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Wir: Spielverderber.

Alle, die Kritik am Alpini-Happening üben, hat Arnold Tribus, Chef der Neuen Südtiroler Tageszeitung, in seinem Wochenendleitartikel präventiv-pauschal als Nörgler abgestempelt. Mitfeiern sei das Gebot der Stunde. Schließlich dächten die Alpini in Bozen ans Feiern, nicht an Libyen und ihre dort verübten Kriegsverbrechen. Sorgloser Umgang mit sich selbst — neuerdings ein Verdienst. Wehrmachtveteranen würden heute wohl auch kaum an Polen denken, hätte es in Deutschland keine Aufarbeitung gegeben.

Spruchband.
ANA-Spruchband in Bozen. Foto: Stol.

Natürlich, ich bin ein Spielverderber ein ganz böser, wie jene, die — sagen wir — Haider und seine Erben attackieren, wenn sie im verharmlosenden Gedenken Weltkriegsveteranen nach Klagenfurt laden, um den Verbleib von Kärnten bei Deutschösterreich zu feiern. Stören das gesellige Beisammensein altersmilder Abwehrkämpfer.

Peace & Love.
Entwaffnend: Friedliches Zusammenleben. Foto: Stol.

Die Gesinnung der einzelnen Alpini zu beurteilen maße ich mir dabei gar nicht an. Meinetwegen sind es lupenreine Demokraten. Wenn aber das friedliche Zusammenleben mit Sturmgewehren und nationalistischen Spruchbändern beschworen werden soll, wird mir ehrlich gesagt schlecht.

Siehe auch:

Geschichte Medien Militär Nationalismus | Geschichtsaufarbeitung | Arnold Tribus | Stol TAZ | Afrika Südtirol/o | Alpini | Deutsch

26 replies on “Wir: Spielverderber.”

Die unterschiedlichen Betrachtungsweisen bezüglich Alpinitreffen sind unschwer zu erkennen. Neutral betrachtet könnte man einaml einen Vergleich aufstellen. Das Verhalten und Verständnis der italienischen Öffentlichkeit (Medien, Polizeiorgane, Politiker, öffentliche Meinung usw.) gegenüber Traditionen und politischen Wüschen – z.B. Wiederannäherung an Österreich in Form eines zweiten Passes, das alte Tirol usw.- der deutschsprachigen Südtiroler fällt meistens negativ aus, außer es handelt sich um Folklore, dann ist es geduldet.
Die deutschsprachigen Medien (besonder Athesia, aber auch die anderen) haben über das Alpini-Treffen -das ausschließlich für die italienische Seite wichtig war- nur positiv berichtet und den Ablauf desselben mit Lob überhäuft, wohingegen man z.B. die Schützen von italienischer UND deutscher Seite sehr kritisiert hat.
Hier sieht man auch den gigantischen Unterschied zwischen den zwei Welten deutsch und italienisch. Während die einen den anderen zumindest medial und von der öffentlichen Meinung her etwas gönnen, sieht es umgekehrt ganz anders aus. Wo immer es ein wenig „Tirolesità “ gibt im Sinne von Zugehörigkeit zum alten Tirol, wird von ital. Seite kritisiert und schlechtgemacht (teils ja auch von deutschsprachiger Seite). Man braucht sich nur anzuschauen wie im „Alto Adige“ berichtet wird.
Jetzt muss man sich die Frage stellen welche Schlüsse man aus diesen ganzen Tatsachen und dem Alpinitreffen ziehen soll. Entweder die Assimilierungspolitik des ital. Staates greift jetzt schon massiv (und eher im Verborgenen) in die deutschsprachige Öffentlichkeit Südtirols ein (Fördermittel des Staates für Minderheiten usw.??) oder das Treffen wird poltisch hoffentlich zumindest auch für weitere Verhandlungen benutzt (z.B. Kompetenübernahmen).
Bei zweiterem müsste man doch davon ausgehen, dass im Gegenzug zu diesem nationalistischem Trikolorerausch (so funktioniert nun mal die Poltik in Italien, frei nach dem Motto: „seid ihr schön artig, bekommt ihr ein Zuckerle“) mindestens einige wichtige Kompetenzen und die österreichische Staatsbürgerschaft ( die sog. Doppel-Staatsbürgerschaft) nach Südtirol zurückgeholt werden können.
Das Problem bei uns Südtirolern im allgemeinen ist wohl, dass man Identität zunehmend mit Geld verwechselt. Das ist m.E. nach auch der große Unterschied zu den Katalanen oder Schotten. Denn was nützt dir eine überdimensionale Feuerwehrhalle in jedem Kuhdorf mit drei Einwohnern oder ein doppelstöckiger und moderner Heustadel in Hintertupf wenn du nicht mehr weißt wer du bist oder woher du kommst…

dieses „wir und die anderen“-denken, das du an den tag legst, versuchen wir hier eigentlich zu überwinden. so kritikwürdig viele aspekte des alpinitreffens sind und so zutreffend einige deiner kritikpunkte sind, so wenig zielführend ist meines erachtens derartige blut und boden rhetorik.

… auch würde ich gerne wissen, was der Landeshauptmann beim Aufmarsch Europäisch empfunden hat, – dass einige Veteranen aus europäischen Ländern angereist sind? – Wie denkt Italien über Veteranen die Italia den Rücken gekehrt haben? – Sollte es damit heißen, wenn es den Südtirolern nicht passt könnten sie ja auch auswandern? – Ein Denkspiel welches mir vor dem Aufmarsch nicht in den Sinn gekommen wäre.

Die Berichterstattung der letzten Tage ist wahrlich schwer zu ertragen. Beinahe beschleicht mich das Gefühl von gleichgeschalteten Medien. Allzuviel Kritik scheint im Umgang mit der Staatsräson nicht angebracht zu sein.
Das Kampfblatt AA verteilt sogar Noten. Spagnolli bekommt 10, der LH noch 8,5 – mit grün-weiß-roter Schleife wäre vielleicht sogar ein Neuner drinnen gewesen – und Eva Klotz eine 4. Erstaunlich die Logik, die hinter diesen Noten steckt. Heute gibt es Noten, morgen für Kritik vielleicht sogar präventiv einige Tage Polizeigewahrsam.
Herr Kronbichler, 9xkluger Glossenschreiber der Südtiroler Tageszeitung und großer Freund der Alpini, geht nun sogar die positive Berichterstattung aus dem Hause Athesia zu weit. Da würde der Südtiroler Zivilschutz zu stark ins positive Bild gerückt – anfangs gab es ja noch Nörgler, die das gesamte Treffen organisatorisch zu aufwändig und unberechenbar betrachteten. Das Muster ist eh klar. Staatliche Organe = gut, Südtiroler Institutionen = schlecht, zumindest Zielscheibe von Kritik.
Die Entfernung der grün-weiß-roten Fahnen und Fähnchen wird wohl noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Aber auch dahinter sieht Tribus, Herausgeber der Tageszeitung, keine Orgie des Nationalismus, sondern eine kleine Geste mit der plötzlich sogar der „disagio“ der bolzanini verschwunden ist. Also, liebe Leute, je grün-weiß-roter Südtirol wird, desto weniger disagio. Dies sollte uns das friedliche Zusammenleben doch wohl wert sein.

-das ausschließlich für die italienische Seite wichtig war-

Wer bist du, um zu wissen was der deutschen Seite wichtig ist?

Jonny

Hat es auf der Ehrentribüne wirklich „saluti romani“ gegeben? Ich mag es nicht glauben, aber es wäre sehr traurig (ich hatte sonst nichts gegen dieses Fest).

weißt du noch nicht, dass alle gleich denken (müssen)

Nicht alle alle, bitte doch sehr darum nicht alle in einen Topf zu stecken,nur alle Italiener denken so, und alle Deuschen denken anders.

schützenaufmarsch: kritik aber insgesamt keine großen probleme
alpiniaufmarsch: kritik aber insgesamt keine großen probleme

eine beachtliche leistung unserer (zivil)gesellschaft – inkludiert auch die viel gescholtene politische elite

man kann natürlich sagen, die südtirolerInnen seien wohlstandsverfettet und ihrer identität beraubt; richtiger scheint mir ein pragmatischer und aus-der-situation-das-beste-machender zugang

… ich reiche eine Krücke für den Vergleich Schützenaufmarsch – Alpinitreffen
… ich reiche eine Krücke für den Vergleich deutsche Wehrmacht – Alpini
… ich reiche eine Krücke für den Vergleich Alpini früher und Alpinitreffen

Was für eine politische Haltung bringt man mit einem Saufgelage zum Ausdruck ?
Ein Jeep voll Alpini, drauf ein rießiges Weinfaß mit der Aufschrift „Moriamo! Ma non di sete“ … und daraus wollt ihr ein Politikum basteln ?

Was ich damit sagen will: Die Wahrheit liegt doch irgendwo dazwischen.

@hunter @jonny

Wer bist du, um zu wissen was der deutschen Seite wichtig ist?

dieses ”wir und die anderen”-denken, das du an den tag legst, versuchen wir hier eigentlich zu überwinden

Solange wir in der Realität leben und eine international verankerte Autonomie aufgrund unserer sprachlich-kulturellen Unterschiede zum restlichen Staatsgebiet (ich bin auch für die spätere Unabhängigkeit Südtirols von Italien wie ihr sicher längst wisst) haben: was würde unseren Autonomie-Status rechtfertigen, wenn „wir“ uns nicht mehr von den „anderen“ abgrenzen oder unterscheiden und nicht mehr wissen was „unsere“ Seite ist? Sind dann die Millionen aus Rom für Minderheitenschutz überhaupt noch gerechtfertigt? Ich denke man sollte sich auch als „mal-hier-mal-da“-Südtiroler (ich unterstelle Euch beiden das natürlich nicht, bitte nicht falsch verstehen) einmal entscheiden was man will. Der italienischen Seite soll man wie bisher und beim Alpinitreffen gezeigt ihre Identität von Herzen gönnen, aber wir sollten uns schon auch zu unseren österreichischen Wurzeln bekennen. Sonst bleibt die Identitätssache einseitig und es wird mit der Zeit vom „nationalen“ Standpunkt aus betrachtet gesehen alles italienisch. Siehe Modellvorschlag von Sergio Romano: http://tinyurl.com/cs2fo32. Hier wären Österreich und Italien gleichberechtigte Partner und in der goldenen Mitte wäre unsere gemeinsame (deutsch, italienisch, ladinisch) Südtiroler Identität und Realität.

General Bernardini erkundigte sich heute zudem darüber, ob es Nachwehen des großen Alpinitreffens in Südtirol gebe. Der Landeshauptmann konnte dies verneinen: „Wir waren sehr erfreut über das Benehmen der Alpini in Bozen, alles ist reibungslos über die Bühne gegangen, die Stadt wurde sauber und geordnet hinterlassen“, so Durnwalder. Auch habe es während des Treffens keinerlei politische Provokationen gegeben, sodass das Alpinitreffen von Seiten der Südtiroler durchaus positiv aufgenommen worden sei.

Aus einer Mitteilung des Landespresseamtes.

Die Kranzniederlegung am Abissinien-Denkmal in Bruneck im Beisein ranghöchster militärischer Vertreter ist also keine politische Provokation? Der LH hätte ja durchaus den reibungslosen Ablauf des Festes loben können — warum wird aber bei kritikwürdigen Fakten so konsequent weggeschaut? Ist das die einzige Form friedlichen Zusammenlebens, die wir kennen?

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