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Covid: Tabellen bleiben einsprachig.

Die STF hat sich bei LR Thomas Widmann (SVP) wegen der einsprachigen Corona-Tabellen erkundigt (Anfrage Nr. 1136/20). Die Antwort ist so fadenscheinig, gleichgültig und minderheitenfeindlich ausgefallen, wie sie nur sein könnte.

Laut zuständigem Landesrat wurden die Tabellen zu Beginn der »Corona-Phase« eingeführt und

auch wegen des enormen Datensatzes einsprachig gehalten, um sie so leserlich wie möglich zu gestalten.

Die Leserlich- und Übersichtlichkeit ist eine sehr beliebte Ausrede. Bei Feinden der Mehrsprachigkeit.

Dieser diskriminierenden Haltung zufolge sind Straßenschilder, Produktetiketten und vieles mehr auch viel übersichtlicher, wenn sie nur in einer Sprache — der lingua franca nazionale — gehalten sind. Nur falls zwischendurch einmal etwas einsprachig Deutsch oder Ladinisch ausfallen sollte, ist die Unübersichtlichkeit kein so wichtiges Argument mehr.

Dass das Land, dessen Autonomie darauf beruht, dass seine Bevölkerung mehrsprachig ist, nun auch schon wie ein beliebiger FdI-Abgeordneter argumentiert, ist eigentlich tragisch. Für die, die sich der Mehrsprachigkeit verweigern wollen, bietet es damit einen perfekten Aufhänger.

Überdies ist die Ausrede mit der Übersichtlichkeit gerade im digitalen Bereich ohnehin völlig unhaltbar, da bei entsprechendem Willen problemlos Lösungen implementiert werden könnten, die das Umschalten zwischen zwei, drei oder auch fünfzig Sprachen erlauben, ohne der Übersichtlichkeit einen Abbruch zu tun.

Die deutschen Gemeindebezeichnungen seien nun — so Widmann weiter — nachgetragen und die Tabelle nach diesen geordnet worden. Doch:

Die Bezeichnungen bzgl. der Herkunft der Neuinfektionen bleiben allerdings einsprachig [italienisch], da diese Bezeichnungen vom Labor so festgelegt und gehandhabt werden und die Übersetzung der einzelnen Bezeichnungen nicht sinnvoll erscheint, auch aus dem Grunde, dass sie sich ständig ändern. Zudem würde eine zusätzliche Übersetzung dieser Spalte die Lesbarkeit der Tabelle erschweren.

Ich notiere: Laut Gesundheitslandesrat gilt die Zweisprachigkeitspflicht nur noch unter der Voraussetzung, dass nicht »das Labor« irgendwas anderes festlegt und dass die »Lesbarkeit« nicht darunter leidet. Was auch immer das heißt, denn für mich wäre die Tabelle auf Deutsch mindestens genauso lesbar.

A propos Lesbarkeit: Darauf wurde etwa bei diesem Brief dann doch eher weniger geachtet.

Siehe auch: |

Discriminaziun Gesundheit Nationalismus Plurilinguismo Politik Service Public Tech&Com | Bilinguismo negato Coronavirus Italianizzazione Zitać | Thomas Widmann | | Südtirol/o | Landesregierung STF Südtiroler Landtag SVP | Deutsch

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Venetien: (Kein) Zimbrisch im Regionalrat.

Liape Hearn un hearinj un alje maine gaseljan (Liebe Herren und Damen und all meine Kollegen) — so hatte der Regionalratsabgeordnete Stefano Valdegamberi (Gemischte Fraktion) vor wenigen Tagen das Wort zum Haushalt der Region Venetien ergriffen. Auf Zimbrisch. Unter allgemeinem Protest musste er jedoch sogleich, vom Ratspräsidenten Roberto Ciambetti (Lega) ermahnt, auf die italienische Sprache umschwenken, obschon er im Vorfeld allen Ratsmitgliedern einen Zettel ausgehändigt hatte, auf dem seine Rede zweisprachig (Zimbrisch und Italienisch) abgedruckt war.

Der streitbare Valdegamberi aus Kam’ Àbato (Badia Calavena) wollte damit, nicht zum ersten Mal, ein Zeichen für die aussterbende Minderheitensprache setzen. Die Rede hatte er eigenen Angaben zufolge mit Unterstützung einer Sprachwissenschaftlerin vorbereitet.

Der schwerste Protest kam dabei Zeitungsberichten zufolge nicht von den Rechtsparteien, sondern vom PD-Abgeordneten Andrea Zanoni, der Valdegamberis Initiative als Harlekinade bezeichnete. Die Partei von Nicola Zingaretti scheint sich nur in Südtirol für Mehrsprachigkeit einzusetzen — und auch dann vor allem, wenn diese Mehrsprachigkeit dem Italienischen zugute kommt.

Es erstaunt, dass italienweit mit Ausnahme von Südtirol(-Trentino) und Aosta in keinem Landes- oder Regionalparlament eine zweite Sprache zugelassen ist, während etwa in der Assemblea di Corsica — im minderheitenfeindlichen Frankreich! — problemlos Korsisch gesprochen werden kann.

Doch auch aus dem Südtiroler Landtag ist mir keine Rede in ladinischer Sprache bekannt. Vielleicht würde man eine ladinische Abgeordnete, die in ihrer Muttersprache sprechen möchte, gewähren lassen, doch gleichgestellt ist die dritte Amtssprache auch in unserem Landesparlament noch immer nicht. Es wäre Zeit!

Siehe auch:

Democrazia Discriminaziun Minderheitenschutz Plurilinguismo Politik | | | | Aoûta-Aosta Corsica Italy Ladinia Südtirol/o Venetien-Vèneto | Lega PD&Co. Region Südtirol-Trentino Südtiroler Landtag | Deutsch

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Ärztinnen: Sprachliche Gleichstellung unter Beschuss.

Bis die Vorschrift nicht endgültig genehmigt sei, sollten wir uns nicht freuen. Mit einer Überraschung in letzter Sekunde sei immer zu rechnen. Das habe ich am 18. November geschrieben, als es hieß, ein Passus im italienischen Haushaltsgesetz könnte die Gleichstellung der deutschen mit der italienischen Sprache bei der Ärztekammer in trockene Tücher bringen.

Für meine Warnung waren nur mäßige hellseherische Fähigkeiten vonnöten. Und pünktlich ist es soweit: erwartungsgemäß steht die Gleichstellung unter erheblichem politischem Druck, der von der neofaschistischen FdI im Parlament ausgeübt wird. Sosehr, dass Medienberichten zufolge nun auch der Berichterstatter des Haushaltsgesetzes Stefano Fassina (LeU) am Einknicken sein soll. Angeblich stehe der Passus kurz vor seiner Streichung.

Laut Senatorin Julia Unterberger (SVP) besteht diese Gefahr nicht, weil sie die Gleichstellung der deutschen Sprache mit Ministerpräsident Giuseppe Conte vereinbart habe. Was diese Zusage wert ist, muss sich aber noch zeigen. Klar ist, dass die Regierung nur schwer auf die Stimmen der Volkspartei verzichten kann, um nicht zu Fall gebracht werden zu können.

Der Südtirolbeilage des Corriere (vom 16.12.) zufolge droht Michaela Biancofiore (FI) ganz ihrem Stil gemäß, ein Verfassungsgesetz einzubringen, mit dem die »anachronistische Zweisprachigkeitspflicht« nebst Proporz ganz abgeschafft werden soll. Diesbezüglich darf auch daran erinnert werden, dass die SVP mit der Partei dieser Dame anlässlich der letzten Europawahl eine Wahlallianz eingegangen ist.

Siehe auch:

Discriminaziun Gesundheit Minderheitenschutz Plurilinguismo Politik Service Public Vorzeigeautonomie Zentralismus | Bilinguismo negato Europawahl 2019 Sprachgruppenproporz | Giuseppe Conte Julia Unterberger Michaela Biancofiore | Corriere | Italy Südtirol/o | FdI PDL&Co. SVP | Deutsch

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Monolingue anche il Cashback.

Mentre sul sito della Lotteria degli scontrini sono state scoperte delle tracce, ancorché microscopiche, di plurilinguismo (italiano-tedesco-sloveno), l’altra iniziativa riconducibile al cosiddetto Piano Italia Cashless del governo romano (il Cashback) è partito monolingue italiano con qualche nota di «cortesia bilingue» italiano-inglese.

Questo nonostante, pur essendo iniziata la fase di registrazione, la Lotteria partirà dal 1° gennaio del 2021, mentre il Cashback è già attivo da ieri — e quindi i diritti dei cittandini appartenenti alle minoranze linguistiche in questo caso si stanno già calpestando.

Schermata del sito dedicato al Cashback

Tra l’altro è incomprensibile la ratio secondo cui una delle due iniziative — pur trattandosi di un plurilinguismo parziale e di facciata — viene resa disponibile in tedesco e sloveno, mentre per l’altra se ne prescinde completamente.

Anche l’app IO, da usare per il Cashback, per ora è disponibile solamente in italiano e in inglese, nonostante il suo sviluppo sia iniziato addirittura nel 2018. E quindi non si può nemmeno addurre la fretta come ipotetica — e comunque inammissibile — giustificazione.

Diversamente da IO l’app Immuni, che pure non era perfetta, aveva fatto sperare in una maggiore attenzione per il plurilinguismo. Ci eravamo illusi: il plurilinguismo non è un impegno preciso né tantomeno un diritto, ma solo un dettaglio lasciato di volta in volta al caso.

Guai solo se da qualche parte mancasse anche solo mezza virgola in italiano. In Sudtirolo ne sappiamo qualcosa.

Vedi anche:

Discriminaziun Minderheitenschutz Plurilinguismo Service Public Tech&Com Wirtschaft+Finanzen | Bilinguismo negato Italianizzazione | | | Italy Südtirol/o | | Italiano

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Einsprachige Lotterie.
Digitalianisierung

In rund einem Monat geht die etwas skurrile Kassabonlotterie los, nun ist auch die Webseite des Zolls online, über die es bereits jetzt möglich ist, einen entsprechenden Teilnahmecode zu generieren.

Ausschnitt des offiziellen Webauftritts

Wie nicht anders zu erwarten, ist auch diese Seite wieder einmal einsprachig. Ob es gelingen wird, sie wenigstens bis zum tatsächlichen Start der Aktion in die wichtigsten Minderheitensprachen zu übersetzen?

Siehe auch:

Discriminaziun Minderheitenschutz Plurilinguismo Service Public Tech&Com Wirtschaft+Finanzen | Bilinguismo negato Italianizzazione | | | Italy Südtirol/o | | Deutsch

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»Blödes Geoblocking.«
Quotation 637

[Geoblocking] baut digitale Grenzbalken in die EU, nimmt keine Rücksicht auf Minderheiten, und (fast) niemand schert sich drum.

Aber zurück ins Kino. Das ist geschlossen, aber online ist das österreichische Kino offen. Der VOD-Club der österreichischen Programmkinos ist so eine Plattform, oder Flimmit. Unter dem Motto „Streamen auf österreichisch“ bietet sie alles an, was es im Nachbarland an Film und Fernsehen gibt. Aber Flimmit sagt mir knallhart: „Sie befinden sich gerade in Italien. Zur Zeit ist Flimmit nur für Einwohnerinnen und Einwohner folgender Länder verfügbar: Österreich, Schweiz, Deutschland“. Dazu gehöre ich nicht.

Der einzige Weg zu Flimmit, VOD oder ins THW-Festival ist eine VPN-Adresse. Sie anonymisiert meine Identität. VPN-Adressen gibt es zu kaufen. Illegal sind sie also nicht, aber ein teurer Umweg, und immer öfter werden VPN-Adressen ebenfalls blockiert.

Renate Mumelter in Blödes Geoblocking (TAZ Online, 22.11.2020)

Siehe auch:

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Covid: Täglich einsprachige Tabellen.

Das Land veröffentlicht zusammen mit den täglichen Corona-Daten jeweils zwei Tabellen: die der positiv Getesteten/Geheilten und die mit den sich in Isolation/Quarantäne befindlichen Personen nach Gemeinden.

Schon mehrmals hatten wir auf mangelnde Zwei- bzw. Dreisprachigkeit hingewiesen, doch nun sind auch diese Tabellen erheblichenteils einsprachig.

Abbildung zum Vergrößern anklicken

Bei der Tabelle mit dem einsprachigen Dateinamen Positivi e guariti per Comune di residenza al […] wurden die Spaltenbezeichnungen auch ins Deutsche übersetzt. Die wesentliche Information der Herkunftseinrichtung Herkunft[s]struktur wird aber nur auf Italienisch eingetragen. Die Erklärung, dass die erhobenen Daten den positiv getesteten Fällen entsprechen, versteht man ebenfalls nur mit Italienischkenntnissen. Und standardmäßig ist die Tabelle alphabetisch nach dem italienischen Ortsnamen geordnet.

Abbildung zum Vergrößern anklicken

Die Tabelle mit dem Dateinamen Quarantene per Comune di Residenza al […] ist hingegen fast vollständig einsprachig. Lediglich die Gemeindenamen sind auch auf Deutsch angeführt. In diesem Fall sind die Daten standardmäßig nach der Nummer des Istat-Gemeindencodes geordnet, was praktischerweise auch der alphabetischen Reihung nach Tolomei entspricht (z.B. sind Eppan viert- und Hafling fünftgereiht). Die täglich zu aktualisierenden Daten beschränken sich glücklicherweise auf Zahlen, womit sich die Zwei-/Dreisprachigkeit erübrigt.

Offensichtlich gibt es nicht nur einen akuten Mangel an zweisprachigen Ärztinnen und Pflegekräften — auch zweisprachiges Verwaltungspersonal (Maturantinnen) scheint in Südtirol mittlerweile sehr rar zu sein. Selbst beim Bevölkerungsschutz und bei der Landespresseagentur ist niemand, der die Spaltentitel einer täglich zu aktualisierenden Tabelle ins Deutsche und Ladinische übersetzen könnte.

Oder aber — klar — die Mehrsprachigkeit ist in Südtirol inzwischen völlig egal und niemand schert sich darum. Auch nicht bei Daten, die man für so wichtig hält, dass sie im Tagesrhythmus veröffentlicht werden. Würde man dies einer zentralstaatlichen Stelle in Rom überlassen, könnte das Ergebnis kaum noch schlimmer sein.

Siehe auch:

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Lösung für deutschsprachige Ärztinnen?

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge soll nun eine Lösung für die deutschsprachigen Ärztinnen gefunden worden sein, die der italienischen Sprache nicht oder nicht ausreichend mächtig sind und in Südtirol arbeiten wollen. Wie es heißt, sieht ein Passus im noch zu verabschiedenden italienischen Haushaltsgesetz die Schaffung einer entsprechenden Sektion in der Südtiroler Ärztekammer vor.

Während sich einsprachig italienische Ärztinnen problemlos ins Berufsverzeichnis eintragen lassen können, gilt dies umgekehrt für einsprachig deutsche Ärztinnen — Gleichstellung der Sprachen lässt grüßen — spätestens seit Mitte 2019 nicht mehr.

Erst kürzlich war in Rom noch erbitterter Widerstand gegen eine Lösung, wie sie jetzt angeblich vor der Verabschiedung stehen soll, geleistet worden — unter anderem mit dem sonderbaren Argument, dass sie EU-Recht widerspräche. Jetzt hingegen soll schon wieder alles anders sein?

Auch die Sezessionsgefahr ist dann wohl gebannt.

Einen bereits genehmigten Abänderungsantrag, auf dessen Grundlage die deutschsprachige Sektion hätte eingeführt werden können, hatte Senatspräsidentin Elisabetta Casellati (FI) noch im September kurzerhand gestrichen, weil sie ihn für mit dem damals zur Debatte stehenden Vereinfachungsgesetz nicht kompatibel hielt.

Warum diese Vorschrift nun ausgerechnet ins Haushaltsgesetz passen soll, ist unklar. In jedem Fall aber wurde — während einer weltweiten Pandemie — ein zusätzliches wertvolles halbes Jahr vergeudet, für etwas, was aufgrund des Autonomiestatuts erst gar nie hätte zur Debatte stehen dürfen.

Doch bis die Vorschrift nicht endgültig genehmigt ist, sollten wir uns ohnehin nicht freuen. Mit einer Überraschung in letzter Sekunde ist immer zu rechnen.

Siehe auch:

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