Doppelpass? Nein, danke. Aber her damit.
Der Zickzackkurs des Team K.

Fünf Landtagsabgeordnete des Team K. sind Mitglied der inoes für die doppelte Staatsbürgerinnenschaft, die den umstrittenen Brief an die österreichische Regierung geschickt hat. Das ist erstaunlich, denn eigentlich ist (oder war?) das Team gegen den sogenannten Doppelpass.

Laut Fragenkatalog des Südtiroler Jugendrings für ihren Wahlautomaten (Wahllokal) hatte das damalige Team Köllensperger anlässlich der Landtagswahl 2018 auf die Frage

Sollen deutsch-und ladinischsprachige Südtiroler/innen die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten?

folgendermaßen geantwortet:

Antwort: Nein. | Gewichtung: weniger wichtig | Kommentar: Der Doppelpass ist keine Priorität und keine Maßnahme im europäischen Geiste: jeder Ausweis eines EU-Landes ist in allen Ländern gültig. Sollte der Doppelpass tatsächlich kommen, dann sollen alle Bürger unseres Landes das Wahlrecht haben.

Auszug aus dem Fragenkatalog des Jugendrings. Bild zum Vergrößern anklicken.

Es handelt sich also laut Team K. um keine Maßnahme im europäischen Geiste. Doch in dem von Salto veröffentlichten Brief, den die Landtagsabgeordneten ja unterzeichnet haben, heißt es:

Die doppelte Staatsbürgerschaft für Südtiroler wäre eine europäische Geste Österreichs […]

Davon, dass der Doppelpass eine Angelegenheit für alle (und nicht nur für die deutsch- und ladinischsprachigen) Bürgerinnen des Landes sein sollte, ist in dem Brief auch nicht ausdrücklich die Rede.

Man könnte jetzt natürlich sagen, dass die Mandatarinnen des Teams als Privatpersonen unterschrieben haben. Aber wenn es fünf von insgesamt sechs (bzw. 83,3%) tun, ist das schon sehr eindeutig. Der sechste, Parteigründer Paul Köllensperger selbst, hatte sich übrigens am ersten Brief (vom Herbst 2017) beteiligt — wenn auch damals noch als Abgeordneter der 5SB.

Interessant ist übrigens auch, dass der Brief von SVP-Obmann Philipp Achammer mitunterzeichnet wurde. Der soll noch im September anlässlich des Tags der Autonomie gesagt haben, dass die doppelte Staatsbürgerinnenschaft nie kommen wird.

Für alle gilt natürlich, dass man seine Meinung ändern darf. Bei gewählten Politikerinnen sollte so ein Wendemanöver aber nachvollziehbar sein und dementsprechend begründet werden. Finde ich.

Siehe auch:

Kohäsion+Inklusion Medien Mitbestimmung Politik Recherche | Doppia Cittadinanza Landtagswahl 2018 Zitać | Paul Köllensperger Philipp Achammer | Salto | Österreich Südtirol/o | 5SB/M5S SVP Team K. | Deutsch

Sudtirolo und Rechtfertigung von Repression.
Auf Katalonien zeigen, um Südtirol zu drohen

Die ff hat mit dem Bozner Journalisten Marco Angelucci ein Gespräch geführt. Er hatte anlässlich der »A.-Adige«-Geschichte für die staatsweite Ausgabe des Corriere della Sera einen Artikel geschrieben, in dem er die Gleichstellung der deutschen Sprache zur Einschreibung von Ärztinnen in die Südtiroler Berufskammer als Gefahr darstellt.

Wie schon Christian Pfeifer von der SWZ, ist auch er der Meinung, dass Südtirol mit der Ersetzung von »A. Adige« in zwei Gesetzesartikeln eine »brutta figura« gemacht habe. Das neue Maß ist die Figur.

Darüberhinaus beweist er in dem Gespräch, dass auch er nicht zwischen der Nichtamtlichkeit einer Bezeichnung und ihrem Verbot unterscheiden kann.

Dann sagt er:

[…] Wir sind die einzige Region in Europa, die so ein Gesetz macht. Dass man es dann auch noch auf eine solche Art macht, ist ein unglaubliches Eigentor. Du siehst doch, was in Katalonien passiert.

Was meinst du?
Wenn jemand den Staat herausfordert, dann fällt die Antwort des Staates sehr kräftig aus. Südtirol darf nicht zu viel zocken. […]

Ich halte das für eine haarsträubende Rechtfertigung von völlig überzogener Repression, die in einer Demokratie nichts verloren hat. Wer hier mit dem Finger auf Katalonien zeigt, um Südtirol zu drohen, ist eindeutig auf dem Holzweg. Die angeblich harmlosen Tolomei-Reinwäscher sind so unproblematisch nicht — das zeigt Angeluccis Artikel im Corriere ohnehin ganz konkret. Er versucht dort, die Aufmerksamkeit im Staat gegen die Gleichberechtigung der Landessprachen Deutsch und Italienisch zu lenken. »Sehr kräftige« Antworten findet er dann ja offenbar normal.

Der Umgang mit Wörtern und Bezeichnungen ist eben doch ein bedeutender Indikator.

Siehe auch:

Democrazia Gesundheit Grundrechte Medien Minderheitenschutz Ortsnamen Plurilinguismo Politik Repression | Zitać | Ettore Tolomei | Corriere ff | Catalunya Italy Südtirol/o | | Deutsch

Rechnungshof beharrt auf Einsprachigkeit.
Recht auf nutzloses Labern in der Muttersprache

Bürgerin: Guten Tag! Buongiorno! Ich möchte mir eine Bescheinigung ausstellen lassen. Vorrei richiedere un certificato.

Beamte: Ma certo, venga. Mi dica di che cosa ha bisogno.

So könnte in Zukunft das Recht auf Gebrauch der Muttersprache aussehen, wenn sich die Auffassung des Rechnungshofs durchsetzt. Dort wurde einem Angeklagten das Recht auf einen Prozess in deutscher Sprache verwehrt. Via Tagblatt D. meldete sich der Richter zu Wort, nicht etwa um sich für sein Verhalten zu entschuldigen, sondern um es als völlig normal darzustellen. Der Anwalt der Verteidigung, Felix von Wohlgemuth, hätte seine Reden ja zuerst auf Deutsch (für die Fische) und dann auf Italienisch (fürs Gericht) halten können. Dann kann man den Autonomie-Laden auch gleich dichtmachen.

Schon liest man in den Kommentarbereichen, es sei besser einen kompetenten Richter zu haben, als einen zweisprachigen. Ich warte dann schon gespannt auf die erste einsprachig deutsche Richterin. Die flöge dann in hohem Bogen aus dem Gericht — so wie Herr Dr. Müller aus dem Krankenhaus, obwohl der gar keinen Publikumskontakt hatte.

In Zukunft brauchen dann die Bürgerinnen den Zweisprachigkeitsnachweis, während die öffentlichen Bediensteten einsprachig sind.

Discriminaziun Grundrechte Medien Minderheitenschutz Nationalismus Plurilinguismo Recht Service Public Vorzeigeautonomie | Bilinguismo negato Italianizzazione | Felix von Wohlgemuth | Dolo | Italy Südtirol/o | | Deutsch

Monumento della civiltà universale dell’arte.
Quotation 575

La storia dei nomi a Bolzano poi è particolarmente importante, perché c’è un grande monumento della civiltà italiana e della civiltà universale dell’arte che è il monumento della vittoria, su cui si discute da anni fino a cambiarne anche il significato trasformando quel luogo in piazza della vittoria [?]…

Vittorio Sgarbi, L’Aria Che Tira (La7) del 17 ottobre 2019 – contesto

Passi Sgarbi, ma un paese in cui un personaggio del genere viene regolarmente invitato nelle trasmissioni a pontificare; considerato un grande critico d’arte; nominato presidente di un importante museo, sinceramente mi fa rabbrividire.

Vedi anche:

Arch Faschismen Geschichte Kunst+Cultura Medien Ortsnamen Politik | Faschistische Relikte Geschichtsaufarbeitung Medienkritik Quote | | La7 | Italy Südtirol/o | | Italiano

Landesbezeichnung, »figurative« Politik.

In der aktuellen Ausgabe der SWZ plädiert Chefredakteur Christian Pfeifer im Zusammenhang mit dem GAU um die Landesbezeichnung für eine markt- oder sonstwie konforme, konformistische Demokratie. Nicht um die Haltung geht es ihm, auch nicht wirklich um das Zusammenleben im Lande, sondern vor allem: um die (blöde) Figur. Schon wieder. Bloß kein Dissens, nicht anecken, schön kuschen und gefällig sein: Der Weg des geringsten Widerstandes. Was der Vorrang des Scheins vor dem Sein im Salvini-Zeitalter auch bedeuten kann, will ich besser gar nicht zu Ende denken.

Nur da gebe ich ihm Recht: Sympathieoffensiven und Lobbyaufträge können wir uns in Zukunft wirklich sparen. Vorrang muss das demokratisch Gewollte haben, nicht die Selbstdarstellung, die auch immer -verleugnung ist.

Siehe auch:

Kohäsion+Inklusion Medien Ortsnamen | Medienkritik | Christian Pfeifer Matteo Salvini | SWZ | Südtirol/o | | Deutsch