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Hochspannung: Terna statt Edyna.
Zentralismus

Wie die italienischsprachige Südtiroler Rai berichtet, tritt die Alperia-Gruppe ihre Tochter Edyna Transmission GmbH zu 100% an den staatlichen Netzbetreiber Terna ab. Konkret gehe es um Hochspannungsleitungen mit einer Gesamtlänge von 34 Kilometern und um zwei Umspannwerke. Das Abkommen sei nicht näher genannten aufschiebenden Bedingungen untergeordnet.

Üblicherweise versuchen autonome Gebiete ja, strategische Infrastruktur vom Zentralstaat zu übernehmen und selbst zu verwalten. Warum die öffentliche Alperia in Südtirol den umgekehrten Weg beschreitet, erschließt sich mir deshalb nicht.

In dem Rai-Beitrag ist zwar davon die Rede, dass Terna durch die Zentralisierung eine höhere Effizienz anstrebt — doch genau die angebliche Effizienzsteigerung ist immer wieder ein Totschlagargument zentraler Akteure.

Siehe auch ‹1 ‹2 ‹3

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Italienischer Cloud-Computing-Masterstudiengang.

Wie die dreisprachige Freie Universität Bozen (FUB) mitteilt, wird es an der einsprachig englischen Fakultät für Informatik ab September dieses Jahres einen einsprachig italienischen Masterstudiengang »für Native-Cloud-Anwendungen in einer virtuellen Umgebung« geben.

Finanziell getragen wird diese hervorragende Gelegenheit, die Staatssprache an der Südtiroler Uni zu Lasten der anderen Sprachen weiter zu stärken, von VMware Italy Srl sowie den Südtiroler Unternehmen Alperia AG (öffentlich), Volksbank und ICOS AG (die aber auch im deutschen Pressetext der Uni ICOS SpA heißt).

In einem dieser Partnerunternehmen, die 11 von 16 Studienplätzen durch Stipendien fördern, dürfen dann die Teilnehmenden ein Abschlussprojekt absolvieren.

Damit wird laut Aussendung der FUB gewährleistet, dass die Studierenden von Beginn »an mit realen Bedürfnissen der Wirtschaftswelt« konfrontiert werden. Zu denen offenbar die deutsche Sprache in Südtirol nicht zählt.

Interessant ist jedenfalls auch, dass sich Unternehmen bei der Freien Universität Studiengänge kaufen können, um ihren eigenen Personalbedarf zu decken.

Siehe auch ‹1 ‹2 ‹3 ‹4 ‹5

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Autorinnen und Gastbeiträge

ManderInnen, es isch Zeit.

Die SVP-Spitze hat sich zu einem sibyllinischen Urteil durchgerungen. Vier hochrangige Exponenten müssten zurücktreten. Das Buch über die Freunde im Edelweiß sorgt für ein ordentliches Beben.

Erst die Veröffentlichung des Buches des Autoren-Duos Christoph Franceschini und Artur Oberhofer über den SAD-Skandal und den angekoppelten Machtspielen zwingt die SVP zu Konsequenzen. Das Buch spiegelt wider, wie politisch verdorben manche SVP-Politiker sind. Dokumentiert wird diese Verdorbenheit mit Audio-Dateien der Ermittler. Eigenartig ist und bleibt, warum die SVP nicht früher die Reißleine zog, immerhin weiß die Parteiführung schon seit geraumer Zeit von den Putschplänen gegen Arno Kompatscher.

Zurücktreten müssten Landesrat Thomas Widmann, einer der Hauptakteure der Putschisten-Pläne, Bezirksobmann und Ex-SAD-Präsident Christoph Perathoner, SVP-Vize Karl Zeller – er wird für die Weitergabe der Audio-Dateien verantwortlich gemacht – und Gert Lanz als Vorsitzender der SVP-Fraktion, weil er sich konsequent vor den madig gemachten Landeshauptmann stellte. Das Buch des Autoren-Duos Christoph Franceschini und Artur Oberhofer über die Freunde im Edelweiß sorgt in der Regierungspartei also für ein ordentliches Beben.

Eine Partei demontiert sich selbst. Die Partei der Autonomie, die mit ihrem Paket die Selbstverwaltung auf den Weg brachte, steht vor einem Abgrund. Die Folge exzessiver Interessenspolitik unter dem Deckmantel der SVP.
Wie wird es wohl den Ehrenamtlichen in der SVP gehen? Vor Jahren waren es noch sehr viele, die die Volkspartei trugen. Wie viele Ehrenamtliche werden in das Buch des Autoren-Duos Franceschini und Oberhofer Freunde im Edelweiß hineingelesen, die Audio-Dateien angehört haben? Ein Buch über einige Oligarchen, die nicht dem Land dienen. Oligarchen, deren Politik meilenweit vom Volk entfernt ist. Tragen die Ehrenamtlichen diese Politik noch mit?

In den Hoch-Zeiten der Südtiroler Volkspartei warben viele Frauen und Männer unter ihren Nachbarn für die Parteimitgliedschaft. Diese Frauen und Männer waren das Rückgrat einer Partei, die selbstbewusst das »Volk« im Parteinamen führt. Damals zählte die SVP mehr als 80.000 Mitglieder. Heutzutage sollen es nur mehr 20.000 sein. Man kann wohl vermuten, Tendenz fallend.

Verwunderlich ist es nicht. In den letzten Jahren der Amtszeit von Landeshauptmann Durnwalder platzte der Sel-Skandal, der manipulierte Wettbewerb um die Stromkonzessionen. Zum Platzen brachte diesen Skandal Christoph Franceschini, damals noch Redakteur der Neuen Südtiroler Tageszeitung.

Der inzwischen abgewickelte Sel-Skandal mündete in den SAD-Skandal, der die Strom-Wettbewerbsmanipulationen von damals in den Schatten stellt. Politikwissenschaftler Günther Pallaver vergleicht den Kampf um die SAD, um die Konzessionen im öffentlichen Nahverkehr, und das damit verbundene Machtspiel mit dem Tangentopoli-Sumpf anfangs der 1990er Jahre. An der staatsweiten Korruption riesigen Ausmaßes zerbrach die mächtige Democrazia Cristiana. Ist das auch das Schicksal der SVP?

Das Buch und die Audiodateien belegen das Agieren mächtiger Interessensgruppen, die daran arbeiteten, den mit den meisten Vorzugsstimmen aus den Landtagswahlen 2018 hervorgegangenen SVP-Listenführer Arno Kompatscher als Landeshauptmann auszubremsen, zu verhindern. Der Versuch eines Putsches, gesteuert in der SVP-Fraktion von Thomas Widmann in Zusammenspiel mit dem ehemaligen Pfalzner SVP-Obmann und Unternehmer Ingomar Gatterer. Und der Alt-Landeshauptmann Durnwalder als Regisseur?

Beeindruckend, wie miesmachend Thomas Widmann über Arno Kompatscher im Telefongespräch mit Gatterer lästert. Auch die Mitschnitte weiterer Gespräche, Durnwalder über Widmann und Achammer beispielsweise, runden das Bild ab, ein erschreckendes Bild.

Der Oligarch Gatterer, seine Bewertungen einiger SVP-Politiker und seine Allmachtsallüren stehen offensichtlich für das moderne Südtirol. Ein Land zum Ausnehmen. Man bedient sich der Partei, um unter dem Edelweiß die eigenen Interessen knallhart durchzudrücken. Die Autonomie-Oligarchen missbrauchen das Land wie eine Goldgrube, es wird ausgepresst wie eine Zitrone.

»Man« fühlt sich der rechtsradikalen Lega näher als der eigenen Partei, nachzuhören in den Audiodateien. Nach seinem Wahlsieg 2018 wurde Kompatscher regelrecht in eine Koalition mit der Lega gezwungen. Der Partner der Lega sind die neofaschistischen Fratelli d’Italia.

Für die Koalition aus SVP und Lega gab es dann auch eine Belohnung, Athesia-Direktor Michl Ebner – zweifelsohne der mächtigste Oligarch – wurde während der Regierungszeit der Koalitionäre Cinque Stelle-Lega von der Lega als Staatsvertreter in die Autonomiekommission berufen.

Während Kompatscher als Landeshauptmann die Eneuerung wagte, verpasste diese seine Partei, findet ff-Vize-Chefredakteur Georg Mair. Oder sie wurde gar nicht angestrebt oder aber verhindert, könnte man hinzufügen. Landeshauptmann und Partei haben sich auseinandergelebt. Auch die Basis, die Ehrenamtlichen?

Arnold Tribus, Herausgeber der Neuen Südtiroler Tageszeitung, wünscht sich eine Revolte der Anständigen. Er findet es ungerecht, die ganze SVP als Saustall darzustellen. Tribus verweist auf Bürgermeisterinnen, Gemeinderätinnen, Referentinnen, Mitglieder von Körperschaften, »die sauber sind, anständig, redlich, unbescholten, ehrlich und ehrenhaft, sittlich und verantwortungsbewusst.« Kurzum Leute, »die ihre Pflicht tun und niemals in ihre eigene Tasche wirtschaften, sondern das Wohl des Gemeinwesens im Auge haben.« Tribus findet es unerhört, »wenn nun Generationen von kleinen Politikern verdächtigt werden können, unlautere Geschäfte und Machtspiele zu machen.«

Die Entscheidung der Partei, vier Exponenten der involvierten Lager im SAD-Skandal zum freiwilligen Abgang zu bewegen, ist halbherzig. Diese Entscheidung wird der Partei von Silvius Magnago nicht gerecht. Im Foyer des SVP-Sitzes werden BesucherInnen von einem »hölzernen« Magnago und seinem

Du sollst deiner Parteien dienen und nicht dich ihrer bedienen.

empfangen.

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Darf’s auch ein bisserl mehr sein?

Es steht außer Frage, dass Energie ihren Preis haben darf. Im Sinne ökologischer Verantwortung ist ein bewusster und sparsamer Umgang mit Strom und dessen umweltschonende Erzeugung nicht nur erstrebenswert, sondern unumgänglich.

Dennoch wirft ein neuerlicher Nord-Südtirol-Vergleich ein paar Fragen auf, auf die es wohl kaum einleuchtende Antworten gibt. Sowohl im Bundesland Tirol als auch in Südtirol gibt es eine Art “Landesenergiegesellschaft”, die sich zu 100 Prozent in öffentlicher Hand befindet. Im Norden ist dies die TIWAG (Tiroler Wasserkraft AG), deren Anteile sich zu 100 Prozent im Besitz des Landes Tirol befinden. In Südtirol gibt es seit 2016 Alperia – ein Zusammenschluss aus der Südtiroler Energiegesellschaft SEL und der Etschwerke AG – mit ihren Eigentümern Land Südtirol, SELFIN, Gemeinde Bozen und Gemeinde Meran. Sowohl Alperia als auch die TIWAG setzen aufgrund der landschaftlichen Gegebenheiten auf die Wasserkraft. Organisationsstruktur und Produktionsbedingungen sind also durchaus vergleichbar.

Ein Preisvergleich der beiden öffentlichen Energieversorger fördert allerdings Erstaunliches zutage.

Der Standardanschluss der TIWAG für Haushalte in Wohnungen oder Einfamilienhäusern ist mit 6 kW abgesichert. In Südtirol sind lediglich 3 kW, also genau die Hälfte, Standard. Wer mehr Netzleistung möchte (mit 3 kW kommt ein gewöhnlicher Haushalt nicht aus, ohne dass regelmäßig die Sicherung fliegt), muss auch mehr bezahlen. Viel mehr. Die Preise für einen 6 kW Anschluss sind bei Alperia ziemlich genau doppelt so hoch wie rund 60 Prozent höher als bei der TIWAG. Eine durchschnittliche vierköpfige Familie mit einem Verbrauch von 2700 kWh jährlich zahlt in Südtirol fast 800 Euro. In Nordtirol stehen für dieselbe Leistung nur knapp über 400 500 Euro auf der Stromrechnung.

Das Argument, dass die niedrige Anschlussleistung und die hohen Preise Stromsparen helfen würden, zieht in diesen Dimensionen noch nicht wirklich. Eine vierköpfige Familie mit einer zeitgemäßen Ausstattung an modernen, energiesparenden Elektrogeräten (Waschmaschine, Wäschetrockner, Computer, Fernseher, Elektroherd, Backrohr, Kühlschrank, Gefrierschrank) wird auch bei einem sehr sparsamen Umgang nicht wesentlich weniger als 2700 kWh im Jahr verbrauchen.

Warum also Alperia seinem Eigentümer (die Südtiroler Bevölkerung) so viel mehr abknöpft und die Vorteile öffentlicher, landeseigener Energiegewinnung nicht einmal annähernd in dem Ausmaß weitergibt, wie es die TIWAG tut, ist unverständlich.

Wir geben die Energie, die Südtirol uns schenkt, weiter an die Menschen. Um Energie zu spenden und damit aktiv eine energiereiche Zukunft zu gestalten. Im Einklang mit unserer kraftvollen Natur, der Quelle unserer Energie.

Quelle: alperia.eu

Seit ihrer Gründung im Jahr 1924 ist die TIWAG untrennbar mit erneuerbarer, sauberer und CO2-freier Stromgewinnung aus heimischer Wasserkraft verbunden. Damit auch künftige Generationen einen hohen Lebensstandard in einer lebenswerten Umwelt mit ausreichender Beschäftigung und wirtschaftlicher Weiterentwicklung vorfinden, sehen wir es als unsere zentrale Aufgabe, Tirol sicher und kostengünstig mit Energie zu versorgen.

Quelle: tiwag.at

Bitte nicht falsch verstehen. Die TIWAG ist mindestens ebenso skandalträchtig wie die Vorgängerorganisationen der Alperia (Stichwort SEL-Skandal). Die dubiosen TIWAG-Geschäfte mit Cross-Border-Leasing durch US-Konzerne haben nicht nur den prominentesten TIWAG-Kritiker und Aufdecker Markus Wilhelm auf die Palme gebracht. Aber zumindest das Preis-Leistungsverhältnis mutet bei der TIWAG im Gegensatz zum Südtiroler Energieriesen einigermaßen fair an. Und dass ein Standardanschluss von 3 kW in einem Industrieland heutzutage ein absoluter Witz ist, muss nun wirklich nicht neuerlich dargelegt werden.

Nachtrag:
Es ist mir überaus peinlich, aber in der originalen Ausgabe dieses Artikels ist mir ein Fehler passiert. Der Alperia-Tarifrechner rechnet brutto. Bei den TIWAG-Preisen habe ich allerdings die Nettowerte angenommen. Die TIWAG-Beträge sind also 20 Prozent höher. An der Grundaussage ändert das allerdings wenig. Die Preise liegen hierzulande durchschnittlich immer noch 60 Prozent über jenen im TIWAG-Land. Ich habe die Grafik entsprechend aktualisiert und bitte um Entschuldigung.

Siehe auch ‹1 ‹2

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Korruption in Europa laut Transparency International.
Corruption Perceptions Index 2015

Am Mittwoch hat Transparency International seinen neuen Korruptionsindex für das Jahr 2015 veröffentlicht. Was unseren Kontinent betrifft, erweisen sich die nordischen Länder als absolute Spitzenreiter. Sowohl die drei besten, als auch insgesamt sieben der ersten zehn Staaten zählen weniger als 10 Millionen Einwohner. Luxemburg (rd. eine halbe Million Einwohnerinnen) und Island (rd. 300.000 Einwohnerinnen), souveräne Länder in der Größenordnung Südtirols, schaffen es in die europäischen Top 10.

Italien hat halb soviele Punkte wie Dänemark

Am schlechtesten schneiden Länder des Balkans (Albanien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Bulgarien, Montenegro, Rumänien, Griechenland) sowie Italien ab. Der Staat, in den Südtirols Autonomie gebettet ist, konnte sich im Vergleich zur letzten Erhebung um einen Punkt auf insgesamt 44 verbessern, liegt jedoch inzwischen EU-weit an vorletzter Stelle vor Bulgarien. Selbst Rumänien und Griechenland schneiden besser ab.

Der Korruptionsindex hat vielfach Eingang in die akademische Forschung gefunden. Die negativen Auswirkungen der Korruption sind damit folgendermaßen belegt: Ausländische Direktinvestitionen gehen zurück, die Qualität des kulturellen Angebots, des Bildungs- und Gesundheitssystems sinkt, die Produktivität sinkt, Umweltverschmutzung steigt, Militärausgaben steigen, Schattenwirtschaft und Inflation steigen, Einkommen und Vermögen sind ungleicher verteilt und das subjektive Glücksempfinden von Privatpersonen sinkt.

Wikipedia

Vielleicht wäre es gut, im Rahmen des Südtirolkonvents auch die Themen Transparenz und Korruptionsbekämpfung anzudiskutieren. Zwar dürfte feststehen, dass unser Land weit vom reststaatlichen Sumpf entfernt ist, die mangelhaften Instrumente zur Vorbeugung und Ahndung von Korruption unterscheiden sich hierzulande jedoch kaum von jenen auf dem übrigen Staatsgebiet. Skandale wie jener um die Landesenergiegesellschaft sollten uns in Alarmbereitschaft versetzen.

Siehe auch ‹1 ‹2 ‹3 | 1›

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Der große Coup.

Was haben wir uns auf in jüngster Vergangenheit die Finger wund geschrieben: Die Entwicklung unserer Autonomie sei in Gefahr. Die Mehrheitspartei sei visionslos und habe ihr Konzept der “Vollautonomie” schon längst ad acta gelegt. Der Landeshauptmann setze mit dem Finanzabkommen die Zukunft Südtirols aufs Spiel und verschenke Milliarden. Rom interessiere es einen Dreck, was mit der Südtirolautonomie im Zuge der Verfassungsreform passiert. Wir kennen sie alle. Die schweren Vorwürfe, die sich die SVP und ihr Koalitionspartner auf Landes- und Staatsebene – auch von unserer Seite – haben gefallen lassen müssen.

Und jetzt das. Wie aus dem Nichts kam unlängst die Meldung, die uns alle Lügen straft. Ministerpräsident Matteo Renzi wird im Februar ein paar Tage in Südtirol Skiurlaub machen. Und das, obwohl er erst am 5. Juli dieses Jahres auf Schloss Prösels war. Die Sonntagszeitung Zett durfte die Katze aus dem Sack lassen. An vorderster Front wie immer auch Senator Karl Zeller, der als einer der Initiatoren dieses bemerkenswerten Coups gilt – wie salto.bz aus der Zett und dem A. Adige erfahren hat:

Wo genau der Premier mit Landeshauptmann und SVP-Obamm (sic!) zusammen treffen (sic!) wird, das steht noch nicht fest – “entweder in Bozen oder am Urlaubsort des Premiers”, vermutet Zeller, und versichert im selben Atemzug, wie wohlwollend Renzi Südtirol gesonnen sei: “Con Renzi c’è un feeling notevole, che si è rafforzato in queste settimane. Ha dimostrato di essere di parola e noi, il Gruppo per le autonomie, a nostra volta ci presentiamo come un gruppo affidabile. Da qui il feeling con il premier.”

Gemunkelt wird auch, dass Renzi bei dieser Gelegenheit offiziell der Titel “großer Freund Südtirols” verliehen wird. Dieser höchste der Südtiroler Verdienstorden ist mit 3,2 Milliarden Euro dotiert. Ob Renzi die Ehrung persönlich entgegennehmen wird ist noch unklar. Er hat nämlich genau für den Zeitpunkt der geplanten Feierlichkeiten im Palais Widmann einen Tischtennistisch für ein Spiel mit seinen Bodyguards reserviert. “Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen”, beruhigt Senator und Feuerwehrmann Zeller. Sieben Gutachter des Landes seien derzeit beauftragt, die Möglichkeiten auszuloten, wie man den Tischtennistisch im Foyer des Palais aufstellen könnte. In einer Satzpause würde Renzi der Titel dann verliehen werden. Fest steht bereits, dass für die Verlegung des Tischtennistisches Umbauarbeiten am denkmalgeschützen Gebäude in der Höhe von rund 480.000 Euro nötig sind. Auch muss die Lüftung des Hauses aufgrund des zu erwartenden Schweißgeruches komplett ausgetauscht und durch ein leistungsstärkeres Modell ersetzt werden. “Das ist gut investiertes Geld. Das einzige Problem ist, ob wir die Ausschreibungen so kurzfristig noch hinbekommen. Es sollte ja auch rechtlich alles in Ordnung sein. Seit der SEL-Affäre sind wir gebrannte Kinder”, erklärt Landeshauptmann Arno Kompatscher, der sich auf diesen Abend schon wie ein Kindergartenkind auf das Christkind freut.

Sollte das mit der Ehrung tatsächlich glatt verlaufen, kann nicht ausgeschlossen werden, dass Renzi seine Skier sogar bei einem Skiverleih vor Ort mietet. “Dies wäre natürlich ein enormer Aufschwung für die vom schneearmen Winter arg gebeutelte Tourismusbranche. Die Saison wäre gerettet”, jubelt der auch für den Tourismus zuständige Landeshauptmann. Den Einwand der Opposition, dass die Gratislifttickets für Renzis Hofstab ein vielfaches der Leihgebühr ausmachten, lässt Kompatscher nicht gelten: “Werden wir jetzt bitte nicht kleinlich!”

Nachtrag:
Alessandro Urzì hat bezüglich des Skiverleihs eine Anfrage an das Landtagspräsidium gestellt. Sollte Renzi nämlich Skier der Marke “Fischer” leihen, müsse das Land unbedingt Sorge tragen, dass die Sportgeräte auch die Aufschrift “pescatore” trügen. “Wir leben schließlich in einem zweisprachigen Land”.

Willkommen in der Provinz.

Difficile est saturam non scribere.

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SEL: Autonomie gefährdet?

Florian Kronbichler, der erst neulich zu mehr »Autonomiepatriotismus« aufgerufen hatte, stellt heute in seiner täglichen TAZ-Kolumne »das Letzte« genüsslich die Frage, ob man denn das Ende der Autonomie einst auf Monti oder auf den SEL-Skandal datieren werde.

Derartiges ist letzthin häufig zu vernehmen, etwa von Verfassungsexperten, die uns weismachen wollen, wir müssten uns die Autonomie »verdienen« (davon steht weder im Pariser Vertrag noch im Autonomiestatut etwas, Verdienst ist ohnehin nicht messbar), oder von Oppositionellen — den Freiheitlichen zumal — die ebenfalls glauben, die SVP setze mit dem SEL-Skandal die Autonomie auf’s Spiel.

Es sei dahingestellt, ob ein großer Skandal in 60 Jahren Alleinregierung einer einzigen Partei wenig oder viel ist — nach meinem Dafürhalten in jedem Fall einer zuviel. Seine Aufklärung offenbart immerhin, wie Teile der SVP mit dem öffentlichen Gut umgegangen sind, nämlich einerseits durchaus im allgemeinen Interesse, andererseits jedoch so, als gehörte es ihnen und als seien sie niemandem Rechenschaft schuldig.

Doch genau wie die Tausende Skandale und Korruptionsfälle, die in ihrer schädigenden Wirkung weit über den SEL-Skandal hinausgehen, nicht die Souveränität Italiens anfechten, der Skandal um die Bayrische Landesbank nicht die Existenz des Freistaats und die Hypo Alpe Adria nicht jene des Bundeslandes Kärnten in Frage stellen, sondern nur die Unbescholtenheit der jeweiligen Täterinnen, so rechtfertigt auch der SEL-Skandal weder die Auflösung noch die Einschränkung der Südtirol-Autonomie. Das eine hat mit dem anderen schlicht nichts zu tun.

Die Aufdeckung der Missstände im Energiesektor ist auch nicht, wie Kronbichler hämisch nahelegt, der Sieg des »blöden walschen Rechtsstaats« über die Autonomie, sondern die Bewährung eines wichtigen und notwendigen allgemeinen Grundsatzes: jenes der Gewaltenteilung.

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LR Laimer zurückgetreten.

Gegen Umweltlandesrat Michl Laimer (SVP) wird Anklage erhoben, das hat die Staatswanwaltschaft beschlossen. Aus diesem Grund ist das Regierungsmitglied heute von seinem Amt zurückgetreten. Der Schritt bedeute kein Schuldbekenntnis, sondern diene dem Schutz seiner Person, seiner Familie und des Amtes. Während juristisch die Unschuldsvermutung gilt, war der Rücktritt aus politischer Sicht längst überfällig. Nicht zuletzt hatte Laimer im Landtag mehrmals gelogen, als er nach seiner Rolle in der Causa SEL befragt wurde. Bislang wirft ihm auch die Staatsanwaltschaft nicht vor, sich einen persönlichen Vorteil verschafft zu haben. Stattdessen hat er die landeseigene Energiegesellschaft womöglich gegenüber Mitbewerbern bevorzugt, speziell bei der Konzessionsvergabe für das Kraftwerk St. Anton bei Bozen.

Siehe auch ‹1 ‹2 ‹3 ‹4

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