Laut aktuellen Umfragen stehen die Chancen derzeit sehr gut, dass die sezessionistische Parti québécois (PQ) am 5. Oktober die Wahl zur Assemblée nationale du Québec gewinnen und anschließend den Premierminister stellen wird. Einer der zentralen Punkte ihres Wahlprogramms ist die Durchführung eines dritten Selbstbestimmungsreferendums nach jenen von 1980 und 1995, um herauszufinden, ob die Bewohnerinnen die Umwandlung der heutigen kanadischen Provinz in einen eigenen Staat wünschen.
Wie bereits beschrieben, unterscheidet sich das Projekt der sozialdemokratischen Parti québécois deutlich von den derzeitigen Unabhängigkeitsbestrebungen in der ebenfalls zu Kanada gehörenden Provinz Alberta.
Vor wenigen Tagen ließ Paul St-Pierre Plamondon, PQ-Chef und aussichtsreicher Spitzenkandidat, die Öffentlichkeit wissen, dass es während der ersten Jahre einer eventuell von ihm geführten Regierung kein Selbstbestimmungsreferendum geben werde, weil ein solches seiner Ansicht nach nicht während der Amtszeit von US-Präsident Donald Trump stattfinden solle. Die Grundsatzfrage nach der politischen Zukunft von Québec sei mit der politischen Instabilität und Unberechenbarkeit, die der Republikaner vom nahegelegenen Washington aus in die Welt setzt, nicht vereinbar.
St-Pierre Plamondon versicherte jedoch, dass die Abstimmung weiterhin auf seiner Agenda stehe und er plane, sie während seiner etwaigen Amtszeit als Premierminister, aber nach dem Ende der Präsidentschaft von Donald Trump am 20. Jänner 2029 anzusetzen.
Scharfe Kritik an den Aussagen des PQ-Chefs übte die linke, ebenfalls separatistische Québec solidaire, die ihm vorwirft, die Zukunft der frankophonen Provinz ganz von der Politik im Nachbarland abhängig zu machen. Was wenn zwar die Ära Trump, aber nicht der Trumpismus zu Ende geht? Würde St-Pierre Plamondon das Referendum durchziehen, wenn zum Beispiel J.D. Vance als Nachfolger von Trump ins Weiße Haus einzöge?

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