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ß: Hallo, mich gibt es auch noch!

Seit Umsetzung der Rechtschreibreform hat sich ein für das »scharfe S« mitunter tödliches Gerücht verbreitet, das jeglicher Grundlage entbehrt: Das gute alte Eszett sei abgeschafft worden, heißt es da nicht selten – und diese Fehlinformation ist zum Teil durchgedrungen in Redaktionen und Amtsstuben.

Fest steht dagegen: Der altehrwürdige Buchstabe hat immer noch seine Daseinsberechtigung und wurde durch die Rechtschreibreform lediglich einer Verjüngungskur unterzogen, die ihm m. E. gar nicht schlecht steht – wenn man eben vom Gerücht absieht, das Gegenstand dieses Eintrags ist.

All jenen, die die deutsche Orthographie – wie ich – noch unter dem alten Regelwerk erlernt haben, möchte ich hier eine ganz einfache Faustregel nahelegen: Wo das Eszett nach alter Regel gesetzt werden musste, bleibt es auch heute noch, es sei denn es folgt auf einen kurzen Vokal. In diesem Fall wird es durch »ss« ersetzt. Also:

früher: das Faß > ß folgt auf kurzes a > neu: Fass
früher: der Fluß > ß folgt auf kurzes u > neu: Fluss
früher: keß > ß folgt auf kurzes e > neu: kess

aber:

früher: das Maß > ß folgt auf langes a > bleibt Maß
früher: der Fuß > ß folgt auf kurzes u > bleibt Fuß
früher: fraß > ß folgt auf kurzes a > bleibt fraß

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4 replies on “ß: Hallo, mich gibt es auch noch!”

Wo kann man das überprüfen? In welchem Protokoll oder Beschluss der Reformkonferenz steht das? Mag sein, dass es so ist, ich halte es trotzdem für einen Sprachfetischismus. Okay, aber warum hat man dann in der Schweiz auf den Gebrauch von”ß” ganz verzichtet und das nicht erst seit Gestern, sondern seit 20 Jahren schon? Das ist sicherlich kein Gerücht. Stimmt das, oder stimmt das nicht? Das scharfe s, sz, d.h “ß” wird fast immer in der Eidgenossenschaft mit “ss” umschrieben. Gibt es im Land zwischen Salurn und Brenner besondere Sprachregeln, die nur hier gelten? Wer vertritt Südtirol bei den Rechtschreibreformsitzungen (D, CH, A), Österreich? Liechtenstein wird ja bekanntlich von der Schweiz vertreten.

Wir hatten darüber vor einigen Jahren diskutiert.

Die s-Schreibung ist – im Gegensatz zu anderen Regelungen – eindeutig vereinfacht worden. Kurzer Vokal: Doppel-s; langer Vokal oder Diphthong (Doppellaut): scharfes s. Die Schreibung bringt höchstens für diejenigen noch Schwierigkeiten, die von der Aussprache her den stimmhaften s-Laut nicht vom stimmlosen unterscheiden (z.B. reisen vs. reißen).

Für Zweifelsfälle:
http://www.duden.de/deutsche_sprache/neue_rechtschreibung/

Zum scharfen s in der Schweiz und Liechtenstein:
http://de.wikipedia.org/wiki/Scharfes_s#In_der_Schweiz_und_in_Liechtenstein

Zum Rat für deutsche Rechtschreibung:
http://www.kmk.org/aktuell/pm041217.htm
http://www.gebi.bz.it/infobz/articolo.php?id_vol=185&sez=9
http://www.schule.suedtirol.it/pi/aktuell/aktuell.asp?art=92133&HLM=1

Nach unseren heutigen Überlegungen hab ich mal den Termius “tschüs” nachgeschlagen; ein scharfes s kommt bei langem Vokal aus etymologischen Gründen nicht in Frage:

tschüs / tschüss: In neuer Rechtschreibung darf dieser umgangssprachliche Abschiedsgruß auch mit Doppel-s geschrieben werden. Er ist vor allem unter Verwandten und guten Bekannten üblich und als Nebenform zu niederd. adjüs über span. adiós auf lat. ad deum (= zu Gott, Gott befohlen) zurückzuführen. Das ü wird lang oder auch kurz gesprochen: [ty:s, ts].

(c) Dudenverlag 1998

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