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Analyse zweier Koryphäen.

Zwei Koryphäen der Südtiroler Schreibergilde beschäftigten sich vergangene Woche mit dem Phänomen “System Südtirol” – sofern es ein solches überhaupt gibt und was auch immer man darunter versteht. Ulrich Ladurner, seines Zeichens Zeit-Redakteur, beobachtet innerhalb eines ausführlichen Berichts zum “Land der Zukunft” in der ff die “Südtiroler Normalisierung”. Hans Karl Peterlini wiederum verortet in der tt das “Paradies im Sündenfall”.

Abgesehen vom etwas pathetisch-apokalyptischen Einstieg

Das Land, wo Milch und Lire flossen und das Edelweiß üppig spross, erlebt einen regionalen Weltuntergang: Nachrichten von der Implosion des Erfolgsmodells Südtirol.

besticht Peterlinis Analyse neben der sprachlichen Brillanz durch schlüssig-ausgewogene Argumentation. Fein säuberlich entwirrt er das Netz aus Günstlingswirtschaft, Alleinvertretungsanspruch und daraus resultierender Selbstgefälligkeit. Das Resultat ist eine Elite, die quasi institutionell und systematisch gegen demokratische Grundprinzipien – allen voran die Gewaltenteilung – verstößt. Die Kontrollierten kontrollieren sich selbst. Die “vierte Gewalt” sitzt mit im Boot. Kritikfähigkeit ist ein Fremdwort. Die Politik ist zudem eng mit der verbeamteten Verwaltung verwoben bzw. spielt diese gleich selbst.

Den Versuch einer Antwort auf die Frage, wie es zu dieser Machtkonzentration kommen konnte, startet Peterlini erst gar nicht. Er verzichtet daher auch explizit darauf, die Missstände zu einem Alleinstellungs- und Wesensmerkmal Südtirols bzw. der Südtiroler zu machen. Er trennt individuelle Verantwortung von kollektivem gesellschaftlichen Versagen. Das sei ihm hoch angerechnet.

Es soll also Ladurners Aufgabe sein, im Verein mit der ff-Redaktion den skurrilen “Autorassismus” unverhohlen zu pflegen. Obschon im Titel von “Normalisierung” die Rede ist, verläuft die Schlussfolgerung entlang jener Bahnen, die man in Südtirol anscheinend immer dann befährt, wenn man argumentativ nicht mehr weiter weiß, die dem Autor in bestimmten Kreisen aber kurioserweise gleichzeitig ein gerüttelt Maß an “Weltoffenheit”, “Toleranz” und “Überlegen- bzw. Überlegtheit” bescheren. Die Widersprüche der eigenen Rede werden geflissentlich ignoriert – oder schlimmer noch – gar nicht erst erkannt.

Wenn Ladurner schreibt

Die Südtiroler erschaffen in der Abgrenzung ihre Identität. Erst der Feind gibt ihnen die Möglichkeit, zu wissen, wer sie sind. Er ist der Spiegel, in dem sie sich erkennen. Ohne ihn wären sie orientierungslos und verloren.

dann trifft das wohl auch auf ihn selbst zu, wo er sich doch am Feindbild “Hinterwäldlerischer Südtiroler” seit längerer Zeit gütlich tut (vergl. “ironischer” Kommentar zum Bärenunfall). Obschon es richtig ist, dass sich die Autonomie – durch die Zugehörigkeit Südtirols zu einem Nationalstaat bedingt, wohlgemerkt – über das “Anderssein” legitimiert bzw. legitimieren muss. Gleichzeitig verkennt Ladurner aber, dass “Weltoffenheit” weltweit wohl eher die Ausnahme denn die Regel ist und Attribute wie Toleranz und Offenheit bzw. Engstirnigkeit und Chauvinismus sich nicht an Landesgrenzen halten oder gar festmachen lassen, sondern jede Gesellschaft wie das Nahtl einen Rindsbraten durchziehen. Um jedoch die generelle Zurückgeblieben- und Verdorbenheit der Südtiroler zu untermauern, schreckt man vor keiner noch so grotesken Pauschalisierung zurück. Anders gesagt: Man erhebt das Defizit zum Wesens- und Alleinstellungsmerkmal und würzt das Ganze mit Übertreibung.

Denn die Südtiroler erleben jetzt, was geschieht, wenn sie wirklich unter sich sind: Sie versinken im Sumpf der Korruption. […] Die SVP hat dieses Land bis aufs Mark verdorben. Das ist ihre historische Schuld. […] Die Südtiroler sind die größten Feinde der Südtiroler, weil sie es verlernt haben, sich auf angemessene Weise mit der Welt zu verbinden. Sie verstehen sich nicht als Bürger dieser Welt, sondern als räuberische Piraten.

Angesichts dieser Horrorfigur von Gesellschaft muss doch der von der ff unter anderem als Zukunftslösung vorgeschlagene Ausbau der Bürgerbeteiligung – die direkte Demokratie – eine Schreckensvision sein.

Die Bildunterschrift zu einer Aufnahme aus dem muslimischen Gebetsraum in der Bozner Schlachthofstraße liest sich passend dazu folgendermaßen:

Was für ein Bild haben wir von Einwanderern? Anderswo fragt man die Menschen: Wer bist du, woher kommst du, was bringst du Neues mit, wir leben in Angst vor dem Fremden.

Wiederum wird Xenophobie als Alleinstellungs- und Wesensmerkmal Südtirols suggeriert. Freilich gibt es Xenophobie in diesem Land, die aufs Vehementeste bekämpft gehört. Derartige Pauschalverurteilungen sind jedoch so falsch wie kontraproduktiv und im Kern paradoxerweise rassistisch. Der Vergleich mit Kanada – darauf spielt das “anderswo” an – hinkt auch gehörig. Eine umfassende Analyse der Einwanderungssituation würde den Rahmen sprengen – nur so viel:

Es stimmt, dass Kanada die höchste Einwanderungsrate aller Länder hat. Es hat aber auch eine der niedrigsten Bevölkerungsdichten. Die Regeln zur Einwanderung sind zudem sehr selektiv. Willkommen ist, wer gebraucht wird. Abgesehen von Familienzusammenführungen und Asylwerbern müssen Einwanderer vor der Einreise genügend Geldreserven (ca. € 9.000) nachweisen können und entweder bereits über einen fixen Arbeitgeber in Kanada verfügen oder einer von 29 dringend gebrauchten Berufsgruppen angehören. Die geographische Lage bewirkt überdies, dass es keine leicht befahrbaren Zuwanderungswege gibt. Kanada grenzt bekanntlich nur an ein Land, welches ebenso eine selektive Einwanderungspolitik betreibt. Die tragischen Vorfälle im Mittelmeer zeigen, dass selbst die vergleichsweise kurze Überfahrt von Afrika nach Europa ein lebensgefährliches Unterfangen ist. Der Atlantik und Pazifik sind für “Glücksritter” unüberwindbare Barrieren.

Jedenfalls scheinen manche Kommentatoren Angesichts der Turbulenzen den Durchblick zu verlieren. Reaktionen auf den SEL-Skandal tendieren zur Überproportionierung von Relevanz wie wir sie sonst bislang nur von SVP-Vertretern kannten, wenn es um neue “Errungenschaften” ging. Schlussfolgerungen und Lösungsvorschläge folgen hingegen alt-eingefahrenen Denkmustern und bedienen sich billiger Allgemeinplätze.

Vorausgeschickt, dass mir persönlich die Vision einer Energieversorgung in öffentlicher Hand durchaus erstrebenswert erscheint (Stichwort Kalifornien), so ist die Vorgehensweise bei der Konzessionsvergabe dennoch durch nichts zu rechtfertigen und die involvierten Personen gehören strafrechtlich verfolgt. Die Conclusio, dass ein veritabler Skandal in so vielen Jahren “Alleinherrschaft” (so weit, zu behaupten, dass der LH in seiner Allmacht auch noch die italienische Justiz kontrolliert, ging nicht einmal die ff) ein ganzes Land bis aufs Mark verdorben habe, ist mir dann doch ein wenig zu keck.

Noch kecker finde ich aber, dass bei den 25 Zukunftslösungen für unser Land die Selbstbestimmung komplett ausgespart wurde. Da echauffiert man sich seitenweise über das “System Südtirol”, will aber gleichzeitig nicht wahrhaben, dass einer der Hauptgründe, warum eine derartige demokratiepolitische Anomalie gedeihen konnte, die Zugehörigkeit zu Italien ist. Ursachenforschung statt Symptombekämpfung hieße das Gebot der Stunde. Das heißt selbstverständlich nicht, dass Italien Schuld am SEL-Skandal hat. Es ist vielmehr in seinem Selbstverständnis als Nationalstaat – wie im übrigen alle anderen Nationalstaaten auch – der ideale Nährboden für – im übertragenen Sinne – “geschlossene Gesellschaften” in Minderheitengebieten.

Siehe auch:
Medien Politik Transparenz | Zitać | Hans Karl Peterlini Ulrich Ladurner | ff TT | Südtirol/o | | Deutsch

31 replies on “Analyse zweier Koryphäen.”

Großes Kompliment!
Harald spricht unter anderem genau einen Punkt an, der mich in vielen Diskussionen maßlos stört. Vielfach wird von selbsternannten Intellektuellen das Argument gebracht, wir hier sind tiefste Provinz, wir wären nicht fähig mit der „Welt“ zu kommunizieren und sind zu sehr nur auf uns fixiert. Gerade Südtirol verfügt im Vergleich zu vielen Nachbarregionen aufgrund der Mehrsprachigkeit über einen regen Austausch mit den Nachbarn, nicht umsonst ist für viele deutsche und italienische Firmen Südtirol der ideale Brückenkopf für die Ausweitung der Unternehmertätigkeit in Italien. Für mich ist Provinz überall, selbst in London kann das Leben in einer „Provinz“ ablaufen, indem man sich nur im demselben Stadteil aufhält bzw. die Wege zu lang werden um täglich mit der „Welt“ zu kommunizieren.
Dass hier alles viel schlechter sei als anderswo kann wohl kaum mit Tatsachen untermauert werden. Erst kürzlich habe ich mich mit einem Gemeinderat aus Nordtirol unterhalten, auch dort dieselben Machtspielchen und Küngeleien wie bei uns und anderswo. Dass wir in Südtirol zur Zeit einen veritablen Skandal erleben, ist für mich normal, gab es immer schon und wird es auch immer geben. Wichtig ist, dass mit schonungsloser Offenheit alles aufgearbeitet wird und sich politische Konsequenzen ergeben.

Ich finde Haralds Artikel auch mal wieder exzellent. Er bringt den »autorassistischen« Reflex genau auf den Punkt!

Dass wir in Südtirol zur Zeit einen veritablen Skandal erleben, ist für mich normal, gab es immer schon und wird es auch immer geben. Wichtig ist, dass mit schonungsloser Offenheit alles aufgearbeitet wird und sich politische Konsequenzen ergeben.

Genau! Und das möchte ich auch mit der Gegenüberstellung zwischen Anderssein und Bessersein in Verbindung bringen, die ebenfalls Harald (in seinem offenen Brief an Matthias Abram) gemacht hat. Es ist ein Missverständnis, dass wir besser sein müssten, als andere, um unsere Autonomie zu rechtfertigen oder um einen neuen politisch-institutionellen Status für Südtirol anzustreben. [1] [2]

A me pare che l’articolo di Harald non colga affatto nel segno. Basti pensare alla conclusione: prima cerca di „smontare“ la veemenza della critica fatta da Ladurner al „sistema“ sudtirolese, poi però è costretto ad accettarla offrendo come spiegazione la solita litania della costrizione „esterna“ (questo mi ricorda il refrain dei democristiani, quando dicevano che la corruzione del „sistema“ dipendeva dal fatto che la sovranità  nazionale, limitata dalla situozione geopolitica, dalla guerra fredda insomma, non poteva consentire che si attuasse un governo pienamente democratico. Abbiamo visto tutti cosa è accaduto „dopo“ la caduta del muro di Berlino). Insomma, dall’esistenza di un „sistema“ perverso (cosa accettata obtorto collo anche da Harald) non segue affatto la conclusione che i sudtirolesi, lasciati a se stessi, potrebbero fare meglio.

Harald widerspreche mir, aber ich glaube nicht, dass er die Geschlossenheit (die ich auch nicht mit »Verschlossenheit« verwechseln würde) als Begründung oder gar Rechtfertigung für den SEL-Skandal sieht. Ich jedenfalls sehe da keinen Zusammenhang.

Wow, meno male che c’è gente come illuminata come Ladurner che ci spiega come siamo cattivi. Gadilu poi ci mette del suo, aggiungendo che da soli forse faremo anche peggio di così.
Ovviamente se si restringe l’analisi al Sudtirolo ciò è nè verificabile nè falsificabile, visto che non siam da soli. Io però mi sto rompendo con questo genere di discussione che spacciano dati di fatto non verificabili o addirittura impressioni personali per argomentazioni.

Insomma, dall’esistenza di un ”sistema” perverso (cosa accettata obtorto collo anche da Harald) non segue affatto la conclusione che i sudtirolesi, lasciati a se stessi, potrebbero fare meglio.

No, non ne consegue affatto. Vediamo allora cosa ne consegue: il primo passo è accertare se i sudtirolesi sono per natura membri di un’umanità  più meschina ed incapace di governarsi di altri gruppi umani, oppure se i loro limiti e vizi sono rintracciabili anche negli uomini che vivono al di fuori del Sudtirolo, come fa Harald per analogia. Lungi dal ritenermi soddisfatto dalle prove da lui raccolte, la logica ci pone di fronte a 3 differenti soluzioni:

1 – Nel caso fossimo degli esseri umani inferiormente dotati, sarebbe certamente utile e desiderabile per noi farci governare da esseri umani migliori. Ma, caro Gadilu, questo nostro essere incapaci di governare in modo giusto, sicuramente dovrebbe dipendere da una nostra mancanza di giudizio del buono e del cattivo (a meno che tu non creda che i sudtirolesi siano disposti a farsi del male apposta e sapendo di farselo). Quindi: come potremo scegliere, essendo incapaci di distinguere il bene dal male, un governatore buono? Questo ne consegue, e spero sarai d’accordo con me. Ma puoi anche spiegarci che con un colpo di fortuna potremmo ritrovarci governati da uno bravo, nostro malgrado.

2 – Nel caso fossimo uomini come tutti gli altri, non ci sarebbe nessun vantaggio a farci governare da qualcun’altro. Perchè i suoi vizi ed i suoi difetti equivarrebbero ai nostri, essendo uomo come noi. Questo ne consegue.

3 – Nel caso fossimo uomini superiori agli altri ci converrebbe governarci da soli. Questa ipotesi l’ho scritta solo perchè so che molti (forse anche Gadilu) leggendola si pisceranno addosso delle risate, avendo ben fissa in mente l’immagine di sudtirolese ignorante, retrogrado e razzista, a loro tanto cara.
Cionondimeno questo ne consegue.

Quando la gente dice cosa NON consegue, dovrebbe anche dire cosa ne consegue: e cioè che in nessun caso (se non si accetta la possibilità  fortuita di trovare qualcuno meglio di noi come elemento determinante nella scelta di un governante) i sudtirolesi avrebbero vantaggio ad essere governati da altri.
Bon, divertitevici!

Io non ho detto che da soli si farebbe peggio. Ho detto che a) finora abbiamo fatto benino ma con parecchi difetti (i difetti ci saranno sempre, magari anche se non gli stessi difetti, in quanto la realtà  è per statuto difettosa e solo le „idee“ uno se le può immaginare perfette) e b) non dipende dalla questione dell’indipendenza se saremo in grado di fare meglio (il che vuol dire: potremmo fare meglio anche così). Invece l’argomentazione di Harald (e di BBD in generale, e anche la mia un paio di anni fa) era che SOLO puntando all’indipendenza saremmo in grado di fare meglio. Una posizione ideologica e non verificabile a priori (quindi non spacciabile per argomento pro-indipendenza). Mi sembra una posizione abbastanza chiara, caro Fabio, no?

L’argomentazione di BBD non è che SOLO puntando all’indipendenza potremmo fare meglio (alcune cose potremmo senz’altro farle meglio anche ora), ma che l’indipendenza ci permetterebbe di fare un salto di qualità  importante che nella situazione attuale di minoranza all’interno di uno stato nazionale è molto difficile fare.

Per evitare fraintendimenti aggiungo anche che non abbiamo mai detto che faremmo meglio perché siamo migliori o superiori (mentre la SVP spesso ha fatto leva su questo argomento per giustificare la richiesta di nuove competenze), ma solamente perché una cornice istituzionale diversa ci permetterebbe di creare un modello statuale più adeguato alla nostra realtà  che non uno stato nazionale. So che è un’idea che non condividi (più)…

Invece tu hai detto e scritto spesso che una delle ragioni per cui non credi più in questa opzione è lo scarso «spessore del materiale umano» [vedi] col quale abbiamo a che fare, condividendo dunque l’opinione, molto diffusa in ambienti «alternativi», sull’inferiorità  dei sudtirolesi, opinione che Harald giustamente definisce «autorazzista».

@ succus
absolut richtig. ich habe beispielsweise ein jahr lang in birmingham (UK) und ein paar wochen in adelaide (AUS) gelebt. ersteres eine stadt mit einem einzugsgebiet von 3 millionen menschen. in unserer globalisierten welt ist das ”provinzielle” in der tat nicht mehr räumlich gebunden. es gibt menschen in millionenstädten wie birmingham, die sind inbegriff für die lebensweise, die wir hier als ”provinziell” bezeichnen, während es wiederum ländliche gebiete gibt, in denen leute absolut am puls der zeit sind. die trennlinien verlaufen immer quer durch alle gesellschaften. das konnte ich auch auf meinen vielen reisen rund um den globus immer wieder feststellen. ich finde dieses automatische räumliche kategorisieren im übrigen auch sehr ”provinziell”.

für mich war es bezüglich skandal auch keine frage ob sondern wann. es ist eh fast erstaunlich, dass es so lange gedauert hat. wobei es kein ”gen” gibt, welches menschen solche dinge tun lässt sondern nur bedingungen, die derartiges verhalten begünstigen. die machtkonzentration und die geringe distanz zwischen den akteuren ist ein grund dafür. der grund für die machtkonzentration wiederum liegt größtenteils an der minderheitensituation innerhalb eines nationalstaates. (z.b. liegt in nord- und osttirol das potenzial für sozialdemokratische-liberale-grüne gruppierungen bei über 40 prozent. ich habe noch keinen grund gefunden, der die diskrepanz im wahlverhalten zwischen diesen beiden tiroler landesteilen erklärt – außer eben die minderheitensituation).

@ pervasion
richtig. mit geschlossenheit meine ich nicht verschlossenheit, sondern den rechtfertigungsdruck zum anderssein, das nur funktioniert, wenn man ”geschlossen” ist. als zweites verstehe ich die ”geschlossene gesellschaft” als jenen elitären zirkel, der eben aufgrund des immer wieder propagierten zusammenhalts als minderheit entstanden ist.

@ gadilu
obiges müsste somit auch deine einwürfe beantworten.

Beh, veramente quando io parlo di „materiale umano“ parlo di tutti quelli che abitano qui, quindi non parlerei di „razzismo“ (e neppure di „autorazzismo“) ma di un solido pessimismo antropologico, basato sulla semplice osservazione dei „nostri“ interlocutori.

E poi, scusami, proprio nel commento scritto da Fabius (!) sopra il mio (che hai citato) leggo questo: „la nostra info-abend sulla Selbstbestimmung era una fialazza mortale. Ce l’abbiamo messa tutta, ma pareva che il gemium della politica locale facesse a gara coi paesani dell’Ahrntal a chi era più becero“. E poi vogliamo parlar male di Ladurner? :)

Allora… come hai visto la mia risposta era multipla ed era rivolta sia a te (rileggi le conclusioni: se è vero che non è necessario che governarsi da soli porti automaticamente al meglio, è anche vero che essere governati da altri non porta alcun vantaggio); sia a gente come Ladurner (di cui non conosco l’orientamento politico) ed agli „illuminati“ nostrani (quelli con la tessera dei Verdi, per intenderci) che praticano l’autorazzismo sulla base della propria personale (e molto limitata) esperienza.
Io per farla breve sono in generale ancora meno conciliante degli alternativi: non solo il Sudtirolo ma l’umanità , a ben guardarla, mi fa schifo tutta. Ciò non toglie che ho buoni motivi per credere che farsi governare da altri, che fan schifo proprio come noi (guarda i Fiorito, i Formigoni, le Minetti a livello nazionale o le schiere di farabutti a livello mondiale), non abbia in sè alcun effetto miracoloso. E mi pare un punto di vista ben argomentato…

Per il resto l’intervento di Simon ha chiarito tutto quel che c’era da chiarire sulla posizione di BBD. E mi sembra una posizione ragionevole e ben argomentata anche quella…

ich gehe doch wohl recht in der Annahme, dass Ladurner die deutschsprachigen und vielleicht gerade noch die ladinischsprachigen südtiroler meint, wenn er schreibt:

Denn die Südtiroler erleben jetzt, was geschieht, wenn sie wirklich unter sich sind: Sie versinken im Sumpf der Korruption.

oder irre ich da und ladurner hat ein inklusivistisches verständnis von „südtiroler“ und meint damit auch italienischsprachige, zuwanderer usw.

wohl kaum.

den mit feind ist wohl nicht nur der in rom sondern auch der „im eigenen land“ gemeint.

Die Südtiroler erschaffen in der Abgrenzung ihre Identität. Erst der Feind gibt ihnen die Möglichkeit, zu wissen, wer sie sind. Er ist der Spiegel, in dem sie sich erkennen. Ohne ihn wären sie orientierungslos und verloren.

ladurner hat das ethnische denken offenbar auch sehr verinnerlicht.

la nostra info-abend sulla Selbstbestimmung era una fialazza mortale. Ce l’abbiamo messa tutta, ma pareva che il gemium della politica locale facesse a gara coi paesani dell’Ahrntal a chi era più becero.

Non mi rimangio nulla: ma dire che Durnwalder che litiga con un contadino (fazioso) dell’Ahrntal su una stradina di paese è becero NON vuol affatto dire:

A- Che in qualsiasi altro luogo della terra non sarebbe stato possibile assistere a scene simili di battibecchi locali.

B- Che essendo alcuni politici e contadini locali beceri, il Sudtirolo non può governarsi da solo.

Mi sembra chiaro…

In una terra nella quale abbiamo un noto esponente della classe dirigente locale che andava affermando fino a poco tempo fa „noi facciamo tutto meglio“, un po‘ di autorazzismo (sic) à  la Ladurner è una goccia nel mare. In Austria, beati loro, hanno avuto Thomas Bernhard; ovviamente il confronto è impietoso, ma da qualche parte anche noi dovremmo pur cominciare… nel nostro piccolo.

Ti faccio comunque notare, a onor del vero, che anche il noto esponente locale non ha mai detto «siamo migliori» o «siamo superiori», ma «solo» che i servizi in mano alla provincia funzionano meglio… un’affermazione abbastanza oggettiva, corroborata dai dati sulla soddisfazione della popolazione e con la quale probabilmente (e paradossalmente) sarebbero d’accordo anche alcuni «autorazzisti» à  la Ladurner.

Menschen, die ein Gespräch führen wollten, waren mir schon immer verdächtig. Gut reden kann man mit einfachen Leuten.

Thomas Bernhard

Ah, certo, i nostri servizi. Non saprei. Io per esempio prendo ogni mattina un treno da Bressanone per Bolzano stipato fino all’inverosimile (tipo carro-bestiame) e tutti lì a dire „… però, cazzo, un vagone in più lo potrebbero anche mettere“. A volte, vedi, sarebbe meglio dire qualche frase in meno e mettere un vagone in più.

E comunque, SE abbiamo i servizi eccellenti e tutti sono soddisfatti… vuol dire che stiamo bene così. No?

@ gadilu
das ist aber schon ein trenitalia-zug und keiner der landesverwaltung, oder?
ich kenne das problem recht gut. das gibt’s auch von süden her. habe ein- zweimal mit widmann darüber telefoniert. wenn ich mich richtig entsinne, wird das in verona koordiniert und er hat mir gesagt, dass es trotz zig-facher intervention seinerseits nicht möglich war, dass die einen wagon mehr dranhängen. und vorschreiben könne die landesverwaltung bezüglich trenitalia nichts (obwohl sie für die kilometer zahlen) hat mir widmann gesagt. liege nicht in ihrer kompetenz.

Das kann auch ein Landeszug sein, aber davon gibt es noch nicht so viele und man kann nicht einfach irgendeinen anderen Waggon dazuhängen. Es sind aber bereits acht neue und umfangreichere Garnituren bestellt. Aller Anfang ist schwer…

Ich würde aber sagen, wir verzetteln uns gerade. Denn wenn die vom Land organisierten Dienste besser sind, kann man tatsächlich durch eine Verlagerung zum Land noch vieles verbessern. Trotz SEL-Skandal. Und das hat wiederum nichts damit zu tun, dass die Südtiroler überlegen wären, sondern dass die Subsidiarität und die Bürgernähe (Entscheidungen werden nah am Volk getroffen) wesentliche Vorteile bietet.

E comunque, SE abbiamo i servizi eccellenti e tutti sono soddisfatti… vuol dire che stiamo bene così. No?

Du weißt, dass die schlechte Qualität der öffentlichen Dienste sicher nicht zu den wichtigsten Gründen zählt, warum BBD die Loslösung von Italien fordert. Trotzdem kann man auch Gutes verbessern — und Schlechtes sowieso, nämlich — laut oben verlinkter Astat-Erhebung — das, was noch heute vom Staat verwaltet wird. Unbeschadet der Tatsache, dass wir nicht besser sein müssen, um uns selbst regieren zu wollen.

Zur Führung von Dienstleistungen in Südtirol ist noch anzumerken, dass bei etlichen Diensten, die zwar vom Land durchgeführt werden, trotzdem zentralstaatliche oder staatliche Betriebe einen signifikanten Einfluss haben.
Ein Beispiel, auch deshalb da es oben erwähnt wurde:
Das Bahnnetz wird in Südtirol mit Ausnahme der Vinschgerbahn, der Rittnerbahn und der Mendelbahn, von RFI (Rete ferroviaria italiana) verwaltet. Die Ursache, dass auf der Brennerstrecke zwischen 9.00 Uhr und 11.00 Uhr kein oder kaum ein Zug verkehrt, liegt in der Tatsache, dass RFI just während dieser wichtigen Vormittags-Zeit einen Wartungsintervall unterhält, von dem RFI auch nicht abrücken will.
Von etlichen Vertretern (unter anderem Kusstatscher) wurde gerade wegen dieser Problematik auf das Land eingedroschen, obwohl dieses nicht hierfür verantwortlich ist.
Beispiel Waggon anhängen: diesen könnte das Land beim entsprechenden Betreiber (Trenitalia, Sad oder andere neue Bahnunternehmen) tatsächlich bestellen, vorausgesetzt die finanziellen Mittel stehen zur Verfügung (Monti läßt grüßen). Die Sauberkeit hängt dann wiederum vom Betreiber ab. Im Dienstvertrag zwischen Land und Trenitalia und Sad wird Sauberkeit festgehalten, trotzdem gibt es zwischen Vertretern des Landes und Trenitalia z.B. unterschiedliche Auffassungen was „sauber“ ist. Ob die Dienstverträge juristisch professionell aufgesetzt wurden wäre ein anderes Thema, das man untersuchen müßte.
Im Gesundheitswesen ist ebenfalls das Land zuständig, trotzdem gibt es viele Bereiche die direkt vom Ministerium in Rom bestimmt werden, aber für die das Land vor den Bürgern gerade stehen muss.
Gerade diese unzähligen Interferenzen zwischen Zentralstaat und Landesverwaltung machen die Dienstleistungen und vor allem den juristischen Überbau, der diesen zugrundeliegt schwerfällig.
Ein wirklich „vollautonomes“ oder unabhängiges Südtirol würde schon dadurch eine Verbesserung bewirken, da dann die vielfach lähmenden Interferenzen (Zentralstaat-Landesverwaltung) beseitigt wären, ganz davon abgesehen, dass es in einer regionalen Verwaltung bei Missständen viel leichter ist den direkten Weg zu den politische Verantwortlichen zu suchen. Zentralstaatliche Organe sind nicht greifbar.

Jeder, aber wirklich jeder hat mitbekommen, dass gerade im Bereich Mobilität durch ein verstärktes Engagement des Landes sich vieles verbessert hat. Viele können sich sicherlich entsinnen, wie es vor 10 Jahren in diesem Bereich ausgeschaut hat.

Chi arriva in Sudtirolo da sud percepisce a pelle che i servizi pubblici funzionano mediamente meglio che in altre zone d’Italia, senza bisogno di scomodare le statistiche o senza doversi mettere per forza a fare della sociologia da bar. Faccio un esempio: la linea Fortezza-S.Candido, funziona benissimo e i vagoni sono belli, nuovi e puliti. E‘ relativamente autosufficiente rispetto alla rete Trenitalia, cosa che invece non si può dire della Brennero-Verona, da qui sicuramente la maggiore efficienza. Non c’è dubbio che questa si debba a una migliore etica del servizio pubblico diffusa tra la popolazione, basti il piccolo esempio dei cestini per i rifiuti presenti nelle stazioni, che ho notato essere regolarmente vuotati e riforniti del sacchetto da persone anziane, presumibilmente volontari dei vari paesi. Però è altrettanto certo che tale efficienza si deve in modo determinante alle disponibilità  finanziarie della provincia, e queste dipendono strettamente dallo statuto di autonomia così com’è, né più né meno. Nel resto d’Italia da almeno venti anni si parla di federalismo, sussidiarietà , vicinanza al cittadino, diverse regioni del nord sarebbero ben felici di potersi gestire anche, che so, le ferrovie locali e diverse competenze ora statali pur di disporre dei relativi finanziamenti. Purtroppo i risultati di tutto questo parlare sono quasi nulli, anche perché lo sponsor di queste parole d’ordine purtroppo è stato la Lega Nord, partito becero e cialtrone quanti altri mai. Ora poi non ne parla più nessuno, perché ogni euro ricavato dalle tasse raccolte nelle varie regioni deve essere usato primariamente per ripianare il debito, non per gli investimenti, non per la crescita e lo sviluppo dei territori, né tantomeno (figuriamoci) per il federalismo o la devoluzione delle competenze. Il Sudtirolo in confronto resta una zona privilegiata, anche dopo i tagli di Monti (qui invece un po‘ di statistiche sarebbero d’aiuto). Quindi, bene parlare di sussidiarietà  e vicinanza al cittadino, bene anche dire „non dobbiamo essere essere per forza migliori per volerci governare da noi stessi“, solo non si confondano le due cose, sarebbe un sommare le pere e le mele.

Sinceramente non ho capito dove sommeremmo le mele con le pere, visto che mi pare che tu abbia sintetizzato in maniera ineccepibile come la sussidiarietà  e la vicinanza al cittadino* — e non una supposta, ma inesistente «superiorità » — siano spesso fondamentali per il funzionamento dei servizi pubblici. Il che è proprio quello che ho cercato di spiegare.

Che poi il Sudtirolo, per la sua conformazione sociale ed etnica, possa secondo noi di BBD trarre ulteriori e più importanti vantaggi dall’emancipazione dallo stato nazionale, è un tema a parte che non riguarda strettamente la qualità  dei servizi pubblici.

* ivi inclusa la gestione delle risorse finanziarie, senza pregiudicare la solidarietà  e la perequazione

In der dieswöchigen ff (Nr. 48/2012) ist ein wesentlich vernünftigerer Gastkommentar von Ulrich Ladurner zu demselben Thema erschienen. Zwei Auszüge:

Die Südtiroler könnten nämlich kühlen Kopfes dankbar sein und sich regelrecht freuen. Warum? Weil die Demokratie ganz offensichtlich funktioniert.
Viele Räder und Rädchen mussten ineinandergreifen, damit der Sel-Skandal auffliegen konnte: Mutige Bürger, politische Opposition, kritische Medien, effiziente Staatsanwälte, funktionierende Gerichte, eine aufmerksame Öffentlichkeit — sie alle spielten in diesen Wochen ihre Rolle, sie alle übernahmen eine Aufgabe.

Man muss sich um Genauigkeit bemühen. Die SVP ist durch diesen Skandal erschüttert, nicht die Demokratie. Sie erlebt vielleicht nicht eine Sternstunde, aber ein Sternstündchen ganz gewiss. Die Südtiroler sollten es nicht verschlafen.

Das klingt ganz anders als:

Denn die Südtiroler erleben jetzt, was geschieht, wenn sie wirklich unter sich sind: Sie versinken im Sumpf der Korruption. […] Die Südtiroler sind die größten Feinde der Südtiroler, weil sie es verlernt haben, sich auf angemessene Weise mit der Welt zu verbinden. Sie verstehen sich nicht als Bürger dieser Welt, sondern als räuberische Piraten.

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