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Tribus über Kronbichler.
Quotation

Zur Debatte stand ein Beschlussantrag der rechten “Fratelli d’Italia”[,] mit dem vermieden werden sollte, dass die Regierung den beim Verfassungsgericht behängenden Rekurs zurückziehe. Darauf reagierten die SVP und der PD mit einem Antrag, der sich für einen Verhandlungstisch stark machte. Der Antrag wurde unverständlicherweise auch vom Abgeordneten Kronbichler unterzeichnet, der dann in seiner ersten großen Rede zu Südtirol genau die Position des parlamentarischen Arms der Südtiroler Faschisten, Postfaschisten und Neofaschisten einnahm: der Rekurs soll nicht zurückgezogen werden, das SVP-PD-Gesetz soll zurückgewiesen werden, die Toponomastik soll so bleiben wie sie ist.

Arnold Tribus, Herausgeber der TAZ, ehemals grün-alternativer Landtagsabgeordneter (1985-1993) und Arbeitgeber von Florian Kronbichler (bis 2013); Auszug aus dem heutigen TAZ-Leitartikel.

Siehe auch ‹1 ‹2 ‹3 ‹4 ‹5 | 1› 2›

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Staats- und Landesflagge.

Heute beschäftigt sich Arnold Tribus im TAZ-Leitartikel mit dem Thema Flagge. Stein des Anstoßes ist insbesondere, dass am Herz-Jesu-Sonntag die Schützenflagge am Völser Kirchturm hing. Im Zuge seiner Überlegungen schreibt er jedoch auch über die Staats- und die Landesflagge — und bezichtigt jene Südtiroler, die sich an der ausufernden grün-weiß-roten Beflaggung während des Alpinitreffens 2012 stießen, der Doppelzüngigkeit, da »wir« ja auch unsere weiß-roten Flaggen hissten, wenn im Land gefeiert wird.

Diese Behauptung möchte ich zum Anlass für einige grundsätzliche Überlegungen nehmen. Lassen wir dabei ruhig mal außer Acht, dass die Trikolore bei einem Militärfest eine andere Konnotation erhält, als dieselbe Trikolore bei einem (echten) Volksfest. Gehen wir stattdessen der Frage nach, ob man die Staatsflagge so ohne weiteres der Landesflagge gegenüberstellen kann. Wohl nicht: Die Trikolore repräsentiert nämlich intrinsisch die Idee eines nach nationalen Grundsätzen geeinten (und i. d. F. zentralistisch ausgerichteten) Staatsgebildes, das seinem Selbstverständnis nach grundsätzlich einsprachig, also der Fiktion von Homogenität unterworfen ist und höchstens Ausnahmen (wie Südtirol) gestattet. »Das Andere« konnte sich darin stets nur so weit behaupten, wie es sich der von der Nationalflagge repräsentierten Einflusssphäre entziehen konnte — und zwar mit mäßigem Erfolg, wenn man die allgemeine Lage der Minderheiten in diesem Staat betrachtet.
Zudem »beinhaltet« die Nationalflagge nicht die Freiheit und Gleichberechtigung der Frankoprovenzalen, der Südtiroler, der Slowenen, sondern eine unterordnende Identität als Frankoprovenzalisch, Deutsch, Ladinisch oder Slowenisch sprechende »Italiener«, worauf aus Rom in regelmäßigen Abständen — selbst von höchsten Repräsentanten der »minderheitenfreundlichen« Verfassung — aufmerksam gemacht wird.

Im Gegensatz dazu repräsentiert und fasst die rot-weiße Landesflagge unsere territoriale Realität in ihrer gesamten Komplexität zusammen. Sie ist nicht nationales Symbol der Deutschen, der Italiener oder der Ladiner, sondern inkludierendes Hoheitszeichen eines heterogenen Landes. Sie zwingt niemandem eine andere Identität auf, als die des Territoriums, in dem wir zusammenleben, wobei ihre (übrigens auch vom Nationalstaat sanktionierten) Farben nicht erst jetzt, sondern schon seit Jahrhunderten für ein mehrsprachiges Land stehen. Und so, wie sie für keine (nationale etc.) Ideologie steht, repräsentiert sie auch kein Ziel (weder die Autonomie, noch die Unabhängigkeit oder die Unterordnung im Zentralstaat).

Nationales, mit der Trikolore vergleichbares Symbol der »Deutschen« wäre wennschon die schwarz-rot-goldene Flagge Deutschlands, die ebenso wie ihr grün-weiß-rotes Pendant die nationale Idee darstellt, die im jeweiligen Staat verwirklicht wurde. Selbstverständlich kommt sie hierzulande auch deshalb seltener zum Einsatz, weil sie keiner amtlichen Sphäre entspricht, der Südtirol angehört. Doch wir brauchen uns nur jene Ersatzkriege — die Fußballwelt- und -europameisterschaften — zu vergegenwärtigen, die im Zweijahresrhythmus ausbrechen, um uns die sehr reale exkludierende Bedeutung nationaler Zugehörigkeitssymbole zu vergegenwärtigen. Dann breiten sich über Südtirol die Zeichen nationaler Zuordnung aus, da dem einschließenden Landessymbol keine Mannschaft zugeordnet ist.

Man darf sich freilich gerne mit der nationalen Trikolore und der ebenso nationalen deutschen Flagge identifizieren, doch man sollte sich bewusst sein, was sie darstellen und welche Symbolwirkung sie kraft ihres ideologischen Überbaus auf viele Menschen ausüben. Freilich wäre — wie einige meinen — die gänzliche Abschaffung von Flaggen eine naheliegende Abkürzung, um den unangenehmen Folgen der Symbole zu entkommen, doch [erstens] verkennt man damit den grundsätzlichen Wert (und auch den Nutzen) von Symbolik für den Menschen und [zweitens] geht die Dekonstruktion des Repräsentierenden nicht notwendigerweise mit der Dekonstruktion des Repräsentierten einher.

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Unwürdig.
Quotation

Mit alten Kommunisten hat [die SVP] das [Koalitionsabkommen] ja geschlossen, oh Schande, und was kommunistisch riecht, kann für uns nicht gut sein. Als die alten Kommunisten des PCI [KPI] für das Statut stimmten, dann waren sie gut, als Prodi und die Kommunisten den Südtirolern alles Mögliche gaben, auch die Energie, der sie sich dann als unwürdig erwiesen, war alles in Ordnung. Nun wir[d] die Anti-Kommunismus-Keule wieder geschwungen.

Arnold Tribus im Leitartikel der aktuellen Wochenendausgabe der TAZ.

Schon wieder diese unsägliche, undemokratische Kategorie der Unwürdigkeit und des Sich-Verdienen-Müssens ‹1 ‹2.

Was den Kommunismus betrifft, möchte ich die Kritiker des Abkommens zwischen SVP und PD beruhigen: Der PD ist genauso kommunistisch, wie die CDU in Deutschland. Eigentlich befindet er sich eher rechts der Mitte, was die Wirtschafts-, die Sozialpolitik oder gesellschaftliche Fragen angeht. Selbst die SPD, die sich während der letzten Jahre weit von ihren ursprünglich linken Positionen wegbewegt hat, ist wohl weiter links. Die Kommunismuskeule ist also völlig deplatziert.

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Wir: Spielverderber.

Alle, die Kritik am Alpini-Happening üben, hat Arnold Tribus, Chef der Neuen Südtiroler Tageszeitung, in seinem Wochenendleitartikel präventiv-pauschal als Nörgler abgestempelt. Mitfeiern sei das Gebot der Stunde. Schließlich dächten die Alpini in Bozen ans Feiern, nicht an Libyen und ihre dort verübten Kriegsverbrechen. Sorgloser Umgang mit sich selbst — neuerdings ein Verdienst. Wehrmachtveteranen würden heute wohl auch kaum an Polen denken, hätte es in Deutschland keine Aufarbeitung gegeben.

Spruchband.

ANA-Spruchband in Bozen. (Foto: Stol)

Natürlich, ich bin ein Spielverderber ein ganz böser, wie jene, die — sagen wir — Haider und seine Erben attackieren, wenn sie im verharmlosenden Gedenken Weltkriegsveteranen nach Klagenfurt laden, um den Verbleib von Kärnten bei Deutschösterreich zu feiern. Stören das gesellige Beisammensein altersmilder Abwehrkämpfer.

Peace & Love.

Entwaffnend: Friedliches Zusammenleben. (Foto: Stol)

Die Gesinnung der einzelnen Alpini zu beurteilen maße ich mir dabei gar nicht an. Meinetwegen sind es lupenreine Demokraten. Wenn aber das friedliche Zusammenleben mit Sturmgewehren und nationalistischen Spruchbändern beschworen werden soll, wird mir ehrlich gesagt schlecht.

Siehe auch ‹1 ‹2

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Autorinnen und Gastbeiträge

Mussolini-Italiener.

mit freundlicher Genehmigung des Autors geben wir den gestrigen Leitartikel der Neuen Südtiroler Tageszeitung wieder

von Arnold Tribus*

Hätte der gute Minister und Poet Sandro Bondi erahnt, was er mit seinem sanften und völkerverbindenden Brief an den Herrn Landeshauptmann anrichtet, dann hätte er ihn wahrscheinlich nicht geschrieben. Immerhin ist oder war er ja auch Koordinator des PDL, der Partei, die nun wegen dieser seiner Entscheidung auf die Barrikaden geht und mit Massenaustritten droht. (Keinem PDL-Mitglied wäre es eingefallen auszutreten, weil Berlusconi unkeusch ist und seine Villa in ein Bordell verwandelt hat. Das steht ihm zu, aber wegen Mussolini kann man Partei wechseln.) Zudem galt Bondi immer als Verteidiger der Abgeordneten Biancofiore, er hat sie aus dem neapolitanischen Exil zurückgeholt. Und nun planen ihre Amici, die sie ja immer mit starker Hand führte, ein “Los von Rom” und die Bildung einer von Rom abgekoppelten, “autonomen” rechten Partei. Was an der ganzen Sache aber verwundert, ist der Umstand, dass nun der Disagio, der Zorn, die Enttäuschung, die totale Gegnerschaft zur römischen Entscheidung nicht nur in den rechten Parteien entbrannt ist, sondern auch in den Linken.
Die Front, die sich gegen das Bondi-Abkommen ausspricht, ist also breit, umfasst praktisch alle Italiener, ganz unabhängig von ihrer politischen Zugehörigkeit. Nun wäre es eigentlich logisch, dass die Italiener, die sich politisch dem Mittelinksblock zugehörig fühlen und somit den Antifaschismus in ihren Genen und in ihren politischen Grundsätzen haben, jubeln, wwenn endlich alle faschistischen Denkmäler, wenn nicht beseitigt, so zumindest entschärft werden. Welcher Genosse der Republik würde sich für ein Mussolini-Denkmal einsetzen, würde dafür kämpfen, dass das Abbild des Diktators hoch zu Ross mit der Aufschrift “credere, obbedire, combattere” gerettet wird? Der in Bozen gewählte PD-Abgeordnete Gianclaudio Bressa, um den es ja sehr still geworden ist, hat eine klare Sprache gesprochen: Das Relief müsse weg, er wundere sich, dass das überhaupt noch dort sei, es handle sich um eine Apologie des Faschismus. Ähnlich die Position von Oreste Galletti und Fabio Visentin von Rifondazione Comunista, einer Partei, die im Bozner Stadtrat sitzt, die sich auch für die Abnahme des Reliefs ausgesprochen haben, aus antifaschistischen Gründen. Das wär’s auch schon, sonst findet man keinen offiziellen Italiener, der sich für die Beseitigung des Piffrader-Reliefs ausspricht. (Ich bleibe nach wie vor für die Beibehaltung, aber aus schließlich künstlerischen Gründen, der Kampf der italienischen Bozner erfolgt nicht aus Gründen der Kunst, sondern aus eminent politischen Gründen, und das macht das Ganze etwas dubios.) Warum denn gibt es immer dann eine breite italienische Einheitsfront, wenn es um die Vergangenheit geht, wenn es darum geht, faschistische Relikte zu bewahren? Warum hört der Antifaschismus der Bozner Linken auf, wenn es darum geht, die faschistischen Denkmäler zu retten? Ist denn der Faschismus tatsächlich der einzige Wert, das einzig verbindende Element der italienischsprachigen Südtiroler? Sie haben es uns ja schon einmal tragisch vorgemacht, als es darum ging, eine friedensstiftende, zukunftsträchtige Initiative des damaligen Bozner Bürgermeisters Giovanni Salghetti Drioli mit einem Referendum zu bestätigen. Es ging damals nur um den Friedensplatz, auch das war zuviel. Nun ist wohl der günstige Moment gekommen, dass sich Rechte und Linke endlich zur italienischen Einheitsfront zusammenfinden, zur italienischen Volkspartei. Es wird nicht lange dauern, und sie werden wieder gemeinsam gegen das vom Herrn Landeshauptmann gewünschte Toponomastikgesetz kämpfen müssen, ein regelrechter Angriff auf die Italianità, auf den Prontuario des Senators Tolomei. Sie werden zu diesem Themen [sic] wieder alle zusammenfinden — mit geringfügigen Differenzierungen. Der Faschismus verfolgt sie, die Italiener, er ist ihre Geschichte. Und dabei vergessen sie die Zukunft.

*) Arnold Tribus ist Herausgeber und Direktor der ‘Neuen Südtiroler Tageszeitung’, Bozen.

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Tribus’ Kriegsblitz.

Seit Kurzem häufen sich in der Neuen Südtiroler Tageszeitung Berichte über angebliche Abzocke durch die Polizei — zum Schaden der ach so disziplinierten Autofahrer. Einmal heißt es effektvoll »Autofahrer-Stalking«, ein anderes mal will das Blatt einen »Blitzkrieg« erkannt haben, weil Gemeinden Radargeräte samt Zivilfahrzeug mieten, um damit — wie es heißt — ihre Kassen zu füllen. Alles Dinge, die im zivilisierten Ausland gang und gäbe sind.
Und dann regt die Tageszeitung auch noch indirekt Sabotage (!) an. Auf unterstem Stammtischniveau.

Dabei muss gesagt werden, dass in Sachen Disziplin hierzulande einiges im Argen liegt. Noch immer sind Raserei und Fahren in angetrunkenem Zustand Kavaliersdelikte. Noch immer wird auf schwächere Verkehrsteilnehmer kaum Rücksicht genommen. Und: Nach wie vor lassen zu viele ihr Leben im Straßenverkehr.

Fährt man auf gerader Strecke (zumal auf der Autobahn) im Limit, wird man von Rasern und Dränglern förmlich bombardiert (um von sich gegenseitig illegal überholenden LKWs zu schweigen). Und dies nicht gerade ohne Risiko für die eigene Sicherheit – denn gewagte Überholmanöver sind auch für den so Überholten oft lebensgefährlich. Hier mit den Übertretern zu solidarisieren, ist einer seriösen Zeitung schlicht unwürdig.

Ich höre sie schon, die da sagen, dass aber eh nur kontrolliert werde, um die armen Autofahrer auszunehmen. Was soll das denn heißen? Verkehrsbeschränkungen sind mittels farbiger Schilder sichtbar angekündigt: Wer mehr aufs Pedal drückt, weiß, dass er potenziell einem Knöllchen entgegenfährt. Und kann im Grunde dennoch im Großteil des Landes sicher sein, dass er straffrei ausgeht. Es muss endlich flächendeckend systematisch kontrolliert werden. Ohne Mitleid, ohne Rücksicht, denn Strafen retten Leben.

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