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Ålandinseln wollen UNESCO-Mitgliedschaft.

Kürzlich haben die gut 50.000 Einwohnerinnen zählenden Färöer bekanntgegeben, einen Mitgliedsantrag bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gestellt zu haben. Eigenständiges Mitglied der UNESCO sind die zu Dänemark gehörenden Inseln bereits.

Nun kündigte die Regierung von Åland (rund 30.000 Einwohnerinnen) an, ebenfalls die Mitgliedschaft in der UNESCO, der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur, anzustreben. Sie beruft sich hierzu einerseits auf den Präzedenzfall der Färöer und andererseits auf die Tatsache, dass Bildung, Wissenschaft und Kultur großteils autonome Zuständigkeiten der Åland seien.

Aus der Mitgliedschaft ergäben sich vielfältige Mitbestimmungs- und -gestaltungsmöglichkeiten, wie die Mitarbeit in den Kommissionen, die Einbringung von Themen, die Einsichtnahme in alle relevanten Unterlagen, die Teilnahme an Sondersitzungen, der ständige Austausch mit den anderen Mitgliedern oder die Unterbreitung von Vorschlägen an den Vorstand. Nur beim Budget seien die Mitbestimmungsrechte von Mitgliedern, die keine souveränen Staaten sind, eingeschränkt.

Neben den Färöer gibt es schon heute zehn weitere UNESCO-Mitglieder, die keine volle Souveränität genießen — darunter das zu Frankreich gehörende Kanaky (Neukaledonien).

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Rapper Pablo Hasél verhaftet.

Die katalanische Polizei drang heute gegen 6.30 Uhr in die Universität von Lleida ein und verhaftete auf richterliche Anweisung den Rapper Pablo Hasél, der sich dort seit gestern aufhielt. Studierende und Aktivistinnen wollten den Vorgang verhindern, mussten aber nach rund zwei Stunden aufgeben.

Hasél hatte zuvor die Frist verstreichen lassen, innerhalb der er sich bei einem Gefängnis seiner Wahl hätte melden können, um die Strafe abzusitzen. Auch die Möglichkeit des Exils hatte er bewusst ausgeschlossen.

Wegen seinen Songtexten und mehreren Tweets, deren Inhalt als Verherrlichung des Terrorismus und Verunglimpfung der spanischen Krone gewertet wurden, war Hasél 2018 vom Sondergericht Audiencia Nacional zu einer mehrmonatigen Haftstrafe verurteilt worden.

Als die Festnahme bekannt wurde, gingen am Abend Zehntausende in Barcelona, Lleida, Girona, Sabadell, València und anderen Städten spontan auf die Straße, um gegen die Verhaftung zu protestieren.

Schon im Vorfeld hatten zahllose Künstlerinnen und Prominente einen Aufruf gegen den Vollzug der Strafe unterzeichnet — letztendlich vergeblich.

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Dickes Weh.
MC J.W.A disst Greta derb und gewinnt Rap-Battle gegen Altmeister HC

Nichts weniger als die größte Revolution des Musikbusiness seit dem Erscheinen der bahnbrechenden Hansi-Hinterseer-Alben “Meine Lieder, deine Träume” und “Vater, dein Wille geschehe” im Jahre 2002 ist der legendären Südtiroler Spaßtruppe SSB feat. MC J.W.A gelungen. Mit ihrem Gangstaidentitätsmumblerootsreggaedancehallaggroüberetschrap definieren sie die Szene neu. Kritiker adeln diesen so genannten Eklektizismus-Hip-Hop als neues, absolut ernstzunehmendes Genre, während der österreichische Literaturnobelpreisträger Peter Handke anerkennend von einem krassen Nebeneinander von Werk und Scheiße spricht.

Geschickt nimmt J.W.A in “Mamma Tirol” (man beachte die subtile und respektvolle Referenz an den italienischen Kulturraum und an eine der ersten Ikonen der Schwulenbewegung aus Schweden) Anleihen bei allem, was nicht bei drei auf einem Baum ist, und mixt die Fragmente in einer grandiosen Widersprüchlichkeit der Kategorie “Hirnspagat” derart geschickt zusammen, dass selbst David Hasselhoff nach einer ersten Hörprobe nicht mehr daran glaubt, dass er es war, der mit “Looking for Freedom” die Berliner Mauer zu Fall gebracht hat, sondern dies, wie auch die deutsche Wiedervereinigung, nur die Vorboten des Freiheitssongs von SSB waren. 

So bedient sich J.W.A mit einer unschlagbaren “Traust-di-nie”-Attitüde ausgerechnet bei jenen, die seiner lyrischen Botschaft diametral entgegenstehen und derengleichen er als Verräter und Entwurzelte geißelt. Während die Berliner Multikulti-Truppe Seeed in ihrem Dancehall-Kracher “Dickes B” recht hölzern vor sich hinreimen und -rappen,

Die Berliner Luft im Vergleich zu anderen Städten
Bietet leckersten Geschmack, allerbeste Qualitäten […]
Früher ging’s in Berlin um Panzer und Raketen
Heute lebe ich im Osten zwischen Blümchentapeten […]
Coolnessmäßig platzt die Stadt aus allen Nähten
Aber wo sind jetzt die Typen, die auch ernsthaft antreten […]

Dickes B, Home an der Spree
Im Sommer tust du gut und im Winter tut’s weh
Mama Berlin Backsteine und Benzin
Wir lieben deinen Duft, wenn wir um die Häuser zieh’n

wird in der Interpretation von J.W.A ein melodiöser sieben-dreiviertel-hebender jambischer Anapäst-Trochäus daraus:

Die Tiroler Luft, im Vergleich zu anderen Ländern
Leckeren Geschmack, sogar im November […]
Früher hatten in Tirol die Menschen noch Vision
Heute leben wir im Süden in der falschen Nation […]
Coolnessmäßig platzt das Land aus allen Nähten
Aber wo sind die Typen, die unsere Werte noch vertreten? […]

Die DNA des SSB
Manchmal tut’s gut und manchmal tut’s weh
Mamma Tirol mag Sepp und Jasmin
Der Glaube an die Freiheit ist unser Benzin

Sampling ist in der Roots-Reggae- und Dancehall-Szene ein gängiges Phänomen. So wurde beispielsweise der von Seeed kreierte Riddim “Doctor’s Darling”, der für sie selbst als Grundlage für ihren Song “Waterpumpee” (feat. Anthony B.) diente, von der jamaikanischen Dancehall-Queen Tanya Stephens für ihren Welthit “It’s a pity” recycelt und die Berliner Band dadurch in den Reggae-Olymp erhoben. J.W.As Textsampling ist nur die konsequente Fortführung dieser Praxis und die damit einhergehende Adelung durch den Südtiroler Eklektizismus-Papst für Seeed ein weiterer Meilenstein in ihrem Streben, als ernstzunehmende Musikkapelle anerkannt und wahrgenommen zu werden.

Das Thema Widerspruch ist ein wiederkehrendes Motiv in J.W.As Lyrik. Während man nach oberflächlicher Betrachtung unter den zitierten “Tiroler Werten” durchaus auch eine christliche Überzeugung ausmachen könnte, gräbt J.W.A tiefer, befreit die traditionellen Werte vom Ballast des tieferen Sinns und offenbart ihren Kern: Xenophobie, Homophobie und Misogynie. Der Ausländer ist Schuld, der Schwule ist pervers und die Frau ein Sexobjekt. Mit diesem Kunstgriff schafft er die textliche Brücke zu anderen großen Hip-Hoppern wie Tupac oder dem frühen Eminem und lehnt sich in der frauenverachtenden Videoästhetik an Nelly oder Snoop Dogg an. Szenekenner werfen J.W.A jedoch nicht ganz zu Unrecht vor, dass – was die Xenophobie anbelangt – auch bereits der legendäre Gangstarapper HC Strache mit dem Kreuz in der Hand etwas vom christlichen Abendland schwafelte und gleichzeitig unverhohlen mit seinen menschenfeindlichen Parolen die christliche Botschaft konterkarierte. Unbestritten ist J.W.As Flow jenem von HC haushoch überlegen, was das Abkupfern nicht ungeschehen, aber für Musikfeinspitze um einiges verzeihlicher und erträglicher macht.

Eine weitere Battle entscheidet J.W.A ebenfalls klar für sich. Indem er Greta Thunberg für ihr Engagement disst, hat es der im Battling nicht unerfahrenen Schwedin (Stichwort Twitter-Beef mit Trump) die Sprache verschlagen, weil auch sie fälschlicherweise – wie so viele andere – den Respekt vor der Natur für einen “Tiroler Wert” hielt.

So neu J.W.As eklektizistischer Ansatz, so oldschool sind die Quellen seiner Referenzen. Da liegt vielleicht das einzige Manko im wagnerschen Gesamtkunstwerk “Mamma Tirol”. Um den Kontakt zu jenem Rap-Publikum nicht zu verlieren, für die Run DMC, Public Enemy, Sugarhill Gang und Grandmaster Flash alkoholische Mischgetränke sind, und um für die jugendliche Zielgruppe nicht peinlich zu wirken, präsentiert J.W.A etwas unbeholfen Unterarmtattoos, die zwar einem millionenschweren Fußballerstligaspieler das Wasser reichen können, einem Post Malone oder 6ix9ine aber bloß ein müdes Lächeln abringen.

An Street-Credibility fehlt es den Südtiroler Gangstan aber dann insgesamt doch nicht. Dafür sorgt die gezielte Provokationsmaschinerie des SSB, die die nach Aufmerksamkeit heischenden Farid Bang und Kollegah (bürgerlich Felix Martin Andreas Matthias Blume) mit ihren definierten Auschwitzinsassenkörpern ziemlich alt aussehen lässt. Die Echo-Nominierung für J.W.A (der Preis wird extra für diesen Anlass reaktiviert) dürfte also eine fixe Bank sein. Die empörten Reaktionen der Twitteria ebenso. Campino meldet sich zu Wort. Es folgt die Ausladung von der Verleihung, so wie sie einst auch dem Südtiroler Satireprojekt Frei.Wild widerfahren ist. Und damit schließt sich der Kreis.

Aber auf öde Preisverleihungen und schnöde Trophäen ist J.W.A ohnehin nicht angewiesen. Für ihn soll der Hype um “Mamma Tirol” noch lange nicht der Zenit seines Erfolges sein. Seine unglaubliche Lebensgeschichte wird demnächst unter dem Titel “Straight outta Kaltern” verfilmt werden. Für den Soundtrack haben sich die Niggaz Wit Attitudes zu einer spektakulären Reunion entschieden. Lediglich Eazy-E hat sich geweigert als Hommage an J.W.A von den Toten aufzuerstehen. Was für ein Weh, ein dickes!

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Das Elsass ist zurück.
Regionale Zwangsehe aufgelöst

Im Rahmen der zum 1. Jänner 2016 in Kraft getretenen Gebietsreform, mit der die Anzahl der französischen Regionen von 22 auf 13 reduziert wurde, war das Elsass mit Lothringen und Champagne-Ardennen in der Region Grand Est (Großer Osten) aufgegangen. Sämtliche sprachlich-kulturellen Eigenheiten schienen damit endgültig zentralistischer Gestaltungswut zum Opfer gefallen zu sein.

Schon bald brachten jedoch sowohl die Bevölkerung als auch elsässische Gewählte in der Regionalversammlung ihre Unzufriedenheit mit der Fusion zum Ausdruck. Mehrmals kam es zu Kundgebungen, die elsässische Regionalpartei Unser Land verzeichnete — wenngleich auf niedrigem Niveau — deutliche Zuwächse und auch die Regionalpresse wetterte gegen den Zusammenschluss, dessen Unbeliebtheit immer wieder mit Umfragen untermauert wurde. Der Kongress der Gemeinden und Regionen des Europarats kritisierte in einer Stellungnahme schon im März 2016, dass die Gebietsreform ohne ernsthafte Konsultation der Gemeinden und der Menschen vor Ort stattgefunden hatte.

Der starke Druck führte dazu, dass bereits im August 2019 die Schaffung der Europäischen Gebietskörperschaft Elsass (Collectivité européenne d’Alsace) beschlossen wurde, die zum 1. Jänner 2021 effektiv wurde. Bei der Collectivité européenne handelt es sich um eine speziell auf das Elsass zugeschnittene Lösung, die auch auf dem französischen Festland erstmals eine reale asymmetrische Autonomie etabliert, wie sie bislang nur für Korsika — und selbstverständlich für die Überseegebiete — existierte.

Obschon die Europäische Gebietskörperschaft zunächst formell noch Teil der Region Grand Est ist, wurden ihr sämtliche Zuständigkeiten der Departements sowie spezielle Kompetenzen unter anderem in den Bereichen Zweisprachigkeit (besonders im Schulbereich), Kultur, grenzüberschreitende Zusammenarbeit (einschließlich Mobilität und Gesundheit), Tourismus und Verkehr (mit Nationalstraßen und Autobahnen) übertragen. Auf symbolischer Ebene erhält das Elsass ein eigenes Logo für die KfZ-Nummernschilder mit zweisprachiger Aufschrift Alsace-Elsass.

Natürlich kommen diese verhältnismäßig starken Zuständigkeiten für die deutsche Sprache und das Elsässische reichlich spät. Doch wenn sie wirksam eingesetzt werden, können sie vielleicht noch zu einer Renaissance der regionalen Identität beitragen.

Unterm Strich hat die Zwangsehe mit Lothringen und Champagne-Ardennen nur fünf Jahre gehalten. Südtirol ist seit 70 Jahren in einer ungewünschten Regionalgemeinschaft mit dem Trentino, die es trotz relativer Autonomie nie aufzulösen imstande war.

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Non è un paese giovane.
Australia

Dal 1° gennaio l’Australia ha introdotto una leggera modifica al suo inno, perché la versione finora in vigore era ritenuta offensiva nei confronti della popolazione autoctona. Infatti, la seconda riga recitava:

For we are young and free
[Poiché siamo giovani e liberi]

Ma il paese poteva ritenersi «giovane» solo ignorando la storia precedente l’arrivo dei bianchi. E dunque, modificando una parola, la stessa riga

For we are one and free
[Poiché siamo uniti e liberi]

Traduzione ufficiale dell’inno

risulta ora più inclusiva e rispettosa verso gli aborigeni — e al contempo storicamente corretta.

Advance Australia Fair è ufficialmente l’inno nazionale australiano solo dal 1977, quando fu introdotto con referendum popolare. Tuttavia, fu composto quasi un secolo prima, nel 1878, e sin dall’inizio del 20° secolo fungeva uffiosamente da inno accanto a quello ufficiale (l’inglese God Save the Queen). Nel corso degli anni il testo di Advance Australia Fair è stato modificato più volte per adattarlo ai tempi e per renderlo più inclusivo. In particolare, le quattro strofe iniziali sono state ridotte a due.

(In Italia il Canto degli Italiani di Goffredo Mameli è stato confermato inno nazionale solo nel dicembre del 2017, nella versione sostanzialmente invariata del 1847. Si tratta di un inno maschilista, aggressivo, inneggiante alla guerra ed offensivo nei confronti di altri stati e popoli europei. Né prima né dopo la sua «introduzione ufficiale» è stato sottoposto a una rielaborazione critica.)

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Frankreich gibt afrikanischen Ländern Kunstobjekte zurück.

Am 17. Dezember hat die französische Nationalversammlung ein Gesetz zur Restitution von 27 Kulturgütern an Benin und Senegal beschlossen. Die Abgeordneten haben dabei vom »Recht des letzten Wortes« Gebrauch gemacht, um sich über einen gegenteiligen Entscheid des Senats hinwegzusetzen.

Die Rückgabe umfasst einerseits 26 Werke des sogenannten Béhanzin-Schatzes, die derzeit im Musée du quai Branly – Jacques Chirac in Paris aufbewahrt und seit 2016 von Benin beansprucht werden. Andererseits einen wertvollen Säbel, der sich bislang im Eigentum des Musée de l’Armée befand, aber schon seit Ende 2018 im Museum der Schwarzen Zivilisationen in Dakar ausgestellt ist. Er wird von Senegal seit Juli 2019 reklamiert.

Laut dem nun beschlossenen Gesetz haben die zuständigen Stellen jetzt ein Jahr Zeit, um die 27 Gegenstände an die beiden afrikanischen Länder zurückzugeben. Dort waren sie im Krieg erbeutet worden. Es handelt sich dabei ausdrücklich um eine nur punktuelle Ausnahme vom Unveräußerlichkeitsgrundsatz, der in Frankreich allgemein für Kollektionen in öffentlichem Besitz gilt.

Letzteres ist auch die Schwachstelle des nunmehr gefassten Rückgabebeschlusses, da er zwar einen politischen, aber keinen juristischen Präzedenzfall bildet.

Zahlreiche andere afrikanische Länder haben ebenfalls ihren Anspruch auf erbeutete Kulturgüter angemeldet — allein im Musée du quai Branly sind mehrere tausend Ausstellungsstücke betroffen. Eine Restitution weiterer Objekte wäre dann aber allenfalls auf der Grundlage weiterer Gesetze zulässig, denn Gerichten wird es nicht gestattet sein, den Geltungsbereich der jetzt verabschiedeten Norm auf weitere Güter auszuweiten und anzuwenden.

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»Blödes Geoblocking.«
Quotation 637

[Geoblocking] baut digitale Grenzbalken in die EU, nimmt keine Rücksicht auf Minderheiten, und (fast) niemand schert sich drum.

Aber zurück ins Kino. Das ist geschlossen, aber online ist das österreichische Kino offen. Der VOD-Club der österreichischen Programmkinos ist so eine Plattform, oder Flimmit. Unter dem Motto „Streamen auf österreichisch“ bietet sie alles an, was es im Nachbarland an Film und Fernsehen gibt. Aber Flimmit sagt mir knallhart: „Sie befinden sich gerade in Italien. Zur Zeit ist Flimmit nur für Einwohnerinnen und Einwohner folgender Länder verfügbar: Österreich, Schweiz, Deutschland“. Dazu gehöre ich nicht.

Der einzige Weg zu Flimmit, VOD oder ins THW-Festival ist eine VPN-Adresse. Sie anonymisiert meine Identität. VPN-Adressen gibt es zu kaufen. Illegal sind sie also nicht, aber ein teurer Umweg, und immer öfter werden VPN-Adressen ebenfalls blockiert.

Renate Mumelter in Blödes Geoblocking (TAZ Online, 22.11.2020)

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Italien eröffnet Kolonialmuseum wieder.

Die Black-Lives-Matter-Bewegung trägt weltweit dazu bei, dass koloniales Erbe auf den Prüfstand kommt. Statuen und Monumente im öffentlichen Raum werden hinterfragt. In mehreren Ländern wurden bereits offiziell Maßnahmen ergriffen, um Gut, das aus ehemaligen Kolonien stammt, zu erfassen und zumindest teilweise an die rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben.

Viele Staaten tun sich mit dem Umgang mit ihrer Kolonialgeschichte sehr schwer, doch wohl kein anderes schafft es, wie Italien, ausgerechnet in dieser historischen Phase ein Kolonialmuseum wiederzubeleben, das vor einem halben Jahrhundert »endgültig« geschlossen wurde.

Ursprünglich war das Museo Coloniale 1923 persönlich vom faschistischen Diktator Benito Mussolini eröffnet worden, der von einem glorreichen Imperium nicht nur träumte, sondern es — mit brutaler Gewalt und ohne Rücksicht auf das Völkerrecht — auch umsetzen wollte.

Der Grundstock des Museumsinventars stammte zunächst von unterschiedlichen Wanderausstellungen, die nicht selten auch als Menschenzoos ausgelegt waren. Sie sollten bei den Besucherinnen nicht sosehr einen Erkenntnisgewinn, sondern vor allem ein Überlegenheitsgefühl hervorrufen.

Schon 14 Jahre nach seiner Eröffnung musste das Museum 1937 vorläufig geschlossen werden, weil die Faschisten in Afrika derart viele Gegenstände erplündert hatten, dass eine Inventur und Neuausrichtung nötig erschien.

Die Wiedereröffnung ließ bis 1947 auf sich warten, als Italien bereits eine Republik war und fast alle seine Kolonien verloren hatte. Die Kollektion umfasste damals schon rund 12.000 größtenteils in Afrika gestohlene Objekte. Erst 1971 wurde das Museo Coloniale oder Museo dell’Africa Italiana endgültig geschlossen.

Doch nun soll es zwischen 2020 und 2021 im Rahmen des staatlichen Museo delle Civiltà (MuCiv) in Rom als Museo Italo Africano wiedereröffnet werden. Gewidmet ist es nun der Journalistin Ilaria Alpi. Aus der direkten Kontinuität mit dem einstigen Museo Coloniale macht MuCiv keinen Hehl.

Ausschnitt Webauftritt des MuCiv

Freilich soll die Gestaltung »kritisch« sein und die Rolle Italiens in Afrika hinterfragen. Doch allein die Tatsache, dass ein derartiges Museum im 21. Jahrhundert nicht als Aufarbeitungsstätte ohne Raubgut, sondern mit den alten Ausstellungsstücken des Kolonialmuseums wieder in Betrieb genommen wird, konterkariert jegliche Bemühung ganz grundsätzlich. Es findet nicht nur keine Rückgabe, sondern eine weitere — wenngleich humanere — Inbesitznahme statt.

MuCiv-Direktor Filippo Maria Gambari glaubt sogar, die Ausstellung könnte Migrantinnen die Gelegenheit bieten, »mit ihrer Kultur in Berührung zu kommen«. Eine an Paternalismus und Überheblichkeit wohl nur schwer zu übertreffende Ansicht.

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