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Darf’s auch ein bisserl mehr sein?

Es steht außer Frage, dass Energie ihren Preis haben darf. Im Sinne ökologischer Verantwortung ist ein bewusster und sparsamer Umgang mit Strom und dessen umweltschonende Erzeugung nicht nur erstrebenswert, sondern unumgänglich.

Dennoch wirft ein neuerlicher Nord-Südtirol-Vergleich ein paar Fragen auf, auf die es wohl kaum einleuchtende Antworten gibt. Sowohl im Bundesland Tirol als auch in Südtirol gibt es eine Art “Landesenergiegesellschaft”, die sich zu 100 Prozent in öffentlicher Hand befindet. Im Norden ist dies die TIWAG (Tiroler Wasserkraft AG), deren Anteile sich zu 100 Prozent im Besitz des Landes Tirol befinden. In Südtirol gibt es seit 2016 Alperia – ein Zusammenschluss aus der Südtiroler Energiegesellschaft SEL und der Etschwerke AG – mit ihren Eigentümern Land Südtirol, SELFIN, Gemeinde Bozen und Gemeinde Meran. Sowohl Alperia als auch die TIWAG setzen aufgrund der landschaftlichen Gegebenheiten auf die Wasserkraft. Organisationsstruktur und Produktionsbedingungen sind also durchaus vergleichbar.

Ein Preisvergleich der beiden öffentlichen Energieversorger fördert allerdings Erstaunliches zutage.

Der Standardanschluss der TIWAG für Haushalte in Wohnungen oder Einfamilienhäusern ist mit 6 kW abgesichert. In Südtirol sind lediglich 3 kW, also genau die Hälfte, Standard. Wer mehr Netzleistung möchte (mit 3 kW kommt ein gewöhnlicher Haushalt nicht aus, ohne dass regelmäßig die Sicherung fliegt), muss auch mehr bezahlen. Viel mehr. Die Preise für einen 6 kW Anschluss sind bei Alperia ziemlich genau doppelt so hoch wie rund 60 Prozent höher als bei der TIWAG. Eine durchschnittliche vierköpfige Familie mit einem Verbrauch von 2700 kWh jährlich zahlt in Südtirol fast 800 Euro. In Nordtirol stehen für dieselbe Leistung nur knapp über 400 500 Euro auf der Stromrechnung.

Das Argument, dass die niedrige Anschlussleistung und die hohen Preise Stromsparen helfen würden, zieht in diesen Dimensionen noch nicht wirklich. Eine vierköpfige Familie mit einer zeitgemäßen Ausstattung an modernen, energiesparenden Elektrogeräten (Waschmaschine, Wäschetrockner, Computer, Fernseher, Elektroherd, Backrohr, Kühlschrank, Gefrierschrank) wird auch bei einem sehr sparsamen Umgang nicht wesentlich weniger als 2700 kWh im Jahr verbrauchen.

Warum also Alperia seinem Eigentümer (die Südtiroler Bevölkerung) so viel mehr abknöpft und die Vorteile öffentlicher, landeseigener Energiegewinnung nicht einmal annähernd in dem Ausmaß weitergibt, wie es die TIWAG tut, ist unverständlich.

Wir geben die Energie, die Südtirol uns schenkt, weiter an die Menschen. Um Energie zu spenden und damit aktiv eine energiereiche Zukunft zu gestalten. Im Einklang mit unserer kraftvollen Natur, der Quelle unserer Energie.

Quelle: alperia.eu

Seit ihrer Gründung im Jahr 1924 ist die TIWAG untrennbar mit erneuerbarer, sauberer und CO2-freier Stromgewinnung aus heimischer Wasserkraft verbunden. Damit auch künftige Generationen einen hohen Lebensstandard in einer lebenswerten Umwelt mit ausreichender Beschäftigung und wirtschaftlicher Weiterentwicklung vorfinden, sehen wir es als unsere zentrale Aufgabe, Tirol sicher und kostengünstig mit Energie zu versorgen.

Quelle: tiwag.at

Bitte nicht falsch verstehen. Die TIWAG ist mindestens ebenso skandalträchtig wie die Vorgängerorganisationen der Alperia (Stichwort SEL-Skandal). Die dubiosen TIWAG-Geschäfte mit Cross-Border-Leasing durch US-Konzerne haben nicht nur den prominentesten TIWAG-Kritiker und Aufdecker Markus Wilhelm auf die Palme gebracht. Aber zumindest das Preis-Leistungsverhältnis mutet bei der TIWAG im Gegensatz zum Südtiroler Energieriesen einigermaßen fair an. Und dass ein Standardanschluss von 3 kW in einem Industrieland heutzutage ein absoluter Witz ist, muss nun wirklich nicht neuerlich dargelegt werden.

Nachtrag:
Es ist mir überaus peinlich, aber in der originalen Ausgabe dieses Artikels ist mir ein Fehler passiert. Der Alperia-Tarifrechner rechnet brutto. Bei den TIWAG-Preisen habe ich allerdings die Nettowerte angenommen. Die TIWAG-Beträge sind also 20 Prozent höher. An der Grundaussage ändert das allerdings wenig. Die Preise liegen hierzulande durchschnittlich immer noch 60 Prozent über jenen im TIWAG-Land. Ich habe die Grafik entsprechend aktualisiert und bitte um Entschuldigung.

Siehe auch: 1/ 2/

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57 replies on “Darf’s auch ein bisserl mehr sein?”

Jeder Artikel steht und fällt mit guter Recherche, in diesem Fall ist diese absolut ausgeblieben und erinnert mehr an ein Gasthausgespräch. Selbstverständlich, ohne fundierte Kenntnis der Materie, ist es durchaus möglich zu solch (simplen) Schlussfolgerungen zu kommen und der vermeintlich bösen Alperia den schwarzen Peter zuzuschieben. Bitte, verehrter Autor, schreiben Sie über Dinge von denen Sie etwas verstehen.

ok. jeder kommentar steht und fällt mit argumentation, in diesem fall ist diese absolut ausgeblieben und erinnert mehr an ein gasthausgespräch.

wenn ich schon so kolossal daneben liege und von der materie nichts verstehe (was ich tatsächlich nicht tue – ich hab nur einen preisvergleich gemacht), dann wäre es schön zu erfahren, wo das problem liegt.

die große heimholung ist wohl doch nicht so groß.
und dass das mit den 3 kW offenbar ein problem italiens ist, da südtirol nicht einmal über so viel autonomie verfügt, dass es die anschlussstärke selbst festlegen darf, weil das eine staatliche regulierungsbehörde macht, hatte wir schon mal thematisiert.

mich würde aber echt interessieren, warum der strom eines meiner meinung nach durchaus vergleichbaren anbieters doppelt so teuer ist.

quellen für meine zahlen:
https://www.alperiaenergy.eu/irj/go/km/docs/documents/AEW/Articoli/Documenti/Prodotti/EE_DE/DE_ALPERIA_WELCOME_Adesione.pdf

https://www.tiwag.at/fileadmin/user_upload/fairplus_produkt_und_preisblatt.pdf

p.s.: welche schlussfolgerungen habe ich denn gezogen? ich hab mir jetzt den artikel nochmals durchgelesen und keine gefunden. da sind nur feststellungen. ich habe lediglich attestiert, dass ich nicht verstehe, warum alperia nicht ähnlich der tiwag günstigere preise anbietet.

Ich muss keine Argumente liefern, ich rate Ihnen lediglich sich nicht über Themen zu äußern von denen Sie keinen blassen Schimmer haben – die Argumente müssten SIE als Autor liefern. Im Unterschied zu Ihnen befasse ich mich beruflich mit der Materie und werde nicht bbd als Plattform für Erklärungen benutzen, dafür ist sogar dieser Blog zu “klein”. Als Hinweis für die Zukunft möchte ich Ihnen lediglich raten, die Problematik nicht anhand Ihrer eigenen Erfahrung in Ihrem Haushalt zu erörtern, sondern über den Tellerrand hinauszusehen. Wünsche gutes Gelingen!

Wenn du schreibst, dass der Inhalt des Artikels falsch ist, bin ich schon der Meinung, dass du auch angeben solltest, warum dem so ist. Andernfalls kann man das leider nicht ernst nehmen.

natürlich MUSST du keine argumente liefern. nur ist dein kommentar mit “ahnungslos” dann halt komplett sinnlos.

noch einmal: in diesem artikel geht es nicht um argumentation, da ich ja keine these aufstelle, die ich argumentativ untermauern könnte. er beschreibt lediglich eine beobachtung und macht einen preisvergleich aufgrund von besagten unternehmen publizierter zahlen (die doch wohl hoffentlich stimmen). auch ziehe ich keine schlussfolgerungen, sondern stelle fest, dass eine diskrepanz von 100 prozent im strompreis zwischen tiwag und alperia für mich unverständlich ist. das ist alles.

Die vom Autor gelieferte Statistik ist an allen Ecken und Enden unvollständig, es fehlen beispielsweise die Energiemengen; mit höherer Leistung steigt bekanntlich der Verbrauch, das dürfte wohl bekannt sein. Des weiteren handelt es sich um Schätzpreise, geliefert von einem Anbieter und nicht von der Behörde selbst, die die Tarifordnung publiziert.
Es würde absolut den Rahmen sprengen einen Vortrag über den Aufbau des elektrischen Systems in Italien und dessen Regulierungsmechanismen zu machen. Soviel soll jedoch gesagt sein, Länder welche versuchen größtmöglich ohne Atomstrom auszukommen und relativ kapillar vernetzt sind, haben nun mal teurere Preise; selbstverständlich schlagen in Italien die Netzgebühren ordentlich zu Buche, die Gründe hierfür liegen in einer (teils) mangelnden Infrastruktur und anderen Maßnahmen, die uns Bürgern jedoch langfristig zugute kommen. So hätte der Autor beispielsweise recherchieren können, dass gut 1/3 der Stromrechnung in Italien den sog. Systemkosten geschuldet sind, Paket welches in D und AUT vollkommen anders strukturiert ist bzw. nahezu fehlt. Letzter Punkt: Trotz tiefer Richtpreise für elektrische Energie wälzen diese die Anbieter nicht vollends auf den Endkunden um, Stichwort Gewinnmaximierung.
Euer Blog hat viele positive Seiten – versucht ihn nicht mit Thematiken zu kontaminieren bei welchen Ihr beweist absolute Laien zu sein.

die Gründe hierfür liegen in einer (teils) mangelnden Infrastruktur und anderen Maßnahmen, die uns Bürgern jedoch langfristig zugute kommen.

Nough said.

danke. so kann man reden.
– wie gesagt – ich bin einfach nur verbraucher und vergleiche die stromrechnungen. in meinen über 30 jahren im stubai ist die sicherung nicht ein einziges mal wegen überlastung geflogen und ich hab weniger gezahlt. hier fliegt sie dauernd und ich zahl mehr. irgendwie zählt für mich schon auch, was am ende beim kunden ankommt. und da ist ein riesiger preis-leistungsunterschied im service. was immer die gründe dafür sind.
– ad unvollständige statistik: die ist nicht von mir, sondern von den anbietern und als kundeninformation gedacht. ich habe sie lediglich widergegeben. in der schätzung der alperia ist doch alles eingepreist, soweit ich das verstanden habe (siehe link weiter oben). und um welten wird diese schätzung und die berechnung der behörde ja nicht auseinanderklaffen. die tendenz wird schon stimmen. ein paar euro auf oder ab machen für die grundbotschaft keinen unterschied.
– ich glaube auch zu wissen, dass österreich größtmöglich auf atomstrom verzichten möchte. gleichzeitig hat ein land wie deutschland, das sehr wohl atomstrom nach wie vor selbst produziert, viel höhere preise. hat wohl auch mit der “energiewende” zu tun.
– und die grundsatzfrage, ob ein energieunternehmen in öffentlicher hand gewinnmaximierung betreiben soll oder möglichst kostengünstige energie seinen “eigentümern” liefern soll, darf ich schon noch stellen, oder? auch als laie, der keine ahnung hat.

Ich verstehe nicht, wieso kein Preisvergleich angestellt werden kann. Für den Kunden ist es einerlei, ob wir hier teurer produzieren oder höhere Steuern auferlegt bekommen. Die Brieftasche zählt. Im Übrigen ist der Strommarkt längst europäisiert. Die Stromgesellschaften kaufen/verkaufen ihren Strom an der Strombörsen, somit ist auf Erzeugerseite ein klarer Wettbewerb im Gange. Was fehlt, ist wieder einmal eine europäische Regelung beim Verkauf. Hier backt jede Nation ihre eigenen Brötchen und für mich als Verbraucher macht es tatsächlich einen Unterschied, ob ich im Jahr 1.300 Euro Stromspesen habe oder 650 Euro. Angesichts der zukünftigen absehbaren Entwicklung bei der Elektromobilität wäre es sowieso dringend angebracht, europaweite Mindeststandards zu definieren. Ich denke dabei an mindestens 6 kW Haushaltsanschluss, nachfrageabhängigere Stromtarife, Vereinheitlichung der Besteuerung. Wer will schon in Zukunft sein E-Mobil mit einem 3kW Haushaltsanschluss laden?

Ich darf mich an dieser Stelle auch als in dieser Branche Tätiger einbringen, dadurch ist es nicht mehr so einsam um den Experten in diesem “zu kleinen Blog” hier ;-)

Allerdings stimme ich mit dem Autor des Artikels überein, dass es nicht verständlich ist, warum einige km weiter eine völlig andere, für den (Haushalts)Kunden weitaus attraktivere Tarifgestaltung möglich ist (Europa lässt grüßen).
Meiner Erfahrung nach, handelt es sich hier um ein monströs träges und ineffizientes System, welches teils durch Missmanagement, teils durch Einmischung der Politik die Energiebranche zu dem gemacht hat, was sie heute ist – ein kundenfeindliches, teures Ungetüm mit unvorhersehbaren Entwicklungen für Kunden, aber auch Produzenten.

Demzufolge halte ich die Kritik für berechtigt, wohlwissend dass Alperia hier nur stellvertretend – als eines von vielen Beispielen – genannt werden kann.

@paribus
Vielleicht könnte hier mal ein Insider die Gründe für den Unterschied eingehender erläutern. Es wäre sehr interessant zu erfahren, wie die Strompreise hier und in Nordtirol zustandekommen.

Eine tiefgreifende Erklärung bzgl. der Bildung des Strompreises in Italien käme m.M.n. mind. dem Umfang einer Seminararbeit gleich, oder wie der Prof. Simmerle – der Herr habe ihn selig – stets meinte: “Wer mir die Zusammensetzung einer Stromrechnung erklären kann, dem zahle ich sofort den 10fachen Wert dieser Rechnung”.

Meiner Erfahrung nach, gibt es in Südtirol keine 10 Personen, die diese Branche umfassend kennen, es gibt viele, die als Berater fungieren, jedoch zumeist auf Einzelsegmente – insbes. Produktionen, weil dort die Asche liegt – spezialisiert.

Tatsache ist, dass sich eine Stromrechnung aus verschiedenen Komponenten zusammensetzt. Im Großen und Ganzen folgende, mit geschätzter Angabe des %Anteils des Gesamtbetrages:

+ Strompreis (15-20%)
+ Grundgebühren, Transport (ca. 50-60%)
+ Systemkosten (< 1%)
+ Steuern (ca. 10-20%)
+ MwSt. ( 10%)

Nun halte ich es für müßig jetzt die Einzelkomponenten zu sezieren, ist doch für den Endkunden, wie schon erwähnt, der Gesamtpreis entscheidend. Also welche der Kosten zu hoch sind und welche nicht, ist schwer zu sagen, für dieses topic aber nicht entscheidend, man muss halt von jenen, die es besser können, lernen (wollen).

Danke für diesen Artikel! Habe selbst auch schon einmal einen kleinen Vergleich von meiner Stromrechnung mit jener von Kollegen gemacht die in Österreich wohnen. Und bin zum einem ähnlichen Ergebnis gekommen, der Strom ist bei uns viel teurer!

Zudem das 3kW Limit: in Deutschland ist es glaube ich 13,5kW standard, in Österreich habe ich verschiedene Werte gehört, aber bei einem anderen Tiroler Anbieter waren es ca. 11,5kW.

Einen weiterer Punkt ist der Nacht-Strom. Normalerweise sollte dieser deutlich günstiger sein, aber die Verbraucherzentrale Südtirol hat mal berechnet, dass eine Familie in Südtirol sich vom gesparten nicht einmal 1 Pizza im Jahr kaufen könnte. Auch die Aktion der VZS für ihre Mitglieder einen besseren Deal zu bekommen ist gescheitert, weil sich die Anbieter nicht gezwungen sahen, darauf einzugehen. Beschämend.

Von der angeblichen Öffnung der Märkte in der EU merkt man bei uns überhaupt nichts, weil auch die Leitungen im Besitz von verschiedenen Firmen sind und wir wieder die selbe Misere wie mit den Telefon/Datenleitungen haben (Telecom). Freie Märkte, freie Auswahl, Konkurrenz? Fehlanzeige.

Glücklich wer in einer Gegend wohnt, wo man den Strom von einer Genossenschaft bekommen kann.

hi,

was ich weiß, sind es in deutschland 14,5 kW und in nordtirol sind es definitiv 6 kW (Anschluss 3x20A)
in meinem elternhaus sind es aber zum beispiel 13 kW soweit ich weiß. kosten tut das nicht viel mehr, glaub ich. zumindest nicht das doppelte.

Danke paribus für die Erläuterung. Ich frage mich, wie es dann in Zukunft weiter geht. Bei einem weiteren absehbaren Preisverfall für Solarmodule und Batteriespeicher (man spricht von einer Halbierung in den nächsten 4 Jahren) ist der Zeitpunkt absehbar, dass es interessant wird in diese Technologien zu investieren. Dann können eine Menge Gebühren (wie die Netzgebühr) eingespart werden. Besonders interessant wird es dann für Mehrfamilienhäuser, die sich vielleicht nur mehr eine Backupleitung anlegen, den Rest aber autonom mit Solarmodulen und Batteriespeichern regeln. Bis dahin wird sich der Gesetzgeber aber sicherlich was überlegen, entweder eine Zwangsgebühr für den Netzanschluss oder eine Sonnensteuer, d.h. der selbst produzierte Strom wird besteuert. Fehlt nur noch, dass die Luft zum Atmen irgendwann einmal noch besteuert wird.

Dann können eine Menge Gebühren (wie die Netzgebühr) eingespart werden. Besonders interessant wird es dann für Mehrfamilienhäuser, die sich vielleicht nur mehr eine Backupleitung anlegen, den Rest aber autonom mit Solarmodulen und Batteriespeichern regeln.

Ich bin der Meinung, dass wir noch Jahrzehnte davon entfernt sind. Es ist derzeit einfach keine wirtschaftliche Technologie in Aussicht. Wenn von Photovoltaik die Rede ist, muss man auch sagen, dass diese einen Wirkungsgrad von unter 20% (!) haben. Bei Batterien sieht es ähnlich schlecht aus, Tesla hin oder her.
Ökologisch gesehen, ebenfalls schwierig: die in diesen Technologien massiv verbauten seltenen Erden, Produktion und Entsorgung stellen erhebliche Probleme dar, die nicht im Ansatz gelöst sind.

3kW ist ein Staubsauger und ein Backrohr…
Immerhin, als ich nach Österreich kam, habe ich am Beginn immer nachgedacht was ich wann einschalte. ;)

Ich bin der Meinung, dass wir noch Jahrzehnte davon entfernt sind. Es ist derzeit einfach keine wirtschaftliche Technologie in Aussicht. Wenn von Photovoltaik die Rede ist, muss man auch sagen, dass diese einen Wirkungsgrad von unter 20% (!) haben. Bei Batterien sieht es ähnlich schlecht aus, Tesla hin oder her.

Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass die Kosten für den Solarstrom in unseren Breiten bereits die 10ct/kWh angelangt sind (20 Jahre Nutzungsdauer). Batteriespeicher kosten ca. 1.000 Euro/kWh, bis 2025 nur mehr 100 Euro. Dann sind diese Anlagen längst konkurrenzfähig zum aktuellen Strompreis für Haushalte von 27-28ct/kWh.

Dann sind diese Anlagen längst konkurrenzfähig …

Die zitierten Preise beziehen sich auf Modellberechnungen unter Idealbedingungen – Alterung und damit verbundener Leistungsverlust von Batterien und PV Modulen nicht miteingeschlossen.
Spannend wird es aber, wenn sie so eine Anlage hinsichtlich Versorgungssicherheit analysieren wollen. Wenn sie diese über eine Backup Leitung vom Stromversorger garantieren wollen, braucht es die exakt gleiche Infrastruktur wie sie sie derzeit haben, allerdings mit enormen Leistungsschwankungen – die Kosten hierfür kann man sich in etwa ausmalen – auf den Strompreis wird sich das nicht positiv auswirken können.
Ergo: durch den Einsatz dieser Technologien, wird der Strompreis keinesfalls sinken – das Gegenteil ist zu befürchten.
als Vergleich: Atomstrom: unter 3cent/kWh ohne Berücksichtigung der Folgekosten (sowie bei Batterien und PV eben auch).

Was du nicht bedenkst, dass die bisherigen Erfahrungen mit Batteriesystemen zeigen, dass die Haltbarkeit der Batterien höher ist als angenommen. Bei Preisen von 100 Euro/kWh brauche ich keine Backupleitung mehr. Dann kaufe ich mir genügend Kapazität.
Auf was ich eigentlich hinaus wollte, ist die Tatsache, dass wir zu hohe Strompreise bei ähnlichen Produktionsbedingungen haben, folglich wir wieder mal einen “Italoeffekt” haben. Im übrigen wird dieser Markt in den nächsten Jahren massiv umgekrempelt werden, siehe RWE in Deutschland. Die bisherigen Geschäftsmodelle werden nicht mehr funktionieren, d.h. man täte als Erzeuger gut daran, sich auf massiv veränderte Marktbedingungen einzustellen.

Die Alperia gehört genauso wie die TIWAG
PRIVATISIERT!
Stromerzeugung gehört 100% nicht zu den staatlichen Aufgaben. Der Kunde würde danken.

ja genau. in kalifornien ist das super gelaufen.
die privatisierte energieversorgung ist auf dem technischen stand eines entwicklungslandes. dieselgeneratoren gehen dort weg wie die warmen semmeln. rolling blackouts a la indien. preisexplosionen usw.

Ich schrieb explizit Energieerzeugung. Das Netz sollte natürlich, wo angebracht, staatlich organisiert sein.

@Libertè
Das Netz einer Art Öffentlichen Netzagentur zu unterstellen wäre richtig und gut, hätte sich auch damals bei der “Privatisierung” der Telecom gehört. Wie das ausgegangen ist und welche Folgen das hatte, wissen wir Südtiroler nur zu gut.

Du bist doch ein Verfechter des freien Marktes, erkläre doch weshalb ich im Jahre 2016 immer noch nicht Strom von einem deutschen, französischen o.a. Anbieter beziehen kann? Wo bleibt die Liberalisierung durch die EU? Wo bleibt der freie Wettbewerb?

PS: die für den Kunden besten Erzeuger sind weder staatlich noch privat sondern Genossenschaften!

Eine genossenschaft ist ein privates unternehmen.

Die momentanen vorteile für kunden bzw. Mitglieder ergeben sich aufgrund von steuerlichen befreiungen/reduzierungen, die genosenschaften aller art zustehen, welche jedoch in den letzten jahren was e-genossenschaften betrifft, massiv unter beschuss geraten sind. E gen.- mitglieder können ein lied davon singen, der sehr günstige tarif hat sich in den letzten jahren durch die zusatzbelastung wegen der famosen systemkosten massiv erhöht.

erkläre doch weshalb ich im Jahre 2016 immer noch nicht Strom von einem deutschen, französischen o.a. Anbieter beziehen kann?

Gute Frage. Genau so wenig kann ich mein Auto im europäischen Ausland versichern, genau so wenig kann ich Heizöl dort kaufen, genau so wenig kann ich ein Bankkonto ohne bürokratischen Hindernislauf dort eröffnen. Die Liste ließe sich beliebig verlängern.
Aber – so wird uns immer weisgemacht – gibt es im heutigen Europa ja keine Grenzen mehr …

Das ist einfach. Europa steht nicht auf einer Kupferplatte wo beliebig Strom in alle Himmelsrichtungen fliessen kann. Stromnetze in andere Länder sind begrenzt, kosten Geld und haben Leitungsverluste.
Ideal ist nur regionale Erzeugung, noch besser auf dem eigenen Dach.
PV zur Eigenerzeugung ist ausserdem eine langfristige Wertanlage. Auch um das Geld zu retten das vielleicht bald von Euro in eine neue Süd-Euro oder gar Lire-Währung zwangsweise umgetauscht wird.

Wo bleibt die Liberalisierung durch die EU? Wo bleibt der freie Wettbewerb?

Sind nicht Sie der der ständig Liberalisierung ablehnt?

@Libertè

Wo bleibt die Liberalisierung durch die EU? Wo bleibt der freie Wettbewerb?

Sind nicht Sie der der ständig Liberalisierung ablehnt?

Nein, ich bin der, der einen fairen Freihandel fordert, welcher keine (Umwelt/Lebensmittel/Arbeitsrecht/usw.) Standards verschlechtert, keine privaten und geheimen Schiedsgerichte fordert, die Demokratie nicht aushöhlt und welcher durch transparente Verhandlungen auf Augenhöhe zustanden gekommen ist.
Muss wohl eine Verwechslung gewesen sein ;)

Hab mich heute im Radio auch schon gewundert, unseren Volksvertretern wäre eine derart dumme Initiative aber durchaus zuzutrauen.

“Gratisstrom für die Bürger” klingt sehr gut, damit kann man (die Politik) natürlich sehr gut punkten. Soweit ich das mitbekommen habe, wurde das Ganze aber schon wieder abgeschwächt. “Nur” Altersheime, Sanitätseinheiten usw. sollen in den Genuss des Gratisstroms kommen. Also keine (direkte) Entlastung der Familien bzw. Bürger.

Die beste Lösung wäre in meinen Augen ein Genossenschaftsmodell.
Aber es würde meiner Meinung nach auch nichts gegen ein Kontingent an Gratis-Strom sprechen.
Wasser soll Allgemeingut sein und bleiben, die Gesellschaften sind im öffentlichen Besitz, was spricht dagegen eine Art “Dividende” in Form von Strom an die Südtiroler auszuzahlen?
Damit der Anreiz zum Sparen nicht verloren geht sollte jedoch ein Kontigent gesetzt werden, welches ruhig etwas knapp bemessen sein darf. So regt man zum Sparen an und wer innerhalb seines Kontingentes bleibt, sollte nichts zahlen.
Damit das Kontingent gerecht ist, sollte es sich nach der Anzahl der Personen im Haushalt richten.

Es handelt sich hierbei im Wesentlichen um ein bereits bekanntes und angewandtes Konzept.
Die Provinz hat qua Gesetz derzeit die Möglichkeit von den Produzenten Gratisstrom zu beziehen. Nachdem dies aber bürokratisch sehr aufwendig und teuer wäre, wird derzeit der Gegenwert des Stromes berechnet und in Rechnung gestellt – für ein Kraftwerk mittlerer Größe (zb um die 1MW) bedeutet dies eine Abgabe zwischen 10-15.000€ pro Jahr.
Ich vermute, das von den Politikern (sprich: Nicht-Technikern, sprich: Nicht-Verwaltern) jetzt angedachte Vorgehen, sollte diesen bezogenen Gratisstrom (in Energiemenge, nicht in Geld) in irgendeiner Weise zu den Haushaltskunden bringen. Nachdem aber die Techniker und Verwalter auf die schwierige und äußerst ineffiziente Umsetzung hingewiesen haben dürften, wird vom ursprünglichen Vorhaben nicht mehr viel übrig bleiben. Die Hoffnung besteht aber, dass die Schlagzeile “Gratisstrom für alle” in einigen Köpfen hängen bleiben wird.
Unter Durnwalder hätte man das einfacher haben können – mittels eines Beitrages aus dem Landestopf – auf Anfrage.

3 KW reichen. Verlasst euch nicht auf die Stromversorger.
Wer kann lässt sich eine PV mit Akku installieren und die 3 KW sind kein Problem mehr.

Der Strompreis fällt für die Produzenten in den letzten Monaten ja sehr stark. Auch der Präsident des Rates der Gemeinden, Andreas Schatzer, betont dies heute in den “Dolomiten”, und das nicht zum ersten Male: “Der Strompreis ist in letzter Zeit extrem gefallen, ja eingebrochen.”
Ich verstehe schon, dass sich der Preis aus sehr vielen Komponenten zusammensetzt, aber trotzdem: Warum merke ich die fallenden Strompreise auf meiner Stromrechnung überhaupt nicht?

Was soll daran erhellend sein? Wurden die verschiedenen Aussagen im Interview überhaupt auf deren Wahrheitsgehalt geprüft?
Die Behauptung, dass alte (sic!) Genossenschaften in diesem System nicht dranhängen (furchtbarer Ausdruck!) würden, ist beispielsweise falsch. Und dass neue Stromgenossenschaften autonom wären, ist ebenso falsch.
Hier werden vollkommen falsche Hoffnungen geschürt und von BBD unkommentiert weiterverbreitet. Wie bereits erwähnt, handelt es sich um eine sehr spezifische Materie und nicht jeder, der dazu eine Meinung hat, ist Experte.
Ein Blog ist nicht die geeignete Plattform um Licht in die verstrickten Mäander der Energiewirtschaft zu bringen. Schon gar nicht, wenn Begriffe wie “Autonomie” oder “Los von Italien” emotionale Reflexe auslösen. Die Energiekrise trifft nämlich ganz Europa und die Preise bewegen sich auch in anderen europäischen Staaten auf diesem Niveau.
Tatsache bleibt, dass es für die aktuellen ungeahnten Preissteigerungen wenig Auswegmöglichkeiten gibt, außer Sparen oder den Weg der Selbstversorgung zu wählen.

Ich habe einen Link zu einem Interview in einem bekannten Südtiroler Online-Medium gepostet, das ich für interessant halte. Nicht mehr und nicht weniger.
Ich finde, das darf man machen. Und gleichzeitig hat in diesem Forum jede/r die Möglichkeit, sich zu den Inhalten dieses Interviews zu äußern, solange er/sie auf dem Boden der Netiquette bleibt. So machen wir das hier.

Der Bekanntheitsgrad des Mediums sagt nichts über deren Qualität im Bereich Energie aus.
Nochmals, das Schüren falscher Hoffnungen führt zu einer Verzerrung der Tatsachen und die postulierte Loslösung ist reiner Populismus. Wir alle sind gut beraten uns an die reinen Fakten zu halten.

Stimmt. Bekanntheit muss nicht Qualität heißen. Aber ich halte Salto für ein seriöses Medium und als solches ist es nicht dafür verantwortlich, was ein Interviewpartner sagt. Dabei halte ich es für legitim, dass der bekannteste – wenn auch ehemalige – Südtiroler Verbraucherschützer sich zu dieser Thematik äußert.

Das dürfen Sie selbst eruieren.
Tatsache ist jedoch, dass SEV nicht nur als Verband agiert, sondern auch als Dienstleister im Abrechnungsservice für die einzelnen Stromverteiler und -verkäufer, als Stromgroßhändler und als Retailverkäufer an Endkunden selbst (mit Ötzi Strom). Das ist ungefähr so, wie wenn der BDI Thyssen-Krupp Konkurrenz in der Stahlproduktion machen würde oder Bauernbund und lvh in Südtirol selbst Obstbauer bzw. Mechaniker, Tischler oder Maler wären.
Die Landschaft der Energie-Player in Südtirol ist mehr als komplex und lange nicht alle Akteure sind Mitglied im “Verband”, korrekterweise müssten hier weitere 3-4 andere Dienstleistungsunternehmen zitiert werden, die eine gleichgelagerte Tätigkeit verrichten, ohne sich jedoch als Verband zu deklarieren.
Nochmals, die Forderung einer “Stromautonomie” ist absurd und erzeugt bei wahren Fachleuten ausschließlich Kopfschütteln. Zu Herrn Andreaus ist zu sagen, dass er mit seiner Aussage für seine kWh nur 8 ct zu zahlen, ohne jedoch den Beweis hierfür zu erbringen, bei eben genannten Fachleuten vollkommen unglaubwürdig ist. Der Börsenpreis liegt heute bei 21,364 ct/kWh und seit Oktober 2021 ist der Preis im Monatsmittel nie tiefer als 20 ct/kWh.

Es wäre vielleicht opportun gewesen zu erklären, welche Aussage man mit der Verlinkung treffen will.
Dies würde helfen um dem ewigen Ammenmärchen “in Österreich ist alles besser” Einhalt zu gebieten. Sollten die Preisangaben von der Bandbreite zwischen 15-57 Cent/kWh im Link stimmen, wäre Österreich deutlich teurer als der geschützte Grundversorgungsdienst in Italien, der aktuell mit 46 Cent/kWh zu Buche schlägt. Dieser Preis gilt in Italien für das 1. Trimester 2022 und betrifft Haushalte in besagten Markt, der Link präzisiert dies leider nicht.
In jedem Fall sind auch die 15 Cent in Österreich, immer gemäß Link, kritisch zu hinterfragen, denn der Börsenpreis auf den Spotmärkten liegt dort aktuell zwischen 12-14 Cent/kWh, dabei sind die Netzgebühren, Steuern usw. selbstverständlich nicht enthalten. Und wer seinen Stromverkäufer nicht in den Ruin treiben will, muss einsehen, dass die Preise im Moment ein historisches Hoch erreichen, populistische Betrachtungsweisen sind vollkommen unangebracht.
Fazit, die Krise trifft ganz Europa und könnte aufgrund der neuesten Ereignisse sogar verschärft werden. TTF Future heute 80,49€.

Niemand sagt, dass in Ö alles besser ist. Aber was das Thema Strom anbelangt, ist es halt ein Faktum, dass dieser trotz ähnlicher natürlicher Produktionsbedingungen (ich spreche nicht vom rechtlichen Rahmen) 1. wesentlich günstiger ist und es 2. für diesen günstigeren Preis es mit mind. 6 KW abgesicherte Anschlüsse gibt.

Der Grund, dass es bei uns so teuer ist (abgesehen von den europaweiten Steigerungen – denn den Unterschied gab es ja auch schon vor den krisenbedingten Problemen) sei ein komplexes und kompliziertes System. Falls man jedoch dieses System, das ganz offensichtlich schlechter funktioniert als anderswo, in Frage stellt, wird das von Kommentatoren als “unrealistisch” abgetan. Kritisiert man dann die Preise, meinen Kommentatoren, dass das dem System geschuldet sei und man daher nicht vergleichen können. Ich hoffe, du siehst die Widersprüchlichkeit.

A) Bitte um Darlegung, anhand von Beispielen, dass das italienische System schlechter funktioniert.
B) Bitte ebenfalls um Darlegung, dass Preise dem System und nicht dem Markt geschuldet sind.
Ich versuche mit Gegenbeispielen die Antworten zu antizipieren:
ad A) durchschnittliche Versorgungsunterbrechung 2020 in Österreich ohne regional außergewöhnliche Ereignisse 40,07 Minuten/Jahr. Italien 65,03 Minuten/Jahr; in der italienischen Statistik sind jedoch die außergewöhnlichen Ereignisse bereits mit einkalkuliert und man sollte bedenken, dass gewisse kritische Zonen diese Statistik verzerren. Eine davon ist lustigerweise Südtirol mit 204,71 Minuten
(https://www.e-control.at/documents/1785851/1811582/AuSD_V2021_fuer_Berichtsjahr_2020.pdf/4bcf0051-7c06-7e09-93ac-09e2e3d145ce?t=1634548764135 und https://www.arera.it/sas-frontend-cse/html) und der ironische Unterton ist nicht ungewollt.
ad B) Strompreise kommen ausschließlich auf Strombörsen oder auf (Strom)terminmärkten zustande, das oft zitierte “System” ist dabei vollkommen unrelevant. Im September 2021 kam in GB ein stündlicher Strompreis von 1000€/MWh zustande, im Frühjahr 2021 in den USA von 9000€/MWh. Die Gründe hierfür sind vielschichtig, aber wollen wir die Briten und Amerikaner pauschalisierend verunglimpfen und ihnen vorwerfen ein “schlechtes System” zu haben?

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