und selbst in der Gemeinde Urtijëi gültig gewesen — weil es dort kein Quorum gibt.

Mit einer so mächtigen, wenngleich bröckelnden Einheitspartei wie hier, die jederzeit dafür sorgen kann, dass Volksabstimmungen ins Leere laufen, ist eine Beteiligungsschwelle von 40% vernichtend. Eine Chance werden nur Referenda haben, zu denen die SVP selbst aufruft — aber dann kann sie sie auch gleich durch den Landtag schleusen.

Eine Analyse der abgegebenen Stimmen werde ich mir (weil müßig) sparen.

[Diesen Eintrag schreibe ich übrigens aus der Schweiz, wo, wie ich bemerke

  • ebensowenig Chaos herrscht, wie in Bayern seit Einführung der direkten Demokratie die Lichter ausgegangen sind;
  • die Politiker wesentlich bescheidener und weniger arrogant/abgehoben sind als bei uns;
  • die ethnischen Minderheiten auch nicht unter die Räder gekommen sind, im Gegenteil;
  • die Blut- und Boden-Ideologie der Nazis keinen Anklang gefunden hat, Herr Campostrini;
  • über die Machtallüren von König Durnwalder gelacht wird und ein Berlusconi undenkbar wäre;
  • die Städte offener und kosmopolitischer sind als wohl überall sonst in den Alpen, obwohl das Stimmvolk dem EU-Beitritt (noch) nicht zugestimmt hat.]
Mitbestimmung/ Politik/ · · · · Svizra/ · SVP/ ·
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55 replies on “Südtirol verliert.”

Dieses Ergebnis kann nicht ignoriert werden, alle Bezirke mit Ausnahme von Bozen und dem Unterland (39,8%) haben das Quorum erreicht. Bedenklich sind die Vorgänge im Vorfeld und am Wahltag. Der Sender Bozen beispielsweise hat um 20 Uhr die Meldung “zur Zeit gibt es eine Wahlbeteiligung von 25,4%” gebracht. Das war aber der Stand 17 Uhr. Eine derartige Meldung kann einige Wähler abgeschreckt haben, da sie meinten, das Quorum wird niemals erreicht. Die SVP kann nicht mehr zur Tagesordnung zurückkehren, ansonsten wird sich das politische Klima noch weiter aufheizen.

Die SVP kann nicht…

Alles kann sie die SVP, wenn sie nach einem eklatanten Fall wie der Causa Egartner noch so viel Macht auf die Südtiroler und die italienischen Koalitionspartner hat. Die Partei ist ein Hemmschuh für Südtirol geworden.

Sudtirolo spaccato in due, l’incubo s’è avverato: l’astensione degli “italiani” (e in misura minore dei “ladini”) ha fatto mancare il quorum al referendum. Sono senza parole. Oppure no. Qualche sassolino dalla scarpa me lo devo pur togliere.

Dimostrazioni di una realtà , cari amici. Ho (e abbiamo) sempre avuto ragione: la questione del coinvolgimento degli italiani alla “cosa” sudtirolese è la questione cardine da affrontare. Punto. Altrimenti il Sudtirolo rimarrà  indietro per sempre. Vi spiego perché.

E’ evidentissimo: nei comuni dove ci sono italiani, è venuto a mancare (e di molto) il quorum. C’è quasi da vergognarsi di essere cittadini italoparlanti politicamente attivi in questa terra. Non ne vale la pena.

Non c’è stato UN singolo esponente politico del gruppo linguistico italiano (eccetto Dello Sbarba) ad aver preso netta posizione pro-referendum. Uno scandalo. Non arrivare al quorum per l’assenza degli eterni assenti (vedasi i risultati nei paesi a maggioranza italiana, compresi Laives e Bronzolo, direttamente coinvolti dalla questione aeroportuale) è deprimente. Vogliamo parlare del boicottaggio quasi totale sui media – carta stampata, Alto Adige in primis? L’ennesima dimostrazione che gli italiani ruotano attorno a propri interessi non meglio identificati, che sono assolutamente PRIVI di una rappresentanza politica degna di questo nome, capace di far progredire anziché regredire le condizioni già  misere cui si sono condannati in anni e anni di auto-isolamento. Il PD ha perso un’occasione storica per mostrarsi partito di tutti i sudtirolesi e per una sudtirolesità  indivisa. Ha guardato con maggiore interesse a Roma che a Bolzano. Se avesse sfruttato il budget di consenso dell’anno scorso (tra il 16% delle politiche e il 6% delle provinciali) ce l’avremmo fatta. Alle primarie del Partito Democratico, in Sudtirolo, hanno partecipato 5830 votanti (ca. 1600 in meno rispetto al 2007). Olé. Quanti si saranno recati al referendum? Il PDL, privo di posizione ufficiale è perdente in partenza, non parliamo di altri soggetti. I Verdi, benché minoritari nel panorama politico, sono ancora l’unico spazio di (quasi) larghe vedute. E le schegge impazzite dell’SVP hanno il merito di averci quasi consentito una svolta “storica”.

Tornando sul PD. ‘D’ sta per ‘Durnwalder’? Si chiedeva oggi l’amica Michaela V.Abate. Ah sì: macché interetnico, il PD è plurilingue. Ergo: alla ‘funzione ponte’ coi sudtirolesi di lingua tedesca si preferiscono gli accenti ferraresi, piacentini e genovesi degli aspiranti-segretario nazionale. Ben più familiari. In altre parole: Nell’affaire Direkte Demokratie potrei elencare tutta una serie di motivi che mi consentono di dubitare della credibilità  come della coerenza all’interno del PD. Enorme delusione per l’atteggiamento degli assessori Christian Tommasini e Barbara Repetto: presentarsi in pompa magna alla Pressekonferenz con Durni (e con quale faccia tosta!) mentre si sostiene (almeno sulla carta) uno dei due quesiti referendari messi sotto “stato d’accusa” dal Landeshauptmann, è un colpo basso verso chi (vedi Sybille Tezzele) si batte da anni per la democrazia diretta. Per non parlare dei manifesti delle primarie affisse sugli spazi destinati alla consultazione odierna. La chicca sulla convivenza a rischio? Meno male che ci sono loro. Ma allora perché sempre la Tezzele (vicesegretaria del partito) lavora da anni a questo strumento di democrazia? Altra domanda – aperta a tutti: può la convivenza essere un limite allo sviluppo della nostra democrazia? Credo fermamente di no.

E’ evidente che il PD non ha voluto mettersi di traverso rispetto all’alleato-despota di governo. Potevano profittare delle primarie per pubblicizzare la consultazione provinciale. Nada. Mentre trovo sconcertante l’arenamento della Sinistra extraparlamentare su posizioni che temono ritorsioni etniche o razziste attraverso strumenti di democrazia diretta (allora che facciamo? aboliamo pure il voto rappresentativo?). Lungimiranza e senso della realtà  ormai inesistenti. Comunque, in termini di voti, inesistenti lo sono già .

La maledizione del pendolo s’è palesata per l’ennesima volta. Inutile parlare di convivenza. Siamo due mondi totalmente separati, ce ne rendiamo conto? Quello sudtirolese tenta di cambiare in meglio (e anche – aimé – in peggio, considerando il quesito dell’Union) e vengono ostacolati dall’ignaro satellite italiano, vittima di sé stesso, estraneo a tutto ciò che accade al di fuori dalla sua orbita. Nessuna condivisione di valori, storie, speranze, prospettive. Solo mera gestione comune del denaro a pioggia. Ora temo quello che Alexander Langer definiva “il fascino del conflitto etnico”. Anche tra i promotori del referendum si diffonderà  un comprensivo (benché inquietante) “Scheiss Italiener”. Che rabbia. Peccato, cavoli. Peccato.

Die Mehrheit der Bevölkerung scheint sich seit Jahrzehnten bestens von der SVP vertreten zu fühlen. Wie die hohe Anzahl der Nichtwähler zeigt, hat die SVP die Meinung der Bevölkerungsmehrheit wiedereimal zielgenau erkannt. Als anständiger Demokrat sollte man den Willen der Bevölkerungsmehrheit (sei es, wenn sie regelmäßig die SVP als ihre Vertretung bestimmt; sei es wie in diesem konkreten Fall, wenn sie mit Nichtwahl ihren Willen ausdrückt) respektieren.
Ich glaube aber dennoch, dass sich unsere Politiker in Zukunft sensibler zeigen werden was Abstimmungen zu großen und umstrittenen Projekten betrifft. So gesehen haben die Referenda sicher ein Wachrütteln bewirkt.

@DSW
Ich finde es nicht richtig, alle Nichtwähler der SVP zuzuschreiben. Es gibt auch Leute, die sich für Politik nicht interessieren, und gerade deswegen finde ich ein so hohes Quorum falsch, weil es dadurch sehr viel leichter wird, Abstimmungen durch einen Boykott zu Fall zu bringen.

Oder wie wäre es, wenn es in Zukunft bei Wahlen so gemacht werden würde, dass die Sitze, die der “Partei der Nichtwähler” entspricht, einfach leer bleiben würden? Darüber würde sich die SVP ganz und gar nicht freuen.

Die Aussagen von pérvasion teile ich voll und ganz.

Die Mehrheit der Bevölkerung scheint sich seit Jahrzehnten bestens von der SVP vertreten zu fühlen.

Dies allein als Argumentation kann man nicht stehen lassen, da besonders die Landbevölkerung (also sagen wir wie es ist, die deutschen Südtiroler besonders in den Landgemeinden haben zahlreich gewählt, die Italiener in den Städten nicht, auch dank Panikmache) genug hat von der SVP. Oder denken wir an die DDR, da fühlten sich lange Zeit auch viele wohl, da sie nix anderes gewohnt waren. Da Südtirol was Einheitspartei und Medienmanipulation annbelangt schon DDR-ähnliche Zustände aufweisen kann – zumindest teilweise – kann man nur abwarten was die Zukunft bringt und ob die Leute bald noch mehr aufwachen. Es bleibt ein fader Nachgeschmack bei diesen Abstimmungen, auch was die Unregelmäßigkeiten betrifft. Es ist vieles faul seit einiger Zeit im Staate Dänemark (Südtirol). Rein aus Sicht der Landgemeinden war das Referendum ein Erfolg, besonders im Hinblick auf die Anti-Propaganda-Maschinerie und die Manipulation aus den Medien…
Was aber doch bleibt ist bittere Enttäuschung über das knappe Scheitern.

die SVP freut sich über das Misslingen, misslungen ist die Volksabstimmung mit Hilfe der Wähler von Unitalia und Pdl.

Ich weiß nicht, ob du dir zumuten kannst zu sagen “Südtirol verliert”. Du wolltest doch, dass das Volk spricht. Und das Volk hat gesprochen.

@hello

Da Südtirol was Einheitspartei und Medienmanipulation annbelangt schon DDR-ähnliche Zustände aufweisen kann – zumindest teilweise

Ich glaube nicht, dass das in Südtirol soo schlimm ist, aber: Das mit den Medien wäre auch in Zukunft bei Volksabstimmungen ein nicht zu verachtendes Problem gewesen.

Das hat nur nie jemand gesagt.

Das Volk hat eben nicht (im ausreichenden Ausmaß) gesprochen weil es durch gezielte Desinformation und die massive Angststrategie daran gehindert wurde. Das ist demokratiepolitisch sehr sehr bedenklich.

Reinhold Messner wird sich freuen. Jemand der vom Steuerzahler so viel Geld bekommen hat sollte sich aber schämen, verzerrend in einen demokratischen Prozess einzugreifen: er hat ja nicht seine Meinung gesagt, sondern für Durnwalder die Drecksarbeit und Panikmacherei übernommen!

@DSW
natürlich akzeptieren wire das ergebnis, wenn auch schwer: aber deswegen ändern wir unser meinung nicht!

1. durnwalder u. Co. haben dem volk 3 mio. € aufgebürdet, weil sie die volksabstimmung mit fadenscheinigen argumenten von der europawahl getrennt haben. sicher wissend, dass es sonst ganz anders gekommen wäre

2. durnwalder u. theiner haben sich im schmutzigen zusammenspiel mit der täglich erscheinenden parteizeitung als extrem schlechte, übelkeit erzeugende pseudodemokraten erwiesen: “hingehen und wählen” nur, wenn es ihnen nutzt. ansonsten boykott der demokratischen institutionen und einschüchterung der wählerinnen.

3. die 38 – 39 % zeigen, dass es verdammt knapp war! d.h., es haben sich TROTZ der antidemokratischen kampagne der svp-spitze die menschen ins wahllokal begeben! es zeigt aber auch, wie verrückt das quorum ist: warum gibt es denn dieses bei den viel wichtigeren parlamentswahlen nicht?

4. alles zusammen zeigt: durnwalder (von dem wir es wussten) und theiner sind brutalste machtpolitiker und wollen – um einer kleinen gruppe von profiteuren zu helfen – in südtirol einfach diesen herrlichen, für sie geld einbringenden machtapparat erhalten.
bravo an stefan lausch und die mitarbeiterinnen, dass sie gezeigt haben, dass man durchaus an den säulen dieses systems wackeln kann! noch 1,5 % und es ist geschafft!

wie verrückt das quorum ist

Warum haben es die Promotoren dann in ihrem Gesetzesentwurf auch enthalten? Erklär mir das mal, bitte.

das mit den Medien wäre auch in Zukunft bei Volksabstimmungen ein nicht zu verachtendes Problem gewesen.

ja, dass die Dolomiten sich bessern und informieren statt Propaganda zu machen, ist nicht zu erwarten, das stimmt.

@korsakoff
weil es sonst gar nicht von der svp als gesetzesentwurf aufgenommen worden wäre!
immerhin musste ja durnwalder die volksabstimmung “erlauben”.

Die auch in diesem Forum oft geschmähten Ewiggestrigen, die, die sich gegenüber Neuem verschliessen, die in den Dörfern zuhause sind, die sind hingegangen und haben abgestimmt. Leider haben die Städter den Arsch nicht hochbekommen.

glückwünsche an die svp, deren parteisoldaten und der grossen mehrheit der italiener: sie habens geschafft.
südtirol ist kuba.

Ein bitterer Tag und trotzdem toller Erfolg für das engagierte Südtirol.
Einige Punkte gilt es festzuhalten:

1) Ein (derart hohes) Quorum ist aus mehreren Gründen völlig undemokratisch.
a) die Gegner einer Abstimmung werden sich bei einem derart hohen Quorum nie auf den Inhalt einlassen, sondern à  la Durnwalder und Theiner zum Nicht Hingehen aufrufen. Es findet also keine Wahl zwischen den besseren Argumenten statt, sondern eine Wahl zwischen Hingehen und Sabotage. Sabotage der Demokratie.
b) Ein Quorum steht indirekt im Widerspruch zum Wahlgeheimnis. Wenn nicht Hingehen (so wie es unser LH und ein wesentlicher Teil der Partei-Spitzenexponeten ja propagiert hat) eine Meinungsäußerung ist, dann wird das Wahlgeheimnis, das ja in der Verfassung verankert ist, ad absurdum geführt.
c) Das Quorum in Kombination mit Wahlbeteiligungs Statistiken ist auch deshalb undemokratisch, da es Wahlergebnisse während einer laufenden Wahl vorwegnimmt. Das wäre dasselbe (O-Ton Atz von Apollis), wenn während einer politischen Wahl Teilergebnisse um 11 Uhr und 17 Uhr bekanntgegeben würden.

2) In sämtlichen Gemeinden und Bezirken mit deutscher Bevölkerungsmehrheit wurde das Quorum erreicht. Die SVP kann Wahlen nur mehr gewinnen und Referenden nur mehr mit Lügenmärchen und Sabotage verhindern mit Hilfe der italienischsprachigen SüdtirolerInnen. Einer Wählergruppe denen sie parteipolitisch nichts bietet, nicht einmal die Parteimitgliedschaft, während ihre Stammwählerschaft auf dem Land einbricht.

3) Die Lügenmärchen, Halbwahrheiten und Manipulationen, die durch das Medienhaus Athesia, die Landesregierung und hohe SVP-Exponenten im Vorfeld der Referenden zum Besten gegeben wurden, sind eine Verletzung grundlegendster demokratischer Gepflogenheiten. Dieser Makel bleibt an der SVP hängen und wird die verhinderten Referenden, was von den SVP Machern ja als Sieg gefeiert wird, mittelfristig zu einem parteipolitischen Phyrrussieg machen. Der Mittelinks Flügel der Partei (eh schon nicht mehr existent), der progessiv/liberale Flügel und das ökosoziale Spektrum wird sich noch massiver und nachhaltiger von dieser Partei abwenden und distanzieren als dies eh schon der Fall ist.
Die Demokratisierung Südtirols ist gestern nur um Haaresbreite gescheitert. Mittelfristig ist dieser Prozess nicht mehr aufzuhalten.

4) Die Referenden hinterlassen ein polarisiertes Bild. Oberflächlich kann Südtirol unterschieden werden in:
a) treue SVP WählerInnen, die aufgrund besonderen Partikularinteressen oder traditionalistisch verankerten Abstimmungsmustern den Aufforderungen eines LH mehr oder weniger blind folgen.
b) deutschsprachigen WählerInnen, die mit dem System Südtirol mehr oder weniger unzufrieden sind.
c) der Mehrheit der italienischsprachigen SüdtirolerInnen, die sich in der gesamten Diskussion weitgehend passiv verhalten haben.
Zu c) Die Rolle der italienischsprachigen SüdtirolerInnen muss neu diskutiert werden. Das Tagblatt Alto Adige hat mehrmals gezielt suggeriert, dass das Instrument direkte Demokratie gegen die ItalienerInnen verwendet werden könnte. Hier wurde mit altbekannten Bruchlinien gespielt, die die Landesregierung in ihrer Not sogar noch gezielt potenziert hat.
Die italienischen Parteien, zumindest die Mittelinks Parteien müssen, so wie es Romano Viola jüngst in einer Diskussion gefordert hat, parteipolitisch ein Los von Rom vollziehen. Es darf nicht sein, dass für einen PD die Wahl eines nationalen Parteichefs wichtiger ist, als die wichtigste Südtiroler Abstimmung der letzten Jahrzehnte. Es darf nicht sein, dass sämtliche italienischen Parteien für jede noch so lächerliche Entscheidung in Rom anrufen müssen. Ein parteipolitisches Los von Rom bedeutet sich intensiv mit den Realitäten, Problemen und Themen Südtirols auseinanderzusetzen – besonders auch bei Themen, die nicht a priori zur Interessenssphäre der ItalienerInnen zählen. Auf der anderen Seite muss den ItalienerInnen ein Heimatgefühl in Südtirol gegeben werden. Hier ist das deutsche Südtirol gefragt.

– die Städte offener und kosmopolitischer sind als wohl überall sonst in den Alpen, obwohl das Stimmvolk dem EU-Beitritt (noch) nicht zugestimmt hat.]

ich kriege krämpfe bei solchen aussagen… dann frag dich doch einfach mal warum 85% nein zum beitritt gesagt haben, und dies obwohl ca. 50% der schweizer linkslinks und mittelinks wählt? ist es womöglich deshalb, weil die eidgenoosen bestens über die EU informiert sind? oder weil die EU ein antidemokratischer, zentralistischer, selbstherrlicher und korrupter apparat ist? oder sie einfach keine lust auf neue steuervögte – einen neuen gessler – haben? oder kann es sein, dass du in der schweiz vorwiegend mit hardcore-sp’lern und grünen zirkulierst und somit ein ziemlich verzerrtes bild der eidgenossenschaft bekommst und im gleich überheblichen ton sagst “obwohl das Stimmvolk dem EU-Beitritt (N O C H) nicht zugestimmt hat”.

Interessant ist auch: bei den Landtagswahlen waren die Italiener noch eine Bedrohung, würde man nicht SVP wählen sondern die anderen deutschen Parteien (das hat man den deutschen Südtirolern eingeflüstert via Medien, man würde ja die Italiener stärken), jetzt auf einmal beim Referendum sind auf einmal die Deutschen die Bedrohung, falls man die Volksabstimmung unterstützt hätte oder abstimmen geht (das wurde diesmal den Italienern eingeredet via Medien, mit Erfolg wie man sieht).
Welches falsche Spiel wird hier gespielt? Die Italiener haben die SVP jetzt zweimal sprichwörtlich aus den Dreck gezogen, wer kann jetzt noch behaupten die SVP sei die Partei der Deutschen und Ladiner?
Heute wurde behauptet, dass sich die Mehrheit der Leute für Stabilität entschieden hätte. Täusche ich mich oder haben etwa nicht 84 von 116 Gemeinden das Quorum klar erreicht (und das genau bei der Hauptwählerschaft, so viel ich weiß wurde die SVP für die Deutschen und Ladiner gegründet, was man auch immer wieder auch heute noch betont)?
Spricht man hier im Namen der SVP bei solchen Aussagen (eigentlich Partei der Deutschen und Ladiner, die in ihrer Gesamtheit das Quorum locker erreicht haben) oder im Namen der Landesregierung (wenn dies der Fall sein sollte, warum dann vor der Wahl im Namen der SVP?). So langsam sollte man sich einmal entscheiden, für was oder wen man überhaupt noch steht.

Ich will zwei Kommentare, die ich in Korsakoffs Blog (“Die Goldene Mitte”, s. Link in der Seitenleiste) hinterlassen habe auch hier zur Diskussion stellen:

#1: Ich nehme an, wenn jemand um 6h morgens wählen geht, dann nur, weil er später keine Zeit hat — z.B. wegfährt und am Sonntag nicht wiederkommt.

Ich habe mal gelesen (weiß leider nicht mehr wo), dass in der Wirtschaft davon ausgegangen wird, dass eine Beschwerde für ca. 10.000 unzufriedene Kunden steht — die sich aber nicht die Mühe machen, sich zu beschweren. Vielleicht kann jmd vom Fach weiterhelfen. So gesehen wären die (wenn auch wenigen) bei SF eingegangenen Klagen ein schlechtes Zeichen.

Ich weiß nicht, wie man einen Skandal wie jenen der späteren Öffnung überhaupt kleinreden kann!? Das sind Verhältnisse wie in einer Bananenrepublik. Wenn schon das Landesgesetz vorsieht, dass erst am Morgen gestempelt werden darf, dann hätte die offizielle Öffnungszeit der Sektionen angepasst werden müssen. Damit ich als Wähler weiß, dass ich mir für den betreffenden Tag kein Ticket für einen Zug kaufe, der um 7 Uhr wegfährt (etc.).

#2: Ach ja, à  propos Dialogbereitschaft der SVP: Auch die ist sehr schnell als taktisches Manöver enthüllt. Man muss ja fürchten, dass ein erheblicher Teil der doch immerhin zahlreichen Boykottverweigerer (und das sind mehrheitlich deutsche Wähler) der Partei bei kommenden Wahlen einen Denkzettel für ihr demokratiefeindliches Verhalten verpassen. Also ist Schadensbegrenzung durch vorgetäuschte Dialogbereitschaft angesagt.

Warum vorgetäuscht? Weil der Landeshauptmann bereits angekündigt hat, dass das Quorum unantastbar ist, wobei sich doch gezeigt hat, dass dies der am dringendsten zu reformierende Punkt wäre. Darüber nicht einmal reden zu wollen kann man nicht Dialogbereitschaft nennen. Zu allen anderen Vorlagen wurde erst gar keine Kompromissmöglichkeit angekündigt. Im Gegenteil: Der Flugplatz müsse bleiben, und die Raumordnung sei bereits streng genug. Dialog? Nein, Augenwischerei.

dass die Wahllokale verspätet öffnen, zeigt:
Südtirol ist demokratiepolitisch ein Entwicklungsland.

Die Luis-Presse redet das klein, das nährt den Verdacht, dass diese Panne beabsichtigt oder zumindest vorhergesehn war.

aus meiner Sicht sind bei Theiner und Durnwalder die Rücktritte fällig:

– bei Durnwalder, weil er als LH die Instiution des Amtes in altbekannter, kaltschnäuziger Manier für unlautere Panikmache statt neutraler Information missbraucht hat.

– bei Theiner, weil er sein eigenes Wahlvolk noch viel, viel dümmer gehalten hat als er es durch sein schmutziges Spiel – zusammen mit Durnwalder und Dolomiten – öffentlich getan hat. Seine eigenen Wähler waren weit emanzipierter als er in seiner unterwürfigen Steigbügelhaltermentalität.
Wer sein eigenes Parteivolk sooo falsch einschätzt, muss abtrteten!

Als Student war ich häufig Wahlhelfer bzw. Wahlpräsident. Rein zeitlich wäre es bei entsprechender Organisation kein Problem gewesen die Stimmzettel bis 7 Uhr morgens zu stempeln. Bei Referenden war früher teils auch eine ziemlich hohe Anzahl an Stimmzetteln zu stempeln. Wir haben die Sektion immer um 7 Uhr geöffnet.
Es könnte schon sein, dass in einigen Sektionen die Dinge bewusst verlangsamt wurden. Dies läßt sich nachträglich dummerweise nicht einmal sonderlich gut beweisen, da die Grenze zwischen Arbeit nach Vorschrift und bewusster Verzögerung fließend ist.

Zur Dialogbereitschaft der SVP: Im Mai 2010 sind Gemeindewahlen. Nun gilt es aus parteitaktischen Gründen die Wogen wieder zu glätten und den Ärger über die gestohlene Demokratisierung durch etwas Diplomatie in SVP-verträgliche Bahnen zu lenken. Nur, wenn der LH sagt, über das Quorum wird nicht diskutiert, ist das Wort Dialog nicht mehr als Hohn für alle SüdtirolerInnen, denen das Wahlrecht wirklich noch ein demokratisches Grundrecht ist.
Diejenigen (die versammelte Landesregierung), die noch am Freitag letzter Woche, zwei Tage vor dem Referendum, auf der Titelseite einer großen Südtiroler Tageszeitung, den Stillstand voraussagten, riskieren nun zum Synonim für Stillstand zu werden.

Wenn ich mich nicht täusche können bei staatlichen Abstmmungen die Zettel schon am Samstag vorgestempelt werden.

Stempeln: rechtlich gesehen haben sie tatsächlich richtig gehandelt, das geltende Gesetz sieht vor, dass man erst um 6 Uhr damit beginnen kann. Nun, das geltende Gesetz ist eben nicht für Volksabstimmungen gemacht. Stellt euch vor: wenn es nicht 5 sondern 20 Volksabstimmungsfragen gewesen wäre (was rechtlich ja möglich wäre da es keine Obergrenze gibt), wären die Wahlhelfer am Tag NACH der Volksabstimmung immer noch beim Stempeln und niemand hätte (laut geltendem Gesetz) überhaupt abstimmen können. Doch wie das Amt für Zentrale Dienste sagt, sehen sie keinen Anlass zu Änderungen. Richtig wäre eine Wahl- und Abstimmungszeit, an der sich die Wahlberechtigten orientieren können: also einfach ab 7 oder ab 8 Uhr, und die Wahlsitze müssen sich einfach entsprechend organisieren (und evtl. um 4 Uhr früh beginnen).
Selbst wenn ein Langsamstempler am Sonntag erst um 16 Uhr fertig geworden wäre, wäre das mit dem geltenden Gesetz in Ordnung!

Alexander hat recht, bei den staatlichen Referenden wurden die Zettel schon am Tag vorher gestempelt. Man hätte diese Regelung auch für die Landesreferenden ändern müssen. Es hat in Südtirol noch nie eine Situation gegeben wo ab 7 Uhr nicht die Möglichkeit bestanden hat zu wählen.

Laut den Protokollen der Sektionen ließe sich ziemlich einfach feststellen in wie vielen Sektionen es diesbezüglich Unregelmäßigkeiten gegeben hat.
Davon ließe sich in etwa ableiten, wieviele WählerInnen davon betroffen waren. Die Chronologie der Beteiligungen läßt tatsächlich vermuten, dass von 7-11 Uhr einiges nicht ordnungsgemäß verlaufen ist.
Warum?
Um 11 Uhr war die Beteiligung mit ca. 9% erstaunlich gering. Von 17-22 Uhr ist sie noch einmal deutlich in die Höhe geschossen. Dies deutet darauf hin, dass möglicherweise doch eine ziemlich relevante Zahl von WählerInnen morgens vor verschlossenen Türen stand. Daraus entstehen einige doch für den Wahlausgang relevante Folgen:
1) Nicht alle, die morgens unverrichteter Dinge wählen wollten, haben abends noch gewählt. Das ließe sich sogar statistisch beweisen.
2) Die niedrige Wahlbeteiligung um 11 Uhr hatte eine negative Signalwirkung, die psychologisch nicht zu unterschätzen ist.
3) Wenn verhinderte MorgenwählerInnen anstatt abends schon vormittags gewählt hätten, wäre um 17 Uhr möglicherweise die Wahlbeteiligung schon in einem derart positiven Bereich gewesen, dass die Verhinderer-Fraktion in Panik geraten wäre und ihrerseits per SMS zum Wählen aufgerufen hätte. In diesem Falle wären sogar 45% realistisch gewesen, mit einem Endresultat immer noch im Bereich von 75% Ja und lediglich 25% Nein.

Wie dem auch sei, die Pannen mit den zum Teil weit verspäteten Wahleröffnungen sind ein Baustein einer Serie von ungleichen Bedingungen, die dieses Referendum begleitet haben.

Die wichtigste Botschaft der Referenden bleibt aber die und das kann nicht oft genug wiederholt werden, dass:
a) eine Mehrheit der SüdtirolerInnen ein Gesetz zur direkten Demokratie will das kein oder nur ein sehr niedriges Quorum vorsieht und von den Möglichkeiten weit über das hinausgeht, was das bestehende Landesgesetz vorsieht.
b) eine Mehrheit der SüdtirolerInnen gegen den Flugplatz in Bozen ist.

Die letzten beiden Behauptungen lassen sich wahlmathematisch beweisen. Selbst wenn eine Beteiligung von 73% zusammengekommen wäre (in etwa die Beteiligung der Landtagswahlen 2008 – die Verhinderer starten ja immer von theoretischen 100%) hätte das Ja in beiden Fällen gewonnen. Es ist nämlich nicht so einfach, diejenigen, die nicht hingegangen sind einfach als Nein zu zählen. Ein nicht zu unterschätzender Teil der Nichtwähler hätte sogar mit Ja gestimmt, ein Teil weiß oder ungültig gewählt und ein wesentlicher Teil mit Nein gewählt. In Summe käme ein sattes Ja raus.

Ergo: Politisch wurden die Referenden klar gewonnen. Juristisch hat dies nur aufgrund des Quorums keine Auswirkungen, aber, wenn die SVP nun glaubt sie könne dem nicht Rechnung tragen macht sie halt genau das, was sie seit geraumer Zeit eh macht. Sie realisiert Großprojekte, die die Mehrheit der SüdtirolerInnen nicht will und besonders eklatant, sie verhindert und mauert gegen ein wirksames Instrument der direkten Demokratie für das sich die Südtiroler Bevölkerung am 25. Oktober 2009 mehrheitlich ausgesprochen hat.

Ich poste hier einmal einen Kommentar, aufgegriffen auf dem Webauftritt der italienischen Zeitung “Alto Adige”, der mir sehr gefallen hat und den Nagel auf den Kopf trifft:

tempora mutantur et nos mutamur in illillis wie wir uns mit den Zeiten ändern !!! Alois Lois Luis Luigi grazie italiani, continuate avotare Esse Vu Pi

Eine Erkenntnis dieser Wahl. Die SED (äh SVP) ist mittlerweile soweit, dass sie für ihren ausgeprägten Machterhaltungstrieb die Italiener in Südtirol als ihr neues Fundament entdeckt hat. Volksabstimmungen egal welcher Art werden also in Zukunft im Tandem SVP – Italiener (bes. jene des PDL) vonstatten gehen. Die deutschen Südtiroler wirds “freuen” dass ihr Demokratiehunger mithilfe ethnischer Angstmacherei ausgebremst wird. Komisch, beim letzten großen Referendum in Bozen da ist man im Gegensatz zur Direkten Demokatie zahlreich erschienen und hat gegen den “Frieden”(splatz) gestimmt.
Die Italiener diskreditieren sich so langsam wirklich selbst, von “disagio” und ähnlichem kann man bald wirklich nix mehr hören.

Ich möchte auf zwei Berichte der SVP-Parteizeitung (und damit meine ich nicht die ZiS) eingehen.

Am Dienstag wird auf S. 13 geschrieben, dass knapp 30% für die Referenden seien.
Hier wird aber der gleiche Fehler gemacht wie ihn schon der Landeshauptmann macht: nicht alle, die nicht wählen gegangen sind, sind gegen die Referenden. Es gibt nun mal auch andere Gründe, weswegen man nicht wählen geht.

Am Mittwoch wird über die Wahlspesenerstattung berichtet. Komischerweise war dies bei den Landtagswahlen für die Parteizeitung noch kein Problem. Jetzt bei den Volksabstimmungen entdeckt man plötzlich dieses Problem.
Dazu möchte ich noch sagen, dass ich Schuler zustimme und für die Einführung der Briefwahl bin.

Ich habe die interessante Beobachtung gemacht, dass in meinem gesamten Bekanntenkreis die Erleichterung über das abgewehrte Schreckensszenario bei Weitem überwiegt. Und wenn man auf die Straße geht und sich bei den Leuten umhört sieht man, dass die Bevölkerung ist mit dem Status Quo höchst zufrieden ist. Viele hat ohl die berechtigte Befürchtung, dass die ausgeweitete direkte Demokratie zu sozialen und ethnischen Spannungen führen könnte, dazu gebracht als Nichtwähler ihren Willen auszudrücken.

@DSW
Wieso “berechtigte Befürchtung”?? Wie in jeder Art von Demokratie zählt der Willen des Volkes, und ich glaube nicht, dass unser Volk so dumm ist, die bei dir erwähnten Spannungen willentlich herbeizuführen. Wenn aber nur die Befürworter zu Wahl gehen, und die Gegner zu Hause bleiben,dann riskiert man, dass, obwohl die Mehrheit dagegen ist, das Referendum gültig ist, und die Schuld liegt bei den Damen und Herren, die behaupten, nicht hingehen ist auch eine Lösung!

Das “System Südtirol” kann nur von uns Bürgern überwunden werden.
Man muss sie mit ihren eigenen Waffen schlagen. Sie boykottieren unsere Abstimmungen, zensieren unsere Leserbriefe, schränken unsere Meinungsfreiheit ein.
Und was müssen wir machen? Genau, wir boykottieren sie auch. Wir bestellen das Tagblatt ab und schauen uns statt stol.it
http://www.suedtirolnews.it an. Statt im größten Buchgeschäft einzukaufen helfen wir den kleineren Buchläden auf die Sprünge.
Statt immer nur Einheitsbrei zu wählen andere Parteien ankreuzen. So einfach ist das, dann werden wir schon sehen, wer hier die Meinung vorzugeben hat.

Ich bin mit dir einverstanden. Aber Südtirol News reproduziert mit der Einteilung Südtirol/Italien auch nur das gefestigte regionalistische Bild der SVP. Man müsste also nicht nur bewusst konsumieren, sondern auch aktiv meinungsbildend agieren (Beschwerden, Stellungnahmen, Leserbriefe) um wirklich etwas zu verändern.

Ich habe die interessante Beobachtung gemacht, dass in meinem gesamten Bekanntenkreis die Erleichterung über das abgewehrte Schreckensszenario bei Weitem überwiegt. Und wenn man auf die Straße geht und sich bei den Leuten umhört sieht man, dass die Bevölkerung ist mit dem Status Quo höchst zufrieden ist.

Diese Beobachtungen sind in der Tat “höchst” interessant. Jetzt müsste noch festgestellt werden, wo die Straßen sind, auf denen DSW sich schlau gemacht hat. Zürich? München? Bregenz?

Be brave ha ragione. In realtà  l’insoddisfazione è palpabile anche qui. Alcuni esempi tratti dalla mia realtà  quotidiana, di Bressanone. Al Supermercato, in fila, non si sente parlare d’altro che della difficoltà  di vivere in Italia. Le persone si mostrano reciprocamente ferite causate dalla repressione poliziesca, ferite non psicologiche, ma reali, segni di frustate, bruciature di sigarette sulle mani e così via. La situazione per molti è intollerabile. Tutto è vietato. La censura fruga nella corrispondenza privata, ogni giorno si contano centinaia di denunce. A Bressanone alle otto di sera c’è il coprifuoco. I locali chiudono, è vietato ritrovarsi per discutere, persino per parlare. Come facciamo ad andare avanti così? Come possiamo ancora sopportare questa situazione?

Wieder der gleiche Trick, den man in jedem Rethorik-Seminar als erstes lernt und der von den Erst-Semestlern im Debatierclub gerne angewendet wird.

Aber eine Aussage so lange zu übertreiben, dass sie ins lächerliche gezogen wird und nicht mehr zutrifft, macht die Grundaussage noch lange nicht unwahr!

Gadilu hat natürlich vollkommen Recht mit dieser Übertreibung auf die Unzulänglichkeit Euerer Positionen aufmerksam zu machen. Ihr bedient Euch doch rhetorischer Tricks, indem Ihr Südtirol als ein von einer Clique von antidemokratischen Mafiosi regiertes Land darstellt.
Der Status Quo in Südtirol ist eben nicht derselbe wie in Kuba oder Korea, wie es sinngmäß von einigen hier vertreten wird. Würden die von Gadilu beschriebenen Zustände zutreffen, würde ich Euere Argumente verstehen. So wie es aber jetzt (und in der Realität) ausschaut, wäre es völlig sinnfrei und kontraproduktiv tiefgreifende Änderungen anzustreben, deren Konsequenzen nicht abzusehen sind.
Ihr müsst lernen die Mehrheitsmeinung zu respektieren (auch wenn Ihr oppositionelle Meinungen vertretet) und nicht in undemokratischer Weise in Abrede zu stellen.

@DSW
Ihr müsst lernen die Mehrheitsmeinung zu respektieren (auch wenn Ihr oppositionelle Meinungen vertretet) und nicht in undemokratischer Weise in Abrede zu stellen.

Du kannst uns ja gerne erklären, was nach dem 25. Oktober die Mehrheitsmeinung zum Thema Flughafen ist oder zum Thema mehr direkte Mitbestimmung in Südtirol?
Könnte vielleicht sogar ein DSW hier zur Erkenntnis gelangen, dass sich die Meinung hoher SVP Exponenten nicht mehr ganz mit der Mehrheitsmeinung der SüdtirolerInnen deckt?

Ist es möglich dass man in Südtirol noch seine Meinung sagen darf, ohne dass ständig irgendwelche Leute auftauchen und als Gegenargumente für mehr Demokratie die eklatantesten Fälle von menschenrechtsverletzenden Staaten oder das ärmste Land der Welt als Beispiel bringen? Gadilu und DSW, dass Südtirol nicht Äthiopien und der Irak ist wissen wir hier schon, darf man aber deshalb seine Meinung nicht frei äußern? Oder bewegen wir uns auf eine Meinungsdiktatur zu?

@niwo

62% der Wahlberechtigen haben sich dafür entschieden den Referenden fernzubleiben und weiterhin wichtige Entscheidungsprozesse den demokratisch legitimierten Volksvertretern und Experten zu überlassen. Das ist der Mehrheitswille.

@Hello

Gadilu und ich kritisieren ja gerade diese hanebüchenen Vergleiche, Übertreibungen und Schwarzmalereien. Der Standard in Südtirol ist vorbildhaft und sucht weltweit seinesgleichen.

Am interessantesten an der gesamten Diskussion finde ich, dass es die Opposition geschafft hat ihre Außenseiterpositionen in manchen Nieschen (wie etwa bestimmten Diskussionsplattformen im Internet oder in gewissen anderen Medien) als Common Sense zu verkaufen. Fakt ist, dass die Referenden deshalb gescheitert sind, weil die Mehrheit der mündige, wahlberechtigte Bürger entschieden hat die Anliegen der Volksabstimmungspromotoren nicht zu unterstützen. Das ist Fakt, das ist der Mehrheitswille, das haben Demokraten zu respektieren (ohne diesen Willlen durch Verschwörungstheorien a la Manipulation durch Medien, Beeinflussung durch das Wahlverhalten des Landesvaters usw. in Abrede zu stellen).

Kleine Zwischenfragen: Kann es sein, dass nicht die gesamten 62% bewusst beschlossen haben, die Entscheidungsprozesse den Experten zu überlassen? Könnte es sogar sein, dass das Quorum (speziell in dieser Höhe) nicht gerade demokratisch ist, weil es dazu führt, dass Kraut (Enthaltung, Abwesenheit, Krankheit, sonstige Verhinderungsgründe, Desinteresse) und Rüben (Ablehnung) vermischt werden — was bei anderen Wahlen nicht der Fall ist? Und könnte vor allem zutreffen, dass die rhetorische Frage nach den Zuständen im Freistaat langweilig geworden ist (weil die Zustände in Italien, Österreich und Japan schon heute nur unwesentlich anders sind, als hier unterstellt wird)? Übrigens finde ich, dass die Direktdemokraten und die Befürworter der Unabhängigkeit nicht gerade deckungsgleich sind… eher im Gegenteil.

An DSW: Niemand hat hier eine Außenseiterposition als irgendwas positioniert; aber es sei mir unbenommen, die Meinung jener die sie kundgetan haben zu bewerten und jene derer, die es nicht tun wollten eben nicht zu bewerten. Was nicht heißt, dass das Referendum juristisch nicht trotzdem als gescheitert gilt.

Nicht zuletzt habe ich in meinem Eingangsbeitrag (“Südtirol verliert”) ausdrücklich festgehalten, dass diese Einschätzung unabhängig davon gilt, ob die Vorlagen angenommen wurden oder nicht, sondern lediglich auf die unheilsamen Auswirkungen der so hohen Beteiligungsschwelle Bezug nimmt — die ein eindeutiges Ergebnis (ja oder nein) verhindert hat. Und dazu stehe ich.

Am interessantesten an der gesamten Diskussion finde ich, dass es die Opposition geschafft hat ihre Außenseiterpositionen in manchen Nieschen (wie etwa bestimmten Diskussionsplattformen im Internet oder in gewissen anderen Medien) als Common Sense zu verkaufen. Fakt ist, dass die Referenden deshalb gescheitert sind, weil die Mehrheit der mündige, wahlberechtigte Bürger entschieden hat die Anliegen der Volksabstimmungspromotoren nicht zu unterstützen. Das ist Fakt, das ist der Mehrheitswille, das haben Demokraten zu respektieren (ohne diesen Willlen durch Verschwörungstheorien a la Manipulation durch Medien, Beeinflussung durch das Wahlverhalten des Landesvaters usw. in Abrede zu stellen).

ich bin begeistert, selten konnte ich eine derart vollkommene synthese einer perle der pseudointellektuellen demokratieauslegung mit einer der erbärmlichsten leugnungen der wählermanipulationen lesen. damit wollte ich eigentlich sagen, dass ich zutiefst angewidert ob derartiger mentaler diarrhö, welche sich zu allem irrsinn noch dazu erfrecht einen absolutistischen wahrheitsanspruch zu erheben, bin.

@Wiesion

ich bin begeistert, selten konnte ich eine derart vollkommene synthese einer perle der pseudointellektuellen demokratieauslegung mit einer der erbärmlichsten leugnungen der wählermanipulationen lesen. damit wollte ich eigentlich sagen, dass ich zutiefst angewidert ob derartiger mentaler diarrhö, welche sich zu allem irrsinn noch dazu erfrecht einen absolutistischen wahrheitsanspruch zu erheben, bin.

Wenn Dich die rudimentärsten Grundregeln unserer westlichen Diskussionskultur überfordern, solltest Du Dir vielleicht einen anderen Zeitvertreib suchen.
Normalerweise ist es de rigueur auf Argumente mit Gegenargumenten zu antworten. Spar Dir in Zukunft diese Gossenrhetorik.

du sagst, dass die hälfte der bevölkerung ganzer talschaften wie dem vinschgau und wipptal aussenseiter sind. dass die aussenseiter ihre meinung als common sense in “bestimmten” und “gewissen” medien “verkaufen” konnten. laut dir ist es auch ein unbestreitbares faktum, dass 62% der wähler ganz bewusst und nach reiflicher überlegung die anliegen der promotoren nicht unterstützt haben, du bezeichnest das als mehrheitsWILLEN.

den gipfel der frechheit hast du damit erreicht, die unregelmässigkeiten (wie den verspäteten öffnungen vieler wahllokale) bei den wahlen als verschwörungstheorien zu bezeichnen, als hirngespinste und zielst darauf ab, die promotoren als schlechte verlierer und aussenseiter oder gar als volksfeinde darzustellen. und dann auch noch zu behaupten, der “landesvater” hat die wählerschaft nicht manipuliert, ist ein regelrechter hammer… eine partei gibt eine wahlempfehlung raus und die elite dieser partei erwähnt noch im selben atemzug, dass sie privat aber die wahlen boykottieren wird. du aber empfindest das wahrscheinlich als legitimes demokratisches mittel, da du ja ganz genau weisst was demokratie ist und es uns allen erklären musst.

also, spar du dir gefälligst deine gossenrhetorik.

Ich habe keine Zeit Dich noch einmal zu disziplinieren…nur soviel:

Es sind natürlich nicht nur die 62%, die die Volksabstimmung nicht unterstützt haben, sondern von den 38%, die wählen gegangen sind, haben ca. 20% aktiv gegen die Anliegen gestimmt. Insgesamt ergibt sich ein unzweideutiges Bild.

Als Verschwörungstheorie bezeichne ich die Behauptung, dass diese geringfügigen Unregelmäßigkeiten eine signifikante Auswirkung auf das Ergebnis gehabt haben. Man konnte immerhin bis 22Uhr wählen. Und von einer Anfechtung haben mEn alle Beteiligten abgesehen. Warum?
Ich verstehe nicht, dass Du so scharf darauf bist die in Südtirol bereits bestehenden Elemente der direkten Demokratie auszuweiten, wenn Du davon ausgehst, dass sich die Bevölkerung schon von einer schlichten Aussage des Landesvaters, selbst nicht wählen zu gehen, derart unter Druck gesetzt fühlt nach seinem Willen zu entscheiden.
Nach dieser etwas bodenständigen Logik könnte der LH seine Macht mittels direkter Demokratie noch mehr ausweiten, es braucht ja – immer nach Deiner etwas eigentümlichen Ansicht – nur ein Satz und die Bevölkerung macht was er will. Wieso bist Du, wenn die Bevölkerung – immer nach dieser naiven Ansicht – so leicht manipulierbar ist, dafür, dass die direkte Demokratie ausgeweitet wird? Du hältst die Bevölkerung ja offensichtlich nicht für mündig genug selbstständige Entscheidungen zu treffen ohne leichte Beute für solche ausgefeilten Manipulationen zu sein. Wie hast Du eigentlich diesen unglaublichen Manipulation widerstanden, um es trotzdem zur Abstimmung zu schaffen?
Haben sich nach Deiner Meinung jene Leute die (wie ich) bewusst den Abstimmungen ferngeblieben sind, alle durch diese rafinierte Manipulation verführen lassen oder ist es unter Umständen denkmöglich, dass die Mehrheit der Bevölkerung einfach die Meinung des LH teilt (der – objektiv gesehen – immerhin seit Jahrzehnten der mit Abstand meistgewählte Volksvertreter mit der größten Zustimmung unserers Landes ist).

das ergebnis ist nunmal das, welches es ist. mich stört in erster linie wie du “argumentierst” und dein wunschdenken als unumstossbare fakten darstellst und mittels propagandistisch gut platzierten adjektiven diskreditierung betreibst.

die wahrheit aber wird irgendwo zwischen bewusstem fernbleiben, manipulation, panimache, desinteresse und terminkonflikt liegen. dass du permanent versuchst ersteres als die einzige und wahre ursache darzustellen stösst sicherlich nicht nur mir sauer auf und jeglicher versuch von anderen teilnehmern hier, dir das klar zu machen, ist kläglich gescheitert.

also, disziplinier dich besser mal selber und behalte dir deine unterstellungen.

das ergebnis ist nunmal das, welches es ist.

Genau. Clevere Erkenntnis.
Jetzt gibt es genau zwei Möglichkeiten. Entweder Du ergreifst rechtliche Schritte, weil Deiner Meinung nach das Ergebnis auf rechtswidrigem Wege zustande gekommen ist, oder Du akzeptierst es und verzichtest auf Unterstellungen.

@DSW: Du bagatellisierst. Das geschlossene Auftreten der SVP-Führung, die Propaganda der Parteizeitung, die Rechtsgutachten, die Warnungen vor Chaos und Unregierbarkeit kannst du wohl schlecht als “nur ein[en] Satz” des LHs abtun. Da wurde eine gar nicht so subtile Propagandamaschinerie in Gang gesetzt.

Und wie weiter oben gesagt ist das Argument, man habe ja bis 22h wählen können völliger Schwachsinn. Denn wer um 6h wählen geht, tut dies wohl kaum aus reinem Vergnügen, sondern weil sie/er später nicht mehr dazu kommt. Ich selbst bin am Wahlsonntag verreist und hatte nur aus Zufall nicht den Zug um 7h, sondern den um 11h reserviert.

@pérvasion

Ich finde, dass sämtliche Positionen im öffentlichen Diskurs ausreichend vertreten wurden. Natürlich ist es “Propaganda”, wenn die Mehrheitspartei bzw. einige ihrer Funktionäre ihre Position vertreten. Tun das aber die Volksabstimmungspromotoren oder ihre Unterstützer (subtile Artikel a la “Kuba, Korea, Südtirol” lassen grüßen) dann ist das natürlich nur Aufklärung und Information durch revolutionäre Superdemokraten, die sich einer Quasidiktatur in den Weg stellen. Wer die Äußerung berechtigter Bedenken von demokratisch legitimierten Vplksvertretern als “Propaganda” abtut, sollte nicht nur verbal einmal abrüsten, sondern sich auch überlegen, ob so eine Diskussionskultur unsere pluralistische Gesellschaft weiterbringt.
Bezüglich der teilweisen verspäteten Öffnung von Wahllokalen verweise ich auf meinen vorletzten Beitrag.

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