Tramin: Schützen in der Schule.

Chefredakteur Christoph Franceschini thematisiert auf Salto, dass die Schützen am Montag während der regulären Unterrichtszeit an der Grund- und an der Mittelschule Tramin eine Veranstaltung zum Thema »100 Jahre Kriegsende« abhalten konnten. Darüber soll sich eine Elterngruppe beschwert haben.

Die Kritik daran, dass die »Aktion« unmittelbar vor den Landtagswahlen stattgefunden hat, muss man wohl kaum kommentieren, da die betreffenden Schülerinnen nicht selbst wählen und wohl auch kein Einfluss auf das Wahlverhalten der Eltern zu befürchten ist.

Dass aber die Schützen — noch dazu zu ihren Bedingungen — Unterricht gestalten, ist höchst problematisch und meiner Meinung nach keineswegs opportun. Der paramilitärische Verein ist weder überparteilich noch unparteiisch: er pflegt mitunter Kontakte nach ganz weit rechts und hat gerade im Unterland erst letztes Jahr ein untragbares Bildungsverständnis unter Beweis gestellt. Dass eine solche Veranstaltung eine »patriotische« Schlagseite haben würde, war das mindeste, was man sich erwarten musste.

Es ist übrigens auch nicht dasselbe, wenn eine Lehrperson aus eigener Initiative jemanden (z.B. von den Schützen) in den eigenen Unterricht einlädt, da das erstens ein anderer Rahmen und andere Bedingungen sind und zweitens eine bessere thematische Kontextualisierung möglich ist.

Freilich kann man auch im vorliegenden Fall nicht ausschließen, dass es den Lehrpersonen gelingt, ihre Schülerinnen ausgleichend zu informieren. Doch das ist nicht der Punkt, denn das wäre nur »Schadensbegrenzung«.

Für ähnlich problematisch halte ich übrigens die Tatsache, dass der italienische Partisaninnenverband ANPI an Südtirols Schulen über den Zeitraum von 1919 bis 1948 und die Geschichte des Widerstands aufklären soll. Wiewohl die Schützen und das ANPI zwei völlig unterschiedliche Vereine — mit gänzlich unvergleichlichem Profil — sind, frage ich mich, warum man den Lehrpersonen nicht zutraut, den entsprechenden Stoff selbst im Unterricht zu verarbeiten. Sie haben dafür die besten pädagogischen Voraussetzungen. Speziell in Südtirol hatte der Partisaninnenverband eine geschichtlich zweifelhafte Rolle und vertritt bis heute einen ziemlich aufdringliche Form von Verfassungspatriotismus.

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Selbstbestimmung, ein gefährlicher Traum?
Veranstaltungshinweis

Am 4. Mai findet im Bildungshaus Lichtenburg (Nals) um 19.00 Uhr eine Diskussionsrunde zum Thema Selbstbestimmung statt:

Im vergangen Jahr fand das Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien aus [sic]. Spätestens seitdem ist das Selbstbestimmungsrecht der Völker wieder in aller Munde. Die Selbstbestimmung scheint einen Ausweg aus vielen aktuellen Krisen zu bieten. Oder ist es eine gefährliche Illusion?
Auch in Südtirol ist das Thema Selbstbestimmung immer wieder ein Wahlkampfthema einiger Parteien. Wie realistisch ist eine Loslösung Südtirols von Italien?

— aus der Veranstaltungsankündigung

Podiumsgäste sind:

  • Zeit-Journalist Ulrich Ladurner, der immer wieder durch seine radikal selbstbestimmungsfeindlichen Beiträge auffällt;
  • Rechtsanwalt Karl Zeller, ehemaliger Kammerabgeordneter und Senator der SVP;
  • Arno Rainer, Major des Schützenbezirks Vinschgau und Hauptmann der Kompanie Goldrain;
  • Heiko Kraft, Deutsch-Katalane und Mitglied der katalanischen Nationalversammlung ANC, deren Vorsitzender Jordi Sànchez seit Monaten ohne Gerichtsverfahren in spanischer Untersuchungshaft sitzt.

Es moderiert Rai-Journalistin Gudrun Esser. Eine Anmeldung ist erforderlich, der Eintritt ist kostenlos.

Siehe auch:

Politik Selbstbestimmung Termin | Zitać | Jordi Sànchez Karl Zeller Ulrich Ladurner | Die Zeit Rai | Catalunya Südtirol/o | Schützen SVP | Deutsch

Ein Mann, ein paar Wörter.

Schützen sind Macher und keine Freunde langer Reden, keine Frage. Da reichen auch schon mal vier Minuten aneinandergereihter Floskeln und Plattitüden, ein Altherrenspruch in Richtung Marketenderinnen und fertig ist die Festansprache zum wichtigsten Event im Schützenjahr.

Mit Felix Baumgartner haben sich unsere Mannen einen scharfsinnigen Visionär geholt, der beweist, was wir alle geahnt, aber nicht so ganz genau gewusst haben: Wenn er — trotz widrigster Umstände — den Stratosphärensprung geschafft hat, dann ist die Unabhängigkeit Südtirols ein Klacks.

Was macht’s da schon aus, wenn er menschenverachtenden Ideologien das Wort redet oder Daumen und Kameraden im Weg stehen, während der historische Moment filmisch festgehalten wird. Ethik und Videoschnitt sind was für Kleingeister.

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Hymne… auf deren Abgesang.

Wo, wenn nicht in einem Land wie dem unseren, noch dazu bei einem solchen Anlass, könnte man einen Staatspräsidenten bzw. einen Bundespräsidenten damit konfrontieren, dass Hymnen (Nationalhymnen, umso mehr blutrünstige) obsolet sind?

Natürlich sind die Schützen nicht die glaubwürdigsten Partner für eine derartige Operation. Doch wenn die heimische Intelligenz sich nicht damit begnügen würde, reflexhaft alles abzulehnen, was von jener Seite kommt — um dann ebenso reflexhaft Nationalhymnen zu verteidigen, könnte sie gleichzeitig auf die widersprüchliche Haltung der Schützen hinweisen und Nationalhymnen hinterfragen.

Noch besser wäre freilich, wenn die Intelligenz nicht erst auf den Vorstoß der Schützen reagieren, sondern solche Debatten unabhängig anstoßen würde.

Siehe auch:  

Feuilleton Kunst+Cultura Nationalismus Politik | | | | | Schützen | Deutsch

Nix im Schädel?

Am Freitag, den 21. April organisierten die örtliche Schützenkompanie und der Südtiroler Schützenbund in Leifers eine Podiumsdiskussion zum Thema »Italianisierung in unseren Schulen« und stellten ihn unter den — mit Verlaub — bescheuerten und beleidigenden Titel »Pizza im Kopf«.

Was soll eine etwaige Italianisierung mit einem italienischen Gericht zu tun haben, das weltweit (und auch in Südtirol) zu den beliebtesten gehört?

Der Kampf um die deutsche Schule in Südtirol hat jahrzehntelang gedauert. Heute hat Südtirol ein gut funktionierendes deutsches Schulsystem, das der wesentliche Pfeiler des Minderheitenschutzes ist. Doch neuerdings wird mit Experimenten wie “Immersion”, “CLIL” und “Mehrsprachigkeit” an unserem bewährten deutschen Schulsystem gesägt. Zwangsverpflichtungen von deutschen Schülern zur Teilnahme an nationalistischen italienischen Feierlichkeiten, wie unlängst in Leifers, tun ein Übriges.

Soll aus unserer deutschen Schule eine italienische Schule mit (teilweise) deutscher Unterrichtssprache werden? Sollen unsere Kinder zu “deutschsprachigen Italienern” erzogen werden?

— Veranstaltungsankündigung

Die Mehrsprachigkeit ist für das öffentliche Schulsystem in einem mehrsprachigen Land ein wichtiges Ziel, das man wohl kaum als »Experiment« bezeichnen kann. Es darf und muss eine vorurteilsfreie Diskussion über die Methoden der Sprachvermittlung und die damit verbundenen Risiken geben — die speziell für eine Minderheitensprache im Nationalstaat bestehen. Wir haben das stets betont.

Dies darf aber kein Vorwand sein, um auch nur implizit die Verständigung zwischen den Sprachgruppen zu unterminieren, plumpen Antiitalianismus zu betreiben oder einen Rückzug in die Einsprachigkeit zu propagieren.

Die erfolgreiche »deutsche Schule« ist schon heute fortschrittlich, offen und inklusiv — und das sollte sie auch bleiben. »Völkische« Experimente kann sich Südtirol nicht leisten.

Siehe auch:

Kohäsion+Inklusion Minderheitenschutz Plurilinguismo Politik Scola Termin | CLIL/Immersion Zitać | | | Südtirol/o | Schützen | Deutsch

Militärisch erobern.
Quotation 353

Bei der Wintertagung des Landesbeirates der Eltern zur Mehrsprachigkeit am 18. Februar marschierten auch die Schützen auf. Efrem Oberlechner, Medienreferent der Schützen, war einer der Teilnehmer an der Podiumsdiskussion, die auf die Referate folgte. Wie den Autonomiekonvent versuchten die Schützen auch die Tagung militärisch zu erobern, über den Saal verteilt und mit Spickzetteln, die kursierten. Ihre Argumente gegen die “gemischte Schule” (so der abschätzige Kampfbegriff): Schutz der Muttersprache, Italienisch sei Fremdsprache (die freilich mit modernen  Methoden unterrichtet werden müsse), Wissen werde so nicht angemessen vermittelt, Stellen abgebaut.

ff 11/2017 “Die deutsche Angst” zum Thema mehrsprachige Schule.

Jeder urteile selbst, wer hier eigentlich abschätzig spricht. Zudem sollte man mit Begriffen wie “militärisch” sehr vorsichtig umgehen.

Medien Plurilinguismo Scola | CLIL/Immersion Zitać | | ff | | Schützen | Deutsch

Die thematischen Workshops und die Schützen.

In ihrer heutigen Ausgabe berichten die Dolomiten von einer »Schützenflut«, die sich über den Südtirolkonvent ergossen habe.

Im Rahmen der Open Spaces hatten wir die zum Teil massive Anwesenheit der Schützen verteidigt, da es in der Natur dieser Veranstaltungen lag, dass kommen konnte, wer wollte und in welcher Anzahl es nötig erschien.

Bei den thematischen Workshops, die sich an die »organisierte Zivilgesellschaft« richten, ist dies aus meiner Sicht grundlegend anders. Es gibt zum Beispiel eine offizielle Einschränkung, die vorsieht, dass jeder Verein jeweils eine/n VertreterIn zu insgesamt hochstens zwei Workshops entsenden darf.

Wenn nun die Schützen jede Kompanie und darüberhinaus noch Marketenderinnen, Bund und Jugendleitung als eigene Vereine verstehen und zu mehreren Workshops anmelden, so entspricht dies nicht mehr dem Geist der Veranstaltungen.

Doch spätestens wenn weitere Vereine, deren Interesse an den jeweiligen Themen äußerst zweifelhaft erscheint, weitere Schützenmitglieder entsenden, ist dies nach meiner Auffassung missbräuchlich und unredlich.

Unsere Leute sind aber nicht dumm und haben auch ihre Vereine.

— Barbara Klotz (STF), Dolomiten, 03.05.2016

Klar: Jede Teilnehmerin der Open Spaces ist bei irgendeinem Verein (Kegeln, Fasching, Fußball) und hätte somit die theoretische Möglichkeit, sich an den Workshops zu beteiligen. Doch mit etwas Hausverstand sollte allen klar sein, dass dies nicht Zweck der Übung ist.

Da reicht es auch nicht, darauf hinzuweisen, dass andere doch ebenfalls so agieren hätten können. Wenn Missbrauch allen offen steht, heißt das doch nicht, dass diejenigen »blöd« und »selber schuld« sind, die sich am Missbrauch nicht beteiligen.

Dabei ist meiner Meinung nach gar nicht problematisch, dass die Workshops so nicht mehr »repräsentativ« seien, wie die Dolomiten schreiben. Repräsentativität ist weder Ziel noch Voraussetzung für diese Veranstaltungen — es geht nicht darum, sich zu zählen oder über etwas abzustimmen, sondern möglichst viele unterschiedliche Positionen einzubringen, zu diskutieren und auszuhandeln. Aber gerade diese unterschiedlichen Positionen, die in einen »demokratischen« Widerstreit treten könnten, werden nicht angemessen zum Ausdruck kommen, wenn zu viele dasselbe vertreten (weil sie ein und demselben Akteur zuzurechnen sind).

Völlig unverständlich ist für mich, warum nicht die Organisation eingeschritten ist und wenigstens die offiziellen Schützen — die also auch als solche Auftreten — zu einem einzigen Verein zusammengefasst hat. Mit der Folge, dass sie sich für eine gemeinsame Vertreterin hätten entscheiden müssen. Darüberhinaus hätten die Vereine wenigstens erklären müssen, welches Interesse, welche Affinität und welche Expertise sie mit dem jeweiligen Thema verbindet.

Ganz von der Hand zu weisen ist Schützenchef Elmar Thalers Bemerkung nicht, dass ohne die Überflutung durch seinen Verein an manchen Tischen ziemlich wenige Leute säßen. Dass man dem Tradtionsverein für seine Unterwanderung also quasi dankbar sein sollte, ist aber genau die falsche Schlussfolgerung — wenn nämlich genügend andere Akteure anwesend wären, könnte man die wundersame Vermehrung des Schützenbundes noch eher verkraften, als bei einem überschaubaren Angebot an alternativen Gesprächspartnerinnen.

Zurückzuweisen ist schlussendlich klar und deutlich die Unterstellung von Barbara Klotz (STF), die Workshops seien im Nachhinein erfunden worden, um unliebsame Ergebnisse der Open Spaces zu verwässern — ihre Abhaltung war nämlich bereits beim Dialogabend am 14. Dezember angekündigt worden.

Siehe auch:

Medien Mitbestimmung | Südtirolkonvent Zitać | | Dolo | Südtirol/o | Schützen STF | Deutsch

Mehrsprachige Schule: Die Zeit ist reif?

Die Südtiroler Grünen haben einen Gesetzentwurf ausgearbeitet, um im Südtiroler Bildungssystem ein sogenanntes »Recht auf Mehrsprachigkeit« einzuführen: Immersion, CLIL, mehrsprachige Schule… wie auch immer man es nennen will, »rund die Hälfte« des Unterrichts soll auf Deutsch stattfinden, die andere Hälfte auf Italienisch.

Die entsprechende Pressemitteilung der Vërc möchte ich hier stellenweise kommentieren:

Vorstellung des Landesgesetzentwurfs 67/15: Recht auf Mehrsprachlichkeit im Bildungssystem des Landes

Der Duden kennt die »Mehrsprachigkeit«, aber keine »Mehrsprachlichkeit« — es wäre meiner Meinung nach angemessen, bei einem derart heiklen, sprachbezogenen Thema (in einem Gesetzesvorschlag!) auch die korrekten Begriffe zu verwenden.

Bei den Open-Space-Veranstaltungen des Südtirol-Konvents war unverkennbar die wichtigste Forderung zum Themenbereich “Zusammenleben der Sprachgruppen in Südtirol”: Ein echtes mehrsprachiges Schulsystem wurde von vielen Konvent-Teilnehmenden als dringendstes Mittel für mehr sprachliches und kulturelles Verständnis angeführt. Die Zeichen der Zeit und des Zeitgeists sprechen hier eine überdeutliche Sprache.

Bislang war meist davon die Rede, dass die Open Spaces von Schützen & Co. unterwandert wurden, die dementsprechend auch ihre Themen prominent platziert haben — darunter die Beibehaltung des derzeitigen Schulsystems. Nun soll plötzlich ein mehrsprachiges Schulsystem die wichtigste Forderung zum Themenbereich »Zusammenleben der Sprachgruppen« gewesen sein? Irgendwie geht das nicht ganz zusammen. Es sei denn, man definiert nach eigenem Gutdünken, was wichtig war und was nicht.

Ganz grundsätzlich jedoch: Haben die Grünen nicht erst vor wenigen Tagen die SVP scharf kritisiert, weil sie »am Konvent vorbei« handle? Warum tun sie selbst nun genau dasselbe?

Die Landesregierung setzt im Bereich Mehrsprachigkeit mit den CLIL-Angeboten in der Oberschule einige zaghafte Schritte. Wir wollen diese würdigen. Es braucht Zwischenschritte und der Widerstand der Konservativen ist groß.

Tatsächlich, der Widerstand der Konservativen ist groß. Aber reduzieren wir es bitte nicht auf die Konservativen. Es gibt auch Progressive, die den Fortschritt nur unter der Bedingung wagen wollen, dass er nicht zum Rückschritt wird.

Trotzdem wollen wir als Grüne, die seit Jahrzehnten eine moderne, überzeugt mehrsprachige Gesellschaft anvisieren, ein weiteres Mal einen Schritt voraus gehen.
Wir haben daher diesen Gesetzentwurf ausgearbeitet, der parallel zur Anpassung der “Buona scuola” in die öffentliche Debatte auch das ureigenste Anliegen der Südtiroler Progressiven einbringt, eben das mehrsprachliche [sic] Zusatzangebot im gesamten Südtiroler Bildungsangebot.

Meines Erachtens wird hier eine Gleichung aufgestellt, die uns direkt in den »Katalog« des Südtiroler Oberflächenprogressismus führt. Hiernach können Progressive per Definition keine Bedenken gegen die Immersion haben — weil sie dann automatisch keine Progressiven mehr sind. Genauso wie Progressive nicht für die Selbstbestimmung sein können und dürfen.

“Unsere gute, mehrsprachliche [sic] Schule”, so könnte man diesen Wunsch zusammenfassen. Es wäre gar nicht schwer und niemand würde irgendein Recht verlieren.

Heinz von Förster, der konstruktivistische Forscher und “KybernEthiker” sagte: Handle stets so, dass die Anzahl der Wahlmöglichkeiten größer wird! Er sah darin auch eine Ursache des Glücks. In der Südtiroler Bildungswelt wäre Platz dafür.

Im Ernst? Dann müssten wir Försters Maxime zufolge konsequenterweise wohl auch Fächer wie »Kreationismus« oder »Scharia« einführen, wenn (siehe unten) die entsprechende Nachfrage besteht.

Gute Gründe für ein Recht auf Mehrsprachlichkeit [sic] im Südtiroler Bildungssystem

  • Wünsche aus der Elternschaft (Convivia, Genitori per il Bilinguismo / Eltern für die Zweisprachigkeit, MixLing) und Umfrageergebnisse (Landeselternbeirat für die deutsche Schule unter den Eltern- und SchulratspräsidentInnen – 2008 und 2015, KOLIPSI-Studie der Eurac – 2009)

Wünsche einer Gruppe sind immer auch gegen die Allgemeininteressen der Gesellschaft abzuwägen. Eine Partei sollte das tun. Schließlich sollen — zum Beispiel — auch nicht nur die Hoteliers entscheiden, ob der Flughafen ausgebaut wird.

Ein Flughafen wäre übrigens auch ein konkreter Beitrag zur Erweiterung von Wahlmöglichkeiten. Dann kann jede Bürgerin ganz selbstbestimmt entscheiden, ob sie lieber mit der Bahn oder dem Flugzeug reist.

Nicht zuletzt war die Umfrage des Landeselternbeirats möglicherweise suggestiv formuliert und mit Sicherheit nicht repräsentativ.

  • Aussagen im Sprachenbarometer 2014 (Sprachstatistik ASTAT)
  • Oftmals bemängelte schlechte Zweitsprachkenntnisse der Südtiroler OberschülerInnen

Das Sprachbarometer ist ein zweischneidiges Schwert: Es stimmt zwar, dass daraus ein starker Wunsch hervorgeht, auch mehrsprachige Schulmodelle einzuführen. Allerdings bestätigt das Sprachbarometer gleichzeitig, dass die Zweitsprachkenntnisse der Südtirolerinnen während der letzten Jahre — anders als »oftmals bemängelt«deutlich zugenommen haben.

  • Gute Annahme aller bisherigen mehrsprachlichen [sic] Angebote, z.B. CLIL-Unterricht, “Zweitsprachjahr”

Gerade beim Thema CLIL sollte man sich vielleicht auch einmal die Ergebnisse des einschlägigen Evaluationsberichts zu Gemüte führen. Angeblich ist CLIL nämlich wider Erwarten (und anders als offiziell kommuniziert) keine Zauberformel für bessere Sprachkenntnisse.

[…]

Der Gesetzentwurf ergänzt das bestehende schulische Angebot, falls erwünscht und genügend Anmeldungen vorliegen (für den Kindergarten 14, für die Schule 15 Einschreibungen), um ein mehrsprachliches [sic]. Das freiwillige Zusatzangebot kann im Kindergarten, in der Unter- und Oberstufe gewählt werden. Das übliche Angebot bleibt ausnahmslos unverändert erhalten (das Recht auf mutterspachigen Unterricht nach Art. 19 des Autonomiestatuts wird nicht beschnitten).

Noch einmal: Legitimiert die Nachfrage automatisch das Angebot? Ist das nicht zu wenig nachhaltig und zu marktwirtschaftlich gedacht? Ich jedenfalls bin nicht der Meinung, dass wir — nicht nur beim Thema Immersion — die Hoheit über das öffentliche Bildungssystem auf dem Altar der individuellen »Wahlmöglichkeiten« opfern sollten.

Wir alle wissen zudem, dass sich einem mehrsprachigen Angebot über kurz oder lang niemand wird entziehen können, die nicht als konservativ, ewiggestrig, den eigenen Kindern Schaden zufügen wollend gelten will. Wahlfreiheit wird dann im Sinne einer erzwungenen Bilingualisierung nur noch vorgetäuscht.

Das mehrsprachige Angebot ist eine Bereicherung der Bildungslandschaft Südtirols und kann, ähnlich der ladinischen Schule, als Labor für neue Formen des Lernen [sic] und der kulturellen Annäherung dienen. Von der derzeitigen Schule, die ja derzeit schon mit der Realität der mehrsprachlichen [sic] Zusammensetzung konfrontiert ist, wird Druck genommen – und schließlich bietet das neue Angebot auch einen Schutz für all jene, die sich der mehrsprachigen Orientierung im Sinne der ausdrücklichen Muttersprachlichkeit nicht anschließen möchten.

Damit wäre eine Situation allgemeinen Gewinnes geschaffen.

Das mit dem allgemeinen Gewinn wäre — zumindest aus Sicht des Minderheitenschutzes — aus den oben dargelegten Gründen erst zu belegen. Über eine Antwort auf meine Einwände würde ich mich freuen.

Siehe auch:

Kohäsion+Inklusion Minderheitenschutz Mitbestimmung Plurilinguismo Recht Scola Umfrage+Statistik Wissenschaft | CLIL/Immersion Kolipsi Sprachbarometer Südtirolkonvent Zitać | | | Südtirol/o | Schützen Vërc | Deutsch