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Tribus’ Kriegsblitz.

Seit Kurzem häufen sich in der Neuen Südtiroler Tageszeitung Berichte über angebliche Abzocke durch die Polizei — zum Schaden der ach so disziplinierten Autofahrer. Einmal heißt es effektvoll »Autofahrer-Stalking«, ein anderes mal will das Blatt einen »Blitzkrieg« erkannt haben, weil Gemeinden Radargeräte samt Zivilfahrzeug mieten, um damit — wie es heißt — ihre Kassen zu füllen. Alles Dinge, die im zivilisierten Ausland gang und gäbe sind.
Und dann regt die Tageszeitung auch noch indirekt Sabotage (!) an. Auf unterstem Stammtischniveau.

Dabei muss gesagt werden, dass in Sachen Disziplin hierzulande einiges im Argen liegt. Noch immer sind Raserei und Fahren in angetrunkenem Zustand Kavaliersdelikte. Noch immer wird auf schwächere Verkehrsteilnehmer kaum Rücksicht genommen. Und: Nach wie vor lassen zu viele ihr Leben im Straßenverkehr.

Fährt man auf gerader Strecke (zumal auf der Autobahn) im Limit, wird man von Rasern und Dränglern förmlich bombardiert (um von sich gegenseitig illegal überholenden LKWs zu schweigen). Und dies nicht gerade ohne Risiko für die eigene Sicherheit – denn gewagte Überholmanöver sind auch für den so Überholten oft lebensgefährlich. Hier mit den Übertretern zu solidarisieren, ist einer seriösen Zeitung schlicht unwürdig.

Ich höre sie schon, die da sagen, dass aber eh nur kontrolliert werde, um die armen Autofahrer auszunehmen. Was soll das denn heißen? Verkehrsbeschränkungen sind mittels farbiger Schilder sichtbar angekündigt: Wer mehr aufs Pedal drückt, weiß, dass er potenziell einem Knöllchen entgegenfährt. Und kann im Grunde dennoch im Großteil des Landes sicher sein, dass er straffrei ausgeht. Es muss endlich flächendeckend systematisch kontrolliert werden. Ohne Mitleid, ohne Rücksicht, denn Strafen retten Leben.

Medien Mobilität Polizei Recht | Medienkritik | Arnold Tribus | TAZ | Südtirol/o | | Deutsch

10 replies on “Tribus’ Kriegsblitz.”

Lieber Pe,

der motorisierte Individualverkehr ist wie kaum ein anderes Thema geeignet, den (kleinbürgerlichen) Populismus sichtbar zu machen: Freie Fahrt für freie Büger, machohaftes Protzgehabe auf den Straßen, der tägliche Adrenalinstoß beim sanktionslosen Übertreten der Regeln, das Klagen über die steigenden Treibstroffpreise. Und der betrunkene Rom, der in Mittelitalien vier Jugendliche getötet hat, liefert die Begründung für eine Welle des Rassismus, die darin gipfelt, dass das Rom-Lager angezündet wird und die Bevölkerung die Löschaktion behindert.

Aus meiner Sicht ist die Verkehrspolitik insgesamt ein Prüfstein der Demokratie. Einige Beispiele: Bis dato wird nur vom öffentlichen Verkehr Kostenwahrheit verlangt, während der motorisierte Individualverkehr durch Subventionen (Infrastruktur, Abschreibungsmöglichkeiten, auch Pendlerzuschüsse, etc.) gefördert wird (von der Abwälzung der gesundheitlichen und Umweltkosten auf die Gesellschaft ganz zu schweigen.) Auf lokaler und kommunaler Ebene gibt es immer heftige Kontroversen, wenn dem Verkehr “öffentlich nutzbare Flächen” entrissen werden sollen bzw. Gebiete verkehrsmäßig nicht erschlossen werden sollen. Der Verkehr (und das Verkehrsverhalten) ist ein Paradebeispiel, wie sich das Recht des Stärkeren durchsetzt und Verkehrsverstöße – die meist zu Lasten der schwächeren VerkehrsteilnehmerInnen gehen – zu häufig ungeahndet bleiben.

Ein gut funktionierender ÖPNV wäre nicht nur ökologisch, sondern auch kommunikativ und produktiv.

Ich muss mich wahrlich zurückhalten, nicht Pflastersteine in meinem Rucksack mitzunehmen, mit denen ich die Karossen undisziplinierter Autofahrer (seltener Innen) gerne bewerfen würde.

Die letzte Ausgabe der ff (17/07) trägt – mit einem Editorial von Norbert Dall’à’ und einem zusätzlichen Artikel – abermals dazu bei, Verkehrssünden zu einem Kavaliersdelikt herunterzuschreiben.

Ich finde es wirklich sehr bedauerlich, dass jetzt auch noch die Verbraucherzentrale Südtirol (VZS) einen Protest der Geblitzten mitträgt, als ob es sich beim Radargerät um einen Missbrauch oder um Willkür handeln würde.

Die VZS argumentiert u. a., Radargeräte sollten nur auf nachweislichen Unfallstrecken Einsatz finden. Diese Logik kann ich nicht nachvollziehen: Wo bleibt dann die Prävention? Müssen sich Autofahrer nur an die bunten runden Schilder halten, nachdem die betroffene Strecke Tote und Verletzte gefordert hat? Und: Gibt es wirklich kein anderes Kriterium für eine Geschwindigkeitsbeschränkung, als die Gefährlichkeit? Was ist mit Lärmschutz, Ökologie etc.?

Ein Link (promille.it) und meine Meinung dazu: Die drakonischen Strafen, die mittlerweile in Italien gelten, sind rein populistische Maßnahmen. Besser machen es etwa die Schweiz und Österreich, wo die Bußgelder geringer sind, die Kontrollen jedoch flächendeckend und sehr streng!

Ich bin beispielsweise in Südtirol in 11 Jahren Führerschein mehrmals aufgehalten worden, musste jedoch noch nie (!) blasen, und dies obschon ich relativ oft auch nachts unterwegs bin.

Unter anderem so werden in meinem ehemaligen Wohnkanton Raser aufgespürt. Und keine Zeitung käme auf die Idee, Sabotage zu empfehlen – denn Verkehrssicherheit ist dort Konsens.

Siehe auch: [2]

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