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Urzì will U-Ausschuss mit Bombenjahren befassen.

Die Geschichte der Terrorjahre in den 1970ern und 1980ern politisch neu zu schreiben, das ist ein lang gehegter Wunsch der italienischen Rechten. Es kann daher kaum verwundern, dass die neofaschistischen Brüder von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni mit dem Ansinnen vorpreschen, zu diesem heiklen Thema einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss einzurichten.

Doch auch der in Bozen ansässige und in Venetien gewählte Abgeordnete Alessandro Urzì (FdI) wittert in diesem Kontext seine große Chance. Dem Parlament hat er deshalb bereits vorgeschlagen, gleich die Südtiroler Bombenjahre in die politische Bewertung mit einzubeziehen. Was gäbe es — zumindest aus seiner Sicht — Schöneres, als die damaligen Spannungen ausgerechnet jetzt in einem U-Ausschuss zu behandeln, wo Italien endlich von einer rechtsrechten Regierung geführt wird?

Repräsentantinnen der nationalen Mehrheit, die in einem einseitig besetzten, politischen Gremium über den Kampf einer unterdrückten nationalen Minderheit urteilen, noch dazu auf Geheiß einer faschistischen Mehrheitspartei — da kann doch auch wirklich gar nichts schief gehen. Unter dem Deckmantel der Demokratie ließe sich nahezu ungestört die eigene Sichtweise als offizielle Interpretation festschreiben, ähnlich wie das wohl auch mit dem Terror der 70er und 80er Jahre geplant sein dürfte.

Siehe auch ‹1 ‹2 ‹3 ‹4 ‹5 ‹6

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Ladinia: Ein Jahrhundert divide et impera.

Heute jährt sich sich die Teilung des ladinischen Sprachgebiets zum hundertsten Mal. Per Dekret ordnete Diktator Benito Mussolini am 21. Jänner 1923 den Anschluss von Souramont (Anpezo, Col und Fodom) an Belluno und somit seine Abtrennung von Südtirol an. So endete, wie vom Ultranationalisten Ettore Tolomei gefordert, die Jahrhunderte währende politische Einheit der Ladinerinnen. Erklärtes Ziel war die sprachliche und kulturelle Assimilierung — ein Prozess, der bis heute nicht gestoppt wurde.

Wenige Jahre später wurde das Faschistenwerk der Dreiteilung vollendet, als Fascia bei Gründung der Provinz Bozen unter Trient verblieb.

Nach dem Ersten Weltkrieg hatte sich der Gemeinderat von Anpezo noch unmissverständlich gegen eine Abtrennung vom restlichen Sprachgebiet — und vom deutschsprachigen Tirol südlich des Brenners — ausgesprochen, eine demokratische Willensbekundung, die den Faschistinnen nichts galt. Doch auch das republikanische Italien machte sich die faschistischen Argumente zueigen, als es die immer wieder vorgebrachte, im Oktober 2007 auch in einem amtlichen Referendum eindrucksvoll bestätigte Forderung nach Wiedervereinigung beharrlich ignorierte.

Genauso wie etwa das faschistische Ortsnamensdekret (Nr. 800/1923) von Benito Mussolini noch immer gültig ist, entfaltet auch Dekret Nr. 93/1923 bis heute seine schä(n)dliche Wirkung. Höchste Zeit, dies endlich zu ändern.

Siehe auch ‹1 ‹2 ‹3 ‹4

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Zerschlagt das Imperium.

Der russische Journalist Arkadi Babtschenko plädiert für die Entkolonialisierung Russlands

Regimeunabhängige NGOs der nichtrussischen Völker haben in einem Aufruf auf die Vitalität des russischen Imperialismus hingewiesen. Er überlebte die bolschewistische Revolution 1917 und den Zusammenbruch der UdSSR, stellen die AktivistInnen fest.

Dieser Imperialismus sorgte dafür, kommen die NGOs zum Schluss, dass aus der russländischen Föderation ein Zentralstaat mit einem »staatstragenden Volk« wurde, in dem nur die russische Sprache gilt — obwohl in diesem Land mehr als 190 Völker mit eigenen Geschichten, Kulturen und Traditionen leben.

In seinem tagebuchähnlichen Im Rausch wirft Journalist Babtschenko dem russischen Kriegspräsidenten und seinem Regime Faschismus vor. Putin baute mit seiner Allianz aus Ex-KGB-Agenten, Ex-Kommunisten und organisierten Kriminellen Russland tiefgreifend um, in eine Art Führerstaat, der die nationale Besoffenheit der Russen befeuert.

Babtschenko kämpfte als Soldat im zweiten Tschetschenienkrieg, kennt die russische Kriegsstrategie des allumfassenden Plattmachens und beschreibt die Annektion der Krim und den Krieg in der Ostukraine 2014 als Probelauf für den Überfall von 2022.

In seinem Buch Im Rausch schreibt Babtschenko über die Zeit zwischen 2012 und 2022. Er warnt darin vor dem russischen Expansionsdrang: »In den vergangenen 70 Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg gingen von Russland 40 kriegerische Interventionen aus, alle auf fremdem Territorium, alles Eroberungskriege.« Babtschenko wirft der russischen Opposition vor, diese Entwicklung nicht erkannt zu haben, genauso dem Westen, der sich auf das Geschäftemachen mit dem russischen Staat und seinen kriminellen Oligarchen konzentrierte.

Das Putin-Regime schaffte es, die zarte Demokratie zu zerstören, eine Mehrheit der RussInnen für den überbordenden Nationalismus zu gewinnen, die Baschkiren, Burjaten, Udmurten, Kalmycken, Tuwiner, Tschetschenen, Tataren, Jakuten und andere Völker als »Wilde am Rande« auszugrenzen. Im russischen Eroberungskrieg gegen die Ukraine dienen die genannten Völker als Reservoir für zu verheizendes Kanonenfutter.

Babtschenko stellt für sich klar, dass er Veteran der »beschissenen imperialen Eroberungskriege« war, eines Mörder-, eines Eroberungslandes. Für den ehemaligen Soldaten ist seins ein Land von Aggressoren und Okkupanten. Für Babtschenko geht es nicht darum, ein anderes Russland zu bauen — das Ziel des inhaftierten Oppositionellen Nawalny. »Ich brauche überhaupt kein Russland,« distanziert sich Babtschenko radikal von seiner Heimat. Denn Russland sei — ob zaristisch, bolschewistisch oder putinfaschistisch — ein Imperium.

Babtschenko wirbt für die Dekolonialisierung, für einen Freistaat Moskau, für ein freies und demokratisches Moskowien. »Und — ein freies Tatarstan. Ein freies Baschkirien und Burjatien. Einen freien Kaukasus. Eine Volksrepublik Primorje … Einen gesonderten Staat Sacha-Jakutien.« Freiheit auch für Pomorje, für Karelien, Adygeja, Kalmückien und Tscherkessien.

Mordor, Russland, müsse zerschlagen werden führt Babtschenko weiter aus: »Mit einem Wort — im Uhrzeigersinn alles, was ihr euch zusammengeraubt, erobert, verdreckt, niedergebrannt habt und was ihr jetzt blauäugig für euer seit Urzeiten russisches Eigentum haltet, ohne zu begreifen, dass dem so nicht ist.«

Das bei Rowohlt erschienene Buch Im Rausch ist eine wütende Abrechnung mit Russlands Aggression. Tagebuchartig beschreibt der Autor die Ereignisse seit dem 24. Februar 2022, würdigt die mutigen UkrainerInnen und geißelt den Wahnsinn der Russen: »An den Ostgrenzen Europas hat sich ein neues faschistisches Reich gebildet, mit einem wahnsinnigen Führer.«

Für ihn gibt es nur einen Weg aus dem Krieg: »Im Interesse Europas bleibt die wichtigste Investition die Bewaffnung der Ukraine. Gebt der Ukraine Waffen. Denn wenn die Ukraine verliert, dann kommt der Krieg nach Europa.« Verhandlungen hält er für sinnlos.

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Québec: Kein Eid auf König Charles.

Durch zivilen Ungehorsam und Durchhaltevermögen konnten die nur noch drei Abgeordneten des Parti Québécois (PQ) zur Assemblée Nationale du Québec kürzlich eine Änderung der Eidesformel bei der Amtseinführung erwirken.

Obschon sie dadurch zwei Monate lang von den Arbeiten im Landesparlament ausgeschlossen wurden, weigerten sich die Pequistinnen nach der Wahl vom letzten Oktober beharrlich, ihren Eid auf König Charles III. zu leisten. Nicht nur die linksseparatistische Québec Solidaire (QS) schlug sich auf ihre Seite — letztendlich sahen sich auch die regierende CAQ sowie die oppositionelle, unionistische Parti libéral du Québec (PLQ) zum Einlenken gezwungen, da die Monarchie in der frankophonen Provinz auf wenig Gegenliebe stößt.

Am 9. Dezember verabschiedete die Nationalversammlung daher ein Gesetz, das Artikel 128 der kanadischen Verfassung von 1867 abändert und es den Abgeordneten gestattet, ihren Eid nur noch auf Québec zu leisten. Ab sofort können also auch die Abgeordneten des PQ wieder an den Sitzungen des Parlaments teilnehmen.

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Autorinnen und Gastbeiträge

Auf die Terrorliste!

Mit ihrer Gewalt stützen die iranischen Revolutionsgarden seit 40 Jahren das Mullah-Regime.

Die Revolutionsgarden sind die Sicherheitsgarantie für die islamistischen Diktatoren im Iran. Seit dem Sturz des Schahs terrorisieren diese gewalttätigen Wächter der islamistischen Revolution die Bevölkerung, von den Kurden im Westen bis zu den Belutschen im Osten des Landes. Wie derzeit auch. Auslöser für die aktuellen Proteste sind die frauenverachtenden Aktionen der »Sittenpolizei«, die Ermordung der jungen kurdischen Frau Jina »Masha« Amini.

Das Regime reagierte bisher mit Todesschüssen, Verhaftungen und Folterungen. Es machte für die Proteste und Demonstrationen das Ausland verantwortlich, die USA und Israel. Das Regime versucht nach der Protestflut im ganzen Land zu beruhigen und kündigte die Auflösung der sogenannten Sittenwächter an. Mehrere tausend Polizisten, meist männlich, schikanieren Mädchen und Frauen, die sich nicht an die »Sittenvorgaben«, an das Kopftuchtragen, hielten. Zwischen 2005 und 2014 zeigte die Sittenpolizei drei Millionen Frauen wegen Nichteinhaltung der islamistischen Kopftuchvorgaben an.

Die Revolutionsgardisten schlugen den kurdischen Widerstand während des Putsches blutig nieder. Grenzenloser Terror, den sie auch ins Ausland tragen. »Im benachbarten Ausland, in Ländern wie dem Irak, Afghanistan, dem Libanon und Syrien sind die Revolutionsgardisten in den iranischen Botschaften als Kulturattachés und Botschaftsräte getarnt aktiv. Nun scheinen sie ihren Aktionsradius auszudehnen«, schreibt mena-watch und zitiert Ahmad Majidyar, Mitarbeiter am Washingtoner Middle East Institute.

Laut Majidyar werden die Mitglieder der Revolutionsgarden als Diplomaten getarnt ins Ausland entsandt. Sie sollen in Deutschland Anschläge auf Synagogen verübt haben. Doch der Aufschrei darüber blieb bisher aus. Außerdem sollen Revolutionsgardisten in Deutschland und wahrscheinlich auch in der übrigen EU iranische Oppositionelle und Dissidenten verfolgen. Ist die EU ein rechtsfreier Raum für islamistische Gewalttäter aus dem Iran?

Das Nahost-Magazin mena-watch berichtete auch darüber, dass Drohnenspezialisten der Revolutionsgarden die russische Armee in der Ukraine unterstützen. Auf der annektierten Krim sollen sie russische Soldaten an den Drohnen ausbilden. Die ukrainische Regierung zeigt sich besorgt, »dass die iranischen Spezialisten Russland bei seinen schrecklichen Angriffen auf die Zivilbevölkerung helfen«. In diesen Drohnen befindet sich westliche Technik — trotz des Embargos. Die Wirtschaft scheint sich darum nicht zu scheren.

Handel durch Wandel? Nein, die Kasse muss stimmen, die Bekenntnisse zu Menschenrechten und Rechtsstaat zählen zur Sonntagsrhetorik der westlichen Unternehmen.

Während die islamistischen Gardisten — im eigenen Land und im Ausland — für Terror sorgen, blieben sie bisher unbehelligt. Das Gegenstück dazu: die kurdische Arbeiterpartei PKK. Im Jahr 2002 setzte der EU-Ministerrat auf Druck des türkischen Präsidenten Süleyman Demirel die Partei auf die Terrorliste. Grundlage dafür waren meist nicht dokumentierte türkische Vorwürfe.

Im Jahr 2018 stellte das EU-Gericht in Luxemburg fest, dass die PKK zu Unrecht auf der EU-Terrorliste steht. Es erklärte die zugrundeliegenden Beschlüsse der EU-Staaten wegen Verfahrensfehlern für nichtig. Nach Ansicht des Gerichts hat der Rat der Mitgliedstaaten in notwendigen Verordnungen und Beschlüssen nicht hinreichend begründet, warum er die PKK auf der Liste führt. Das Urteil blieb aber folgenlos.

Die iranischen Staatsterroristen verschärfen ihren Krieg gegen die Bevölkerung. Sie sollen in den Gefängnissen Massenvergewaltigungen an inhaftierten Mädchen und Frauen organisieren. Im Westen des Landes, in Kurdistan, schießen die Revolutionswächter auf Demonstranten, in Rojhilat herrscht Krieg.

Die Revolutionsgarden tragen ihren Krieg sogar ins autonome Kurdistan im Irak. Bei iranischen Raketen- und Drohnenangriffen sollen Angehörige der iranisch-kurdische Oppositionsparteien getötet worden sein. Das Mullah-Regime verfolgt in Kurdistan die seit Jahrtausenden erfolgreiche Politik des Teilens und Herrschens. Im kurdischen Mahabad verteidigen kurdische Dorfwächter, die Mangur, das Regime.

Die Mangur waren ein kriegerischer, halbnomadischer kurdischer Stamm in der Region Mukriyan. Zwischen 1925 und 1941 war er einer der wenigen Stämme, die sich gegen Reza Schah Pahlavi auflehnten. Gemeinsam mit anderen kurdischen Stämmen unterstützten sie 1946 die Republik Kurdistan von Mahabad. Nach Zerschlagung der Republik und der Hinrichtung von Regierungschef Qazî Mihemed und seinen Freunden, zogen sich die Mangur zurück. Ein kleiner Teil dieses Stammes stellt derzeit Leibwächter für das iranische Regime. Sie leben in einem Viertel in Mahabad und haben über zweitausend bewaffnete Mitglieder.

Mit ihren schweren Waffen schossen die Mangur auf die demonstrierenden Menschen. Die PKK-nahe Nachrichtenagentur anf-news findet, »dass das iranische Regime in Rojhilat versucht das zu tun, was auch in anderen Teilen Kurdistans getan wurde. Es werden Kurden von Kurden getötet. Zum Beispiel wurde Shaho Xizri durch die Kugel eines Jahsh (Mangur) getötet«.

Während die »Sicherheitskräfte« in der frühen Phase der Proteste im restlichen Iran »nur« Gummigeschosse benutzten, wurde in Kurdistan scharf geschossen. Die Mangur und die Revolutionsgardisten setzten Kalaschnikows ein. Anf-news analysiert: »Kurz gesagt: Während das iranische Regime in Teheran sein faschistisches Gesicht zeigt, offenbart es in Mahabad und anderen Städten von Rojhilat seinen Besatzungscharakter. Das wissen auch die Menschen und fordern deshalb einen Wechsel des Regimes.«

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Autorinnen und Gastbeiträge

Ein Geschichtenerzähler mit Kamera.

Der Cree Ernest Webb aus Chisasibi zählt zu den erfolgreichen Regisseuren des Indian Country

Ernest Webb stellt im Bozner Filmclub (12. Dezember 2022, ab 20.00 Uhr) den Film Reel Injun vor, einen Dokumentarfilm (2009) mit Ausschnitten aus klassischen und zeitgenössischen Darstellungen von Ureinwohnern in Hollywood-Filmen und Interviews mit Filmemachern, Schauspielern und Filmhistorikern.

Webb ist Produzent, Regisseur und Geschichtenerzähler. Er wurde in James Bay, Ontario geboren und wuchs in der Cree-Gemeinde Chisasibi in der autonomen kanadischen Provinz Québec auf.

Regisseur Neil Diamond und Co-Regisseur Webb, beide Angehörige der Cree, untersuchen in Reel Injun die übelsten Stereotypen über Ureinwohner im Film, vom »edlen Wilden« bis zum »betrunkenen Indianer«. Der Film wurde zum Teil von Diamonds eigenen Erfahrungen als Kind in Waskaganish (Québec) inspiriert, wo er und andere indigene Kinder nach Vorführungen von Western »Cowboys und Indianer« spielten. Diamond erinnert sich, dass die Kinder, obwohl sie Indianer waren, alle Cowboys werden wollten. Diamond wurde von weißen Kanadiern immer wieder gefragt, ob sein Volk in Tipis lebte und Pferde ritt, was ihn zu der Erkenntnis führte, dass ihre Vorurteile über Ureinwohner auch aus Filmen stammten. 2010 wurde Reel Injun mit dem Canada Award für seine »Multikulturalität« ausgezeichnet.

Im Jahr 2001 gründete Ernest Webb mit Catherine Bainbridge die preisgekrönte Produktionsfirma Rezolution Pictures. Er schaffte es, seine Dokumentarfilme über die Kulturen, Probleme und Geschichten indigener Völker Kanadas in die Mainstream-Medien zu bringen, genauso seine Reportagen über »indianischen« Aktivismus und über das Geschichtenerzählen.

Auszeichnungen und Kritikerlob folgten, für seine Co-Regie (Reel Injun), für seine Hauptrollen in einigen der Rezolution-Filme, für seine Produktionen und TV-Moderationen. Dazu gehören die Dokumentation Rumble: The Indians Who Rocked the World, Down the Mighty River sowie die Comedy-Serie Mohawk Girls. Webb überzeugt mit seinem Charisma und seiner Leidenschaft für das Geschichtenerzählen, zu sehen in der von ihm redaktionell betreuten und moderierten Dokumentarserie Indians and Aliens.

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Hegemoniale Zweisprachigkeit.
Quotation

Die Hegemoniale Zweisprachigkeit ist eine Art von Zweisprachigkeit, bei der eine hinzugekommene Sprache eine autochthone Sprache überlagert. Diese hinzugekommene Sprache wird mit einer Reihe politischer, ökonomischer, kultureller und administrativer Machtfaktoren assoziiert, die nicht nur die erzwungene Einführung einer generalisierten Zweisprachigkeit in den anderssprachigen Gemeinschaften rechtfertigen, sondern die sie für viele Personen dieser Gemeinschaften vorteilhaft und sogar unerlässlich werden lassen. Zudem wird die Sprache mit einem Prestige und einer Attraktivität ausgestattet, die die freiwillige und sogar begeisterte Bilinguisierung fördert. Die Hegemoniale Zweisprachigkeit generiert eine suprematistische Ideologie, die in der Überhöhung des Werts der hegemonialen und in der Entwertung der autochthonen Sprachen besteht, die die mit der hegemonialen Sprache assoziierten positiven Eigenschaften nicht oder in viel geringerem Maß aufweisen. Diese Entwertung und Geringschätzung der untergeordneten Sprache führt dazu, dass sie in der zweisprachigen Gesellschaft immer weniger und immer eingeschränkter genutzt wird, was bis zum Verschwinden der untergeordneten Sprache führen kann.

Die Hegemoniale Zweisprachigkeit kann also mit folgenden Eigenschaften beschrieben werden:

Sie

  • führt dazu, dass eine eingeschränkte und unzureichende Verwendung und Kenntnis der dominierenden Sprache als schwerwiegendes Defizit wahrgenommen wird, während es absolut zulässig und vernünftig erscheint, die dominierten Sprachen eingeschränkt und unzureichend zu verwenden und zu beherrschen;
  • generiert Ungleichheit und verletzt die sprachlichen Rechte der Gemeinschaften, die sie erleiden;
  • erzeugt und fördert den autochthonen Sprachen gegenüber eine geringschätzende Haltung, die zur fortschreitenden Einschränkung ihres Gebrauchs und ihrer Kenntnis führt;
  • schafft Formen kultureller Unterdrückung, die zu Widerstandsreaktionen führen können — dieser Widerstand gegen die Hegemoniale Zweisprachigkeit wird von der Gemeinschaft der dominierenden Sprache als reaktionär und partikularistisch gewertet.

Generell ist die Hegemoniale Zweisprachigkeit eine Form von Zweisprachigkeit, die von Natur aus die sprachliche Ungleichheit und Marginalisierung der Gemeinschaften, die eine dominierte Sprache sprechen, bewirkt und fördert. Zur Rechtfertigung der Hegemonialen Zweisprachigkeit werden diese von der Ungleichheit hervorgerufenen Auswirkungen nicht der Hegemonialen Zweisprachigkeit selbst, sondern den Widerständen der dominierten Sprachgemeinschaften zugeschrieben. Nicht die Hegemoniale Zweisprachigkeit selbst grenze — der sie fördernden Ideologie zufolge — aus und diskriminiere, sondern die Absichten derer, die Widerstand gegen die Vorherrschaft der hegemonialen Sprache leisten, sie in Frage stellen oder die Kenntnis der dominierten Sprachen generalisieren wollen.

Wenn ich — zum Beispiel — sage: »Ich verstehe gut Katalanisch, obschon ich es nicht gut spreche«, wird niemand denken, dass ich ein Ignorant oder ein fanatischer spanischer Nationalist bin. Wenn andersherum ein Katalanischsprecher es zu sagen wagt, dass er gut Kastilisch [Spanisch] versteht, es aber nicht korrekt sprechen kann, werden viele Menschen sagen, dass er ein Ignorant oder ein fanatischer katalanischer Nationalist sei.

Auszüge aus dem Vortrag Els mites lingüístics del supremacisme espanyolista von Prof. Juan Carlos Moreno Cabrera (Universidad Autonoma de Madrid UAM) vom 3. Oktober 2022 in Barcelona. Transkription und Übersetzung von mir.

Siehe auch ‹1 ‹2 ‹3 ‹4 ‹5

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Hartnäckiges Vorurteil.
Quotation

Seit ihrer Besiedelung im Neolithikum in Mitteleuropa, also 5000 Jahre v. Chr., waren die Alpen für die meisten eher Barriere oder Gefahrenraum. Die schiere Höhe mit den schneebedeckten Gipfeln, die reißenden Flüsse und die unberechenbaren Lawinen und Wetterstürze machten den Menschen Angst. Die Römer stilisierten dieses Bild zu den montes horribiles, den „schrecklichen Bergen”, und schufen einen Topos, der die europäische Literatur und ihr Image sowie das ihrer Bewohner teils bis heute prägt. Die Menschen in den Bergen galten den Römern als Barbaren, denen es an Kultur fehlte. Dabei schufen die Siedler mit ihrer Hände Kraft aus einer Naturlandschaft — die Alpen waren nach dem Ende der letzten Eiszeit fast durchgängig mit dichtem Wald bestanden — über die Jahrhunderte einen Wirtschafts- und Kulturraum, der vor allem durch Kleinräumigkeit gekennzeichnet ist. Zwei benachbarte Talschaften können sich im Mikroklima, in der Sprache und Identität fundamental unterscheiden. Gemeinsam ist dem Raum, dass die Böden meist karg sind, die Wetterbedingungen extrem, die Produktionsbedingungen schwierig.
Mit dem Beginn der Industrialisierung änderte sich das Alpenbild. Allen voran britische Abenteurer und Alpinisten schafften ein neues Bild der Berge, das Sehnsüchte weckte.

aus Landschaft ohne Zukunft?, Titelgeschichte von National Geographic (deutsch) 7/2022 »Die Alpen – Erlebnispark oder Naturparadies? Ein majestätischer Lebensraum in der Krise«.

Siehe auch ‹1 ‹2 ‹3

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