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EU schützt Minderheiten nicht.
MSPI erfolglos

Gestern hat die EU-Kommission (EU-K) am letztmöglichen Tag zur Minority-Safepack-Initiative (MSPI) Stellung genommen. Die Europäische Bürgerinitiative (EBI), für die EU-weit 1.123.422 Unterschriften gesammelt worden waren (mehrere 10.000 allein in Südtirol), bleibt letztendlich erfolglos. Die EU-K lehnt es nämlich ab, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, wozu sie das Europaparlament erst kürzlich — eindringlich und großmehrheitlich — aufgefordert hatte. Auch der Deutsche Bundestag hatte sich für die Umsetzung der EBI ausgesprochen.

Lediglich »beobachten« will die Kommission die Lage der Minderheiten angeblich. Das ist herzlich wenig.

Verbindliche Mindeststandards für den Umgang mit Minderheiten wird es folglich auch in Zukunft nicht geben. Zig Millionen EU-Bürgerinnen, die einer Minderheit angehören, werden von der EU-K im Stich gelassen.

Die EU bleibt ein Club von Nationalstaaten, der in erster Linie die Interessen der jeweiligen nationalen Mehrheiten vertritt. Von der vielbeschworenen Vielfalt (ihrem Motto zufolge will die EU in Vielfalt geeint sein) ist wenig zu spüren.

Minderheitenschutz Politik | Minority Safepack | | | Europa | EU EU-Parlament | Deutsch

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Vaccinazioni, Sudtirolo in testa.

Ieri sera il membro della Dieta sudtirolese Diego Nicolini (M5S), contestando il rifiuto del Governo provinciale di far entrare la nostra terra in «zona rossa», su Facebook scriveva:

Speriamo di arrivare almeno alla media italiana in tema di vaccinazioni […]

Allo stesso tempo, rapportando i dati ufficiali delle somministrazioni (fonte Ministero della Salute) al numero di abitanti*, il Sudtirolo risultava primo a livello statale (2,67% di vaccinati), seguito dall’Emilia Romagna (2,45%) e dalla Vallée d’Aoste (2,30%). Il vicino Trentino non andava oltre l’1,77%.

Vedi anche:

*) calcoli effettuati e pubblicati da Johannes Kager (@johk95) su Twitter

Faktencheck Gesundheit Politik Tag+Nacht Umfrage+Statistik | Covid-Stats | Diego Nicolini | Social Media | Aoûta-Aosta Südtirol/o Trentino | 5SB/M5S | Italiano

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EGA: Hinweis auf Schlamperei.
SIAG

Am 7. September 2019 hatte ich in einem Blogbeitrag auf mehrere Unzulänglichkeiten hingewiesen, die mir bei einem Blick in die Elektronische Gesundheitsakte (EGA) aufgefallen waren. Unter anderem sprachliche Ungereimtheiten wie diese:

Da sich um die Übersetzung von Accesso auch ein Jahr später noch niemand gekümmert hatte, schrieb ich am 23. September 2020 eine kurze E-Mail ans Servicedesk der Südtiroler Informatik AG (SIAG). Ticket-Nr.: CALL-489695.

Der Fehler wäre von einer Webdesigner- oder Programmiererin vermutlich in 10 Minuten zu korrigieren und das Ganze keine weitere Befassung wert.

Auf meine auf Deutsch verfasste E-Mail erhielt ich aber am darauffolgenden Tag eine Antwort in italienischer Sprache:

Gentile sig. Constantini,
grazie per averci segnalato questo errore.
Provvederemo a correggerlo al più presto.

Lustig — oder auch nicht: Ein Hinweis auf Verletzung der Zweisprachigkeitspflicht wird von der SIAG mit einer weiteren Verletzung derselben quittiert.

Oder aber: Auf einen Hinweis auf Schlamperei folgt eine weitere Schlamperei. Und die nimmt kein Ende. Heute habe ich abermals die EGA geöffnet und — guess what — bald vier Monate später ist »al più presto« noch immer nicht eingetreten.

Siehe auch:

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Impfrate »zum Schämen« — aber falsch.

In seinem heutigen Dolomiten-Leitartikel schreibt Chefredakteur Toni Ebner unter anderem:

Wer hat die niedrigste Impfrate in Italien? Nein, nicht Kalabrien, sondern Südtirol!
Das ist zum Schämen.

Wenn alle anderen Regionen Italiens mehr Menschen geimpft haben, liegt das Problem ganz einfach in der Unfähigkeit der Verantwortlichen, die Impfungen zu organisieren.

Nur: Südtirol hat gar nicht die niedrigste Impfrate in Italien und es stimmt auch nicht, dass alle anderen Regionen Italiens mehr Menschen geimpft haben. Warum es nicht stimmt, obwohl es bei einem flüchtigen Blick auf die Statistiken des Gesundheitsministeriums so aussehen könnte, habe ich schon vorgestern erklärt.

Ebner wirft den »Verantwortlichen« Unfähigkeit vor, ist aber offenbar selbst unfähig, seinen Auftrag (nämlich Information) zu erfüllen.

Stand heute hat Südtirol (20.620 Dosen für 530.000 Einwohnerinnen) mehr als doppelt so viel Impfstoff erhalten, wie das Trentino (9.850 Dosen für 540.000 Einwohnerinnen) oder Umbrien (9.835 Dosen für 880.000 Einwohnerinnen). Das Gesundheitsministerium veröffentlicht aber keine Impfrate im Verhältnis zur Bevölkerungszahl, sondern im Verhältnis zu den gelieferten Impfdosen.

Wenn Südtirol zwar gleich viel impft wie andere, aber deutlich mehr Dosen bekommt, sieht es demnach trotzdem so aus, als würde es langsamer impfen. Wie gesagt: Diesen Eindruck kann man haben, wenn man nur einen flüchtigen Blick auf die Daten wirft.

Die Medien hätten eigentlich die Aufgabe, solche Zusammenhänge zu recherchieren — es ist eine sehr einfache Recherche — und die Bevölkerung korrekt zu informieren. Tun sie aber nicht. Im Gegenteil: Sowohl die Dolomiten als auch andere Medien (wie Rai Südtirol und die TAZ) plappern seit Tagen nur die Daten der italienischen Regierung nach und erwecken durch ihre oberflächliche (und falsche!) Betrachtung den Eindruck, »alle anderen Regionen Italiens [hätten] mehr Menschen geimpft« als Südtirol.

So deutlich zeigt sich Desinformation nicht oft. Was wir hier geboten bekommen, ist aber äußerst ernüchternd. Im Grunde wird klar, dass eine Regierung — wenn sie manipulieren will — Nachrichten nach belieben aufbereiten kann und sich niemand die Mühe macht, auch nur ein wenig an der Oberfläche zu kratzen.

Dabei unterstelle ich dem römischen Gesundheitsministerium im konkreten Fall weder böse Absichten, noch dass die Daten in irgendeiner Weise gefälscht wären. Die Tatsache, dass die »Impfrate« nicht in Bezug auf die Bevölkerungszahl, sondern im Verhältnis zu den Dosen berechnet wird, ist höchstens sonderbar und wenig aussagekräftig.

Es sind die Medien, die diese Daten hernehmen, oberflächlich interpretieren und zur Grundlage für falsche Informationen machen.

Siehe auch:

Faktencheck Gesundheit Medien | Coronavirus Medienkritik Zitać | | Dolo Rai TAZ | Südtirol/o | | Deutsch

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Covid: Abgelehntes Verwaltungspersonal.

Sabes-Sanitätsdirektor Pierpaolo Bertoli hat Salto eine Stellungnahme zum Beitrag Die 2-Tages Quarantäne geschickt. In seiner Replik schildert Christoph Franceschini, dass LH Arno Kompatscher (SVP) bereits im Frühsommer angeboten hatte, das Personal für die Kontaktverfolgung und die Verwaltung der Quarantänemaßnahmen aufzustocken. Der Generaldirektor der Landesverwaltung, Alexander Steiner, habe — so Franceschini — eine Liste von 100 Landesbeamtinnen erstellt, die dem Gesundheitsbetrieb zu diesem Zweck für einen bestimmten Zeitraum hätten zur Verfügung gestellt werden können. Zudem war ein Amtsdirektor zur Koordinierung dieses Teams vorgesehen.

Dieser Vorschlag wurde – nach meinen Informationen – von den zuständigen Stellen in der Sanität abgelehnt. Von den 100 Personen wurden am Ende genau 5 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernommen.

— Christoph Franceschini

Sollte diese Darstellung zutreffen, wäre das immer wieder — auch hier: — dokumentierte Desaster bei der Verwaltung von Infektionen und Quarantänen unentschuldbar.

Siehe auch:

Gesundheit Politik Service Public | Coronavirus Zitać | Arno Kompatscher Christoph Franceschini | Salto | Südtirol/o | Sabes SVP | Deutsch

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Covid: Tabellen bleiben einsprachig.

Die STF hat sich bei LR Thomas Widmann (SVP) wegen der einsprachigen Corona-Tabellen erkundigt (Anfrage Nr. 1136/20). Die Antwort ist so fadenscheinig, gleichgültig und minderheitenfeindlich ausgefallen, wie sie nur sein könnte.

Laut zuständigem Landesrat wurden die Tabellen zu Beginn der »Corona-Phase« eingeführt und

auch wegen des enormen Datensatzes einsprachig gehalten, um sie so leserlich wie möglich zu gestalten.

Die Leserlich- und Übersichtlichkeit ist eine sehr beliebte Ausrede. Bei Feinden der Mehrsprachigkeit.

Dieser diskriminierenden Haltung zufolge sind Straßenschilder, Produktetiketten und vieles mehr auch viel übersichtlicher, wenn sie nur in einer Sprache — der lingua franca nazionale — gehalten sind. Nur falls zwischendurch einmal etwas einsprachig Deutsch oder Ladinisch ausfallen sollte, ist die Unübersichtlichkeit kein so wichtiges Argument mehr.

Dass das Land, dessen Autonomie darauf beruht, dass seine Bevölkerung mehrsprachig ist, nun auch schon wie ein beliebiger FdI-Abgeordneter argumentiert, ist eigentlich tragisch. Für die, die sich der Mehrsprachigkeit verweigern wollen, bietet es damit einen perfekten Aufhänger.

Überdies ist die Ausrede mit der Übersichtlichkeit gerade im digitalen Bereich ohnehin völlig unhaltbar, da bei entsprechendem Willen problemlos Lösungen implementiert werden könnten, die das Umschalten zwischen zwei, drei oder auch fünfzig Sprachen erlauben, ohne der Übersichtlichkeit einen Abbruch zu tun.

Die deutschen Gemeindebezeichnungen seien nun — so Widmann weiter — nachgetragen und die Tabelle nach diesen geordnet worden. Doch:

Die Bezeichnungen bzgl. der Herkunft der Neuinfektionen bleiben allerdings einsprachig [italienisch], da diese Bezeichnungen vom Labor so festgelegt und gehandhabt werden und die Übersetzung der einzelnen Bezeichnungen nicht sinnvoll erscheint, auch aus dem Grunde, dass sie sich ständig ändern. Zudem würde eine zusätzliche Übersetzung dieser Spalte die Lesbarkeit der Tabelle erschweren.

Ich notiere: Laut Gesundheitslandesrat gilt die Zweisprachigkeitspflicht nur noch unter der Voraussetzung, dass nicht »das Labor« irgendwas anderes festlegt und dass die »Lesbarkeit« nicht darunter leidet. Was auch immer das heißt, denn für mich wäre die Tabelle auf Deutsch mindestens genauso lesbar.

A propos Lesbarkeit: Darauf wurde etwa bei diesem Brief dann doch eher weniger geachtet.

Siehe auch: |

Discriminaziun Gesundheit Nationalismus Plurilinguismo Politik Service Public Tech&Com | Bilinguismo negato Coronavirus Italianizzazione Zitać | Thomas Widmann | | Südtirol/o | Landesregierung STF Südtiroler Landtag SVP | Deutsch

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Impfung: Schlusslicht Südtirol?

Da ich allein zwischen gestern und heute mehrmals gelesen habe, dass Südtirol auf Staatsebene Schlusslicht beim Impfen gegen Covid-19 sei, veröffentliche ich auch hier den gestern bereits bei Twitter publizierten Faktencheck:

Südtirol befindet sich (genauer gesagt: befand sich gestern) demnach nicht am Ende der »Impfwertung«, sondern irgendwo im Mittelfeld. Das macht es zwar nicht wirklich erträglich — ehrlich gesagt geht es auch mir (z.B. im Vergleich zum Trentino) viel zu langsam. Wir sind aber halt auch nicht die Letzten.

Wie kommt das Missverständnis zustande? Die italienische Regierung setzt die erfolgten Verabreichungen in ihren offiziellen Tabellen nicht in Relation zur Bevölkerung, sondern ausschließlich zur Anzahl der gelieferten Impfdosen. Da Südtirol im Vergleich zu anderen Regionen — im Verhältnis zur Einwohnerzahl — (deutlich) mehr »Stoff« bekommen hat, landet es in dieser staatlichen Aufstellung auf dem letzten Platz.

Siehe auch:

Faktencheck Gesundheit Umfrage+Statistik | Covid-Stats | | | Italy Südtirol/o Trentino | Sabes | Deutsch

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Militarisiertes Land.
Streit- und Polizeikräfte in Südtirol

Das Istat hat im Dezember neue Statistiken zum Thema Streit- und Polizeikräfte (mit Daten von 2015 und 2017) veröffentlicht. Interessant sind dabei aus meiner Sicht vor allem die Werte zur Verteilung des Personals auf Regionen und autonome Länder.

Insbesondere bezüglich der Militarisierung zählt Südtirol staatsweit zu den Gebieten mit der größten Präsenz (Dichte).

Laut den aktuelleren Daten waren 2017 in Südtirol 2.787 Mitglieder von Sicherheitsorganen und noch einmal fast ebenso viele Militärs (2.718) stationiert. Pro 100.000 Einwohnerinnen entspricht das einem Wert von 528 (Polizei/Carabinieri/Finanz) respektive 515 (Heer).

Damit ist die Militärdichte hierzulande fast doppelt so hoch wie der staatsweite Durchschnitt von 274. Nur Friaul-Julisch Venetien (mit astronomischen 817), das Latium (734) und Apulien (575) kommen auf noch höhere Werte. Der Unterschied zwischen Südtirol und dem benachbarten Trentino ist enorm: über viereinhalb mal so dicht ist Südtirol militarisiert (515 zu 112 Heeresangehörige je 100.000 Einwohnerinnen) wie sein südliches Nachbarland, wo 2017 nur 603 Soldatinnen stationiert waren.

Andere autonome Gebiete — wie die Åland — sind vollständig entmilitarisiert, bei uns ist eher das Gegenteil der Fall. Während des kalten Krieges war die Besatzung zwar deutlich höher, aber vielleicht eher noch rechtfertigbar.

Bei den Sicherheitskräften* liegt Südtirol (528) ebenfalls über dem staatsweiten Schnitt von 497, allerdings ist hier der Abstand geringer. Italien zählt europaweit zu den Staaten mit der höchsten Polizeidichte. Das Trentino (405) verzeichnet auch diesbezüglich eine geringere Präsenz als Südtirol.

Siehe auch:

*) Ortspolizeien nicht eingerechnet

Colonialismi Militär Polizei Umfrage+Statistik | | | | Åland Italy Südtirol/o Trentino | Carabinieri Istat Staatspolizei | Deutsch