Digitalianisierung: Zertifizierte E-Mail.

Weil ÖSDI, elektronische Rechnung, digitale Unterschrift und neue Registrierkassen noch nicht genug waren, zieht jetzt die zertifizierte E-Mail (PEC) nach:

Klar, Aruba ist ein privater Anbieter, doch erstens handelt es sich um den Platzhirsch und zweitens gibt es zum Beispiel in meinem Fall eine Konvention mit der Berufskammer, die einen Anbieterwechsel schmerzhaft machen würde. Zudem ist die PEC ein staatlich kodifiziertes und für viele Berufskategorien verbindlich vorgeschriebenes System.

Übrigens: Obwohl in der abgebildeten Mitteilung steht, dass die Sprache auf Englisch eingestellt würde, war es in Wirklichkeit Italienisch. Weiterhin unterstützt wird neben diesen beiden Sprachen sonderbarerweise ausschließlich Spanisch.

In jedem Fall kann das obige schon quasi als Symbolbild für den Zustand der Südtiroler Zweisprachigkeit im Kontext der Digitalisierung betrachtet werden. Ein Ende ist noch lange nicht in Sicht und auch das Vorhaben der Landesregierung, die digitale Autonomie zu erlangen, scheint eher vor sich hin zu schlummern.

Siehe auch:

Discriminaziun Minderheitenschutz Nationalismus Plurilinguismo Tech&Com | Bilinguismo negato Italianizzazione | | | Italy Südtirol/o | Land Südtirol | Deutsch

Der Kassabon wird einsprachig.

Für viele unbemerkt wurde hierzulande wieder einmal eine technologische Änderung umgesetzt, die für viele Betriebe zunächst mit organisatorischem Aufwand und Ausgaben verbunden war: alle Registrierkassen, die nicht bereits dafür vorbereitet waren, mussten mit neuen Geräten ersetzt werden, die ihre Daten elektronisch mit der Einnahmenagentur austauschen können.

In diesem Zuge kam es de facto — wie so oft, wenn Neuerungen im digitalen Bereich eingeführt werden — zu einem deutlichen Schub weg von der Zweisprachigkeit und hin zur alleinigen Staatssprache.

Seit dieser kleinen Revolution halten wir nach einem Einkauf keine herkömmlichen Kassenbelege mehr in der Hand, sondern ein »Handelsdokument«, das »einen Verkauf oder eine Dienstleistung« bescheinigt. Große Teile dieses Dokuments — nämlich jene, die ich im obigen Beispiel rot hinterlegt habe — sind in der Praxis nur noch einsprachig. Jedenfalls habe ich seit der Umstellung noch kein Exemplar in die Hand bekommen, auf dem diese Angaben auch auf Deutsch angeführt gewesen wären.

Dabei ist es — wie bei der elektronischen Rechnung — relativ unerheblich, ob die neuerliche Italianisierung ausdrücklich ins Gesetz (oder in die technischen Spezifikationen für die Geräte) geschrieben wurde oder ob es sich »nur« um eine Nebenwirkung handelt. Das Ergebnis ist und bleibt, dass die Digitalisierung im Nationalstaat zur sprachlichen Homogenisierung führt. Ob ÖSDI, elektronische Rechnung, digitale Unterschrift oder jetzt die Vernetzung der Registrierkassen — bei diesen strukturellen Eingriffen von oben wird die staatliche lingua franca zum Nachteil der Minderheitensprachen gestärkt.

Siehe auch:

Discriminaziun Minderheitenschutz Nationalismus Plurilinguismo Tech&Com Verbraucherinnen Wirtschaft+Finanzen | Italianizzazione | | | Italy Südtirol/o | | Deutsch

Landesregierung für ladinische Identitätskarte.
Vorschlag gutgeheißen

Nachdem es endlich geglückt ist, die deutsche Sprache auf der elektronischen Identitätskarte unterzubringen, arbeitet die Landesregierung weiterhin daran, dass auch die ladinische Sprache berücksichtigt wird. Hiezu genehmigte sie am Dienstag letzter Woche (28. Juli) einen entsprechenden Vorschlag des Kulturinstituts Micurà de Rü, der nun an das Regierungskommissariat und an das römische Innenministerium weitergeleitet wird.

Am 9. Juli hatte die italienische Innenministerin Luciana Lamorgese (parteilos) in Beantwortung einer entsprechenden Anfrage von Senator Meinhard Durnwalder (SVP) angekündigt, das Projekt vorantreiben zu wollen.

Schon seit 2006 — also knapp eineinhalb Jahrzehnten — wäre der Staat per DFB zum Autonomiestatut verpflichtet, die Ausgabe von dreisprachigen Identitätskarten in Badia, Corvara, S. Crestina, Mareo, S. Martin de Tor, Sëlva, und Urtijëi zu ermöglichen. Im Jahr 2011 kamen die ladinischen Fraktionen von Ciastel/Kastelruth (Bula, Runcadic und Sureghes) hinzu.

Doch wie wir wissen, können sich die Zeiten in einem Nationalstaat drastisch unterscheiden, je nachdem, ob es um die Staats- oder um eine Minderheitensprache geht. Inzwischen werden in Ladinien eben illegal Ausweise verteilt, die die dortige Hauptsprache nicht beinhalten.

Siehe auch:

Discriminaziun Minderheitenschutz Nationalismus Plurilinguismo Politik Recht | Good News | Meinhard Durnwalder | | Italy Ladinia Südtirol/o | Land Südtirol SVP | Deutsch

Öffnungszeiten: Vielleicht.

Während die Durchführungsbestimmung zu den Ernennungen beim Rechnungshof erneut vertagt wurde, genehmigte die Zwölferkommission gestern einen Entwurf, der die Zuständigkeit, die Ladenöffnungszeiten eigenständig zu regeln, wiederherstellen soll. Ob dies tatsächlich zu einer einschlägigen Durchführungsbestimmung führen wird und wie diese gegebenenfalls aussehen wird, steht noch in den Sternen. Dies auch, weil keine der vom Staat ernannten Vertreterinnen in der paritätischen Kommission für den Vorschlag gestimmt haben: Antonio Ilacqua, seines Zeichens persönlicher Berater von Regionenminister Francesco Boccia (PD), stimmte dagegen, alle anderen enthielten sich. Die von den Ländern und von der Region ernannten Mitglieder genehmigten den Entwurf also alleine.

Das Trentino war kürzlich vorgeprescht und hatte bereits ein eigenes Ladenschlussgesetz verabschiedet. Ob es von der Zentralregierung angefochten wird oder nicht, ist noch unklar.

In Deutschland wurde die Materie 2006 föderalisiert und ist seitdem Ländersache. In der Schweiz entscheiden die Kantone. Vielleicht bekommt ja jetzt auch unsere allerbeste Autonomie diese Basiskompetenz zurück. Doch zunächst geht die Vorlage zur Begutachtung an die zuständigen Ministerien in Rom.

Siehe auch:

Comparatio Föderal+Regional Politik Recht Subsidiarität Vorzeigeautonomie Wirtschaft+Finanzen Zuständigkeiten | Autonomievergleich | | | Deutschland Italy Südtirol/o Svizra Trentino | Land Südtirol PD&Co. Region Südtirol-Trentino Sechser-/Zwölferkommission Verfassungsgericht | Deutsch

Merkwürdigkeiten der Geschichtspolitik.
Quotation 620

[G]leich neben dem Heller-Garten am Gardasee [steht] die Villa von Gabriele D’Annunzio, die ich für mein neues Buch unlängst besucht habe. Im Zuge meiner Recherchen bin ich auf die Geschichte der Enteignungen gestoßen. Sowohl Hruska als auch die Villa des Kunsthistorikers Heinrich Thode, die sich D’Annunzio unter den Nagel gerissen hat und zum Vittoriale ausgebaut hat, wurden während des Ersten Weltkriegs enteignet. Es gehört wohl zu de[n] Merkwürdigkeiten der italienischen Geschichtspolitik, dass diese Villa nie an ihre rechtmäßigen Erben zurückgegeben wurde. Sogar die Kunstsammlung Thodes, offensichtliche Raubkunst, wird im Museum stolz präsentiert.

Matthias Dusini, Leiter des Kulturressorts beim Wiener Falter, im Salto-Interview

Siehe auch:

Arch+Raum Faschismen Geschichte Kunst+Cultura Medien Politik | Geschichtsaufarbeitung Quote | | Salto | Italy | | Deutsch

Digitalizzazione plurilingue. In Slovenia.

In varie occasioni su abbiamo segnalato il monolinguismo imperante nell’ambito della digitalizzazione delle amministrazioni pubbliche italiane. Fanno molto meglio gli Stati costitutivamente plurilingui (come la Svizzera), ma ci sono anche esempi positivi di Stati cosiddetti (mono-)nazionali — ad esempio la Slovenia.

Pochi giorni fa, nel contesto della restituzione del Narodni dom alla Comunità slovena di Trieste, non per la prima volta mi sono imbattuto in un sito governativo della piccola repubblica nata dalla dissoluzione della Jugoslavia — notandone il sostanziale plurilinguismo.

Questo è il caso anche del sito dedicato all’amministrazione digitale, disponibile nella lingua nazionale slovena, ma anche nelle lingue minoritarie ufficialmente riconosciute (l’italiano e l’ungherese), oltre all’inglese:

E non si tratta di un mero plurilinguismo di facciata: anche addentrandosi nelle singole voci, i contenuti — ivi inclusi i moduli da scaricare e compilare — sono disponibili nelle varie lingue, senza necessità di ricorrere allo sloveno.

Chiaramente, non ho potuto (né era nelle mie intenzioni) fare un’analisi esaustiva e rappresentativa, ma tutto ciò che si può appurare con una semplice visita al sito di eGovernment supera di gran lunga (!) quel che noi sudtirolesi siamo abituati da qualsiasi sito delle amministrazioni statali italiane.

Per ragioni di attualità faccio notare che anche il sito sloveno dedicato alla pandemia in corso è disponibile nelle quattro lingue, mentre quello del Governo italiano (a dispetto di quanto raccomandato dal Consiglio d’Europa) è disponibile solamente in italiano e inglese.

Ciliegina sulla torta: sono plurlingui addirittura le URL, ad esempio:

  • Sloveno: gov.si/drzavni-organi/ministrstva/
  • Italiano: gov.si/it/organi-dello-stato/ministeri/
  • Ungherese: gov.si/hu/allamigazgatasi-szervek/a-miniszteriumok/
  • Inglese: gov.si/en/state-authorities/ministries/

Un dettaglio che anche le amministrazioni locali sudtirolesi spesso trascurano.

Insomma, senza voler giudicare la situazione generale delle minoranze italiana e ungherese in Slovenia, sicuramente il plurilinguismo delle istituzioni statali in rete è nettamente più completo ed evoluto che in Italia.

Vedi anche:

Comparatio Gesundheit Minderheitenschutz Plurilinguismo Recherche Service Public Tech&Com | Autonomievergleich Best Practices Coronavirus | | | Italy Slowenien Südtirol/o | | Italiano