+++ Wo wir sind.

Soeben bin ich mit dem Regionalzug TI-2266 von Bozen nach Brixen gefahren. Als ich dem Schaffner bei der Kontrolle des Fahrscheins auf (Hoch-)Deutsch geantwortet habe, hat er mir mit überheblicher Miene ein schon länger nicht mehr gehörtes »siamo in Italia, qui si parla italiano« entgegengeschmettert. Er hat sogar gedroht, den Zug so lange am nächsten Bahnhof festzuhalten, bis ich kooperiere. Bloß als er bemerkt hat, dass ich (ob seiner Äußerung) erst recht nicht mitspielen wollte, hat er sich endlich zu einem resignierten, gebrochenen »Fahrkarte, bitte« herabgelassen.

Einige Mitreisende haben daraufhin etwas von »Bereicherung« geflüstert. Wenn ich ihre Unterhaltung nicht falsch interpretiere, möchte ich vorschlagen, die Autonomie doch stante pede abzuschaffen. Wenn nämlich jede Verletzung der Zweisprachigkeitspflicht eine »Bereicherung« ist, wie bereichernd wäre es dann erst, diese Pflicht ganz abzuschaffen!?
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20 replies on “+++ Wo wir sind.”

Una domanda tecnica: ma se il controllore ti ha chiesto „biglietti, prego“, tu perché invece di parlargli non gli hai fatto semplicemente vedere il biglietto?

Il controllore mi si è avvicinato da dietro e, forse per il rumore del treno, forse perché stavo scrivendo un sms, non ho capito bene che cosa avesse detto. Anzi, dalla lunghezza della frase mi era sembrato che non mi avesse solo chiesto il biglietto. In quel momento, invece di un «prego», mi è scappato un «bitte». Mea culpa, probabilmente non avrei dovuto osare tanto.

Non ho ancora capito cosa speri di ottenere con questi comportamenti da Andreas Hofer del dizionario… Comunque, contento tu!
Sarebbe però più coerente da parte tua prendere posizione, ad esempio, anche sulla decisione del comune di Caldaro di eliminare la segnaletica in italiano e, dato che ci sei, rendere anche questo sito veramente bi- o trilingue: perché solo il tedesco: „Kommentar verfassen“… „Name“… „Webseite“? Come vedi, se mi ci metto, so essere pignolo anche io.

Allora se un italiano non riesce a comunicare in italiano con una qualsiasi amministrazione se ne fa un caso nazionale, mentre se io chiedo che si rispetti un minimo di bilinguismo questo è un comportamento da Andreas Hofer. Penso proprio che non ci siamo, e non vedo perché dovrei giustificarmi.

Sulla toponomastica ho già  dato. La doppia o tripla versione di un toponimo col bi- o trilinguismo non c’entra nulla, ma condanno (e ho già  condannato) ad esempio la decisione dell’AVS di non tradurre tutte le indicazioni «funzionali» come tempo di percorrenza, passeggiata ecc.

Rendere questo sito veramente bi- o trilingue: Questo blog è un media, tra l’altro personale, che non sottosta a nessuna regolamentazione in questo senso — e quindi la pignoleria va a vuoto. Poi, non ho mai chiesto che l‘Alto Adige scriva in tedesco o il Dolomiten in italiano, e che io sappia nessuno lo ha mai fatto — è una cosa completamente diversa. Detto questo, penso che [bbd] sia uno dei blog più «plurilingui» che ci siano oggi in Sudtirolo.

Das Verhalten des Schaffners ist schlicht und einfach unter jeder Kritik und in höchstem Maße ungesetzlich. Die Drohung den Zug anzuhalten, da ein Fahrgast sein Recht auf Gebrauch der Muttersprache einfordert.
Wenn jemand dieses Verhalten auch noch verteidigt oder bagatellisiert, dann beweist er eigentlich nur, dass er von Autonomie und Mehrsprachigkeit wenig verstanden hat.
Müßig ist es, dass sich nicht die Behörde verteidigen muss, die diesen Missstand verursacht, sondern immer derjenige, der die Missstände aufzeigt.

Im Übrigen bin ich der Überzeugung, dass jemand, der über ein halbwegs normales Sprachgefühl verfügt, die elementaren 20 Sätze, die man als Schaffner für die Fahrkartenkontrolle benötigt (nicht Informationsweitergabe oder andere Serviceleistungen) bei etwas gutem Willen in jeder beliebigen indoeuropäischen Sprache in 5 Tagen intus hat.

Das Jahr 2026 (wenn 2012 nicht die Welt untergeht):

Im Freistaat Südtirol/Sudtirolo leben seit einigen Jahren deutsch-, ladinisch – und italienischsprachige Südtiroler in einem eigenen Staat.
Nach einigen Jahren des guten und friedlichen Zusammenlebens kommt es in letzter Zeit immer häufiger zu Beschwerden über die Benutzung der italienischen Sprache bei öffentlichen Angestellten. Anscheinend sollen deutschsprachige Südtiroler sich weigern, in italienischer Sprache Auskunft zu geben, mit der Begründung: MIR SEIN IN TIROL.
Die italienische Minderheit fühlt sich in ihrer Freiheit eingeschränkt, und verlangt die Wiedereinführung des sogenannten „Patentino“, eine Zweisprachigkeitsprüfung, die erst vor 8 Jahren abgeschafft wurde, weil nicht mehr zeitgemäss. Ebenso fordert die Minderheit die Wiedereinführung des Proporzes bei öffentlichen Stellen, um nicht systematisch benachteiligt zu werden.
Es scheint, man kehrt zurück in die Zeiten vor der Sebstbestimmung, nur eben in verkehrten Rollen.
Kann das Zukunft haben??

Das könnte passieren, wenn man nicht mit allerhöchster Vorsicht und absolutem Respekt vorgeht. Wenn man sich allerdings vor Augen führt, dass man sich 2009 noch rechtfertigen muss, wenn man ein elementares Sprachrecht einfordert (für das wir mit unseren Steuergeldern auch noch zahlen) dann kann einen die Zuversicht schon zwischendurch verlassen.

Meine Zuversicht irgendwann irgend etwas zu erreichen, was hier auf BBD diskutiert wird, gefordert und wieder verworfen wird, geht langsam Richtung 0, traurig aber wahr, wir sind noch nicht soweit, anzi, unsere verwöhnte, aber dennoch ewig unzufriedene Gesellschaft in diesem schönen Land wird immer extremer, ungeduldiger, einfach böser!!
Und daran wird so schnell niemand etwas ändern können, leider!

Hmm, sehr seltsam, ich dachte, dass die „siamo-in-Italia“-Zeiten schon überstanden wären. Oder habt ihr in letzter Zeit ähnlich krasse Erfahrungen (außer dem oben von pérvasion beschriebenen) gemacht?

Als ich Ende Oktober mit dem Regionalzug RE 20464 von Meran nach Bozen gefahren bin saß mir gegenüber ein ungarischer Gastarbeiter, der zwar sehr gut Deutsch aber kein Italienisch sprach. Als sich ein italienischer Kontrolleur näherte, bat ebenjener Ungar auf Deutsch um eine etwas komplizierte Auskunft (Umstiegszeiten u.ä.). Der Schaffner antwortete ihm höflich u. perfekt in demselben Idiom, sprach mich und jeden anderen Fahrgast aber partout auf Italienisch an. Nicht dass mich das großartig gestört hätte, aber es wäre z.B. ganz freundlich u. „respektvoll“ gewesen, einfach in den zwei hier gültigen Landessprachen (in Ladinien wären’s dann drei, aber da gibt es ja keine Grödner-Bahn mehr…) nachzufragen, zumal dieser Kontrolleur derselben ja mächtig wäre.

Klar ist das nur eine Bagatelle und mit dem „siamo-in-Italia“-Beispiel nicht zu vergleichen, aber es verdeutlicht m.E. doch ganz gut, dass das Italienische immer noch die „lingua franca“ Südtirols ist. Eine gewisse Beharrlichkeit in solchen Dingen finde ich daher durchaus angebracht, zumal es sich um ein gesetzlich zugesichertes und verbrieftes Recht handelt.

Sulla „lingua franca“: l’italiano è ancora la „lingua franca“ più in uso, probabilmente, seguita però a ruota dal dialetto tedesco (che si sta imponendo, in periferia, anche tra gli italiani). Il tedesco (Hochdeutsch) viene al terzo posto (non sono affatto pochi i sudtirolesi che preferiscono utilizzare l’italiano con gli italiani, anzichè l’Hochdeutsch, anche se sussisterebbe la possibilità  di farlo). Questo è il quadro.

@pérvasion
ärgerlich, aber da sind mir schon sehr viel schlimmere Sachen passiert.

Die ”siamo-in-Italia”-Zeiten werden noch solange andauern, wie wir bei diesem Staat dabei sind. Vielleicht wird es nicht mehr so offen ausgesprochen, wie im Fall von pérvasion. Aber ähnliche Diskriminierungen passieren leider andauernd. Erst neulich musste ich in einer Apotheke miterleben wie eine Verkäuferin eine ältere Dame nicht auf Deutsch bedienen wollte und sich auf Italienisch zu ihren Kollegen abfällig über „die blöde Alte“ äusserte.

Aber klar, solche Fälle wird es immer geben, auch auf deutscher Seite. Allerdings wär ich noch nie Zeuge geworden, wie ein Italiener von einem Deutschen im Öffentlichen Dienst so behandelt worden wäre.

Im Alltag kann man sich mit ein wenig guten Willen entgegen kommen, vor allem wenn man merkt, daß sein Gegenüber die Sprache schlecht beherrscht.
Beim öffentlichen Dienst aber und besonders wenn ich merke dass jemand aus Prinzip nicht mit mir Deutsch sprechen will, werde ich auf mein Recht bestehen. Und wenns sein muss dem Verweigerer ordentlich Probleme machen. Mit einer Beschwerde könnte man ja anfangen. Der größte Fehler wäre es nämlich ständig nachzugeben und solchen Herrschaften keinen Einhalt zu gebieten.

Kann es sein, dass die italienischsprachigen Südtiroler in unserer Provinz vielleicht aus Trotz so ungern Deutsch reden, weil sie sich immer noch irgendwie als „Eroberer“ dieses Landstrichs fühlen? In diesem Blog hat es vor langer Zeit einmal ein Interview mit Hans Karl Peterlini gegeben, worin derselbe in meinen Augen sehr erhellend die gegenwärtige Situation in Südtirol beschrieb:

Was können die Deutschen gewinnen, wenn sich die Italiener auch wohl fühlen in der Autonomie? Was können die Italiener gewinnen, wenn sie sich auf die Geschichte, die Kulturen, die Sprachen dieses Landes einlassen. Im Grunde tragen wir an einer doppelten Erblast: Die Deutschen mit dem Andreas-Hofer-Erbe, dieses Land gegen alles Fremde verteidigen zu müssen, die Italiener mit der Last der Eroberer, die an einem Sieg festhalten, um sich hier daheim fühlen zu können, während das Loslassen des Sieges ihnen das Land viel leichter öffnen würde. Im Grunde halten sich ein Verteidigungsmythos und ein Eroberungsmythos gegenseitig in Schach.

(http://www.brennerbasisdemokratie.eu/?p=1057)

Was mich umsomehr interessieren würde ist, ob es wirklich einen irgendwie gearteten „disagio“ unter den Italienern gibt…die Kommentare in den einschlägigen Facebook-Gruppen (l’Alto Adige è Italia) oder im Diskussionsforum auf der „l’Alto Adige“-Hompage sprechen eine für mich doch recht eindeutige Sprache.

@Seppl: Ich finde dein obiges Beispiel überhaupt nicht eine Bagatelle. Aus meiner Erfahrung in der Schweiz weiß ich, dass es gerade auf Details und Finessen ankommt, wenn man das Gefühl erzeugen will, dass alle ernst genommen und respektiert werden. In Südtirol fehlt es da leider an allen Ecken und Enden.

@Dolomiticus
Ich will vorausschicken, dass so ein Bemühen um Rechtfertigung normalerweise nicht bei mir verfängt.
Ich antworte dennoch, weil ich glaube, dass Du was lernen könntest. Es handelt sich bei „die andere Landessprache“ um ein Hyperonym, welches je nach Gesprächssituation Italienisch, Deutsch oder Ladinisch impliziert.

@ gadilu: Freilich, Du hast Recht, es gibt bei weitem nicht nur einen Grund, warum die Italiener hier in Südtirol mehr oder weniger ein Unbehagen verspüren. Und man kann diese Gefühlslage auch nicht an rein historischen Beweggründen festmachen.
Außerdem muss man die Schuld am Unbehagen der Italiener in beiden Volksgruppen verorten…
Ich hatte immer die Grundstimmung, dass für die Italiener das Inkrafttreten des Paketes, also Anfang der 70er Jahre, plötzlich eine Umkehrung der Verhältnisse bedeutete. Sie mussten von einem Tag auf den anderen Deutsch lernen, die öffentlichen Stellen für deutsche Beamten freigeben usw. Ich denke, dass v.a. diese ad-hoc-Umstellung und in gewisser Hinsicht „Entmachtung“ sie nachhaltig verunsichert und in ihnen bzw. in den nachfolgenden Generationen eine tiefe autonomie-feindliche Grundhaltung platziert hat.
Die Autonomie wurde nie als „gesamtsüdtirolerisches“ Privilegium erachtet, sondern stets als spezifisch deutsches. Die strikte Trennung der Sprachgruppen (die u.a. auch im Spiegel anno dazumal kritisisch besprochen wurde*) und die Schwierigkeiten im Sprachenerwerb (Hochdeutsch-Dialekt) mit den dazugehörigen, nunmehr verhassten Institutionen (Patentino, Proporz) trug dazu wohl kräftig bei. Genauso wie die subjektive Wahrnehmung, die Italiener würden benachteiligt werden (von Romano Viola wohl „widerlegt“).
Wie sonst kann man sich z.B. die Seite von Orfino erklären, die eine eigene Autonomie für die italienischsprachige Gemeinde einfordert? Subjektive Wahrnehmung oder nicht – das sei dahingestellt: die Unzufriedenheit und eben der „disagio“ der Italiener ist hier einfach ernstzunehmen! Ich kann mich noch gut erinnern, wie in der „Bombenjahre“-Doku ein italienischer Journalist aus Bozen mit guten Deutschkenntnissen (Name ist mir leider entfallen, er trug auf jeden Fall einen weißen Bart) meinte, den Italienern damals in den frühen 60er Jahren sei eine etwaige Unzufriedenheit der Südtiroler gar nicht mal in den Sinn gekommen, geschweige denn dass man eine Sensibilität gegenüber ihren Befindlichkeiten und Problemen aufzuweisen sich bemüßigt gefühlt hätte… hoffentlich machen wir nicht denselben Fehler, diesmal halt umgekehrt!

* „Apartheid-Festung Südtirol“

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