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Hegemoniale Zweisprachigkeit.
Quotation

Die Hegemoniale Zweisprachigkeit ist eine Art von Zweisprachigkeit, bei der eine hinzugekommene Sprache eine autochthone Sprache überlagert. Diese hinzugekommene Sprache wird mit einer Reihe politischer, ökonomischer, kultureller und administrativer Machtfaktoren assoziiert, die nicht nur die erzwungene Einführung einer generalisierten Zweisprachigkeit in den anderssprachigen Gemeinschaften rechtfertigen, sondern die sie für viele Personen dieser Gemeinschaften vorteilhaft und sogar unerlässlich werden lassen. Zudem wird die Sprache mit einem Prestige und einer Attraktivität ausgestattet, die die freiwillige und sogar begeisterte Bilinguisierung fördert. Die Hegemoniale Zweisprachigkeit generiert eine suprematistische Ideologie, die in der Überhöhung des Werts der hegemonialen und in der Entwertung der autochthonen Sprachen besteht, die die mit der hegemonialen Sprache assoziierten positiven Eigenschaften nicht oder in viel geringerem Maß aufweisen. Diese Entwertung und Geringschätzung der untergeordneten Sprache führt dazu, dass sie in der zweisprachigen Gesellschaft immer weniger und immer eingeschränkter genutzt wird, was bis zum Verschwinden der untergeordneten Sprache führen kann.

Die Hegemoniale Zweisprachigkeit kann also mit folgenden Eigenschaften beschrieben werden:

Sie

  • führt dazu, dass eine eingeschränkte und unzureichende Verwendung und Kenntnis der dominierenden Sprache als schwerwiegendes Defizit wahrgenommen wird, während es absolut zulässig und vernünftig erscheint, die dominierten Sprachen eingeschränkt und unzureichend zu verwenden und zu beherrschen;
  • generiert Ungleichheit und verletzt die sprachlichen Rechte der Gemeinschaften, die sie erleiden;
  • erzeugt und fördert den autochthonen Sprachen gegenüber eine geringschätzende Haltung, die zur fortschreitenden Einschränkung ihres Gebrauchs und ihrer Kenntnis führt;
  • schafft Formen kultureller Unterdrückung, die zu Widerstandsreaktionen führen können — dieser Widerstand gegen die Hegemoniale Zweisprachigkeit wird von der Gemeinschaft der dominierenden Sprache als reaktionär und partikularistisch gewertet.

Generell ist die Hegemoniale Zweisprachigkeit eine Form von Zweisprachigkeit, die von Natur aus die sprachliche Ungleichheit und Marginalisierung der Gemeinschaften, die eine dominierte Sprache sprechen, bewirkt und fördert. Zur Rechtfertigung der Hegemonialen Zweisprachigkeit werden diese von der Ungleichheit hervorgerufenen Auswirkungen nicht der Hegemonialen Zweisprachigkeit selbst, sondern den Widerständen der dominierten Sprachgemeinschaften zugeschrieben. Nicht die Hegemoniale Zweisprachigkeit selbst grenze — der sie fördernden Ideologie zufolge — aus und diskriminiere, sondern die Absichten derer, die Widerstand gegen die Vorherrschaft der hegemonialen Sprache leisten, sie in Frage stellen oder die Kenntnis der dominierten Sprachen generalisieren wollen.

Wenn ich — zum Beispiel — sage: »Ich verstehe gut Katalanisch, obschon ich es nicht gut spreche«, wird niemand denken, dass ich ein Ignorant oder ein fanatischer spanischer Nationalist bin. Wenn andersherum ein Katalanischsprecher es zu sagen wagt, dass er gut Kastilisch [Spanisch] versteht, es aber nicht korrekt sprechen kann, werden viele Menschen sagen, dass er ein Ignorant oder ein fanatischer katalanischer Nationalist sei.

Auszüge aus dem Vortrag Els mites lingüístics del supremacisme espanyolista von Prof. Juan Carlos Moreno Cabrera (Universidad Autonoma de Madrid UAM) vom 3. Oktober 2022 in Barcelona. Transkription und Übersetzung von mir.

Siehe auch 1/ 2/ 3/ 4/ 5/

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Der Antifaschismus der Jungen Generation.

Es gelten also noch Prinzipien in der Südtiroler Volkspartei (SVP), zumindest scheint sie die Junge Generation (JG) wiedergefunden zu haben.

Nach der Landtagswahl 2018 war ja unter dem Vorsitz des heutigen Parteisekretärs Stefan Premstaller noch für eine Zusammenarbeit mit der Lega plädiert worden. Zum Jahrestag der am 10. Oktober 1920 vollzogenenen Annexion rief der stellvertretende Vorsitzende der SVP-Jugendorganisation, Fabian Gufler, gestern hingegen »zum Widerstand der gesamten Gesellschaft gegen faschistische Tendenzen« auf. Die SVP sei im Widerstand geboren worden und stehe in einer antifaschistischen Tradition. Das müsse auch 77 Jahre nach Gründung gelten, weshalb die JG von der Mutterpartei ein klares Nein zu Giorgia Meloni (FdI) fordert.

Derzeit ist noch völlig unklar, wie sich die Abgeordneten der Volkspartei im italienischen Parlament gegenüber einer wahrscheinlichen Regierung unter Führung der postfaschistischen FdI verhalten werden. Die Parteigremien müssen darüber noch befinden.

Siehe auch 1/ 2/ 3/

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FdI: Wir alle sind Erben von Mussolini.

Kein Geringerer als Ignazio Benito La Russa, neben Giorgia Meloni und Guido Crosetto Gründer von Fratelli d’Italia, hat sich am 15. September in einer Auseinandersetzung mit dem Präsidenten der Region Apulien, Michele Emiliano, zur Aussage hinreißen lassen, er sei ein Erbe von Diktator Benito Mussolini.

Emiliano hatte zuvor der Hoffnung Ausdruck verliehen, dass die italienische Bevölkerung noch eine Regierung abwenden könnte, die von den Erben des Faschismus angeführt wird.

La Russa: [Michele Emiliano] redet zwar positiv über [Giuseppe] Tatarella, sagt dann aber, dass wir Erben des Duce sind. Ich fühle mich Tatarella sehr nahe und das wissen Sie.

Emiliano: Würden Sie den Vater Ihrer politischen Bewegung verleugnen?

La Russa: Wir sind alle Erben des Duce wenn du Erben jenes Italien meinst. Wir sind alle Erben unserer Väter, unserer Großväter und unserer Urgroßväter.

aus der Sendung L’Aria Che Tira auf La7, Übersetzung von mir

Emiliano widersprach dem rechtsradikalen Ex-Minister, er fühle sich als unwürdiger Erbe des antifaschistischen Widerstandes, aber nicht als Erbe des Duce.

Doch FdI will die Distanzierung vom faschistischen Regime nicht wirklich gelingen — selbst in der Führungsetage.

Siehe auch 1/ 2/ 3/ 4/ // 1/ 2/ 3/

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Wer nicht aneckt…
Quotation

The more we gave in and complied, the worse they treated us.

– Rosa Parks

Je mehr wir nachgaben und uns fügten, desto schlechter behandelten sie uns.

Übersetzung von mir

Siehe auch 1/ 2/ 3/ 4/

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Widerständige Beziehungen.

Seit dem 14. Mai und noch bis zum 30. Juli läuft bei ar/ge kunst in der Bozner Museumstraße die Ausstellung Unruly Connections von Alessandra Ferrini (Kurator Emanuele Guidi), die sich mit der italienischen Kolonialgeschichte und ihrer Verschleierung befasst.

Unruly Connections (widerständige Beziehungen) erkundet Praktiken des Widerstands gegen koloniale Gewalt und verknüpft drei Geschichten miteinander, die das „ikonografische Schweigen“ gegenüber der Unterdrückung von Widerstand im Libyen der späten 1920er-Jahre durchbrechen.

– aus der Ausstellungsbeschreibung

Die Übersetzung des von italienischer Zensur getroffenen antikolonialen Romans Der Rekrut von Gebreyesus Hailu wird in der Ausstellung »mit den Geschichten des dänischen Journalisten Knud Holmboe (1902–1931) sowie der Schriftstellerin, anarchistischen Aktivistin und Feministin Leda Rafanelli (1880–1971)« verschränkt.

Darüber hinaus setzt sich Unruly Connections mit der sogenannten „friedlichen Durchdringung“ auseinander, in der die Historikerin Roberta Pergher eine den italienischen Binnen- und Außenkolonialismus miteinander verbindende Praxis der Besiedlung insbesondere in Südtirol und Libyen erkennt. In spiegelbildlicher Weise werden Der Rekrut und die Ereignisse der in Südtirol angeordneten Zwangsrekrutierung zur Zeit der Besetzung Äthiopiens 1935/36 nebeneinandergestellt und lassen so die komplizierte Beziehung zwischen dem Prozess der Italianisierung sowie den „Rassenhierarchien“, die den europäischen Imperialismus kennzeichnen, anschaulich werden.

– aus der Ausstellungsbeschreibung

Siehe auch 1/ 2/ 3/ 4/ 5/ 6/ 7/ // 1/

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Autorinnen und Gastbeiträge

Die klaren Worte der Liliana Segre.
Holocaust-Überlebende und Senatorin wirbt für Ukraine

Liliana Segre warb am 25. April, Tag des italienischen Gedenkens an die Befreiung vom »Nazi-Faschismus«, für uneingeschränkte Solidarität mit der von Russland überfallenen Ukraine. Es gehe gar nicht, am Tag der Befreiung das Partisanenlied Bella Ciao anzustimmen, ohne an die Lage in Osteuropa zu denken. »Sie sind überfallen worden«, sagte Segre im Interview mit der Tageszeitung Corriere della Sera, »ihr Widerstand muss unterstützt werden«.

Für Teile von Partisanen, Linken und Pazifisten eine Provokation. Auch innerhalb des Partisanenverbandes ANPI taten sich Brüche auf. Die Jüdische Brigade erklärte sich mit der Ukraine solidarisch, kündigte an, am 25. April mit Ukraine- und Israel-Fahnen auftreten zu wollen — und, ja, auch mit NATO-Flaggen.

Die sich als Erben des antifaschistischen Widerstandes fühlenden Linken hingegen kritisieren die NATO und die USA für Waffenlieferungen an die Ukraine. Sie demonstrierten vor NATO-Stützpunkten, nicht aber vor der russischen Botschaft.

»Frieden wird nicht dadurch erreicht«, hielt Liliana Segre den linken NATO-GegnerInnen entgegen, »dass man gleichgültig bleibt«. Sie befürwortete den Auftritt einer Ukrainerin bei der Veranstaltung des Partisanenverbandes ANPI in Mailand. »Ich begrüße diese Entscheidung, sie ist ein Zeichen der Solidarität mit den vielen Alten, Frauen, Kindern, die gezwungen sind, ihr Land zu verlassen«, klagte Segre im Corriere-Interview an.

»Sich neutral zu verhalten ist nicht möglich, die Äquidistanz zwischen Aggressor und Opfer ist falsch. Das ukrainische Volk wurde von den Russen angegriffen und sein Widerstand muss unterstützt werden«, stellte die Senatorin auf Lebenszeit bestimmt fest. Für sie gibt es in diesem Krieg keine neutrale Haltung. Segre unterstützt deshalb auch die Lieferung westlicher Waffen an die Ukraine. Mit dem russischen Eroberungskrieg sei der Krieg wieder ins Herz Europas zurückgekehrt, erinnerte die 92-jährige Senatorin Pazifisten und Linke an den Verursacher der Aggression, an Russland.

Segre überlebte das KZ Malchow in Norddeutschland. Der 25. April hat für sie einen doppelten Wert, an diesem Tag wurde Mailand befreit und die angloamerikanischen Armeen sowie die sowjetische Rote Armee gingen gemeinsam gegen Nazi-Wehrmacht und Waffen-SS vor.

»Ich war noch im KZ Malchow, dorthin bin ich von den Nazis als letzte Etappe des “Todesmarsches” von Auschwitz aus verlegt worden. Ich erinnere mich an große Nervosität unter unseren Peinigern, während wir nicht verstanden, was geschah. Es waren einige französische Gefangene der Deutschen, die in jenen Apriltagen am Stacheldraht vorbeikamen und uns sagten: Sterbe nicht, warte, der Krieg ist im Begriff, zu enden«, erinnert sich Segre an ihre Befreiung.

Die Senatorin auf Lebenszeit zeigt außerdem wenig Verständnis dafür, dass das Parlament den 26. Jänner zum Nationalen Gedenk- und Opfertag der Alpini erklärt hat. An diesem Tag fand die Schlacht im russischen Nikolajewka zwischen der Roten Armee und deutsch-italienischen Invasionstruppen statt. Die Alpini sicherten den Rückzug. »Es war ein ehrenvolles Unterfangen im Kontext eines unehrenhaften Krieges, den der Faschismus wollte«, versuchte Segre die gewürdigte Tapferkeit der Alpini zurechtzurücken. Das faschistische Italien hatte gemeinsam mit Nazi-Deutschland einen souveränen Staat überfallen, die damalige UdSSR.

Einen Tag später, am 27. Jänner, erinnert sich die Welt an die Befreiung von Auschwitz und an die Opfer der Shoah. »Wenn der Nazi-Faschismus gewonnen hätte, gäbe es keinen 25. April. Und auch nicht Freiheit«, kommentiert Liliana Segre die Parlamentsentscheidung, die Alpini des Zweiten Weltkrieges zu würdigen und hochleben zu lassen.

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Autorinnen und Gastbeiträge

Boykottiert Putin!

In einem Offenen Brief fordern europäische Intellektuelle einen Importstopp für russisches Öl und Gas

Eine ganze Reihe von Persönlichkeiten appelliert an die EU und ihre Mitgliedsstaaten, auf russisches Öl und Gas zu verzichten. Zu den Unterzeichnern des Aufrufs zählen beispielsweise Charlotte Knobloch, ehemalige Vizepräsidentin des Jüdischen Weltkongresses, der CDU-Politiker Norbert Röttgen, Constanze Stelzenmüller vom Brookings Institution in Washington, der Berliner Pianist Igor Levit und der bei Putin in Ungnade gefallene Oligarch Michail Chodorkowski.

Die Unterzeichnenden erinnern daran, dass die EU seit Beginn der russischen Invasion der Ukraine russisches Öl, Gas und Kohle im Wert von bald 20 Milliarden Euro importiert hat. Diese Devisen halten die Kriegsmaschine am Laufen.

Der geforderte Boykott, ein Kraftakt zweifelsohne, finden die UnterzeichnerInnen, aber bitter notwendig:

Die Europäische Staatengemeinschaft muss alles in ihrer Macht Stehende unternehmen, um den vernichtenden Krieg gegen die Ukraine, die Zerstörung ganzer Städte und unendliches Leid der Zivilbevölkerung aufzuhalten.

Ein Appell, der von UnternehmerInnen, außenpolitischen ExpertInnen, WissenschaftlerInnen, ehemaligen und aktuellen Abgeordneten sowie zahlreichen Vertretern der Zivilgesellschaft mitgetragen wird. Sie alle eint der Appell, »unserer historischen Verantwortung des “Nie wieder” angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine gerecht zu werden«, begründet das Zentrum Liberale Moderne die Initiative. Es ist eine große Kraftanstrengung notwendig, um die Folgen dezeitlich begrenzten Boykotts gegen Russland abzufedern. »Aber die Kosten eines halbherzigen Handelns könnten sehr viel höher werden,« warnen die AutorInnen des Offenen Briefes.

»Deutschland hat immer wieder beschworen«, zitiert das Zentrum Liberale Moderne den Pazifisten-Slogan, »dass es “Nie Wieder” Eroberungskriege und Verbrechen gegen die Menschlichkeit geben darf«, »heute ist die Stunde gekommen, dieses Gelöbnis einzusen«. Es müsse alles versucht werden, Putins Kriegsmaschine mit politischen und ökonomischen Möglichkeiten zu stoppen.

Es geht um unsere Verantwortung vor der Geschichte und um Europas Zukunft. Wir müssen handeln. Jetzt.

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Desmond Tutu, Tod eines Gerechten.

Gestern ist in Kapstadt/iKapa (Südafrika) der ehemalige anglikanische Erzbischof und Primas Desmond Mpilo Tutu 90-jährig aus dem Leben geschieden. 1984 für seinen Einsatz für die Menschenrechte mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, saß der Vorkämpfer gegen die Apartheid ab 1996 der von Nelson Mandela eingesetzten Wahrheits- und Versöhnungskommission vor.

Nach seinem offiziellen Rückzug aus dem öffentlichen Leben setzte er sich weiterhin unermüdlich für Menschenrechte ein, sprach sich für die Sterbehilfe und die Rechte von Homosexuellen aus, kritisierte den Umgang mit der Whistleblowerin Chelsea Manning. Er legte sich mit den Regimes in Myanmar und Saudi Arabien an und verurteilte Donald Trumps Entscheidung, die Botschaft der USA in Israel nach Jerusalem zu verlegen.

Weniger bekannt war hingegen sein Einsatz für das Selbstbestimmungrecht der katalanischen Bevölkerung und für den baskischen Separatistenführer Arnaldo Otegi. Davon war auch in den meisten Nachrufen nichts zu lesen oder zu hören.

Siehe auch 1/ 2/ // 1/

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