Hanebüchene DNA-Aktion.

Während ich schreibe ist in Südtirol eine zwölfstündige Aktion angelaufen, mit der eine NRO auf die Nichtamtlichkeit der historisch gewachsenen Ortsnamen seit nunmehr 97 Jahren hinweist. Dazu werden »deutsche« und »ladinische« Bezeichnungen auf Ortstafeln überklebt.

Bis hierhin könnte ich mich über eine derartige Form zivilen Widerstands gegen ein historisches Unrecht — ein faschistisches zumal — noch freuen.

Es ist mal wieder die Umsetzung dieser Schützen-Maskerade, die äußerst fragwürdig ist und von der chronischen Unfähigkeit zur Differenzierung in diesem Lande zeugt.

Da wird in der begleitenden Pressemitteilung der Geburtsort Tolomeis, Rovereto, als »Rofreit« bezeichnet. Ein ungebräuchliches Exonym, dessen Geschmack zumindest in diesem Kontext den der Revanche annimmt.

Da sollen — wie im begleitenden Video angekündigt wird — sowohl »deutsche«, als auch »ladinische« Ortsbezeichnungen mit dem Hinweis »Deutsch nicht amtlich« überklebt werden, als sei Ladinisch keine eigene Sprache.

Da werden die historischen Toponyme mit Sprache gleichgesetzt, obwohl die als »deutsch« und »ladinisch« bezeichneten Ortsnamen so »deutsch« und »ladinisch« oft gar nicht sind, sondern vor allem: historisch gewachsen aus unterschiedlichsten sprachlichen Substraten.

Und dann ist da noch der Wahnsinn schlechthin: dass »Deutsch nicht amtlich« die Abkürzung »DNA« erhält, was nicht nur zufällig der Abkürzung für »Desoxyribonukleinsäure« entspricht. Dieser Zusammenhang wird auch noch ausdrücklich erwähnt.

Heute vor genau einem Jahr hatte ich auf die in Südtirol gebräuchliche und einschlägig vorbelastete Begrifflichkeit der »Volkstumspolitik« hingewiesen. Aber dass nun Sprache und Kultur sogar wieder mit Genetik in Verbindung gebracht werden — das hat noch einmal eine andere Qualität und Dimension. Ein totales No Go.

Siehe auch:

Faschismen Ortsnamen Politik Ungehorsam+Widerstand | | Ettore Tolomei | | Ladinia Südtirol/o | Schützen | Deutsch

Hongkong und der »historische Realismus«.

2019: Der in Hongkong lebende Südtiroler S. K. sagt der Zett, er habe in den vergangenen Wochen »natürlich« die Zonen gemieden, wo die Proteste stattfanden. Er teile die Ziele der Demokratiebewegung »vom Herzen her«, sehe das alles aber auch realistisch. Es sei utopisch zu glauben, dass Peking diesbezüglich irgendwelche Zugeständnisse machen werde.

1989: Der in der DDR lebende Südtiroler S. K. sagt der Zett, er habe in den vergangenen Wochen »natürlich« die Zonen gemieden, wo die Proteste stattfanden. Er teile die Ziele der Montagsdemos »vom Herzen her«, sehe das alles aber auch realistisch. Es sei utopisch zu glauben, dass Moskau diesbezüglich irgendwelche Zugeständnisse machen werde.

1982: Der in Südafrika lebende Südtiroler S. K. sagt der Zett, er habe in den vergangenen Wochen »natürlich« die Zonen gemieden, wo die Proteste stattfanden. Er teile die Ziele der Anti-Apartheid-Bewegung »vom Herzen her«, sehe das alles aber auch realistisch. Es sei utopisch zu glauben, dass die weiße Regierung diesbezüglich irgendwelche Zugeständnisse machen werde.

1967: Der in den USA lebende Südtiroler S. K. sagt der Zett, er habe in den vergangenen Wochen »natürlich« die Zonen gemieden, wo die Proteste stattfanden. Er teile die Ziele der Civil-Rights-Bewegung »vom Herzen her«, sehe das alles aber auch realistisch. Es sei utopisch zu glauben, dass Washington diesbezüglich irgendwelche Zugeständnisse machen werde.

1957: Der in Südtirol lebende Südtiroler S. K. sagt der Zett, er habe in den vergangenen Wochen »natürlich« die Zonen gemieden, wo die Proteste stattfanden. Er teile die Ziele der Autonomiebewegung »vom Herzen her«, sehe das alles aber auch realistisch. Es sei utopisch zu glauben, dass Rom diesbezüglich irgendwelche Zugeständnisse machen werde.

1946: Der in Indien lebende Südtiroler S. K. sagt der Zett, er habe in den vergangenen Wochen »natürlich« die Zonen gemieden, wo die Proteste stattfanden. Er teile die Ziele der Satyagraha-Bewegung »vom Herzen her«, sehe das alles aber auch realistisch. Es sei utopisch zu glauben, dass London diesbezüglich irgendwelche Zugeständnisse machen werde.

1913: Der in England lebende Südtiroler S. K. sagt der Zett, er habe in den vergangenen Wochen »natürlich« die Zonen gemieden, wo die Proteste stattfanden. Er teile die Ziele der Suffragetten-Bewegung »vom Herzen her«, sehe das alles aber auch realistisch. Es sei utopisch zu glauben, dass Westminster diesbezüglich irgendwelche Zugeständnisse machen werde.

1820: Der in den USA lebende Südtiroler S. K. sagt der Zett, er habe in den vergangenen Wochen »natürlich« die Zonen gemieden, wo die Proteste stattfanden. Er teile die Ziele der Sklaven »vom Herzen her«, sehe das alles aber auch realistisch. Es sei utopisch zu glauben, dass Washington diesbezüglich irgendwelche Zugeständnisse machen werde.

Kontext: In der heutigen Zett ist ein Interview mit einem in Hong Kong lebenden Südtiroler erschienen.

In all den aufgezählten Fällen gab es selbstverständlich keine Garantie, dass die Proteste und Aufstände erfolgreich sein würden. Meistens schien die Lage zunächst sogar aussichtslos. Wäre man aber »realistisch« geblieben, wären die damit zusammenhängenden Veränderungen nie zustande gekommen.

Siehe auch:

Democrazia Feminæ Geschichte Grundrechte Medien Mitbestimmung Politik Racism Repression Selbstbestimmung Ungehorsam+Widerstand | | | Zett | America China Deutschland Südtirol/o United Kingdom USA | | Deutsch

Regierungskrise: Vom Regen in die Traufe?

Innenminister und Vizepremier Matteo Salvini (Lega) hat der unsäglichen blaugelben Regierung den Stecker gezogen. Damit sind die nützlichen Idiotinnen von der 5SB, seine Steigbügelhalterinnen, wohl schon bald Geschichte. Man kann zunächst auch aufatmen ob der Entlassung eines Di Maio oder eines Toninelli aus ihren Regierungsämtern. Aus Südtiroler Sicht wird das Ausscheiden der uns nicht besonders freundlich gesinnten Ministerin Grillo vielleicht etwas Ruhe in den ohnehin angeschlagenen Gesundheitsbetrieb einkehren lassen — wiewohl schon beschlossene Anfechtungen nicht automatisch hinfällig werden.

Noch größeres Aufatmen verursacht bei mir die Krise vorerst wegen des Ausscheidens der menschenverachtenden, rechtsradikalen Lega aus der Regierungsverantwortung. Doch wie zumindest die Umfragewerte ahnen lassen, wird es sich nur um eine vorläufige Atempause handeln, bevor sie von einer wachsenden Anzahl Italienerinnen zurück in eine dann wohl noch einmal deutlich nach rechts verschobene Regierung gehievt wird. Zu befürchten steht eine Koalition der Salvini-Partei mit der rechtsextremen Fratelli d’Italia, die die blaugelbe Regierung schon bald alt und nahezu harmlos aussehen lassen könnte.

Aufbauend unter anderem auf die beiden repressiven »Sicherheitsgesetze« der frühzeitig beendeten Legislatur und die solide Basis des faschistischen Codice Rocco, könnten sie die Erinnerungen an alte Zeiten schon bald aufleben lassen. Da würden wir uns dann wundern, was alles geht.

— Übrigens auch in Südtirol direkt, wo der umtriebige Fanatiker Alessandro Urzì (AAnC/FdI) dann direkte Ansprechpartnerinnen in der römischen Regierung hätte.

Hinweis: Sowohl Ende der Regierung Conte, als auch Auflösung des Parlaments und Neuwahlen sind zum jetzigen Zeitpunkt nur politische und zumindest theoretisch noch abwendbare Ankündigungen.

Siehe auch:

Faschismen Gesundheit Nationalismus Politik Racism Repression | | Alessandro Urzì Matteo Salvini | | Italy Südtirol/o | 5SB/M5S Lega PDL&Co. | Deutsch

Zweisprachig, zweinamig, zwei Akte.
(Nach wessen Pfeife hier getanzt wird)

Erster Akt – Zweisprachigkeit

Am 14. März 2018 hatte ich die Gemeinde Natz-Schabs via Email darauf hingewiesen, dass sämtliche Batteriesammelbehälter auf dem Gemeindegebiet ausschließlich auf Italienisch beschriftet sind: »Raccolta differenziata pile esaurite«. Nur einen Tag später antwortete mir der zuständige Gemeindereferent:

Guten Tag Herr Constantini,

danke für den Hinweis, es ist war [sic] sicherlich keine bewusste Entscheidung[,] die Beschriftung nur einsprachig anzubringen. Wir werden [es] umgehend veranlassen[,] auch die deutsche Beschriftung aufzukleben.

Mfg [sic]

Bald 17 Monate später ist die Situation trotz »umgehender Veranlassung« noch immer unverändert. Ich habe keine Ahnung, wie viele Jahre noch ins Land gehen müssen, bis dieses hochkomplexe Problem einer Lösung zugeführt werden kann.

Zweiter Akt – Zweinamigkeit

In einer Anfrage vom 20. März 2019 (zwei Tage, nachdem sich mein Hinweis gejährt hatte) beanstandete Alessandro Urzì von der rechtsradikalen Fratelli d’Italia, dass die Viumser Straße in Schabs nicht nach faschistischer Vorschrift, sondern als »via Viums« übersetzt worden sei. Statt nach den vorgesehenen 30 Tagen antwortete die Landesregierung erst am 3. Juni. Doch das Schild ist inzwischen bereits ausgetauscht: Nicht einmal fünf Monate sind seit Einreichung der Landtagsanfrage vergangen, gar nur zwei Monate seit der Antwort, bis die Lösung im Sinne von Alessandro Urzì (und seinem Vorbild Tolomei) umgesetzt wurde.

Klar: Ich bin kein Landtagsabgeordneter, sondern »nur« ein Bürger. Und ich habe keine faschistischen Dekrete, sondern »nur« das Autonomiestatut auf meiner Seite.

Siehe auch:

Discriminaziun Faschismen Nationalismus Ortsnamen Plurilinguismo Politik Recht Service Public Vorzeigeautonomie | Bilinguismo negato Italianizzazione Zitać | Alessandro Urzì Ettore Tolomei | | Südtirol/o | PDL&Co. Südtiroler Landtag SVP | Deutsch

Josep Borrell soll Außenbeauftragter werden.

Nun haben sich also die Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten auf den scheidenden spanischen Außenminister Josep Borrell (PSOE) als künftigen europäischen Außen- und Sicherheitsbeauftragten geeinigt. Eine Bestätigung durch das EU-Parlament steht zwar noch aus, dennoch möchte ich hier kurz einige Glanzleistungen des Katalanen aufzählen:

  • In Bezug auf die stets friedliche und demokratische Unabhängigkeitsbewegung in seiner Herkunftsregion sprach der bekennende Unionist 2017 von der Notwendigkeit einer Desinfektion. Diese herabwürdigende Wortwahl bestätigte er kürzlich noch einmal.
  • In einem Interview nicht nur zu diesem Thema mit der Deutschen Welle erwies er sich als äußerst dünnhäutig. Das Gespräch wollte er sogar frühzeitig beenden, weil er die Fragen von Tim Sebastian nicht goutierte.
  • Die sich verschärfende Migrationspolitik des spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez (PSOE), der NROs für Seenotrettung bis zu 900.000 Euro hohe Strafen androhte, unterstützte er bis zuletzt.
  • Ebenso trug er die Position seiner Regierung zu Gibraltar mit, die eine Angliederung des »Felsen« an Spanien fordert — obschon dies von der betroffenen Bevölkerung fast einhellig abgelehnt wird.
  • Bei einem öffentlichen Auftritt behauptete er letzten November in Anspielung auf die Geschichte der USA, die Amerikanerinnen hätten, um die Unabhägngigkeit zu erlangen, nur »vier Indios« umgebracht. Für diese Bagatellisierung des Genozids an den amerikanischen Ureinwohnerinnen wurde Borrell vom American Indian Movement als Rassist bezeichnet. Er entschuldigte sich.
  • Die Aufforderung Mexikos, Spanien möge für die Conquista um Verzeihung bitten, wies Borrell im Frühling dieses Jahres aber entschieden zurück.
  • Im September 2018 war ihm von der spanischen Börsenaufsicht wegen Insiderhandels eine Strafe von 30.000 Euro auferlegt worden.

Zu einer Wiederaufnahme Schottlands in die EU im Falle seiner staatlichen Unabhängigkeit äußerte sich Borrell immerhin positiv.

Außendarstellung Geschichte Medien Migraziun Politik Racism Repression Selbstbestimmung | Geschichtsaufarbeitung | Josep Borrell Pedro Sánchez | Deutsche Welle | America Catalunya Europa Gibraltar Scotland-Alba Spanien USA | EU PSOE | Deutsch

Rut Bernardi und die Namen.
Ex iniuria ius non oritur

Unter dem Titel »Tlo bën identità« ist auf Salto ein interessanter Gastbeitrag von Rut Bernardi für die Zeitschrift Kulturelemente (Nr. 145-146) erschienen. Obwohl darin viele diskussionswürdige Themen enthalten sind, möchte ich hier jenes der Namen herausgreifen, um einen anderen Blick darauf zu werfen.

Bernardi schreibt:

Nichtsdestotrotz kann ich mich durchaus echauffieren, wenn ich auf Wanderungen Ortstafeln sehe, auf denen der italienische Name oder der vermeintlich italienische Name, der oft ein ladinischer und daher ein vorgermanischer ist, von deutschtümelnden Fanatikern schwarz übermalt ist. Oder wenn im Dokumentations-Zentrum unter dem Siegesdenkmal von faschistischen Worterfindungen die Rede ist, die laut den Ausstellungsmachern von Tolomei ungeschickt aus dem Deutschen ins Italienische übersetzt worden seien, obwohl es sich hierbei des Öfteren um autochthon ladinische Toponyme handelt, wie z.B. Braies für Prags.

— Rut Bernardi

Da sollte man vielleicht ein bisschen klarer differenzieren. Es sind meines Erachtens — wie bereits an anderer Stelle beschrieben — nicht notwendigerweise deutschtümelnde Fanatikerinnen, die die von Tolomei und Konsorten aufoktroyierten Namen durchstreichen. Es kann sich durchaus um einen intelligenten Akt zivilen Widerstands handeln. Natürlich ist es schade, wenn in diesem Zuge sowohl ladinische Exonyme, als auch historisch gewachsene italienische Endonyme mit unter die Räder kommen.
Doch im Grunde müssen wir uns bei den damaligen Namensfälscherinnen bedanken: Sie haben in ihr pseudowissenschaftliches Werk bewusst auch Vorhandenes und historisch Gewachsenes einfließen lassen, um ihre Spuren zu verwischen. Und damit ist heute für Laien im Detail nur noch schwer auseinanderzuhalten, welche Bezeichnungen welchen Ursprungs sind. Für diese Konfusion — die angeblich auch den Kuratorinnen der Ausstellung unterm sogenannten Siegesdenkmal zum Verhängnis wurde — sollten wir nicht die Opfer verantwortlich machen.

Eine Abschaffung von Tolomeis Fälschungswerk, wie sie die UNGEGN (UNO) nahelegt, würde endlich wieder für alle sichtbar machen, welche Namen frei erfunden wurden und welche nicht. Dennoch ist auch dann fraglich, ob Exonyme wie Braies für Prags oder Wengen für La Val auf einem öffentlichen Schild draufstehen sollten oder nicht.

Heute jedenfalls sind historisch gewachsene von frei erfundenen Ortsnamen vielfach nur für Sprachwissenschaftlerinnen zu unterscheiden.

Oder schließlich, wenn gegen die Italianisierung der Familiennamen zur Faschistenzeit in Ladinien, wie etwa Kostner zu Costa, Wanker zu Pancheri usw. gewettert wird, während es sich hierbei oftmals um Belege handelt, die bereits früher aus dem Romanischen ins Deutsche übersetzt worden sind. So wurde beispielsweise Da Banch zu Wangger-Wanker, Paratoni zu Perathoner usw.

— Rut Bernardi

Hierfür gilt ähnliches, wie für die Ortsnamen. Dass ladinische Namen (meines Wissens im 18. Jahrhundert) »ins »Deutsche übersetzt« (oder deutsch klingend gemacht) wurden, sollte man klar ansprechen — und eine unbürokratische Möglichkeit zur Rückführung schaffen, wie es nach dem zweiten Weltkrieg für die italianisierten Namen der Fall war. Nur weil der Faschismus manche Nachnamen »korrekt« aus dem »Deutschen« in ihre romanische Ursprungsformen zurück »übersetzt« haben, macht das ihr assimilatorisches Werk aber nicht besser.

„Es gibt keine ethnische Reinheit“, sagt der slowenische Autor Goran Vojnovi. Im Roman „Unter dem Feigenbaum“ liest man wie sich heutzutage Grenzen und Nationalitäten verschieben.

— Rut Bernardi

Die Abschaffung eines Fälschungswerks mit »ethnischer Reinheit« in Verbindung zu bringen, ist meiner Ansicht nach nicht sinnvoll. Die allfällige Behebung des faschistischen Fälschungswerks — das übrigens ersonnen wurde, um gerade ethnische Reinheit vorzutäuschen — wäre vielmehr ein riesiger Beitrag, um die sprachliche und kulturelle Vielfalt wieder in deutlich größerer Echtheit und Unverfälschtheit zur Geltung zu bringen.

Dasselbe gilt für die Möglichkeit, ladinischen/eingedeutschten Nachnamen ihre ursprüngliche Form zurückzugeben.

Siehe auch:

Faschismen Kunst+Cultura Minderheitenschutz Nationalismus Ortsnamen Recht Ungehorsam+Widerstand | Geschichtsaufarbeitung Zitać | Ettore Tolomei | Salto | Ladinia Südtirol/o | UNGEGN | Deutsch

CasaPound, la morte del partito.

di Heiko Koch*

Per oltre un mese sul partito-movimento CasaPound Italia (CPI) era calato il silenzio. Dopo il risultato elettorale fallimentare del 0,33% alle elezioni europee di fine maggio 2019 c’erano sì state alcune manifestazioni dei fascisti, ed il festival Tana delle tigri 11, svoltosi a Roma il 22 giugno, ha fatto segnare una buona partecipazione. Ma i canali mediatici abituali dei „fascisti del terzo millennio“ erano stranamente rimasti orfani, mancavano i soliti annunci spocchiosi ed anche le apparizioni degli esponenti del movimento risultavano alquanto titubanti. Dal 27 giugno ne conosciamo il perché: CasaPound conclude la sua esperienza partitica.

Gianluca Iannone, presidente di CasaPound Italia: „In seguito all’esperienza delle ultime elezioni europee e al termine di una lunga riflessione sul percorso del movimento dalla sua fondazione a oggi, CasaPound Italia ha deciso di mettere fine alla propria esperienza elettorale e partitica.“

Il partito è morto, viva il movimento

Contemporaneamente lo stesso Iannone annunciava: „La decisione di oggi non segna affatto un passo indietro, da parte del movimento, ma anzi è un momento di rilancio dell’attività culturale, sociale, artistica, sportiva di Cpi, nel solco di quella che è stata da sempre la nostra identità specifica e originale.“ E minacciava: „Sarà anche un’occasione per tornare a investire tempo ed energie nella formazione militante, particolarmente essenziale, dati i nuovi pruriti liberticidi della sinistra”.

Il segretario di partito di CasaPound Italia, Simone di Stefano, circa la decisione di abbandonare l’attività partitica, spiegava: „Confondere la politica con le elezioni è un grande errore. Ci saranno ancora cortei di CasaPound, manifesti di CasaPound, proposte politiche di CasaPound, azioni di solidarietà per gli italiani, azioni mediatiche di contrasto al globalismo, controinformazione, iniziative culturali, gruppi sportivi, medicina sociale, volontariato, protezione civile, l’esaltazione del ricordo degli italiani che si sono sacrificati per donarci una nazione, l’amore infinito per la nostra ITALIA.“ Aggiungendo: „CasaPound farà ancora più politica, e vuole tornare ad essere quell’avanguardia che ha dettato i temi e le parole d’ordine del sovranismo italiano.“

Commento:

In un primo momento questa decisione non certo ortodossa di CasaPound Italia può essere spiazzante. Tuttavia si tratta della realizzazione, logica e coerente, del desiderio dei „fascisti del terzo millennio“ di continuare ad avere un ruolo anche in futuro nella società e nella destra italiana. Sicuramente, dopo il ridicolo risultato delle europee di maggio, si sono fatti largo sentimenti di disillusione, frustrazione e stanchezza. Ma questo stato d’animo non sarà stato la ragione determinante per la decisione di interrompere l’attività partitica. Lo stesso 26 maggio infatti CasaPound aveva conquistato 63 cariche grazie alle elezioni amministrative in varie regioni italiane, portando così il numero totale dei propri consiglieri comunali a poco meno di 100. Anche il bilancio complessivo di CasaPound negli anni passati è di tutto rispetto: partita con lo 0,14% delle elezioni romane del 2013, a marzo 2018 è stata capace di raccimolare il 0,95% (equivalente a 312.398 elettori). L’appoggio a favore del Blocco Studentesco nelle scuole è raddoppiato nel periodo dal 2015 al 2017, giungendo a 56.000 voti. Dal 2013 il numero di sedi partitiche è triplicato a oltre 140, mentre il numero degli iscritti secondo le cifre diffuse da CPI sarebbe quadruplicato a 20.000. Col Primato Nazionale da due anni CasaPound dispone di un proprio mensile e con Altaforte, da un anno, anche di una casa editrice. Il marchio d’abbigliamento Pivert nel frattempo è cresciuto, totalizzando 14 punti vendita in tutta Italia, e non c’è paese europeo dove le arti marziali — soprattutto le Mixed Martial Arts (MMA) — sono talmente pervase da organizzazioni fasciste come in Italia. A fronte di un tale bilancio, CPI avrebbe certamente potuto sopportare il cattivo risultato delle europee mettendolo a bilancio come un contraccolpo temporaneo. Caparbietà e grinta non sono certo caratteristiche che ai fascisti mancano.

C’è da presupporre — e le affermazioni di CasaPound si possono interpretare in questo senso — che le motivazioni per l’abbandono dell’attività di partito vadano ricercate nelle radici movimentiste di CPI.
Un movimento che ha come obiettivo la trasformazione della società in senso fascista, tramite il raggiungimento di un’egemonia culturale e sociale, non necessariamente deve incamminarsi sulla via parlamentare. Le diverse fazioni interne del movimento-partito si saranno certamente confrontate su questo punto. Quanto giovamento e quali danni può provocare l’impegno nei parlamenti? Discussioni simili sicuramente ci saranno state già nel 2012, quando CasaPound decise di fondare un partito. Questa volta invece la scelta è stata quella del ritorno alla strada.

Una delle ragioni per l’abbandono dell’attività di partito potrebbero essere gli attuali rapporti di forza fra i partiti di destra. Oltre cinque anni fa CasaPound Italia, da partito di recente fondazione, aveva funto da rete, intermediaria e testa di ponte per la diffusione dei leghisti verso il (fino allora tanto disprezzato) meridione. Ne era nata una situazione che giovava sia a CPI che alla Lega. Ma l’alleanza „Sovranità – prima gli italiani” del 2014/15 non ebbe lunga vita. Con il suo nuovo programma che comprendeva tutta l’Italia e una rotta simile a quella del Front/Ressemblement National, la Lega guidata da Salvini era riuscita a canalizzare e concentrare su di sé il razzismo e lo sciovinismo di classi sociali e ambienti differenti. A marzo 2018 quadruplicava il proprio risultato a livello statale rispetto al 2013, raggiungendo il 17% dei voti, e il risultato del 34,4% alle europee di maggio rappresenta addirittura una quintuplicazione rispetto al 2014. Al contempo Fratelli d’Italia, partito fascista nato dalla costola destra del Popolo della Libertà (PDL) sotto Giorgia Meloni, a marzo 2018 entrava nel parlamento italiano con il 4,37% e in quello europeo con il 6,5% dei voti. E nonostante forti perdite anche Forza Italia — il cui presidente Silvio Berlusconi, ex membro della loggia di estrema destra „Propaganda Due“, aveva preparato durante gli ultimi 25 anni gli attuali sviluppi politici con la sua attività di sdoganamento del fascismo — riusciva a racimolare ancora il 13,98% alle europee. Nel 2013 aveva raccolto il 21,56%.

Attualmente la destra italiana definisce il clima, la rotta e il ritmo della politica italiana. Il Movimento 5 Stelle, liberalista e populista, all’interno della coalizione di governo è indebolito, e il Partito Democratico, che a marzo 2018 alle politiche aveva raggiunto il 18,74% e a maggio 2019 nelle europee il 22,69%, è più occupato dal suo tramonto che con l’elaborazione e l’attuazione di progetti di società costruttivi.

Della destra parlamentare italiana CasaPound rappresenta(va) la parte più trascurabile. Fatta eccezione per Bolzano, negli oltre trenta consigli comunali in cui era rappresentata, non aveva alcuna importanza. Non si trovava nella posizione né di avanzare richieste con una qualche prospettiva di successo, né di partecipare alle decisioni. Con un futuro da partito elettivo CasaPound sedrebbe al tavolino delle destre, farebbe lavoro amministrativo nei consigli comunali e si batterebbe per un minimo di potere e un po’ di influenza, soldi e poltroncine. Si sforzerebbe di essere sempre un pochettino più fascista dei suoi fratelli maggiori, Lega e Fratelli d’Italia. CasaPound Italia metterebbe forza, energia e risorse nel lavoro parlamentare, perderebbe carisma in dibattiti sbiaditi e senza prospettiva di successo e dovrebbe accettare compromessi al ribasso. Nel migliore dei casi sarebbe un’appendice di attori di destra più importanti di lei. L’irrilevanza guasterebbe all’immagine che i membri e i simpatizzanti hanno di CasaPound, la base si vedrebbe tradita e la parte movimentista se ne andrebbe, indebolendo il partito in modo duraturo. Insomma, il partito-movimento si trasformerebbe in un normalissimo partito, con poche possibilità di successo. Un partito che misurerebbe il proprio potere in poltrone e prenderebbe decisioni secondo interessi dettati dal proprio egoismo.
Inoltre CasaPound Italia sulla sua via parlamentare sarebbe percepita come una forza compromessa, parte dello status quo, che durante future crisi economico-capitalistiche non avrebbe più molta credibilità per quanto riguarda l’azione nazional-rivoluzionaria e di opposizione totale.

Oltretutto CasaPound Italia sarebbe un facile bersaglio per attacchi politici da parte di forze democratiche e di sinistra. Le sue occupazioni illegali la discreditano come partito e la rendono attaccabile. Attualmente un tentativo di andare proprio in questa direzione viene portato avanti da un’iniziativa per lo sgombero della sede principale in via Napoleone III. „Insieme in Rete“ ha raccolto oltre 50.000 firme su change.org per mettere fine all’occupazione simbolo di CPI nella capitale italiana.
È difficile opporre una resistenza adeguata a tali iniziative antifasciste avendo assunto un ruolo partitico. Proprio per quanto riguarda la sua sede principale, CPI dipende poi anche dalla clemenza del ministro degli interni Matteo Salvini ed è quindi ricattabile dalla Lega. Vista la decisione ostile presa dal Comune di Roma, è solo il ministro degli interni a proteggere l’immobile di via Napoleone III evitando, finora, lo sgombero.
Considerato ciò, la permanenza sulla scena partitica non sarebbe una buona opzione. L’accesso, limitato, a potere e prebende non compensa le prospettive complessive, che sono negative.

CasaPound può mantenere e ampliare la sua rilevanza e il suo potere solo sul campo delle attività extraparlamentari, da movimento. È qui che dispone di esperienze, accessi, risorse e personale. Qui può posizionarsi come forza di opposizione totale, come ispiratrice e motore per posizioni di estrema destra, strappando concessioni ad altre forze di destra e venendo percepita come un’alternativa coerente ed integra dai propri seguaci. Oltre le restrizioni e i limiti del parlamentarismo per CasaPound sono possibili molte più forme d’azione transfrontaliere, illegali e violente, che con la debole repressione che c’è da aspettarsi dal governo di destra sono anche più facilmente attuabili. Che CPI possa mettere in campo la sua „formazione militante“ contro forze democratiche e di sinistra scomode, Gianluca Iannone lo ha già annunciato. Invece di investire tempo ed energia nella costruzione e nell’ampliamento, ma anche nel lavoro quotidiano di un partito, verranno ampliate e riattivate le proprie organizzazioni di base. Così CasaPound nella prossima crisi economica potrebbe presentarsi come una destra „anticapitalista“ e come alternativa senza compromessi, con un suo sistema ben funzionante di organizzazioni sociali e caritevoli. Da questo punto di vista il ritorno alla politica di strada è quasi d’obbligo, imprescindibile per la sopravvivenza del modello CasaPound Italia.

Che molti membri non fossero d’accordo con questa decisione lo si evince dalle affermazioni di Andrea Bonazza, coordinatore CPI in Sudtirolo. Nel Consiglio comunale di Bolzano siedono tre consiglieri di CasaPound. Col 6,7% nel 2016 erano entrati nel consesso Andrea Bonazza, Maurizio Puglisi Ghizzi e Sandro Trigolo. Secondo il quotidiano „Alto Adige“, CasaPound dispone di 250 membri iscritti e 90 attivi, con due sedi locali del partito. L’anno prossimo CasaPound voleva ripresentarsi alle elezioni. Un’opzione per la quale molti seguaci locali di CPI si erano già preparati. Bonazza: „Mi dispiace molto se qualche nostro simpatizzante non comprenderà la nostra scelta […] ma per noi che in questa comunità militante sputiamo quotidianamente sangue e sudore per una battaglia maggiore, di destino e tesa alla Vittoria, è la decisione più giusta che si poteva prendere. E adesso, ancora più di prima… Avanti tutti!“

Rimane da vedere cosa sarà dei circa 100 seggi comunali di CPI e quali sedi CPI sarà in grado di mantenere attive. E anche come CPI riuscirà a gestire la trasformazione. Va però constatato che CPI ha nuovamente dimostrato la sua competenza nell’azione politica e strategica, prendendo una decisione coerente dal proprio punto di vista — e questo è un avvertimento di non sottovalutare la sua forza politica.

Traduzione:

Original auf Deutsch.

*) Heiko Koch vive e lavora in Nordrhein-Westfalen (Germania). È cofondatore e autore di varie riviste antifasciste, autore di libri, redattore di ricerche in internet, teamer e docente contro la ›destra‹.

Faschismen Politik | Europawahl 2019 | Andrea Bonazza Heiko Koch Matteo Salvini Silvio Berlusconi | AA | Italy Südtirol/o | 5SB/M5S CPI Lega PD&Co. PDL&Co. | Italiano

Vietato sputare e parlare dialetto.
Il lupo perde il pelo ma non il vizio

Alessandro Urzì (AAnC), esponente della destra radical-sovranista di Fratelli d’Italia, sembrerebbe aver deciso che, passato un secolo, sia ora di riprovarci. Colui che quando si tratta di toponomastica, quella inventata dall’amico Tolomei, segue la famosa massima secondo cui aggiungere sarebbe sempre meglio che togliere, ora vorrebbe togliere. Togliere una lingua, cominciando dal dialetto tirolese, che — per rispetto verso gli italiani, dice — dovrebbe sparire da qualsiasi contesto pubblico. Vietato sputare e parlare in dialetto.

Vedi anche:

Discriminaziun Faschismen Minderheitenschutz Plurilinguismo Politik Service Public | | Alessandro Urzì Ettore Tolomei | | Südtirol/o | PDL&Co. | Italiano