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Freude über Italianisierung des FC Südtirol.

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Eine Südtiroler Fußballmannschaft soll keinen deutschen Namen tragen dürfen — zumindest keinen unübersetzten. Diese offen faschistoide These vertritt das Onlinemedium BZ News 24, das vom früheren A.-Adige– und heutigen Corriere-Journalisten Alan Conti mitbegründet wurde und von ihm als Chefredakteur geleitet wird. Das sind die Stimmen, die der italienischsprachigen Mitbürgerinnenschaft Tag für Tag erklären, deuten und einordnen, was Südtirol sei — und was es gefälligst nicht zu sein habe.

Im Zuge der medial und politisch neu befeuerten Debatte über das »Unbehagen« der Titularnation in Südtirol zählte Conti — der freundschaftliche Kontakte zur neofaschistischen CasaPound pflegt — kürzlich verschiedene Gründe für den sogenannten disagio auf. Darunter, man hält es kaum für möglich, die angebliche Tatsache, Italienerinnen dürften in Südtirol nicht zu einer Fußballmannschaft mit italienischem Namen halten. Zu dumm darf einem wirklich gar nichts sein.

Als ob es nicht innerhalb und außerhalb Südtirols genügend Teams gäbe, die diese unglaublich wichtige Bedingung erfüllen — jedenfalls solange man sich von Juventus, Milan und Inter fernhält. Und als ob diese vermeintliche Zumutung auch nur annähernd in einem Verhältnis zur Zwangsrekrutierung Südtiroler Athletinnen in italienische Nationalmannschaften (und den damit verbundenen Folgen) stünde.

Heutiger Facebook-Eintrag von BZ News 24 – Querbalken von mir

Folgerichtig freute man sich bei BZ News 24 heute provokant darüber, dass die Tageszeitung il Mattino di Padova den Namen des FC Südtirol in einer Überschrift italianisiert hat. Auch ein Like der Faschistin Maria Teresa Tomada (deren aktuelle Parteizugehörigkeit mir nicht bekannt ist) durfte dabei nicht fehlen.

Vor rund hundert Jahren verboten die Faschisten nicht nur die deutschen und ladinischen Ortsnamen in Südtirol — einschließlich des Landesnamens —, sondern zwangen auch Sportmannschaften, italienische Namen zu tragen. So wurde aus dem Football Club Internazionale (aka Inter) die Associazione Sportiva Ambrosiana.

Während aber in Südtirol die aufgezwungenen Ortsnamenerfindungen (auch dank Leuten wie Conti und Tomada) bis heute fortwirken, heißt die Associazione Sportiva Ambrosiana längst wieder Football Club Internazionale.

Wenn heute Journalistinnen wieder den Namen einer Südtiroler Mannschaft problematisieren, weil er nicht italienisch ist, zeugt das nicht nur von mangelnder (historischer) Sensibilität, sondern auch von einer beängstigenden Kontinuität kolonialen Denkens. Einen Sportverein zu einem italienischen Namen zu zwingen, das geht heute — noch? — nicht. Dann wird aber sein deutscher Name zumindest für das schwere Unbehagen mitverantwortlich gemacht, das die Titularnation hier erleiden muss.

Dass man sich dann über einen Zeitungstitel freut, der — zumindest so, wie ihn BZ News 24 interpretiert — imperialistische Züge trägt, ist nur der nächste logische Schritt.

Erstaunlicherweise sind es oft genau dieselben Leute, die sich dann darüber wundern, dass hierzulande manche einem Miteinander mit solchen Suprematistinnen ein Neben- oder gar ein Ohneeinander vorziehen.

Cëla enghe: 01 02 03 04



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