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Fehlende Distanz?

Anfang Februar hat die italienische Regierung erstmals ihre Absicht geäußert, Ärztinnen als Denunziantinnen zu missbrauchen. Der sonst so kontakt- und auskunftfreudige Obmann der Südtiroler Volkspartei, Elmar Pichler Rolle, weiß offensichtlich keine Antwort auf meine Mail (vom 8. Februar) zu diesem Thema — die bis heute unbeantwortet geblieben ist:

Sehr geehrter Herr Obmann und Fraktionsvorsitzender,

mit Entrüstung habe ich vernommen, dass Ärzten per Dekret nahegelegt werden soll, illegale Einwanderer, die sich an sie wenden, anzuzeigen. Dies erschüttert zunächst das Vertrauensverhältnis zwischen Ärzten und Patienten, kann aber in der Folge dazu führen, dass sich illegale Einwanderer gar nicht mehr behandeln lassen oder gar ein Parallelgesundheitssystem entsteht, das keiner amtlichen Kontrolle mehr unterliegt. Betroffene können dann von Pfuschern finanziell ausgenommen werden, deren »Praxen« sich womöglich auch noch zur Anlaufstelle für Beschneidungen entwickeln. Mal ganz davon abgesehen davon, welche Risiken die mangelhafte Behandlung von Menschen mit ansteckenden Krankheiten auch für die Restbevölkerung haben könnte.

Auch angesichts der Tatsache, dass die Region Apulien bereits in eigener Sache gegen diese menschenverachtende, xenophobistische Maßnahme vorgeht (Link), möchte ich hiermit in Erfahrung bringen, welche Schritte der Südtiroler Landtag, die SVP als Ganzes und schließlich Sie persönlich in dieser Angelegenheit planen.

Besten Dank im Voraus für Ihre Stellungnahme.

Mit freundlichen Grüßen
Simon Constantini, Brixen

Es ist besorgniserregend, wenn Südtiroler Parteien keine klare Grenze zu den autoritären Auswüchsen dieser Regierung zu ziehen wissen. Gerade der Landtag eines autonomen Landes sollte seine Rolle in dieser Hinsicht sehr ernst nehmen.

Gleichzeitig nutze ich die Gelegenheit, dem Menschen Pichler Rolle für das schmutzige Spiel, das seine Partei und sein ehemaliger Arbeitgeber mit ihm spielen, meine Solidarität auszusprechen. Ich finde dieses Vorgehen einer demokratischen Partei unwürdig, und zwar egal, wie man zu Pichler Rolles Obmannschaft stehen mag.

Siehe auch: 1/ 2/

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Gegen Nazi-Einschüchterung.

Antifa. Als Reaktion auf die Polizeiaktion Odessa, die zur Aushebelung einer Gruppe Südtiroler Neonazis geführt hat, organisiert die rechtsextremistische NPD unter dem einfallsreichen Slogan »Südtirol bleibt deutsch« Belagerungen und Flugblattaktionen vor italienischen und österreichischen Konsulaten in Bayern.
Die Jugendorganisation der Partei hat eine eigene Homepage für die Südtirol-Offensive ins Netz gestellt.

Außerdem wurden zum klaren Zwecke der Einschüchterung die Namen der »verantwortlichen« Polizeibeamten im Internet veröffentlicht.

Brennerbasisdemokratie spricht hiermit den betroffenen Ordnungshütern sowie all jenen, die sich aktiv an der Bekämpfung des Nazimobs in Südtirol beteiligen, ihre uneingeschränkte Solidarität aus, und lädt die Leser dazu ein, sich anzuschließen.

In risposta all’operazione di polizia Odessa, che ha portato allo sgominamento di un gruppo neonazista in Sudtirolo, il partito di estrema destra tedesco NPD assedia con volantinaggi alcuni consolati italiani ed austriaci in Baviera, esibendo lo slogan »Südtirol bleibt deutsch« (il Sudtirolo resta tedesco). L’organizzazione giovanile del partito ha creato un’apposita pagina in internet dedicata al Sudtirolo.

Inoltre, a chiari scopi intimidatori, sempre in rete è stata pubblicata una lista corredata di nomi e cognomi dei poliziotti coinvolti nell’operazione.

Brennerbasisdemokratie esprime piena solidarietà alle forze dell’ordine ed a tutti coloro che contribuiscono alla battaglia contro il neonazismo in Sudtirolo, invitando i lettori a fare altrettanto.

Engagement Faschismen Polizei Solidarieté | | | | Bayern Italy Österreich Südtirol/o | | Deutsch Italiano

Stein auf Stein…

Brixen mausert sich zur Hochburg der Unabhängigkeitsbestrebungen. Wie die gestrige Tageszeitung berichtet, hat der Verein »Können wir miteinander sprechen« eine Umfrage unter jungen italienischsprachigen SüdtirolerInnen durchgeführt, um deren Bereitschaft zu quantifizieren, die Loslösung von Italien zu unterstützen.

Der neue Verein unter Ermanno Neri Viganò, mit dem bis jetzt nicht in Kontakt steht, hat dabei zutage gefördert, dass erstaunliche 35% der 2.375 Befragten zwischen 18 und 40 Jahren ein unabhängiges Südtirol befürworten. Dies wäre sogar eine Mehrheit, wenn man bedenkt, dass sich nur 25% grundsätzlich dagegen ausgesprochen haben — und 49% immerhin unentschlossen sind.

Da die Methodik und die genaue Fragstellung nicht bekannt sind, ist das Ergebnis freilich mit Vorsicht zu genießen. Trotzdem ist nicht von der Hand zu weisen, dass sich in dieser Angelegenheit einiges tut. Im Übrigen würde diese Umfrage zumindest das Ergebnis der großen ff-Wahlumfrage untermauern.

Die Gründe für diese Bereitschaft, sich vom Nationalstaat zu verabschieden, werden als »pragmatisch« bezeichnet. Die Befürworter erwarten sich in einem unabhängigen Südtirol eine »höhere Lebensqualität« und eine bessere »wirtschaftliche Entwicklung«, was von Optimismus und Vertrauen in die Fähigkeiten dieses Landes und seiner EinwohnerInnen zeugt.

hat den Einsatz für die Loslösung von Italien zwar nie hauptsächlich von ökonomischen Aspekten abhängig gemacht. Trotzdem ist festzuhalten, dass eine sich abzeichnende wirtschaftliche Verbesserung ein starker Mitgrund sein kann, diese Option attraktiv und plausibel zu gestalten. Oder umgekehrt: Es ist nicht zu erwarten, dass die Unabhängigkeit, für wie richtig und wichtig sie auch gehalten werden mag, von einer Mehrheit mitgetragen würde, wenn sie große finanzielle Einbußen für den Einzelnen verspräche. wird sich ihrerseits jedoch stets für eine solidarische Form der Eigenregierung stark machen.

Was an der gesamten Angelegenheit jedoch neu und erfreulich ist: Das italienische Südtirol entdeckt dieses Land als sein eigenes und holt in dieser Hinsicht gegenüber den übrigen SüdtirolerInnen in großen Schritten auf. Und: Italiener auch außerhalb von ergreifen Initiativen, um einem unabhängigen, aber gleichzeitig mehrsprachigen Südtirol Plausibilität zu verleihen. Vom Bild der ItalienerInnen, die die Autonomie »ertragen« und »erleiden« hin zu ItalienerInnen, die die gemeinsame Zukunft selbstbewusst und positiv mitgestalten. Wie auch die Tageszeitung befindet: Von Unbehagen keine Spur!

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Feuer am Dach der Welt.

Tibet.Chinas Unterdrückungspolitik in Tibet erreicht im Vorfeld der Olympischen Spiele mit der brutalen Unterdrückung eines zunächst friedlichen Protestmarsches seinen neuen Höhepunkt.

Save Tibet fordert auf seiner deutschen Seite dazu auf, Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Aufruf zu mehr Einmischung und außenpolitischer Zivilcourage zukommen zu lassen:

Bundeskanzleramt

Bundeskanzlerin Angela Merkel

Willy-Brandt-Straße 1

10557 Berlin
Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Merkel!

Die Tibeterinnen und Tibeter brauchen dringend die Hilfe aller Deutschen. Deshalb bitten wir Sie, als Vertreterin des deutschen Volkes: Nutzen Sie Ihren Einfluss, um den Tibetern in Tibet zu helfen.

Diese Menschen sind seit über 50 Jahren Opfer von Unterdrückung. Schon seit zwei Generationen – seit dem Einmarsch der chinesischen Armee in Tibet im Jahr 1950 –haben sich die Tibeter gegen die chinesische Übermacht aufgelehnt, um ihr Recht, als Tibeter in der eigenen Heimat selbstbestimmt leben zu können, einzufordern.

Wie Sie wissen, hatten die Machthaber in Peking darauf immer nur eine Antwort: Gewalt.

Auch das tibetische Volk hat Anspruch auf allgemein anerkannte Menschenrechte und auf Selbstbestimmung. Es wird immer deutlicher: Nur noch mit ausländischer Hilfe können die Tibeter diese Rechte wahrnehmen.

Deshalb bitten wir Sie, Frau Merkel, helfen Sie den Tibeterinnen und Tibetern!

1. Treten Sie in direkten Kontakt mit dem chinesischen Präsidenten Hu Jintao und vermitteln Sie ihm, dass die jahrzehntelange Unterdrückungspolitik in Tibet der Grund für die ständigen Unruhen auf dem Dach der Welt ist. Fordern Sie ihn auf, endlich und auf gleicher Augenhöhe einen substanziellen Dialog mit dem Dalai Lama über die Zukunft Tibets zu führen.

2. Setzen Sie sich für eine Untersuchung der gewaltsamen Ereignisse in Tibet zum Beispiel unter Führung der Vereinten Nationen ein. Verlangen Sie, dass ausländische Journalisten frei aus Tibet berichten können.

3. Verlangen Sie von Präsident Hu Jintao, alle Tibeter, die allein aufgrund ihrer friedlichen Meinungsäußerung inhaftiert wurden, freizulassen. Alle anderen haben Anspruch auf ein faires Gerichtsverfahren. Auf keinen Fall dürfen Folter oder Misshandlung angewandt werden. Wirken Sie auch auf die chinesische Führung ein, bei friedlichen Protesten von Tibetern keine Gewalt anzuwenden.

4. Fordern Sie Präsident Hu Jintao und das Internationale Olympische Komitee auf, die olympische Fackel nicht durch Tibet tragen zu lassen und damit das Himalajaland als PR-Kulisse für die Olympischen Spiele zu nutzen. Dies könnte zu einer Verschärfung der Lage in Tibet und zu weiteren Unruhen führen.

5. Nehmen Sie nicht an der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele in Peking teil, um damit Ihre Sorge über die Menschenrechtslage und das Vorgehen der Behörden in Tibet auszudrücken. Rufen Sie insbesondere Ihre Kollegen in Bundesregierung und Bundestag dazu auf, ebenfalls nicht an der Eröffnungszeremonie der Spiele teilzunehmen.

Sehr geehrte Frau Merkel, Sie haben den Dalai Lama zweimal getroffen und wissen, dass er ein Botschafter des Friedens ist. So hat er in den vergangenen Tagen nochmals ausdrücklich zum Gewaltverzicht auf beiden Seiten aufgerufen. Stärken Sie ihm und seinen Landsleuten den Rücken in dieser schwierigen Zeit!

Wir danken Ihnen für Ihr Mitgefühl mit den Tibeterinnen und Tibetern.

Hochachtungsvoll

Dieser Aufforderung schließt sich an.

Es ist auch möglich, den Text in das Kontaktformular des Bundeskanzleramtes zu kopieren — so kann auch wirklich jeder ohne großen Zeitaufwand einen kleinen Beitrag für Tibet leisten. Keine Ausreden!

Engagement Minderheitenschutz Politik Solidarieté Sport | Zitać | Angela Merkel | | China Tibet | | Deutsch

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Mehr Solidarität, bitte.

Das Nullsummenspiel.

Das Thema »Autonomie und Geld« ist ein Dauerbrenner: Zumal in Italien die Meinung weit verbreitet ist, dass Südtirol ein haushoher Nettoempfänger staatlicher Zuwendungen sei. Das ist jedoch falsch. Südtirol behält »lediglich« rund 90% der auf seinem Gebiet eingetriebenen Steuern ein, um damit zahlreiche Bereiche (Schule, Straßen, Gesundheit…) selbst zu verwalten. Das restliche Zehntel unserer Steuern geht an den Staat, womit dieser — meist schlechte — Dienstleistungen zurück ins Land bringt. Ein Nullsummenspiel. Mit dem kleinen Schönheitsfehler, dass wir uns Art und Höhe der Steuern großteils von Rom diktieren lassen müssen.

Nicht zu vergessen ist, dass der Staat dieses Land für viele Jahrzehnte der höchst einträglichen Stromproduktion de facto beraubt hat. Nach bester kolonialer Manier wurden Gewässer konfisziert, Dörfer überschwemmt, Kraftwerke gebaut: Unser Land hat keinen Cent dafür bekommen, dass hier rund 1/8 (!) der staatlichen Stromproduktion stattgefunden hat — und nach wie vor stattfindet. Das nennt man Ausbeutung.

Südtirol trägt also wenn überhaupt nur marginal zur regionalen Umverteilung bei. Ein schlechtes Gewissen braucht man dabei jedoch wohl keines zu haben, wenn man sieht, wie in Italien mit Steuergeldern umgegangen wird: Zum Beispiel wurde kürzlich eine prächtige Webseite finanziert, um den Tourismus anzutreiben. In einer Metropole wurde mit sehr viel Geld und Sonderbefugnissen ein funktionierendes Abfallwirtschaftssystem errichtet. Und ein römischer Minister geht sogar so weit, dass er EU-Fördergelder nach Brüssel zurückschicken möchte, weil die Regionen des Südens außerstande sind, sie sinnvoll einzusetzen. Italien hat kein Geldproblem.

Die Null-Solidarität.

Was wir hingegen drastisch steigern sollten, ist die externe Solidarität insgesamt. Da steht Südtirol zwar im Ruf, kleine Hilfsprojekte vorbildlich umzusetzen — das ist gut, reicht aber noch lange nicht. Erklärtes Ziel der UNO ist es, dass jedes Land mit durchschnittlich 0.7% des BIP zur Entwicklungszusammenarbeit beiträgt.

Davon sind wir noch weit entfernt: Ich habe zwar keine offiziellen Zahlen darüber gefunden, was Südtirol genau in die EZA investiert. Eine absolute Insiderin bestätigt mir aber, dass unser Land erst einen Bruchteil dieses Anteils beiträgt. Das ist für ein reiches Land beschämend, und hier sollten wir ansetzen, wenn wir unseren Reichtum sinnvoll in eine bessere Welt investieren möchten: Mehr, viel mehr Geld für wirklich Bedürftige!

Siehe auch: 1/

Colonialismi Solidarieté Vorzeigeautonomie Wirtschaft+Finanzen | | | | | UNO | Deutsch

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Ausländer rein!

Weil man gewisse Wahrheiten nicht oft genug wiederholen kann, und weil das Medienecho auf diese Aussendung der Grünen leider gering war, veröffentliche ich sie hier vollinhaltlich:

Integration, nicht Ausgrenzung! Sachlichkeit, nicht Panikmache! Redlichkeit, nicht Populismus!Verc.

Südtirol ist seit einigen Jahren ein Einwanderungsland, so wie alle Länder mit hohem Bruttosozialprodukt, und daran wird sich bis auf weiteres nichts ändern. Die Politik hat die Aufgabe die Menschen auf die damit einhergehenden Veränderungen vorzubereiten. Sie muss sich mit den Befürchtungen der bereits ansässigen Bevölkerung auseinandersetzen und den neu Angekommenen hilfreich zur Seite stehen, damit sie sich in ihrer neuen Umgebung zurechtfinden und eingliedern können. Leider macht die Politik bei uns derzeit genau das Gegenteil. Ängste und Vorurteile werden geradezu geschürt, teilweise auch durch die Verbreitung von Unwahrheiten, und die verunsicherte Bevölkerung wird beruhigt, indem man die Rechte der Eingewanderten beschneidet. Die Grünen lehnen die gegenwärtige politische Wende nach Rechts ab, wollen die Debatte mit Sachargumenten verbessern und nützliche Vorschläge machen. Vielfach wird behauptet, die Einwanderer kosten unser Land mehr als sie uns bringen. Das ist falsch. Wir haben die Sozialleistungen an die neuen Mitbürgerinnen und Mitbürger mit deren Steueraufkommen verglichen. Das Ergebnis mag manchen überraschen: Im Jahr 2005 haben die Nicht-EU-Arbeitnehmer durch regulär gemeldete Arbeit 229 Millionen Euro verdient und davon 71 Millionen Euro bei der INPS eingezahlt (für Pensionsleistungen, die viele niemals in Anspruch nehmen werden) sowie auch 52 Millionen an Einkommenssteuer (IRPEF). Im Gegenzug hat das Land für Sozialleistungen an Immigranten (Studienbeihilfen, Krankenhausaufenthalte, ärztliche Visiten, Sozialmaßnahmen wie Mietgeld) nicht mehr als 31 Millionen Euro ausgegeben. Davon wurden lediglich 7 Millionen für spezifische Maßnahmen wie interkulturelle Mediatoren, Sprachkurse, Einwanderervereinigungen u.Ä. eingesetzt. Schwer nachzuvollziehen, wo hier die angeblichen Privilegien der Einwanderer sein sollen!

Arbeit an Südtiroler zuerst?

In Südtirol herrscht Vollbeschäftigung, demnach nehmen die Immigranten keinem Einheimischen einen Arbeitsplatz weg. Wahr ist vielmehr, dass bestimmte Sektoren, etwa die Industrie, das Baugewerbe, die Landwirtschaft, der Fremdenverkehr oder die Sanität ohne die Nicht-EU-Arbeitskräfte nicht bestehen könnten. Gar nicht zu reden von den Reinigungsunternehmen oder dem Personal zur häuslichen Pflege: Tausende Familien sind auf diese wertvollen Kräfte dringend angewiesen. Wahr ist auch, dass die Schwarzarbeit entschlossen bekämpft werden muss, ebenso wie die Ausbeutung und die Rechtlosigkeit am Arbeitsplatz von denen vor allem viele Einwanderer betroffen sind. Indirekt werden dadurch ja auch gewerkschaftliche Errungenschaften in Frage gestellt, und die Folgen sind geringerer Schutz der Arbeit und weniger Einkommen für alle.

Sozialleistungen

Es ist einfach nicht wahr, dass die Einwanderer in diesem Bereich bevorzugt werden. Mit Ausnahme des Mietgeldes (mehr dazu weiter unten) können die wesentlichen Sozialleistungen erst nach fünfjährigem regulären Aufenthalt in Anspruch genommen werden. Sowohl das Familiengeld als auch der Beitrag zur Erreichung des Lebensminimums werden an EU-Bürger bereits nach dem ersten Tag ihrer Ansässigkeit ausbezahlt. Einwanderer aus Nicht-EU-Ländern müssen hingegen fünf Jahre warten. Wer aus der EU stammt, braucht nicht einmal einen festen Wohnsitz vorzuweisen; Nicht-EU-Bürger benötigen eine feste Anschrift und den Nachweis ununterbrochenen Aufenthalts.

Sozialwohnungen

Von 12.099 Wohnungen des WOBI sind derzeit 509 (4,2%) an Familien von außerhalb der EU zugewiesen. Es stimmt, dass diese Zahl merklich steigen wird, wenn man nach dem Bedarf vorgeht. Oder soll die Zuweisung etwa getrennt nach Proporz erfolgen? Selbst in diesem Fall hätten die Einwanderer noch Nachholbedarf! Besonders wenn man nicht die Gesamtbevölkerung als Maß nimmt, sondern nur die, die keine eigene Wohnung besitzen, also etwa 22 Prozent der Einheimischen und etwa 100 Prozent der Immigranten. In den Ranglisten des WOBI werden für die Ansässigkeit bis zu 11 Punkte vergeben, die man nach 27 Jahren erreicht. Mit 25 Punkten bekommt man in der Regel eine Wohnung. Kaum irgendwo in Europa hat die Ansässigkeit diesen Vorrang vor dem Bedarf und dieses Kriterium ist im vergangenen Herbst sogar verschärft worden. Wer zugewandert ist, hat weniger Chancen auf eine Wohnung. Für die Überfüllung einer Wohnung, wie sie bei Einwandererfamilien häufiger vorkommt als bei Einheimischen, werden hingegen neuerdings weniger Punkte vergeben als in der Vergangenheit. So sind manche Immigranten von einem Tag auf den anderen in der Rangliste weit nach hinten gerutscht. Seit etlichen Jahren wurden die Sozialwohnungen nach dem Kriterium des Bedarfs zugewiesen, wobei man den Proporz zwar im Auge behalten, aber nicht angewandt hat. Wenn man jetzt eine eigene Rangliste für Einwanderer einführen will, vielleicht gar mit einer Obergrenze für die Zuweisungen, so wirft uns das um zwanzig Jahre zurück. Der Bedarf muss jedoch das einzige Kriterium für die Gewährung von sozialer Unterstützung bleiben. Wenn die bereits oben geschilderte Arbeitssituation dazu führt, dass einige Teile der Bevölkerung ärmer sind und mehr Hilfe brauchen, so sollen sie diese auch bekommen und zwar unabhängig von ihrer Herkunft.

Das Wohngeld

Diese Art der Unterstützung hat die stärksten Polemiken um die Privilegien der Einwanderer ausgelöst. Tatsächlich geht annähernd ein Drittel der entsprechenden Ausgaben des Landes an Nicht-EU-Einwanderer. Bisher wurde diese Hilfe unabhängig von der Dauer der Ansässigkeit im Land ausbezahlt; nun soll sie laut Landesregierung erst nach fünf Jahren gewährt werden. Dazu sollte man folgendes bedenken: Alle Beiträge zur Miete an die Einwanderer fließen direkt in die Taschen der einheimischen Eigentümer der Wohnungen. Die einheimischen Familien suchen weniger häufig um Mietgeld an, da sie zu einem großen Teil (fast 80 %) im Besitz einer Eigentumswohnung sind. Die Einwanderer sind die besten Kunden auf dem Mietmarkt. Sie können keine großen Ansprüche stellen und sind gezwungen auch für schlechte Wohnungen überhöhte Mieten zu bezahlen. Um das Ausufern der Ausgaben für das Mietgeld einzugrenzen, schlagen die Gewerkschaften seit längerem vor, dass das Land Mietwohnungen zum Landesmietzins für die Dauer von 8 Jahren anbieten soll. So besteht eine Alternative zum privaten und überteuerten Angebot und die Mietbeihilfe kann entsprechend zurückgeschraubt werden. Die Grünen im Landtag haben am 10. Juli einen entsprechenden Antrag eingebracht.

Sprache und Schule

Es ist falsch, die Kinder, welche die lokalen Sprachen noch nicht ausreichend beherrschen, in getrennte Sprachzentren zu verbannen. Auf diese Weise wird ihre Integration verzögert, sie haben vorwiegend Kontakt mit anderen ausländischen Kindern, anstatt sich an die einheimischen zu gewöhnen und mit ihnen die Sprache im Alltagsgebrauch zu praktizieren und zu lernen. Dies geht auf Kosten der Motivation und auch des Lernerfolgs. Besser wäre es die Schulen mit mehr Mitteln auszustatten, so dass sie sich den eingewanderten Kindern intensiver widmen können. Der Spracherwerb sollte im Wesentlichen in der normalen Klasse stattfinden. In einigen italienischen Oberschulen (7 in Bozen, eine in Meran und eine weitere in Brixen) wurde ein Projekt erfolgreich umgesetzt mit dem der Spracherwerb und die Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund verbessert werden können. Dieses Modell könnte auch in Volks- oder Mittelschulen Anwendung finden. Mittelfristig wird auch die deutsche Schule sich mit diesem Phänomen stärker auseinandersetzen müssen. Bisher war die schwierige Aufgabe der Integration ausländischer Schüler weitgehend den italienischen Schulen anvertraut, ohne dass sie dafür besonders gefördert worden wären. Günstig wäre es vielleicht (dies müsste allerdings national geregelt werden), die Familienzusammenführungen auf die Frühjahrsmonate zu konzentrieren. Die Neuankömmlinge könnten so im Sommer in Kursen auf die Sprachen vorbereitet werden, was die Eingliederung in die Schule für alle Beteiligten (die Lehrkräfte, die Kinder und deren Familien) wesentlich erleichtern würde.

Rechte und Pflichten

Wer fremd ist in Südtirol hat dieselben Pflichten wie wir Einheimischen. Allenfalls fehlt es an den Rechten. Ein Grundrecht, von dem die Immigranten ausgeschlossen sind, ist die Beteiligung an den Wahlen. Wer in diesem Land lebt und arbeitet und seine Steuern bezahlt, sollte auch mitentscheiden können, wer ihn im Gemeinderat vertritt.

© Verdi – Grüne – Vërc, letzte Änderung: 13.07.2007

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Sport als Engagement.

FC Barcelona.Dass Sport unpolitisch sein muss, ist ein kapital(istisch)es Missverständnis, das mit der fortschreitenden Vermarktung der körperlichen Ertüchtigung in unsere Gesellschaft eingraviert wurde. Im Grunde ist dies nichts anderes als eine Rückkehr zu panem et circenses, dem Sport als Ablenkung, als reine Belustigung und Volksverblödung.

Von dieser Entwicklung konsequent ferngehalten hat sich der große katalanische Fußballclub FC Barcelona, der während der spanischen Diktatur eine Bastion des sportlichen Antifranquismus war. Mit der »transició«, dem Übergang Spaniens zur Demokratie, ist diese Geisteshaltung nahtlos in ein deutliches Engagement für die Gleichberechtigung und Autonomie Kataloniens übergegangen; Katalanisch ist offizielle Sprache des Klubs, und die Führung setzt sich unmissverständlich für die Einführung unabhängiger katalanischer »National«-Teams ein.

Über Jahrzehnte hat sich die kulturelle Tradition des Vereins auch über die Verweigerung gezeigt, einen Hauptsponsor (Trikotsponsor) zu führen. Nur das vereinseigene Wappen thronte gut sichtbar auf den Spielerbrüsten. Seit der laufenden Spielsaison hat Barça nun den Spieß sogar umgedreht: Auf den Trikots ist jetzt das Logo der Unicef abgebildet. Für dieses Privileg überweist der Verein über seine Stiftung jährlich 1.5 Mio. Euro an das UN-Kinderhilfswerk. Ein wunderbares Beispiel, wie tugendhaft sich Engagement und Engagement verketten können. Und wie wohltuend es sein kann, wenn Fußball nicht Hooligans bedient, sondern Ideale.

Siehe auch: 1/ 2/

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Burma day.

Der Verein Helfen ohne Grenzen organisiert am 30.09.06 in Bozen den »Burma day«. Detaillierte Informationen sind auf der eigens eingerichteten Internetseite verfügbar.

In Burma werden Menschenrechte mit Füßen getreten, Minderheiten brutalst mit Waffengewalt unterdrückt. Von Problemen wie jenen hier in Europa können die Menschen dort nur träumen. Solidarität ist dringend nötig und für demokratisch gesinnte Menschen unaufschiebbar.

Link: [Burma Indymedia]

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