Landesregierung für ladinische Identitätskarte.
Vorschlag gutgeheißen

Nachdem es endlich geglückt ist, die deutsche Sprache auf der elektronischen Identitätskarte unterzubringen, arbeitet die Landesregierung weiterhin daran, dass auch die ladinische Sprache berücksichtigt wird. Hiezu genehmigte sie am Dienstag letzter Woche (28. Juli) einen entsprechenden Vorschlag des Kulturinstituts Micurà de Rü, der nun an das Regierungskommissariat und an das römische Innenministerium weitergeleitet wird.

Am 9. Juli hatte die italienische Innenministerin Luciana Lamorgese (parteilos) in Beantwortung einer entsprechenden Anfrage von Senator Meinhard Durnwalder (SVP) angekündigt, das Projekt vorantreiben zu wollen.

Schon seit 2006 — also knapp eineinhalb Jahrzehnten — wäre der Staat per DFB zum Autonomiestatut verpflichtet, die Ausgabe von dreisprachigen Identitätskarten in Badia, Corvara, S. Crestina, Mareo, S. Martin de Tor, Sëlva, und Urtijëi zu ermöglichen. Im Jahr 2011 kamen die ladinischen Fraktionen von Ciastel/Kastelruth (Bula, Runcadic und Sureghes) hinzu.

Doch wie wir wissen, können sich die Zeiten in einem Nationalstaat drastisch unterscheiden, je nachdem, ob es um die Staats- oder um eine Minderheitensprache geht. Inzwischen werden in Ladinien eben illegal Ausweise verteilt, die die dortige Hauptsprache nicht beinhalten.

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Wenn Minderheiten das Nachsehen haben.

Am 15. Juni veröffentlichten die Südtiroler Grünen eine Pressemitteilung mit dem Titel Wenn die Fahrgäste das Nachsehen haben. Bebildert war der Text ausgerechnet mit einem Corona-Sicherheitshinweis von RFI, auf dem die Missachtung der deutschen Sprache klar ersichtlich ist. Zu dem Zeitpunkt hatte der Schienennetzbetreiber zwar bereits teilweise nachgebessert, die Situation bleibt aber bis heute gesetzwidrig.

Unter dem Titel der Aussendung hätte man sich erwarten dürfen, dass speziell die mehrsprachigen Grünen — und wenn auch nur in einem Nebensatz — die Missachtung der Sprachbestimmungen geißeln. Doch dem war leider nicht so. Auch auf eine spätere Äußerung der Grünen zu dem Thema hätte man bis heute vergeblich gewartet.

Dass die Sprachrechte nicht nur ein Spleen von sind, sondern wesentlicher Bestandteil unseres Statuts, dürfte den Autonomiepatriotinnen ja bekannt sein. Sowohl der Europarat als auch der Hohe Kommissar für nationale Minderheiten der OSZE haben ferner gefordert, auch und gerade in Pandemiezeiten besondere Rücksicht auf Sprachminderheiten zu nehmen.

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Noch mehr gesetzwidrige Bahnhofsschilder.
Systematische Marginalisierung der deutschen Sprache

Dieser Tage habe ich wieder einmal jemanden vom Bahnhof Franzensfeste abgeholt. Während der Wartezeit habe ich geschaut, ob sich seit März 2019 etwas an der illegalen Bahnhofbeschilderung geändert hat. Spätestens seit September 2019 wollte RFI ja angeblich nachbessern.

Doch nein, es hat sich nichts verändert, jedenfalls nicht zum Besseren. Im Gegenteil: RFI hat es seit damals — nicht nur Corona-bedingt — sogar fertiggebracht, die Situation weiter zu verschlimmern.

Bei gewissen Hinweisen muss man schon sehr genau hinsehen, um die deutsche Übersetzung überhaupt zu bemerken.

Die einschlägige Durchführungsbestimmung zum Autonomiestatut schreibt gleiche Schriftgröße und gleiches Schriftbild vor, doch hier ist ausschließlich der italienische Text in Großbuchstaben und fett gehalten, zudem mit einer deutlich größeren Schriftgröße.

Doch es geht auch noch schlimmer: Der Hinweis zur maximalen Anzahl von Personen, die sich in einem Raum aufhalten dürfen, ist einsprachig Italienisch.

Und auch auf dem (soweit ich beobachten konnte neu angebrachten) Schild, das auf das Vorhandensein eines offenen WLANs hinweist, ist sich — den angekündigten Nachbesserungen zum Trotz — eine deutsche Übersetzung offenbar nicht ausgegangen:

Wie sich das Land (stellvertretend für alle Südtirolerinnen) von staatlichen Betrieben auf den Kopf sch***en lässt, dürfte wirklich fast einmalig sein.

Das sollte vielleicht irgendwann Gegenstand tiefenpsychologischer Untersuchungen werden.

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Ärztekammer, Durchführungsbestimmung vertagt.

Neben der umstrittenen Durchführungsbestimmung zum Rechnungshof hätte heute in der Sechserkommission unter anderem auch jene zur Eintragung von deutschsprachigen Ärztinnen in die zuständige Berufskammer behandelt werden sollen. Beide wurden jedoch vertagt.

Schon über ein Jahr ist es her, dass ein österreichischer Arzt mutmaßlich von der italienischen Gewerkschaft der Krankenpflegerinnen Nursing Up denunziert und in der Folge von der Ärztekammer ausgeschlossen worden war, weil er nicht über den Zweisprachigkeitsnachweis verfügte. Umgekehrt ist und war es nie ein Problem, Ärztinnen einzuschreiben, die ausschließlich die italienische Sprache beherrschen.

In der Folge kommen sie — anders als ihre deutschsprachigen Kolleginnen — in den Genuss einer Fristenregelung, um die zweite Sprache zu lernen, während sie längst im öffentlichen Gesundheitsbetrieb arbeiten.

Seit jenem Vorfall vor einem Jahr versucht die Südtiroler Politik wieder einmal in mühevoller Kleinarbeit — bis dato erfolglos —, das Problem zu lösen, das eine klare Diskriminierung der Minderheiten- im Vergleich zur offiziellen Staatssprache darstellt. Dabei spielt die Zeit wie so oft zugunsten der ohnehin bevorzugten lingua franca nazionale, die im Südtiroler Gesundheitswesen längst die Überhand gewonnen hat.

Siehe auch:

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Il curioso bilinguismo dell’ANPAL.

L’Agenzia Nazionale Politiche Attive del Lavoro (ANPAL) si è dotata di un portale per l’espletamento dei servizi digitali. In ossequio allo Statuto di autonomia la pagina prevede anche l’opzione linguistica tedesca, vedi le bandierine in alto a destra:

cliccare per ingrandire

Tuttavia, salvo il pié di pagina, la traduzione si risolve nella frase «Die [Z]ugangstür zu den digitalen [D]iensten von ANPAL», contenente ben due errori di ortografia. Inoltre sono stati tradotti — correttamente! — i pulsanti «Einloggen» (Accedi) e «Registrieren» (Registrati), che però conducono ad altrettante pagine monolingui italiane.

Se in Sudtirolo un qualsiasi sito istituzionale fosse «tradotto» in italiano in questo modo, probabilmente Roma farebbe intervenire l’esercito. Ma essendo il tedesco una lingua minoritaria, di serie B, va tutto bene.

Anzi, probabilmente dobbiamo anche essere contenti di non venir dimenticati (o ignorati) completamente come avviene con le minoranze sarda, friulana, slovena, francese/francoprovenzale, ladina e tutte le altre.

Ancora una volta, lo Stato nazionale si rivela completamente incapace a rispettare, se non già valorizzare, il plurilinguismo — e perfino le proprie leggi.

Vedi anche:

Arbeit Discriminaziun Minderheitenschutz Nationalismus Plurilinguismo Recht Service Public Sprachpfusch Tech&Com Vorzeigeautonomie | Bilinguismo negato Italianizzazione | | | Italy Südtirol/o | | Italiano

Covid: Schienennetzbetreiber bessert nach.
Weiterhin nicht gesetzeskonform

Neulich hatten wir die illegalen, einsprachigen Hinweise auf die Covid-Sicherheitsvorschriften an Südtirols Bahnhöfen thematisiert . Jetzt hat der italienische Schienennetzbetreiber RFI nachgebessert, wie diese Bilder zeigen, die uns wiederum Lokführer Andreas Thanei zugeschickt hat:

Zusammenfassend kann man sagen: Deutsch kommt später, Deutsch kommt schlampig, Deutsch kommt zweitgereiht und Deutsch kommt teils mit deutlich kleinerem Schriftbild. Das ist noch immer illegal, doch im Vergleich zu vorher ist es eine klare Verbesserung. Auch so wird man als Minderheit dazu erzogen, sich zu begnügen.

Siehe auch:

Discriminaziun Gesundheit Minderheitenschutz Mobilität Nationalismus Plurilinguismo Service Public Sicherheit Vorzeigeautonomie | Coronavirus Good News Italianizzazione | | | Italy Südtirol/o | RFI | Deutsch

Eurac: Einsprachige Photovoltaikstudie.

Die Architektenkammer macht in ihrem Newsletter vom 26. Mai unter anderem auf folgende Befragung aufmerksam:

Projekt BIPV meets history

Im Zuge des Projektes BIPV meets history hat die Eurac einen Fragebogen ausgearbeitet. Dieser dient zur Erfassung bestehender Hindernisse und des Verbreitungs- und Installationspotenzial[s] der Photovoltaiksysteme der neuen Generation bei historischen Bauten und in der Landschaft[.]
Informationen zum Projekt << HIER>>

Fragenbogen in italienischer Sprache <<HIER>>

Die Eurac also. Das ist die mit dem Institut für Vergleichende Föderalismusforschung und dem Institut für Minderheitenrecht. Aber eine — ganze zehn Fragen umfassende — Umfrage auch ins Deutsche (oder gar ins Ladinische) zu übersetzen, ist offenbar zu viel verlangt. War ja auch schon bei der Wolfsstudie nicht ganz einfach.

BIPV meets history ist ein Interreg-Projekt zwischen Italien und der Schweiz. Federführend auf »italienischer« Seite ist die Eurac beteiligt, auf Schweizer Seite die Tessiner Scuola Universitaria Professionale della Svizzera Italiana. Daneben sind die Region Lombardei sowie die Schweizer ticino energia, SUNAGE und Solar Retrofit beteiligt.

Für Institutionen des italienischsprachigen Kantons Tessin wäre es wohl unvorstellbar, eine Studie nicht zumindest/auch auf Italienisch zu machen. Die aus dem mehrheitlich deutschsprachigen Südtirol stammende, öffentliche Eurac hat da offenbar eine »andere« Sensibilität.

Siehe auch:

Arch+Raum Bildung Discriminaziun Minderheitenschutz Plurilinguismo Service Public Tech&Com Umfrage+Statistik | Bilinguismo negato Italianizzazione Zitać | | | Lombardia Südtirol/o Ticino | EU Eurac | Deutsch