Post kaputt, Justiz kaputt.

Die höchstmögliche Strafe (von 5 Millionen Euro) hat die italienische Wettbewerbsbehörde AGCM gegen die italienische Post verhängt, weil sie ihrer Ansicht nach massiv gegen das Konsumentenschutzgesetz verstoßen hat.

Konkret geht es um die Zustellung sowie die elektronische Entgegennahme von eingeschriebener Post, wobei die Behörde einerseits Kundentäuschung und sogar gesetzwidrige Zustellungspraktiken nachweisen konnte, andererseits aber auch eine Schädigung des Justizsystems beklagt. Der Post anzulastende Verspätungen und Zustellungsfehler hätten in vielen Fällen zur Beendigung von Prozessen wegen Überschreitung der Verjährungsfrist geführt.

AGCM selbst beklagt, dass die Höhe der Strafe angesichts eines spezifischen Umsatzes der italienischen Post von 3.492 Millionen (in 2019) keinerlei abschreckende Wirkung haben könne. Der italienische Staat — so die Wettbewerbsbehörde — habe die EU-Richtlinie 2161/2019 nicht umgesetzt, die Strafen bis 4 Prozent des Jahresumsatzes vorsehe. Im vorliegenden Fall wären das 140 statt 5 Millionen Euro.

Siehe auch:

Postdienst Recht Verbraucherinnen Wirtschaft+Finanzen | | | | Italy | | Deutsch

Der Kassabon wird einsprachig.

Für viele unbemerkt wurde hierzulande wieder einmal eine technologische Änderung umgesetzt, die für viele Betriebe zunächst mit organisatorischem Aufwand und Ausgaben verbunden war: alle Registrierkassen, die nicht bereits dafür vorbereitet waren, mussten mit neuen Geräten ersetzt werden, die ihre Daten elektronisch mit der Einnahmenagentur austauschen können.

In diesem Zuge kam es de facto — wie so oft, wenn Neuerungen im digitalen Bereich eingeführt werden — zu einem deutlichen Schub weg von der Zweisprachigkeit und hin zur alleinigen Staatssprache.

Seit dieser kleinen Revolution halten wir nach einem Einkauf keine herkömmlichen Kassenbelege mehr in der Hand, sondern ein »Handelsdokument«, das »einen Verkauf oder eine Dienstleistung« bescheinigt. Große Teile dieses Dokuments — nämlich jene, die ich im obigen Beispiel rot hinterlegt habe — sind in der Praxis nur noch einsprachig. Jedenfalls habe ich seit der Umstellung noch kein Exemplar in die Hand bekommen, auf dem diese Angaben auch auf Deutsch angeführt gewesen wären.

Dabei ist es — wie bei der elektronischen Rechnung — relativ unerheblich, ob die neuerliche Italianisierung ausdrücklich ins Gesetz (oder in die technischen Spezifikationen für die Geräte) geschrieben wurde oder ob es sich »nur« um eine Nebenwirkung handelt. Das Ergebnis ist und bleibt, dass die Digitalisierung im Nationalstaat zur sprachlichen Homogenisierung führt. Ob ÖSDI, elektronische Rechnung, digitale Unterschrift oder jetzt die Vernetzung der Registrierkassen — bei diesen strukturellen Eingriffen von oben wird die staatliche lingua franca zum Nachteil der Minderheitensprachen gestärkt.

Siehe auch:

Discriminaziun Minderheitenschutz Nationalismus Plurilinguismo Tech&Com Verbraucherinnen Wirtschaft+Finanzen | Italianizzazione | | | Italy Südtirol/o | | Deutsch

Spusu: Der Südtirol-Anbieter?

Der österreichische Mobilfunkprovider Spusu hat den Schritt auf den italienischen Markt gewagt und glänzt — zumindest derzeit noch — mit einigen für Südtirol relevanten Eigenschaften.

Ausschnitt der Webseite von Spusu. Für blinde und gehörlose Nutzerinnen gibt es günstigere Konditionen.

Der Webauftritt ist neben Italienisch weitestgehend auch auf Deutsch verfügbar. Auch das Kundenservice soll in beiden Sprachen funktionieren, wie Nutzerinnen berichten. Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zu anderen Anbietern — einschließlich Sija, wo wir dies bemängelt hatten — ist zudem, dass die Tarife nicht auf Italien fokussiert sind. Sämtliche inkludierte Minuten lassen sich nicht nur im Roaming, sondern auch für Anrufe ins EU-Ausland nutzen.

Spusu nutzt das Netz von Wind Drei und zählt somit zu den virtuellen Anbietern.

Unklar ist im Augenblick jedoch, ob sich die deutschsprachige Spusu-App auch mit einem italienischen Anschluss nutzen lässt.

Nachtrag vom 2. Juli 2020: Der Brief, mit dem die SIM-Karte zugestellt wird und der wichtige Hinweise beinhaltet, ist einsprachig italienisch. Die deutschsprachige Spusu-App ist leider auch nicht mit einer italienischen Spusu-Nummer nutzbar. Der Anrufbeantworter ist einsprachig italienisch (kann aber mit einer eigenen Tondatei ersetzt werden).

Nachtrag vom 7. Juli 2020: Spusu schreibt uns:

Wir arbeiten bereits daran, weitere Dokumente und Inhalte auch auf Deutsch zur Verfügung zu stellen. Im Laufe der nächsten Monaten wird alles ergänzt – bis auf die rechtlichen Dokumente (z.B. Condizioni Generali di Contratto), die wird es auch weiterhin nur auf Italienisch geben.

Das ist einerseits erfreulich. Andererseits bleibt Deutsch eine »Fassadensprache«. Das was wirklich zählt bleibt einsprachig.

steht in keinem — auch nicht werbetechnischen — Verhältnis zu Spusu. Der vorliegende Beitrag begründet keinerlei Ansprüche gegenüber oder Spusu. Es gelten ausschließlich die Konditionen des Anbieters.

Siehe auch:

Grenze Plurilinguismo Tech&Com Verbraucherinnen | Good News | | | Italy Österreich Südtirol/o | | Deutsch

Die 6 monantigen Lagerbedienungen dieses Akte lufen ab.
Psote Italianico Vi ifformanoano

Bevor hier jetzt wieder einmal auf Poste Italiane eingedroschen wird, sei gesagt, dass sämtliche Bedienstete des Postamtes in Brixen (von wo die folgende Mitteilung stammt), mit denen ich bislang zu tun hatte, ausgesprochen zuvorkommend waren und perfekt zweisprachig sind.

Der Niveauunterschied zu den schriftlichen Mitteilungen, die aller Wahrscheinlichkeit nach zentral gesteuert sind und für die die Brixner Mitarbeiterinnen wohl nichts können, ist jedoch frappierend. Die deutschsprachige Version ist einfach nur ein (schlechter) Witz, der keines weiteren Kommentars Bedarf.

POSTE ITALIANE INFORMIERT IHNEN, DASS AB DEM 30. 04. 2020 DIE ZUSTELLUNG VON RECHTSAKTEN AG DURCH DIE HINTERLEGUNG BEIM POSTAMT UND EINWURF DER BENACHRICHTIGUNG IN BRIEFKASTEN GEMACHT WIRD, GEMÄß ARTIKEL 108 1 BIS DES GESETZESDEKRETS DI. 18/20.

Die Postsendung mit dem zuzustellenden Dokument wird daher bei Poste Italiane hinterlegt und kann in der auf der Vorderseite dieser Mitteilung angegebenen Dienstelle, ab 20/05/2020 _zu den üblichen Öffnungszeiten, ab Uhr 08:20 die hinterlegte Sendung hinterlegt, die Sendung an folgendem Postamt abzuholen.

Postamt: UP Bressanone

Adresse: Via San Cassiano 4, 39042, Bressanone

Öffnungszeiten:

  • Aus MO. zu FR. aus 08:20 zu 19:05
  • SA. aus 08:20 zu 12:35

Die 6 monantigen Lagerbedienungen dieses Akte lufen ab dem Ausstellungsdatum dieser Mitteilung

Weitere Informationen finden Sie auf der Website poste.it

Am 01/06/2020 bleibt dieses das Postamt UP BRESSANONE geschlossen wegen Santo Patrono.

In der Zeit von 18/05/2020 bis 31/05/2020 ist dieses das Postamt UP BRESSANONE zu folgenden Uhrzeiten geöffnet:

  • Aus MO. zu FR. aus 08:20 zu 13:35
  • SA. aus 08:20 zu 12:35

In der Zeit von 01/06/2020 bis 07/06/2020 ist dieses das Postamt UP BRESSANONE zu folgenden Uhrzeiten geöffnet:

  • Aus MO. zu FR. aus 08:20 zu 13:35
  • SA. aus 08:20 zu 12:35

Hervorhebungen von mir.

Siehe auch:        

Lingaz Minderheitenschutz Postdienst Recht Service Public Sprachpfusch Tag+Nacht Verbraucherinnen Vorzeigeautonomie Zentralismus | Bilinguismo negato Italianizzazione | | | Südtirol/o | | Deutsch

Monolinguismo, Trudeau chiede scusa.

Il primo ministro canadese si è rivolto alla comunità francofona del paese nordamericano, scusandosi dell’insufficiente attenzione che è stata data, in alcuni frangenti della crisi, alla lingua francese. In particolare si è soffermato sulla necessità, limitata nel tempo, a importare materiale sanitario e disinfettanti dagli Stati Uniti, privi dell’obbligatoria etichettatura bilingue. Fatto che non solo aveva mandato su tutte le furie i rappresentanti delle varie realtà francofone, ma aveva anche provocato l’intervento del Commissario alle lingue ufficiali.

Nel porgere le sue scuse alla popolazione, Trudeau ha sì giustificato la necessità di importare materiale in deroga alla legislazione in materia linguistica, ma ha aggiunto che «preferiremmo che non fosse stato necessario» in quanto si tratta di «una questione di identità [e] di sicurezza per i consumatori».

E in Sudtirolo? Niente. L’obbligo al bilinguismo in campo sanitario esiste, ma spesso — anche in tempi normali — è come se non ci fosse. Non solo nessuno si aspetta le scuse dello Stato italiano: è già tanto se chi chiede il rispetto delle norme vigenti non viene deriso. Un altro mondo.

Vedi anche:

Comparatio Gesundheit Plurilinguismo Politik Verbraucherinnen | Bilinguismo negato Coronavirus Good News Packungsbeilagen | | | Canada Italy Südtirol/o USA | | Italiano

Der 7-Giorni-Skipass für den Adulto.

Bald beginnt die Wintersportsaison und damit wieder das Übliche: Heute etwa habe ich für Freunde aus Deutschland, die uns im Winter besuchen möchten, Preise für einen mehrtägigen Dolomiti-Superski-Pass recherchiert. Auf Deutsch.

Das sieht dann auf der offiziellen Webseite des Betriebs mit Sitz in Kastelruth folgendermaßen aus:

Außer Deutsch ist — mit Italienisch und Englisch — in den relevanten Ausklappmenüs alles dabei, was das Herz begehrt. Hätten meine Freunde selbst recherchiert, weiß ich nicht, ob sie etwa »Adulto M« und »Adulto F« verstanden hätten. Durch die Ähnlichkeit zu Englisch (»adult m[ale]« und »adult f[emale]«) vielleicht doch — in einer mir unbekannten Fremdsprache würde ich persönlich aber sicher nicht auf Grundlage einer (wenngleich naheliegenden) Mutmaßung teure Tickets kaufen, mit dem Risiko, dass es dann Probleme gibt. Ein Klick auf das kleine »ⓘ« neben »Personentyp« führt übrigens auch nicht zur Erleuchtung.

Da beschließen viele Skigebiete einerseits, auf die ursprünglichen Ortsnamen zu verzichten, weil sie sich von einem vorgetäuschten Bella-Italia-Feeling drei deutsche Gäste mehr erwarten — vergraulen diese aber womöglich wieder leichtfertig, weil sie außerstande sind, wesentliche Dienstleistungen mehrsprachig anzubieten? Vom mangelnden Respekt für die Einheimischen schweige ich mal ausnahmsweise…

Wer »in Italien« auf Deutsch bedient werden will, muss wohl noch ein paar Monate warten und den Gardasee oder die Adria ansteuern.

Siehe auch:

Nationalismus Ortsnamen Plurilinguismo Sport Sprachpfusch Tourismus Verbraucherinnen Wirtschaft+Finanzen | Bilinguismo negato Italianizzazione | | | Südtirol/o | | Deutsch

Wein: Ehrlicher ohne »Made in Italy«.
Quotation 581

Südtirol mit seinen fruchtigen, frischen und alterungsfähigen Weinen, die qualitativ sehr gut sind, hat […] durchaus noch Potenzial, international bekannter zu werden. Allerdings würde ich dabei eher auf die alpine Karte setzen, weniger auf das “Made in Italy”.

Südtirol ist außerhalb der Kernmärkte Italien, Deutschland, Österreich, Schweiz weitgehend unbekannt. Auch wenn man von Trendregionen im Weinbau spricht, fällt der Name Südtirol selten. Da ist es verständlich, dass man sich in der Vermarktung an Italien dranhängen will, das über ein hohes Renommee verfügt. Aber, und ich denke das ist der springende Punkt, haben die Südtiroler Weine meist wenig mit den großen Italienern aus dem Piemont oder der Toskana gemeinsam. Es stiftet eher Verwirrung. Viel eher sollte sich Südtirol mittel- bis langfristig als den Teil der Alpen begreifen, in dem die Zitronen blühen.

Südtirol ist in erster Linie eine Bergregion. Die mediterrane Komponente spielt zwar in manchen Gegenden Südtirols ein wenig mit hinein, in einigen aber so gut wie gar nicht: beispielsweise im Eisacktal. Die Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht, die langen Vegetationsphasen — das sind alles typische Merkmale einer Bergregion, wie man sie auch andernorts in den Alpen findet. Es wäre aus der Sicht der Südtiroler Weinwirtschaft ehrlicher und auch authentischer, verstärkt auf ihr alpines Element zu setzen. Noch dazu, weil Bergregionen in Zeiten des Klimawandels immer mehr Aufmerksamkeit genießen.

aus dem Interview von Rainer Hilpold mit dem Weinexperten Stephan Reinhardt, der für den renommierten Wine Advocate Weine bewertet; erschienen in den Dolomiten vom 6. November 2019

Siehe auch:

Außendarstellung Landwirtschaft Medien Verbraucherinnen Wirtschaft+Finanzen | Quote | | Dolo | Südtirol/o | | Deutsch

Der missglückte Druckkopf.
Ein Besuch bei Metro, MediaWorld und… Loacker

Am Samstag hätte ich dringend einen Druckkopf für den Plotter benötigt, da der alte Druckkopf — obwohl noch gar nicht so alt — ausgefallen war. Nachdem ich in Brixen nicht fündig geworden war, beschloss ich, mich nach Bozen zu begeben. Und ich beschloss auch, dies mit einem Sprachexperiment zu verbinden, also zu schauen, wie weit ich mit der (hierzulande angeblich dominanten) deutschen Sprache kommen würde. Ihr ahnt es schon.

Vorspann (kurz)

Zunächst habe ich bei der Metro angerufen, einem Unternehmen, dessen internationaler Hauptsitz in Düsseldorf liegt. Ich konnte mich dunkel daran erinnern, dort (in Bozen) einmal einen Druckkopf gekauft zu haben, vielleicht war es auch nur eine Tintenpatrone.
Jedenfalls konnte mir die Mitarbeiterin am Telefon keine Auskunft erteilen, weil sie mich nicht verstand — insbesondere den Begriff des Druckkopfs. Irgendwann wollte sie mich an jemand anderen weiterleiten, doch stattdessen legte sie auf. Ich rief nicht nochmal an.

1. Akt

Nachdem ich persönlich zur Metro gegangen war, wo es den gesuchten Druckkopf nicht gab, beschloss ich, mich — in Begleitung eines Freundes — zur nahen MediaWorld zu begeben. Auf meine Frage nach dem gesuchten Produkt wurde ich gefragt, ob ich das denn nicht auf Englisch wiederholen könnte. Konnte ich (print head), doch damit war der Angestellte leider sprachlich auch überfordert.

Nachdem er (wortlos) für mehrere Minuten verschwunden war — ich dachte zuerst, er sei geflüchtet —, kehrte er triumphierend mit einem Kollegen wieder, der angeblich Deutsch verstehen sollte. Mit dem Begriff »Druckkopf« konnte auch er nichts anfangen, doch mein wiederholtes »print head« übersetzte er seinem Kollegen dann als »cartuccia« (Tintenpatrone).

Erst als ich gesagt hatte, dass ich keine Tintenpatrone suchte, versuchte er eine wörtliche Übersetzung und landete bei »testa della stampante«, was der zweite dann korrekt als »testina di stampa« interpretierte, um mir wiederum falsch mitzuteilen, dass sich der Druckkopf immer auf der Tintenpatrone befindet.

Druck-KOPF – print HEAD – TESTINA di stampa, so unterschiedlich sind die Begriffe in den drei Sprachen eigentlich nicht.

2. Akt

Nach dem missglückten Kauf wollten wir noch beim Loacker im Twenty einen Kaffee trinken. Die Bestellung an der Kassa verlief so:

Ich: Hallo, einen Macchiato, bitte!
Kassierer: Un macchiato. Per Lei?
Mein Freund: Für mich auch einen Macchiato.
Kassierer: ???
Mein Freund: Auch einen Macchiato.
Kassierer: Latte macchiato?
Mein Freund: Auch einen Macchiato…
Kassierer: ???
Mein Freund: Einen Macchiato!
Kassierer: Due? Due macchiati?

Zum Glück heißt der Macchiato auch auf Deutsch Macchiato und nicht irgendwie anders, sonst wäre die Bestellung ohne Italienisch völlig unmöglich gewesen. Da ist es natürlich eine Anmaßung, von jemandem zu verlangen, dass er mit dem Wort »Druckkopf« etwas anfangen kann.

Aber eine Gleichstellung oder gar Förderung der deutschen Sprache im Konsumentinnenschutz brauchen wir in Südtirol anscheinend nicht.

Siehe auch:

Discriminaziun Plurilinguismo Tech&Com Verbraucherinnen Wirtschaft+Finanzen | Bilinguismo negato Italianizzazione | | | Südtirol/o | | Deutsch