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Sport als Engagement.

FC Barcelona.Dass Sport unpolitisch sein muss, ist ein kapital(istisch)es Missverständnis, das mit der fortschreitenden Vermarktung der körperlichen Ertüchtigung in unsere Gesellschaft eingraviert wurde. Im Grunde ist dies nichts anderes als eine Rückkehr zu panem et circenses, dem Sport als Ablenkung, als reine Belustigung und Volksverblödung.

Von dieser Entwicklung konsequent ferngehalten hat sich der große katalanische Fußballclub FC Barcelona, der während der spanischen Diktatur eine Bastion des sportlichen Antifranquismus war. Mit der »transició«, dem Übergang Spaniens zur Demokratie, ist diese Geisteshaltung nahtlos in ein deutliches Engagement für die Gleichberechtigung und Autonomie Kataloniens übergegangen; Katalanisch ist offizielle Sprache des Klubs, und die Führung setzt sich unmissverständlich für die Einführung unabhängiger katalanischer »National«-Teams ein.

Über Jahrzehnte hat sich die kulturelle Tradition des Vereins auch über die Verweigerung gezeigt, einen Hauptsponsor (Trikotsponsor) zu führen. Nur das vereinseigene Wappen thronte gut sichtbar auf den Spielerbrüsten. Seit der laufenden Spielsaison hat Barça nun den Spieß sogar umgedreht: Auf den Trikots ist jetzt das Logo der Unicef abgebildet. Für dieses Privileg überweist der Verein über seine Stiftung jährlich 1.5 Mio. Euro an das UN-Kinderhilfswerk. Ein wunderbares Beispiel, wie tugendhaft sich Engagement und Engagement verketten können. Und wie wohltuend es sein kann, wenn Fußball nicht Hooligans bedient, sondern Ideale.

Siehe auch: 1/ 2/

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2 replies on “Sport als Engagement.”

In diesem Zusammenhang möchte ich hier auch noch die auszugsweise Übersetzung des vorzüglilchen Artikels über den FC Barcelona in der spanischen Wikipedia (Stand vom 190707) veröffentlichen.
“Sozialpolitische Dimension des Clubs

Heute vereint der FC Barcelona Mitglieder und Unterstützer unterschiedlicher politischer Ideologie, Konfession und geografischer Herkunft. Dennoch entsprach die enorme »soziale Masse« des Clubs laut einer großen Anzahl von Historikern und Soziologen aus historischer Sicht nicht nur sportlichen Motiven, sondern auch dem repräsentativen Charakter, den der Club für viele Fans hatte und auch heute noch hat.

Der Verein, der als bekannteste gesellschaftliche Vereinigung Kataloniens außerhalb der Landesgrenzen gilt, hat in seiner langen Geschichte eine repräsentative Funktion der pro-katalanischen Werte eingenommen, die der Club in zahlreichen Momenten öffentlich verteidigt hat, wie der englische Journalist Jimmy Burns in seinem Buch Barça, die Leidenschaft eines Volkes hervorgehoben hat. Der Verein hat sich immer durch Aktivitäten und Gesten zugunsten der katalanischen Kultur und Sprache ausgezeichnet, die – mit Ausnahme des Franquismus – stets die offizielle Sprache des Clubs war. Außer in ebendieser Epoche hat der Mannschaftskapitän auch immer die katalanischen Nationalfarben an der Armbinde getragen. Zudem hat sich der Club formal und öffentlich stets für eine größere Autonomie Kataloniens stark gemacht, und Manifeste zur Unterstützung der Autonomiestatute von 1931, 1979 und zuletzt 2005 mitunterzeichnet.

Dieser langjährige Einsatz zugunsten katalanischer Werte wurde am 21. Dezember 1992 öffentlich anerkannt, als die Generalitat de Catalunya unter dem Vorsitz von Jordi Pujol dem Verein die Creu de Sant Jordi, die höchste Auszeichnung der katalanischen Regierung, überreichte.

Einige Historiker und Essayisten, wie Manuel Và¡zquez Montalbà¡n, gingen so weit zu behaupten, dass der FC Barcelona im internationalen Kontext für viele Katalanen die Funktion einer Ersatz-Nationalmannschaft übernommen hat, und dies trotz einer langen Tradition von spanischen und ausländischen Spielern im Team. Diese Beobachter behaupten auch, dass dies ein Mitgrund für die Vertretung des Clubs in so vielen unterschiedlichen Sportarten sei – etwa dem Basket, Handball, Rollerhockey, Leichtathletik, Volleyball usw.

In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass der FC Barcelona sich offiziell für die internationale Anerkennung eigener katalanischer Nationalmannschaften ausgesprochen hat. Nicht nur, dass er im Laufe der letzten Jahre die Abhaltung von Freundschaftsspielen zwischen der katalanischen Auswahl und internationaler Teams obersten Rangs (wie Brasilien oder Argentinien) gefördert hat – der Club hat auch noch seine Infrastruktur kostenlos und all seine katalanischen Spieler kostenlos zur Verfügung gestellt. Außerdem hat Barça auch für dieses Ziel öffentliche Manifeste unterzeichnet. Während dem Vorsitz von Joan Laporta, haben derselbe und einige Spieler wie Oleguer an einer Kampagne der »Plattform für katalanische Nationalmannschaften« (Plataforma Pro-Seleccions) teilgenommen, die unter dem Slogan »Eine Nation, eine Mannschaft« (una nació, una selecció) große Medienwirksamkeit in Katalonien erreichte.

Trotz seines Engagements für den Katalanismus, konnte der Verein stets auf eine große Anzahl Unterstützer und Mitglieder in ganz Spanien zählen, die besonders durch die sportlichen Werte der Mannschaft angezogen wurden. Einige Historiker glauben, dass zusätzlich zu sportlichen Werten viele spanische Fans auch die politische Ausrichtung des katalanischen Clubs schätzen, den sie als Alternative zum »politischen Zentralismus« sehen, mit dem man Real Madrid seit der Franco-Diktatur identifiziert. In jenen Jahren wurde der Spruch geboren, der FC Barcelona sei »mehr als ein Club«. Ein Satz, der mittlerweile zum bekanntesten Slogan der Mannschft geworden ist.

Andererseits hat Barça besonders während der ersten Jahre seines Bestehens auch Sympathisanten des Republikanismus (für die Abschaffung der Monarchie) angezogen. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts unterstrichen zahlreiche Vorkommnise die Komplizität des Clubvorstandes mit republikanischen Idealen. Im Unterschied zur großen Mehrheit spanischer Mannschaften bat der FC Barcelona auch nie um die Anerkennung durch die Monarchie oder um die Verleihung des Titels »Real«.

[…]

In jüngeren Zeiten hat sich der Club durch seine großzügige Solidarität ausgezeichnet. Anfang der 80er-Jahre wurde erstmals ein Freundschaftsspiel zugunsten von UNICEF organisiert, als der FC Barcelona gegen die Mannschaft der »Human Stars« (einer Auswahl der weltbesten Fußballer) antrat. Mitte der 90er wurde die Initiative wiederholt. Auch in diesem Jahrzehnt hat der Verein seine Zusammenarbeit mit verschiedenen Projekten zur Drogenbekämpfung fortgesetzt, mit Spielen, deren Einnahmen dem »Projekt Mensch« zugute kamen.

Mit der Wahl Joan Laportas zum Vereinspräsidenten vergrößerte der Verein seinen Einsatz noch einmal stark. Der Club sollte internationale Anerkennung für sein Sozialengagement erhalten. Ende 2005 organisierte der FC Barcelona ein Freundschaftsspiel mit einer Mannschaft von Israelis und Palästinensern, die zum ersten Mal gemeinsam spielten. Im Laufe der letzten Jahre unterschrieb Barça eine Reihe von Zusammenarbeits-Abkommen mit NGOs und unterstützte so die Entwicklungshilfe in der dritten Welt.

Seit 2006 gibt der Verein mit 1,5 Mio. Euro 0,7% seines Jahresbudgets an UNICEF ab, damit diese damit weltweit die Lebensverhältnisse von Kindern verbessere. Außerdem ließ FC Barcelona das Logo von UNICEF gratis als Hauptsponsor auf’s Trikot der ersten Mannschaft drucken.” – ein millionenschweres Geschenk.

[Hervorhebungen von mir.]

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