Krankes Kammernsystem.

Eines meiner Betätigungsfelder war und ist der Journalismus. Meinen ersten Journalistenjob hatte ich bei den Tiroler Bezirksblättern und das funktionierte so:
Journalist ist ganz im Sinne der Pressefreiheit und ähnlich wie Künstler und Schriftsteller in Österreich – sowie meines Wissens in allen anderen Ländern Europas – ein freier Beruf. Das heißt, dass man im Gegensatz zu beispielsweise einem Elektriker zur Ausübung keinen Befähigungsnachweis braucht. Journalismus ist ein freies Gewerbe. Wenn man journalistisch tätig ist – sprich bei einer Zeitung, dem Radio oder dem Fernsehen beschäftigt ist – dann ist man Journalist.
Diesen meinen Beruf wollte ich auch in meiner neuen Heimat Südtirol ausüben und das funktioniert so:
In Italien ist Journalist kein freier Beruf. Es wird eine Journalistenprüfung verlangt und die Eintragung in die Journalistenkammer ist obligatorisch. Detail am Rande: Die rund 100 Euro jährlichen Mitgliedsbeitrag muss ich auch zahlen, wenn ich in besagtem Jahr gar nicht journalistisch tätig bin, denn sonst erlischt meine Mitgliedschaft. Jedenfalls kann Italien mir als EU-Bürger aufgrund des freien Dienstleistungsverkehrs nicht die Ausübung meines Berufes untersagen, wenn ich in einem anderen EU-Land zur Ausübung dieses Berufes befähigt bin. Also hat die italienische Journalistenkammer das elenco straniero eingeführt. Um in dieses Verzeichnis eingetragen zu werden, braucht man eine residenza im Ausland und ein domicilo in Italien. Beides ist auf dem Anmeldeformular von der jeweiligen Wohnsitzgemeinde zu bestätigen. Als ich mir auf meiner Gemeinde in Südtirol das domicilio bestätigen lassen wollte, wurde mir mitgeteilt, dass man dies nicht könne, da das Prinzip des domicilio bereits 2004 (wenn ich mich richtig erinnere) abgeschafft worden sei. Es gäbe nur mehr residenza. Die Journalistenkammer fordert also Unmögliches. Zudem müsste ich, wenn ich meinen Lebensmittelpunkt in Südtirol habe, hier eine residenza anmelden. Dann wiederum könnte ich aber nicht in das elenco straniero eingetragen sein, denn mit der Einschreibung bestätige ich, über keine residenza in Italien zu verfügen. Es gibt also keine Möglichkeit, dass ich als Nordtiroler in Südtirol legal meinen Beruf ausübe. Entweder breche ich das Meldegesetz oder das Journalistengesetz. Hip Hip, Hurra! Die Helden von der Journalistenkammer sind übrigens nicht die einzigen, zu denen sich die Abschaffung des domicilio nach beinahe 10 (!) Jahren noch nicht rumgesprochen hat. Als ich noch als Pendler registriert war und über den Südtiroler Sanitätsbetrieb um einen Betreuungsauftrag für Leistungen der Tiroler Gebietskrankenkasse ansuchte, verlangte der Sanitätsbetrieb, dass ich mir von meiner Gemeinde in Südtirol ein domicilio bestätigen lasse. Diese Bestätigung wurde aus bereits bekannten Gründen verweigert. Seitdem weiß ich dafür, was eine Eigenerklärung ist.

Siehe auch: [1] [2] [3]