Hodonomastische Faulheit.

Die aus Bozen bekannte Unsitte, zweisprachige Straßenbezeichnungen zusammenzufassen, scheint nun auch in mehrheitlich deutschsprachigen Gemeinden (im Bild: Schild in Bruneck) um sich zu greifen.

Dabei wird aus »Faulheit« (bzw. missverstandener »Übersichtlichkeit«) eine Schreibweise bevorzugt, die im Deutschen schlicht und ergreifend falsch ist. Korrekt müsste es nämlich Paul-von-Sternbach-Straße lauten — mit drei Bindestrichen!

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8 replies on “Hodonomastische Faulheit.”

Für die deutsche Sprache gibt es eine stark regelmentierte Schreibweise für Straßennahmen. Leider schaffen es Beamten in Südtirol diese oft nicht korrekt anzuwenden. Man müsste fast einen eigenen Blog aufmachen in denen das falsch beschriftete Straßenschild abgebildet wird und mit der korrekten Schreibweise sammt Rechtschreibregel kommentiert wird. Danach müsste man gleich einen offenen Brief an die Gemeinde schicken und auf eine Antwort warten.

Übrigens was mir immer auffällt wenn ich in Meran bin und vom Bahnhof ins Stadtzentrum gehe:
via XXX aprile
XXX. April Straße

Bei diesem Schriftbild tun ja einem die Augen weh.

Es müsste doch heissen: 30.-April-Straße

In Bozen gibt es eine via XX settembre. Bei der deutschen Übersetzung hat man es geschaftt die arabische Zahl für den Monatstag zu nehmen, aber wieder ohne Bindestriche. Man kann ja nicht alles haben. :-)

In Bozen werden gerade die Steintafeln ersetzt, auf denen vor allem in der Altstadt die Straßennamen stehen. Zumindest dort muss man von einer deutlichen Verbesserung sprechen: Mir sind bislang keine Fehler aufgefallen, Peinlichkeiten wie Gärbergasse, Batzenhaüslgasse oder Walther Platz wurden meines Wissens endlich korrigiert.

Einfach nur schockierend!
Da kämpfen unsere Vorfahren in Kriegen um uns ein leben in Freiheit zu garantieren und dann passiert sowas ! Und das im Jahre 2012!
Ich hoffe nur auch andere sind so mutig wie diese Website und decken solche Missstände weiterhin auf. Die Presse scheint den vorfall wieder einmal zu verschleiern. Wir sollten eine occupy Paul Steinbach Strasse Bewegung organisieren um die Weltbevölkerung auf das aufmerksam zu machen. Vielleicht erstreiten wir eine Klage vor dem menschengerichtshof.
Und in so einem Land müssen wir leben!

Mut zu Pragmatismus! In der Schweiz wird das Eszett schon lange nicht mehr benutzt; es hatte schlichtweg auf der Einheitstastatur nicht Platz. Entweder man entwirft nun Schilder, die den vollen Straßennahmen in beiden Sprachen tragen und sodann aufgrund der Schriftgröße unleserlich sind oder viel größer sein müssen; beide Ausführungen führen zu Konfusion, da man nun an jeder Kreuzung länger lesen muss, oder man findet sich mit der Tatsache ab, dass diese Schilder der Orientierung dienen sollen und lässt das -Straße unterhalb des (unvollständigen) Namens in verringerter Schriftgröße. Sprache ist letztendlich doch nur dazu da, schriftlich zu kommunizieren und sollte die Botschaft so klar wie möglich vermitteln; ohne Wiederholung des selben Inhalts, wenn die Botschaft doch schon längst angekommen ist!

Man braucht keine neuen Schilder zu entwerfen, diese Schilder gibt es bereits und sind außerhalb Bozens die unangefochtene Mehrheit — ohne, dass sich jemals wer über die Unübersichtlichkeit beschwert hätte. Mehr noch: Bei den meisten Straßennamen, die nicht Personen gewidmet sind, kommt man um eine vollständige Anführung beider Bezeichnungen sowieso nicht umhin, da sie in den beiden Sprachen ja normalerweise unterschiedlich lauten.

Wie ich in anderen Einträgen bereits ausgeführt habe, bin ich sehr wohl der Meinung, dass Südtirol — wie etwa die Schweiz — die Möglichkeit haben muss, Spezifika zu normieren. Dafür muss es aber einen Grund geben. Leider wird aber hierzulande häufig die Unfähigkeit, sich elementarste Rechtschreibregeln anzueignen (und die Faulheit, auf die das zurückzuführen ist) als Pragmatismus verkauft. Wenn man etwa in Bozen denselben Straßennamen auf vier Schildern in vier unterschiedlichen Schreibweisen vorfindet, kann das doch kein Beitrag zu einer Südtiroler »Normierung« sein.

Nicht zuletzt sollte eine korrekte Schreibweise auf öffentlichen Schildern ein (kleiner) Beitrag zur sprachlichen Bildung (und nicht zur allgemeinen Verwirrung) sein. Wenn es ausschließlich um die Orientierung geht, können wir ja auch nur »via Paul von Sternbach« lassen — das ist nochmal übersichtlicher und es versteht auch jeder.

In Italien hat man es generell nicht so mit den einheitlichen Straßennamen. Für mich als Österreicher ist es schon grauenhaft, wenn kleine Landgemeinden bei ihren Straßennamen den einen oder anderen Bindestrich vergessen. In Italien ist man sich selbst in Rom nicht sicher, ob eine Straße eine via oder ein viale ist oder ob sie mit oder ohne Vornamen geschrieben wird. Laut Google Maps heißt eine Straße in Rom “viale Palmiro Togliatti”, inoffiziell findet man aber auch oft “via Togliatti” etc. In Wien, aber auch in Zürich gibt es so ein Chaos nicht.

Frage: gibt es nicht auch die Schreibweise ohne Bindestriche, also z.B.:
– “Paul von Sternbach, 17”
– “Paul-von-Pernbach-Straße 17”
In diesem Sinne wäre das Schild ja korrekt. Der Zusatz “Straße” ist ja in einer kleineren Schrift, also nicht Teil des Namens.

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