Dänische Drohung.

»Zurückziehen oder unabhängig werden« — das ist die für Südtiroler Ohren reichlich merkwürdige Drohung des dänischen Premierministers Rasmussen an die Regierung der Färöer-Inseln. Sie zeugt von einem Demokratieverständnis, das sich deutlich von dem unterscheidet, was wir in unseren Breiten gewohnt sind.

Der Reihe nach: Grund für Rasmussens Äußerungen ist der neue Verfassungsvorschlag, den die Mittelinksregierung aus Sozialdemokraten, Republikanern und Christdemokraten dem Inselparlament der Färöer Inseln (Løgting) vorlegen will. Der Text widerspricht in zentralen Punkten der dänischen Verfassung, erwähnt Dänemark und die Monarchie an keiner Stelle und schreibt fest, dass »die gesamte Staatsgewalt vom färingischen Volk ausgeht«.

Anstatt die Muskeln spielen zu lassen und etwa einen direkten Eingriff anzudrohen, beschränkt sich die Zentralregierung in Kopenhagen darauf, die Färöer-Inseln vor die Wahl zu stellen: Entweder sie passten ihr Grundgesetz dem Rahmen der dänischen Verfassung an, oder sie sollen so konsequent sein, sich für unabhängig zu erklären. Welchem Weg sie folgen wollen, haben die färingischen Regierungsparteien indes noch nicht entschieden: Zwar wollen alle am vorgeschlagenen Text festhalten, aber nur die Republikaner sprechen sich ausdrücklich für die Unabhängigkeit aus.

  • gorgias

    Ich finde man muss immer aufpassen, wenn man vergleiche zwischen verschiedenen Unabhängigkeitsprozessen aufstellt. Die Forderung “Zurückziehen oder unabhängig werden” der dänischen Zentralregierung klingt für mich fast mehr wie eine Drohung.

    Ich sehe nicht welches Interesse Dänemark haben könnte die Färöer Inseln im Dänischen Königreich zu halten. Die Färöer Inseln haben seit den 90ziger Jahren wirtschaftliche Probleme, die Arbeitslosenzahlen sind in den letzten Jahren auch gestiegen. Außerdem sind die Färöer Inseln nicht Teil der EU und bilden mit Island und Grönland eine Wirtschaftsunion, somit haben hat sich diese Inseln schon längst vom dänischen Mutterland entfernt.

    Es könnte auch im dänischen Eigennutzen sein die Färör Inseln loszuwerden und sie packen die Gelegenheit beim Schopf. So kann man im Vergleich zu Südtirol/Italien dies nicht als noble Geste bezeichnen, sondern vieleicht eine halbe Drohung Dänemarks einer relativ schwachen Region die Nabelschnur zu kappen.

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  • Ich finde man muss immer aufpassen, wenn man vergleiche zwischen verschiedenen Unabhängigkeitsprozessen aufstellt.

    Das ist mir bewusst. Ich habe an keiner Stelle einen direkten Vergleich zu Südtirol hergestellt.

    Die Forderung “Zurückziehen oder unabhängig werden” der dänischen Zentralregierung klingt für mich fast mehr wie eine Drohung.

    Der Titel des Artikels lautet »Dänische Drohung«.

    Ich sehe nicht welches Interesse Dänemark haben könnte die Färöer Inseln im Dänischen Königreich zu halten. Die Färöer Inseln haben seit den 90ziger Jahren wirtschaftliche Probleme, die Arbeitslosenzahlen sind in den letzten Jahren auch gestiegen.

    Es stimmt, dass die Färöer nicht mehr glänzen, die Daten sind aber auch alles andere als katastrophal. Und schließlich sind immer noch sehr viele Färinger für die Unabhängigkeit — wovon der Verfassungsentwurf ja Ausdruck ist.

    Außerdem sind die Färöer Inseln nicht Teil der EU und bilden mit Island und Grönland eine Wirtschaftsunion, somit haben hat sich diese Inseln schon längst vom dänischen Mutterland entfernt.

    Das konnte nur mit Zustimmung von Dänemark geschehen.

    Es könnte auch im dänischen Eigennutzen sein die Färör Inseln loszuwerden und sie packen die Gelegenheit beim Schopf. So kann man im Vergleich zu Südtirol/Italien dies nicht als noble Geste bezeichnen, sondern vieleicht eine halbe Drohung Dänemarks einer relativ schwachen Region die Nabelschnur zu kappen.

    Die Dänen haben bereits gegenüber Grönland bewiesen, dass sie sich eher vom Respekt für demokratische Entscheide als vom Geldbeutel leiten lassen: Die Insel wird in die Unabhängigkeit entlassen, sobald sie wirtschaftlich auf eigenen Beinen steht — bis dahin bleibt sie autonomer Bestandteil Dänemarks.

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  • geggo

    @gorgias: Ja heißt es nicht immer, dass Italien bei Südtirol draufzahlt?

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  • anonym

    Die Inseln mögen rein wirtschaftlich nicht interessant sein und nicht ins Gewicht fallen, allerdings möchte ich hier ein Argument einbringen, das normalerweise stark nationalistische Staaten veranlassen würde solche kleinen Felsen nie und nimmer aus ihren Fängen zu lassen: Wirtschaftszonen.

    Das Staatsgebiet erstreckt sich 12 Seemeilen ins Meer, die Wirtschaftszone bis zu 200 und in einigen Fällen auch 300 Seemeilen ins Meer. Wenn man an Fischfanggründe, Bodenschätze und vor allem potentiellen Gas und Öl Vorkommen denkt würde keine Nation solche Inseln einfach ziehen lassen (Italien jedenfalls sicher nicht). Strategische Überlegungen kommen noch dazu.

    Deswegen finde ich es schon sehr beachtlich, wenn Dänemark dies anbietet. Oder sie sind sich sicher die Färöer-Inseln sind nur ein Haufen tauben Gesteins 😉

    @gorgias
    das hat es früher mal geheissen, ich denke das ist allerspätestens seit der Studie der Handelskammer widerlegt. Sie zahlen bei uns nicht drauf, verdienen auch kaum an uns. Ich bin mir sicher rein wirtschaftlich fallen wir nicht ins Gewicht. Es geht bei uns wohl nur um Nationalismus und Strategiedenken aus dem 19. Jhd.

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  • niwo

    Sie zeugt von einem Demokratieverständnis, das sich deutlich von dem unterscheidet, was wir in unseren Breiten gewohnt sind.

    Auf den Färöer Inseln finden sich auch andere Dinge, die sich demokratiepolitisch deutlich von anderen “Vorzeigeautonomien” Europas unterscheiden.

    Im Jahre 2007 konnte ich auf den Färöer-Inseln ein Exemplar von “The Faeroe Islands – Topographic Atlas” herausgegeben von “Det Kongelige Danske Geografiske Selskab – Königliche Dänische Geografische Gesellschaft” auftreiben, eine wahre Fundgrube interessanter geografischer Informationen über den sturmumtosten Archipel im Nordatlantik.

    Ein Kapitel “Mapping the Faeroe Island in Modern Times” zeigt die Entwicklung der Techniken in der Herstellung von Landkarten auf den Färöer Inseln. Das derzeitige Kartenwerk ist das der dritten Generation.

    Während in den Karten der ersten und zweiten Generation, veröffentlicht zwischen 1897 und 1974, vorwiegend dänische Toponyme und Legenden verwendet wurden, werden in der dritten Generation, veröffentlicht Ende des 20. Jh. ausschließlich färingische Toponyme verwendet, einschließlich von Begriffen wie See, Fjord, Bach, Fluss, Gipfel, Dorf, Stadt usw. Diese topografischen Begriffe werden in einer eigenen Legende auf Dänisch und Englisch übersetzt, nicht aber auf den Landkarten selbst.
    Ich zitiere aus Seite 106 von oben erwähnter Veröffentlichung: “….Map descriptions and place-names were primarily in Danish, whereas the Faeroese language was very secondary. The legend was also entirely in Danish. All these faults spurred the decision to produce a new base map…

    Es werden die färingischen Partner aufgelistet, die bei der Recherche behilflich waren. Bezüglich der Toponyme heißt es hier: …., as well as providing complete place-name manuscripts (Anmerkung: gemeint sind die färingischen Topnyme) through its collaboration with Frodskaparsetur.

    Fazit der Erläuterungen: für die auch dänischen Autoren des Kartenwerkes der dritten Generation ist es völlig normal und überfällig, dass ausschließlich die färingischen Toponyme Verwendung finden.

    Vielleicht sollte sich die Toponomastikkommission des Südtiroler Landtages doch einmal wissenschaftliche Hilfe von der Königlichen Dänischen Geografischen Gesellschaft holen und dem “Istituto di Studi per l’Alto Adige” eine Absage erteilen.

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  • gorgias

    @geggo

    Vom “Draufzahlen” habe ich noch nie was gehört. Aber wir kommen steuerlich als Land ja schon gut weg, wenn wir als wirtschaftlich starke Region 90% der Steureinahmen behalten dürfen. Bundesländer wie Bayern oder Tirol träumen ja nur davon.

    Gäbe es endlich die Steuerhoheit auf Landesebene würde man weniger über Italien schimpfen. Aber das wird wohl für die Landesregierung eine nicht so populäre Idee sein, weil sie sich dann mehr nicht als Robin Hood aufspielen könnte.

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  • In Italien ist immer wieder davon die Rede, dass wir mehr Geld bekommen, als wir Steuern zahlen. Nicht zuletzt hat das der Bürgermeister von Florenz vor einigen Monaten behauptet. Und auch »unser« Thomas Benedikter vertritt diese Auffassung.

    Man kann den Landeshaushalt Südtirols nicht ohne weiteres mit jenen Nord-/Osttirols oder Bayerns vergleichen, da dort für sehr vieles der Bund aufkommt. Vielmehr müsste man einen umfassenden Vergleich anstellen, in dem die gesamten vor Ort verfügbaren Mittel berücksichtigt werden.
    Wenn man sich den allgemeinen Lebensstandard und die die Effizienz der öffentlichen Hand ansieht, kann man jedenfalls nicht behaupten, dass es den Leuten in Nord-/Osttirol und Bayern schlechter geht, als bei uns. Wohl eher im Gegenteil.

    Eine Finanzautonomie innerhalb Italiens ist längst überfällig. Doch wenn Italien bankrott ist, wird uns selbst die kaum helfen.

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