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Der Hymnen-Gau.

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Im Dezember 2011 hat das Parlament die Abänderung des Textes der österreichischen Bundeshymne beschlossen. Statt “Heimat bist du großer Söhne” heißt es nun “Heimat großer Töchter und Söhne”. Der Änderung waren lange und hitzige Diskussionen vorausgegangen, die auch nach der Beschlussfassung nie gänzlich abgeebbt sind. Neuerlich befeuert wurde die Debatte, nachdem der selbsternannte “Volks-Rock’n’Roller” Andreas Gabalier bei einem offiziellen Anlass – nämlich der Eröffnung des Formel 1 Grand Prix von Österreich in Spielberg – die Bundeshymne mit altem Text sang. Dies wiederum veranlasste Bundesministerin Gabriele Heinisch-Hosek dazu, Gabalier via Facebook “Nachhilfeunterricht” in Sachen Hymnentext zu erteilen. Es folgte ein gewaltiger Shitstorm gegen die Ministerin, der sogar in Morddrohungen (!) gipfelte.

Zwei Beobachtungen zum Fall “Österreichische Bundeshymne”:

Das wahre Problem bezüglich der Änderung
Der Shitstorm gegen Gabriele Heinisch-Hosek ist unterste Schublade. Daran gibt’s nichts zu rütteln. Wenngleich sie hätte ahnen können, dass sowas ähnliches passiert. Und Gabalier seinerseits hat sich über geltendes Recht hinweggesetzt. Eine (sachliche) Diskussion über den Hymnentext sollte trotzdem auch nach dem Parlamentsbeschluss noch erlaubt sein. Denn das Parlament hat damals einen großen (nicht aber weltbewegenden) Fehler gemacht. Der Fehler war aber nicht der Wunsch, die weibliche Seite Österreichs zu betonen, sondern dass in einen literarischen Text – über dessen Qualität man freilich streiten kann – eingegriffen wurde. Der Hymnentext ist keine Gebrauchsanleitung, die man beliebig sich ändernden Umständen anpassen kann, da sie über keine so genannte “Schöpfungshöhe” verfügt. Der Text der österreichischen Hymne darf wenn dann nur von der Autorin (!) Paula Preradović geändert werden – und die ist schon lange verschieden. Was das Parlament beschlossen hat ist eine sprachliche (wie rhythmisch-musikalische) Vergewaltigung. Eine wirklich revolutionäre Botschaft und ein starkes Signal wäre es gewesen – wenn man schon so etwas Unnötiges und Archaisches wie eine Nationalhymne braucht – einen komplett neuen Text zu verfassen. Der dann in einigen Jahrzehnten wahrscheinlich wieder für Wirbel sorgen wird, da wir heute bestimmt Dinge schreiben würden, die dann im Jahr 2050 als untragbar, undenkbar und politisch unkorrekt empfunden werden würden. Vielleicht sollte man einfach lernen, dass jeder literarische Text im Kontext zu sehen bzw. zu verstehen ist, in dem er geschrieben wurde.

Das österreichische Luxusproblem
Die österreichische Bundeshymne ist eine der friedliebendsten ihrer Sorte. Nicht einmal das Wort “Blut” kommt darin vor. Während in der französischen Marseillaise Kehlen durchschnitten werden und unreines Blut die Furchen tränkt und man in der italienischen Fratelli d’Italia zum Tod bereit ist und über Nachbarländer sich auslässt, singt man in tu felix Austria über die Schönheit der Landschaft, die (tragische) historische Figur und die (hoffentlich) bessere Zukunft. Weder in Frankreich noch in Italien hat man offenbar ein Problem damit, zutiefst anachronistische Texte zu singen, die selbst im historischen Kontext betrachtet nur martialisch bis beleidigend sind – von einer Gendergerechtigkeit ganz zu schweigen. In Österreich hingegen sieht man sich veranlasst, die Hymne zeitgemäß zu adaptieren. Ein an und für sich löbliches Unterfangen, wäre es nur nicht derart “potschat” angegangen worden.

Cultura Feminæ Politik Symbolik | | | | Österreich | | Deutsch

6 replies on “Der Hymnen-Gau.”

Was an einer Hymne so schlimm sein sollte, die über einen guten positiven Text verfügt verstehe ich nicht ganz.

Per me è una scemenza totale. La teoria che le lingue siano, per la maggior parte “maschiliste” perchè o non distinguono tra maschile e femminile al plurale oppure perchè in presenza di un solo nome maschile volgono tutto al maschile è idiozia.
Le lingue non sono persone, ma entità  astratte senza alcun volere proprio. I parlanti, invece, quelli che parlano le lingue, le usano come un sistema convenzionale di comunicazione, rispettandone le regole allo scopo di comunicare. Voler vedere del maschilismo in queste convenzioni vecchie di secoli e forse millenni, è un po’ come dire che la notazione musicale è italo-nazionalista, perchè la maggior parte delle indicazioni son prese dall’italiano.
D’altra parte anche i generi son qualcosa di convenzionale: se si vuole andare a vedere, allora gay, lesbiche e transegender forse non si immedesimano del tutto nel bipolarismo uomo/donna e quindi il nuovo inno rimane discriminatorio nei loro confronti. Inoltre le lingue non hanno generi appositi.
Io sono nato nel XX secolo e continuerò a parlare l’italiano come si deve; il bon ton del “LehrerInnen” non me ne faccio nulla; perchè “LehrerInnen”, fino a prova contraria non è una parola (non la usavan nè Lutero, nè Goethe e Schiller e non viene nemmeno usata nel parlato in questo specifico modo). Inoltre non riesco a capire perchè, in un mondo dove le differenze di genere tendono a scomparire, uno debba essere offeso da un nome collettivo al maschile. Mi paiono due tendenze antitetiche.

Riguardo alla Foppa, non mi serve spendere molte parole, perchè le sue affermazioni parlano da sè… non ha senso mettere a confronto l’operazione di ammodernamento di un testo in Mittelhochdeutsch, che pochissimi riescono a leggere in originale con il cambiare di proposito un testo moderno: il primo è un caso di traduzione, il secondo di cambiamento.
Tra il resto in Italiano il problema non si pone, perchè la lingua è cambiata poco: l’ammodernamento di Dante non si prende nemmeno in considerazione.
Sarebbe interessante chiedere alla cara Birgitte cosa ne pensa di un’opera di “ammodernamento” al bassorilievo di Piffrader o al monumento alla vittoria. Immagino che in quel caso intraprendere delle modifiche sarebbe sconsigliabile per via del pregio artistico…

Post Scriptum:

Gott erhalte, Gott beschütze
Unsern Kaiser, unser Land!
Mächtig durch des Glaubens Stütze,
Führt er uns mit weiser Hand!
Laßt uns seiner Väter Krone
Schirmen wider jeden Feind!
|: Innig bleibt mit Habsburgs Throne
Österreichs Geschick vereint! :|

Questo sì che è un inno, altro che “Söhne und Töchter”!!! :-D

Was sich mir in dieser Diskussion noch nicht erschließt:
Wie können jene, welche unter Verweis auf die Nichterwähnung von 51% der Bevölkerung eine Änderung desTextes fordern, im selben Atemzug ein Ministerium wollen, welches 49% der Bevölkerung ausschließt?

Paula Preradović ist die Enkelin des Petar Preradović (Roman Pave und Pero) ,
Serbe aus Kakanien ;-)
Was hatte der Sohn der Frau P. mit Eurem Land zu schaffen?

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