Heute kurz nach Mittag bin ich zweimal durch die zentrale Brixner Stadelgasse gegangen, um etwas zu besorgen. Auf dem Rückweg habe ich im Vorbeigehen fotografiert, was mir auf dem Hinweg aufgefallen war:
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Obwohl die Stadelgasse nur rund 250 Meter lang ist und es dort deutlich weniger Geschäfte und Lokale gibt als in anderen Straßen im Zentrum von Brixen, sind mir sofort drei Unternehmen aufgefallen, die sich gegenüber der Öffentlichkeit ausschließlich auf Italienisch präsentieren. Es handelt sich dabei um das Restaurant Agorà21 im traditionsreichen Hotel Krone, eine Bankfiliale von BNL BNP Paribas und um eine kürzlich unter neuer Führung wiedereröffnete Bar, deren neuen Namen ich mir nicht gemerkt habe. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich außerdem ein chinesischer Friseursalon, dessen Beschriftung ebenfalls ausschließlich Italienisch ist.
Bilderbuch-Minorisierung
Natürlich ist meine zufällige Beobachtung nicht repräsentativ, erhebt diesen Anspruch auch nicht. Dass es aber selbst in einer (noch) mehrheitlich klar deutschsprachigen Stadt wie Brixen — und längst nicht mehr nur in Bozen — immer mehr Unternehmer bzw. Unternehmen gibt, denen die deutsche Sprache sprichwörtlich am Allerwertesten vorbeigeht, ist ein Eindruck, der sich seit Jahren verfestigt.
Was würde es kosten, ein »aperto« auf Deutsch zu übersetzen? Offenbar ist selbst dieser minimale Aufwand zu groß. Auf der Rückseite der Tafel steht übrigens — ebenfalls einsprachig — »Agorà21 chiuso«. Es ist also gewollt: Kein Versehen, sondern eine bewusste Entscheidung.
Wir weisen seit Jahrzehnten (!) darauf hin, wie wichtig es wäre, ähnlich wie in anderen Minderheitengebieten (z.B. 01 02) endlich auch bei uns auf rechtliche Grundlagen hinzuarbeiten, um die deutsche — und in Ladinien die ladinische — Sprache im Konsumentinnenschutz sowie bei öffentlichen Beschriftungen wirksam zu schützen. Doch die SVP hat dafür nie einen Finger gerührt, es ist rein gar nichts geschehen.
Je mehr eine Minderheitensprache aus der Öffentlichkeit und aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwindet, desto mehr wird sie — auf verschiedenen Ebenen — als marginal und entbehrlich betrachtet. Genau so funktioniert Minorisierung: Es braucht keine spektakulären Verbote. Gleichgültigkeit, Respektlosigkeit und Untätigkeit reichen völlig aus, um eine Sprache schleichend aufs Abstellgleis zu manövrieren.
Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08 09 | 10

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