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Südtiroler Dialekt?
Quotation 53

Der Südtiroler Dialekt stellt keinen eigenen Zweig des Tiroler Dialektes dar, zumal die Mundart mancher Gebiete Südtirols jener von benachbarten Orten jenseits der Staatsgrenze ähnlicher ist als jener von anderen Südtiroler Gebieten.

Quelle: Wikipedia.

Leider habe ich in letzter Zeit immer wieder — auch von akademisch gebildeten Südtirolern — gehört, in Südtirol werde ein völlig anderer Dialekt gesprochen, als in Nord- und sogar Osttirol (wo doch großteils der Pusterer Dialekt gesprochen wird). Das wurde im Einzelfall sogar als Beleg dafür gewertet, dass Nord- und Südtirol schon vor der politischen Trennung kulturell getrennt waren.

(Ob meine Einschätzung, dass die Unterschiede zwischen dem westlichen und dem östlichen Landesteil größer sind, als jene zwischen südlichem und nördlichem, haltbar ist, weiß ich nicht. Das Wikipedia-Zitat legt es jedenfalls nahe.)

Cultura Plurilinguismo | Zitać | | | Nord-/Osttirol Südtirol/o | | Deutsch

16 replies on “Südtiroler Dialekt?
Quotation 53

Es wird nach Gründen gesucht. Und wenn keine zu finden sind, werden eben welche erfunden. Man muss diese nur immer wieder wiederholen, damit sie glaubhaft wirken!
Und es mittlerweile auch erwiesen, dass ausgerechnet unser akademische Personal eine Selbstbestimmung für nicht notwendig finden. Europa ohne grenzen, Europaregion Tirol bla blabla … usw….lehre Worthülsen, nichts weiter …. aber doch eine Begründung, um nicht deutlicher werden zu müsse … Das einfache Volk würde lieber heute als morgen einer Selbstbestimmung nachkommen. Aber dieses Volk ist bei uns entmündigt und wird als ewiggestrig etc. abqualifiziert- vornehmlich von unserem akademischen Personal …
Übrigens: Wenn von einer“Marende” gesprochen wird, versteht auch heute noch jeder Osttiroler “Jause”… auch wenn er nicht hungrig ist und die Bezeichnung Jause sich überall durchgesetzt hat….

@ Fabian:

Es wird nach Gründen gesucht. Und wenn keine zu finden sind, werden eben welche erfunden

Da bin ich mal mit dir einverstanden… hier ist sicher der (Abgrenzungs-)Wunsch Vater des Gedankens.

@ hunter: Alles andere hätte mich ehrlich gesagt gewundert.

Leider habe ich in letzter Zeit immer wieder — auch von akademisch gebildeten Südtirolern — gehört, dass Südtirol einen völlig anderen Dialekt habe, als Nord- und sogar Osttirol

das finde ich komisch. es ist wissenschaftlich-linguistischer grundkonsens, dass die deutsche sprache in südtirol zu den bairischen dialekten – genauer gesagt den südbairischen – zählt. die aussage klingt ja so, als ob nord-, süd- und osttirol homogene spracheinheiten wären. das ist absurd. vielmehr haben die staatsgrenzen meiner bescheidenen meinung nach recht wenig einfluss auf die ausprägungen der jeweiligen im tiroler raum gesprochenen dialekte. was im ridnaun gesprochen wird, ist dem stubaierischen z.b. ähnlicher als das stubaierische dem kitzbühlerischen. ähnliches gilt – wie pèrvasion richtig bemerkt – für eine form des pusterer dialekts, die auch in weiten teilen osttirols gesprochen wird. vielmehr existiert im westen nordtirols eine sprachgrenze innerhalb der bairischen dialekte. sprecher östlich des zillertales und nördlich des inntales verwenden eine dem salzburgerischen ähnliche aussprache und diktion, die dem mittel- und donaubairischen zuzuordnen ist.

Was richtig ist, ist der Umstand, dass Nord- und Osttirol stärker der “Ausstrahlung” Wiens unterliegen, als etwa Südtirol. Daher sind Begriffe wie “blaad” (fettleibig) oder “Hakn” (Arbeit) hierzulande nicht einmal passiv geläufig, während sie nördlich des Brenners zumindest verstanden werden.

Interessant im Zusammenhang mit Nordtirol ist, dass dort viele Gebiete gar nicht Tirolisch sprechen. Weite Teile des Bezirks Reutte sind schon vom Alemannischen durchdrungen, das Unterinntal spricht bereits mittelbairische Übergangsidiome.

Was auch viele Amateur-Dialektologen außer Acht lassen, ist die Inhomogenität des tirolischen Dialektkontinuums. Die fonetischen Unterschiede zwischen München und Linz sind geringfügiger als etwa zwischen Bozen und dem Sarntal. Wohl aber sind etwa Brixen und Matrei nur mehr für ‘Insider’ zu unterscheiden. Das hat was mit der Topografie und den (historischen) Verkehrsachsen zu tun.

Ein Südtiroler Dialekt ist meiner Ansicht nach ein typisches sprachliches Konstrukt. Schließlich gab es bis ins 20. Jh. ja nicht einmal eine klare Abgrenzung zu ‘Südtirol’. Und nimmt man die pragmatische Definition zur Hand, so müsste Osttirol einen Südtiroler Dialekt sprechen, die Gemeinde Graun im Vinschgau aber nicht (da bis 1919 Teil des Bezirks Landeck).

Für mich ist Südtirolerisch ist ein erfundener Dialekt genauso wie Österreicherisch eine erfundene Sprache ist. Würde aber mal gerne so einen ‘überzeugten’ Akademiiker treffen. Ich muss jetzt schon schmunzeln. :-)

Als “Daitscher” hab’ ich doch eine gewisse Zeit gebraucht, um die Wiener zu verstehen. Strawanza, Schluaf, Gustomenscherl, Ribisel, Karfiol usw.

Als “Daitscher” hat ich auch solche Probleme wenn ich in gewisse südtiroler Täler gehe. Übrigens sind mir “Karfiol” und “Ribisel” aus meiner eigenen Mundart geläufig. :-)

@gorgias
von homogenen spracheinheiten zu sprechen, ist bestimmt falsch, denn die dialekte, die in südtirol bzw. in österreich gesprochen werden sind natürlich größtenteils der bairischen mundart zugehörig und als solche süd- bzw. mittel- und donaubairische mundarten. dennoch gibt es durchaus regionale spezifika, die man als südtirolerisch bzw. österreichisch bezeichnen kann. während in südtirol der einfluss des italienischen recht groß ist (stichwort hydrauliker), gibt es auch in österreichische eigenheiten (fisolen, obers usw.)

Gerade die Italianismen in Südtirol als distinguirende Karakteristika einer südtiroler Mundart zu nehmen gebährt eine gewisse Ironie. Natürlich verwendet der Deutschsüdtiroler Wörter wie Targa, Calcetto usw. die sonst im deutschen Sprachraum nicht verwendet werden, das Vokabular ist aber das Oberflächlichste einer Sprache.

Was aber in der Tiefenstruktur der Sprache liegt wie Idiom, Kadenz, Satzbau und Grammatik ist das nicht so. Dass sich aber der Dialekt in Südtirol seit wir politisch zu Italien gehören, sich so homogenisiert habe, kann wirklich nicht sagen. Wenn ich ins Ahrntal, Sarnthal oder sonst wo hingehe, werde ich mit einer Sprache konfrontiert, die mehr abweicht von meinem Dialekt als jene die ich in Bayern begegne.

seit wir politisch zu Italien gehören

Bist also kein “Daitscher” :-)

@ gorgias
sehr ironisch sogar. aber es ist nun einmal ein faktum und die sprachrealität schert sich wenig um solche befindlichkeit. leider.

ich habe aber weder behauptet, dass sich der dialekt homogenisiert hat, noch dass die unterschiede innerhalb südtirols nicht auch größer sein können, als zu gebieten außerhalb des landes. ich wage aber zu behaupten, dass das italienische nicht bloß einfluss auf das vokabular sondern durchaus auch auf “tiefere” grammatikalische phänomene hat. angefangen jemandem “eine gute arbeit” zu wünschen bis hin zum andernorts unüblichen reflexiven (ist das tatsächlich reflexiv?) gebrauch von verben (mach mir = fammi).

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