Impermanent fixity of the nation-state.
Quotation 544

While the ridgeline of the Alps’s ice caps is on the move today, many of the place-names Tolomei imposed remain, and they are likely to outlast the border that the Italian government wanted to imagine into permanence. Taking the long view of Italy’s northernmost boundary from the vantage point of its colonial history shows how this border is, in a way, the opposite of what it appears to be in atlases and Italian textbooks: an arbitrary outer border to a new state, rather than a destined marker for all time. The border seems etched in the mountaintop, but it is as impermanent as other landmarks of nature are, especially those touched by climate change; with it, so too is the symbolic fixity of the nation-state that tied its boundary to the Alpine crests.

Mia Fuller, Associate Professor in Italian Studies at Berkeley, in Laying Claim – Italy’s Internal and External Colonies. Fuller is a cultural anthropologist and urban-architectural historian.

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Ecologia Faschismen Geschichte Grenze Nationalismus Ortsnamen Politik Wissenschaft | Zitać | Ettore Tolomei | | Italy Südtirol/o | | English

Die Heuchelei von der Heuchelei.
25. April

Die STF kritisierte anlässlich des 25. April, der in Italien als Tag der Befreiung vom Nazifaschismus begangen wird, dass es sich bei den Feierlichkeiten um Heuchelei handle, da der Faschismus fröhliche Urständ feiere — zumal in Südtirol, wo weiterhin faschistische Relikte und Ortsnamen aufrecht geblieben seien oder neofaschistische Kräfte im Gemeinderat der Landeshauptstadt sitzen. Das wäre eine durchaus mögliche und auch nachvollziehbare Kritik am 25.-April-Ritual, die sich auch diametral von derjenigen unterscheidet, die die Rechten in Italien alljährlich vorbringen, um den Gedenkveranstaltungen fernzubleiben.

Dem Einwand der STF wäre ganz grundsätzlich entgegenzuhalten, dass es sich trotzdem durchaus lohnt, dem historischen Ereignis der Befreiung zu gedenken, wie wenig ernsthaft anschließend auch ein tatsächlicher Bruch (und wie sehr hingegen in vielerlei Hinsicht ein nahtloser Übergang) stattgefunden hat.

Warum die Kritik der STF jedoch auf sie zurückfallen muss, ist aber die Heuchelei, mit der sie anderen Heuchelei vorwirft: Wer sich mit deutschnationalen Burschenschaften trifft, unbeirrt zum Wiener Akademikerball tanzt, die Identitären verehrt und an rechtsextremistischen Vernetzungstreffen teilnimmt, hätte vor der eigenen Haustür genug zu tun.

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Faschismen Geschichte Ortsnamen Politik | Faschistische Relikte Geschichtsaufarbeitung | | | Italy Südtirol/o | STF | Deutsch

Notre Dame und die Kohärenz.
Quotation 540 // Ein Hilfeschrei

Im Zusammenhang mit dem dramatischen Brand an der Notre-Dame-Kathedrale von Paris hat der Journalist und Politiker David Grosclaude (Partit Occitan) in seinem Blog eine beachtete »Reflexion über den Fetischismus derer, die nicht verstanden haben, dass materielles und immaterielles Kulturgut der selben Rücksicht und der selben Achtung bedürfen« veröffentlicht, woraus ich hier zitiere:

Das materielle Erbe ist nichts ohne das immaterielle. Ohne die Worte, die es begleiten, ohne das Wissen, das sich in ihm verbirgt und das es in Bewegung gesetzt hat, ist ein Monument nichts anderes als ein Haufen Steine.

In dieser Hinsicht waren die Tränen und die Aussagen gewisser Persönlichkeiten während jenes Abends unerträglich. Einige von ihnen lassen täglich Kathedralen und Monumente unseres Erbes vernichten, ohne etwas zu sagen. Es passiert sogar dass sie auf die Glut blasen.

Sie sind Opfer eines Fetischismus, der dazu führt, dass sie vergessen, dass das immaterielle Gut genauso wichtig ist, wie das andere. Beide entwickeln sich im Laufe der Zeit, passen sich an, erleiden Schmähungen, Unfälle, Gewalt: doch wir sollten die gleiche Rücksicht auf sie nehmen. Das ist nicht der Fall.

Die vernichteten Kathedralen, die brennenden Schlösser, die Schätze, die in Rauch aufgehen sind nicht immer jene, die man mit einer Eintrittskarte und dem Smartphone in der Hand besuchen kann.

Wenn uns Mélenchon, Macron, Hollande, Fillon, Sarkozy und die anderen an ihren Emotionen über den Verlust, den der Brand von Notre Dame darstellt, medial teilhaben lassen, kann ich nicht anders, als ihre Unfähigkeit zur Kohärenz zu bedauern. Ich kann nicht vergessen, dass das dieselben sind, die schweigen (oder sich gar freuen), wenn die Kulturmonumente, die unsere Sprachen sind, Schritt für Schritt mangels Achtung und Rücksicht — von einer Politik, die die sprachliche Vielfalt zerstört — vernichtet werden. Dabei sind das Monumente, die so gut es geht Jahrtausende an Historie, Millionen Seiten Literatur und Millionen Tage der Menschheitsgeschichte in sich tragen.

Sie haben aber einen Makel: Sie brennen nicht in einem Mal vor dem Auge einer Kamera ab. Das sind Monumente, die in Stille einstürzen, unterhöhlt werden und sterben.

Selbstverständlich wird man Notre Dame wieder aufbauen müssen, wie man es mit jedem anderen Monument dieser Bedeutung, das gebrannt hätte, auch hätte tun müssen; doch es ist auch Kohärenz gefragt. Das materielle und das immaterielle Erbe vermischen sich.

Die baskische, die korsische, die bretonische, die okzitanische, die katalanische Sprache, die Sprachen der amerikanischen Ureinwohnerinnen, die der Kanakei, die kreolischen Sprachen usw. sind ebenfalls brennende Kathedralen.

Ich habe zum Brand in Paris das Wehklagen derjenigen vernommen, die uns noch vor einigen Tagen, Wochen, Jahren erklärten, dass der Einsturz unserer sprachlichen Kathedralen Schicksal sei und vielleicht sogar gut für den Fortschritt der Menschheit; jedenfalls aber, dass man dabei [untätig] zusehen müsse.

All jene, die nichts für das immaterielle Erbe gemacht haben und die politischen Mittel gehabt hätten, etwas zu tun, haben sich zum Brand von Notre Dame geäußert — von rechts und von links. Seit Jahren versprechen und reden die einen wie die anderen von kultureller Vielfalt, ohne irgendetwas zu tun. Und wenn sie etwas machen, dann immer nur für das, was weit weg ist und exotisch erscheint. Humanismus für den externen Gebrauch, aber nie irgendwas für das, was sie vor der eigenen Nase haben. Dabei müssten sie wissen, dass die Steine keinen Wert haben, außer durch die Geschichte, die sie geschnitten und gezeichnet hat, und durch die Frauen und Männer, die sie erwähnt, benannt, erläutert haben.

Notre-Dame de Paris hätte, auch wenn zur Gänze zerstört, unter der Feder von Victor Hugo weitergelebt, Quasimodo und Esmeralda hätten weiterhin den Geist der Literaturliebhaberinnen bewohnt und damit das Gebäude am Leben erhalten, mit all den anderen, die etwas darüber geschrieben haben.

Übersetzung:

Arch Geschichte Kunst+Cultura Minderheitenschutz Plurilinguismo Politik | Zitać | | | Baskenland-Euskadi Breizh-Bretagne Catalunya Corsica | | Deutsch

Faschistische Plakate.

Neben den anonymen (und illegalen) Plakaten, die mit faschistischer Symbolik das 100. Gründungsjubiläum der Faschistischen Kampfbünde zelebrieren und vor wenigen Tagen in Bozen und Leifers aufgetaucht waren, wurden in der Landeshauptstadt weitere — genauso illegale, aber nicht so anonyme — Plakate mit einem Spruch von Benito Mussolini entdeckt. Sie stammen von der Schüler- und Studentinnenorganisation von CasaPound, dem Blocco Studentesco, und verunzieren Wände in der Nähe eines Schulkomplexes in der Carduccistraße.

Das Tagblatt A. Adige berichtet beinahe überrascht — und ohne eine eigene Verurteilung hinzuzufügen — dass manche Bürgerinnen »die Nase gerümpft« hätten. Es wäre aber endlich an der Zeit, den Faschistinnen das Handwerk zu legen. Was machen die staatlichen, aber auch die kommunalen Institutionen, um die Aktionen dieser Menschen- und Demokratiefeinde zu unterbinden? Bislang jedenfalls kaum etwas Wahrnehmbares, das ist eine Schande.

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Faschismen Geschichte Medien Politik Recht | | | AA | Südtirol/o | CPI | Deutsch

Europäischer Feiertag in Luxemburg.

Das kleine Luxemburg hat beschlossen, den Europatag am 9. Mai zum gesetzlichen Feiertag zu erheben, um die Errungenschaften der europäischen Einigung zu feiern. Parallel soll auch die gesetzliche Mindestanzahl an Urlaubstagen um eine Einheit angehoben werden, damit der neue Feiertag nicht zu Lasten des Urlaubs ausfällt. Laufende Kollektivverträge sind aber nicht automatisch von der Anhebung betroffen.

Der sozialistische Arbeitsminister des Landes, Dan Kersch, zeigte sich zuversichtlich, dass alle Hürden genommen werden können, um bereits den 9. Mai des laufenden Jahres arbeitsfrei zu gestalten.

Luxemburg ist das erste Land, das den Europatag zum gesetzlichen Feiertag macht. Die Regierung beabsichtigt, den Tag zu nutzen, um sowohl ein großes Europafest, als auch Informationsveranstaltungen über die Europäische Union zu organisieren.

Das Datum des EU-weiten Europatags geht auf den 9. Mai 1950 zurück, als der damalige französische Außenminister Robert Schuman erstmals die Gründung einer Kohle- und Stahlunion anregte. Daraus wurde zunächst die sogenannte Montanunion, die sich im Laufe der Jahrzehnte zur heutigen EU weiterentwickelte.

Siehe auch:

Geschichte Kleinstaaten Politik Soziales und Arbeit | Good News | | | Lëtzebuerg | EU | Deutsch

Bozner Lido bekommt eine Ausstellung.
Wieder ein Vorschlag von CasaPound angenommen

Am Bozner Lido soll eine permanente Ausstellung über die Schwimmsportanlage und mit ihr verbundene, erfolgreiche Athletinnen eingerichtet werden. Ein entsprechender Antrag der faschistischen Fraktion wurde am Donnerstag fast einstimmig vom Bozner Gemeinderat gutgeheißen — nur Johanna Ramoser (SVP), Sebastian Seehauser (SVP) und Claudio Volanti (Ein Wir für Bozen) enthielten sich der Stimme.

Einmal mehr macht sich das Stadtparlament damit zum Handlanger von CasaPound (CPI).

Das Interesse von CPI für das Lido erklärt sich einerseits durch den Körperkult ihrer totalitären Ideologie und andererseits durch die Tatsache, dass die im rationalistischen Stil errichtete Sportanlage als Teil der faschistischen Majorisierungsmaßnahmen entstanden ist. Durch die Einrichtung einer Dauerausstellung erhofft sich CPI wahrscheinlich eine Aufwertung und Anerkennung für das damalige Stadtentwicklungsprojekt. Zudem können sich die Faschistinnen fortan damit brüsten, das Ausstellungsprojekt initiiert zu haben.

An strategischer und politischer Dummheit ist die schwarz-rot-grüne Ratsmehrheit wohl kaum noch zu überbieten.

Siehe auch:

Arch Faschismen Geschichte Politik Sport | Italianizzazione | | | Südtirol/o | CPI PD&Co. SVP Vërc | Deutsch

Alois Vijo Pupp ehren.

Am morgigen 22. Februar jährt sich der Todestag von Alois Vijo Pupp aus Antermëia zum 50. Mal. Die SVP Ladina und Landesrat Daniel Alfreider (SVP) würdigen den einstigen Landeshauptmann (1956-1960) als eine Persönlichkeit, die sich »unermüdlich für unsere Heimat und ihre Menschen« eingesetzt und mit ihrem »Wertekompass aus Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit« den Autonomieprozess angekurbelt habe.

Er fühlte sich der Geschichte und Tradition verbunden, erfüllt mit Liebe zu Volk und Heimat.

Man kann das ehemalige NSDAP-Mitglied (ab 1943) natürlich für seine Verdienste um das demokratische Südtirol würdigen, sollte dabei aber gerade diesen Umstand nicht unter den Teppich kehren.

Etwas dreist ist es aber nicht nur, (wie in Brixen erst vor wenigen Jahren geschehen) einen Park nach ihm zu benennen, sondern auch (wie die SVP Ladina jetzt), ihn als »ladinischen Landeshauptmann« zu loben — ohne darüber aufzuklären, dass er die ladinische Sprache als einen Dialekt von untergeordnetem Wert betrachtete und die Assimilierung der ladinischen durch die deutsche Sprachgruppe befürwortete.

Siehe auch:

Democrazia Faschismen Geschichte Minderheitenschutz Politik | Geschichtsaufarbeitung Zitać | Daniel Alfreider | | Ladinia Südtirol/o | SVP | Deutsch