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Pro & Contra Unmenschlichkeit.

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Mit der gestrigen Ausgabe der Sendung Pro & Contra hat Rai Südtirol einen neuen Tiefstpunkt erreicht. Am Samstag wollen neofaschistische und neonazistische Organisationen, die sich im Comitato Remigrazione e Riconquista (R&R) zusammengefunden haben, in der Landeshauptstadt eine Kundgebung veranstalten, um ihre kruden Deportationsphantasien zu bewerben und neue Unterstützerinnen zu gewinnen.

Dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk fiel dazu offenbar nichts Besseres ein, als einfach einen Befürworter und eine Gegnerin der sogenannten »Remigration« in seine Sendung einzuladen: Roland Stauder (F) und Brigitte Foppa (Grüne).

Der Sendungstitel — Wie gefährlich ist die Idee der Remigration? — sollte wohl noch ein klein wenig Distanz signalisieren, doch im Grunde ist es bei dem Format unvermeidlich, dass ein wenig nuanciertes Für und Wider entsteht. Damit wird hier suggeriert, dass es sich bei dem Thema um eine legitime politische Streitfrage handelt, bei der sich im Grunde zwei gleichermaßen akzeptable Positionen gegenüberstehen.

Künstliche Gleichgewichtung: False Balance

Somit bekam also der Parteiobmann der Freiheitlichen, die an der Landesregierung beteiligt sind, eine öffentliche Bühne, um sich zugunsten eines Konzeptes zu positionieren, das letztendlich die massenhafte Ausweisung von Menschen nach ethnischen Kriterien vorsieht; diese vom Neonazi Martin Sellner stammende Forderung zu verharmlosen — und auch noch AfD und FPÖ in Schutz zu nehmen. Geschickt ging er zur Kundgebung vom Wochenende (aber nicht zur Kernforderung) auf Distanz, womit er vermitteln konnte, dass es gute und schlechte Remigrationsbefürworterinnen gebe. Die Veranstalterinnen der Gegenkundgebung setzte er dabei auch noch auf eine Stufe mit CasaPound und Veneto Fronte Skinhead, den Hauptaktionären von R&R. Faschismus und Antifaschismus — beides gleich schlimm.

Bereits das Setting der Sendung, das eine menschenverachtende Forderung und deren Ablehnung gleichberechtigt nebeneinander stellte, bot dieser angeblichen Gleichwertigkeit eine implizite Grundlage. Das ist ein gefährlicher Beitrag zur weiteren Normalisierung von Rechtsextremismus.

Ein öffentlich-rechtlicher Sender hätte eigentlich die Aufgabe, Zusammenhänge einzuordnen, statt sie in ein konfrontatives Talkformat zu pressen, das hauptsächlich auf Polarisierung ausgelegt ist.

Wenn es so weitergeht, werden wir wohl bald die Gelegenheit bekommen, einem Pro & Contra Faschismus oder einem Pro & Contra Rassenhygiene beizuwohnen.

Es macht mich so fassungslos und wütend.

Nicht zuletzt stellt sich natürlich wieder einmal die Frage, ob es klug ist, sich — selbst als Gegnerin — in den Dienst einer Sendung wie der von gestern zu stellen. Ich bezweifle das sehr stark.

Cëla enghe: 01 02 03 04 05 | 06 07 08



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Comentârs

2 responses to “Pro & Contra Unmenschlichkeit.”

  1. Hartmuth Staffler avatar
    Hartmuth Staffler

    Ich kann die Bedenken von Simon zwar nachvollziehen, ich finde es aber trotzdem gut, dass sich Brigitte Foppa der Konfrontation gestellt hat. Ihr Argumente waren überzeugend, sie hat den Stauder immer wieder in peinliche Erklärungsnot gebracht. Man kann das Thema nicht einfach den Faschisten und ihren nützlichen Idioten überlassen.

  2. artim avatar
    artim

    Es gilt sich zu verhalten und vor allem potentielle Gefahren zu erkennen.
    Dazu gehört wohl auch der Marsch auf Bozen, insbesondere vor dem topographischen Hintergrund des Grauens, dem Statement im öffentlichen Raum für Ideologie der Auslöschung der (noch) Übrigen.
    In der ideologischen Kampfzone polarisierender Kräfte geht es bekanntlich um gezielte Verschiebung des Sagbaren, um Umdeutung…, um (symbolische) Gewalt und Herrschaft, um Auslöschung.
    Wehe der Minderheit, die letztlich ja nur durch das Gesetz geschützt ist (vgl.a. H. Arendt).
    Dass die Rechtsnorm sich nicht von selbst anwendet, gilt sich dabei stets bewusst zu bleiben. Die Umsetzung erfordert ja vielmehr eine zieführende Entscheidung.

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