Sprachverbot in der Slowakei.

Die Slowakei hat Anfang Juli ein neues Sprachgesetz verabschiedet, mit dem die mündliche und schriftliche Benützung von Minderheitensprachen in der öffentlichen Verwaltung verboten und der prioritäre Gebrauch des Slowakischen im öffentlichen Raum auch Privaten vorgeschrieben wird.

Ebenfalls verboten sind englische Wörter, für die es ein slowakisches Äquivalent gibt. Wer sich nicht an das neue Gesetz hält, kann mit Strafen in Höhe von 100,- bis 5.000,- Euro belegt werden.

Diese Änderung der Gesetzeslage hat in der starken ungarischen Minderheit des Landes (etwa 10% der Gesamtbevölkerung) eine Welle der Empörung ausgelöst. Auch in Ungarn hat der Vorstoß zu deutlichen politischen Reaktionen geführt. Seit 2006 regiert in der Slowakei eine Koalition aus Populisten und Nationalisten.

Alle im ungarischen Parlament vertretenen Parteien fordern das slowakische Parlament auf, das diskriminierende Gesetz zurückzunehmen. Doch aus Pressburg antwortete der slowakische Premierminister, die »Zeiten des ungarischen Königsreiches«, dessen Teil die heutige Slowakei war, seien »vorüber, und die Slowakei wird sich von Budapest nichts diktieren lassen«.

Obwohl beide Staaten Mitglieder der Europäischen Union sind, schweigt die Europäische Kommission bislang in dieser Angelegenheit. Mehrere Abgeordnete forderten, sie möge den diskriminierenden Charakter des Gesetzes deutlich verurteilen.

Quelle: Tribuna.cat

Vermutlich sind das die Minderheitenschutz-Standards der Europäischen Union, auf die Mitglieder der römischen Zentralregierung in Bezug auf Südtirol in regelmäßigen Abständen hinweisen.

Für die Kommission handelt es sich um eine äußerst heikle Angelegenheit, denn die slowakische Norm unterscheidet sich nur in ihrer Härte — nicht aber durch ihren Geist — von der bedauerlichen Sprachpolitik des Gründungsmitglieds Frankreich.

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4 replies on “Sprachverbot in der Slowakei.”

die slowakei hätte viele andere probleme als den schutz der landessprache.
aber genau dieses gesetz wird zu so einem problem werden. aus eigener erfahrung kann ich sagen dass slowakisch (sowie tschechich) eine verdammt schwere sprache ist und aus einem riesigen vokabular besteht. in der mittelslowakei, hauptsächlich niedere tatra, gibt es relativ viele roma/sinti, die ihre kinder nicht an die öff. schulen schicken (ein fast-ghetto-leben) – das wiederum heisst sie können nie richtig slowakisch sprechen, da weder sie noch die slowaken interesse an integration haben. was daraus resultieren könnte kann sich jeder selbst ausmalen.

in den grenzgebieten von ungarn UND der slowakei beruhen die schikanen auf gegenseitigkeit; bzw. vermögende ungarn (vielfach auch als magyarenmafia betitelt) haben sehr grossen einfluss in den slowakischen grenzgebieten und die slowaken fühlen sich dort seit jeher von den ungarn “besetzt” – die slowaken selber haben dort im endeffekt nichts, nicht mal eine “eigene mafia”. und dass sich dort im verhältnis zur bevölkerung so viele roma/sinti niedergelassen haben, die hauptsächlich von zuhälterei/prostitution und diebstahl leben, macht die laune im volk auch nicht gerade besser.

und dass gerade ungarn von einem diskriminierenden gesetz redet, ja da muss ich mich doch glatt am kopf kratzen… fehlt nur noch dass italien sagt “das ist gegen die prinzipien rechtsstaates und ist nicht verhältnismässig” und die EU sagen würde darüber muss es ein referendum geben, dann wär die kommödie nicht mehr auszuhalten.

wahrlich, wir europäer sind ein einig volk von kabarettisten ;)

wie immer sind die dinge nicht so einfach , wie sie erscheinen:
die heutige slowakei war fast 1000 jahre teil der ungarischen krone. kein ungar sprach/spricht von der slowakei: er spricht nur vom “oberland”. ungarischen chauvinismus hat es immer gegeben und er existiert immer noch, selbst in der minderheit in der slowakei.
nach 1918 wurde der künstliche verbund mit der tschechei erfunden, die “tschechoslowakei”. die slowaken wurden nicht wirklich um ihre meinung gefragt.
hitlerdeutschland, dessen verbündeter ungarn war, gab einer etwas kleineren slowakei eine (pseudo)unabhängigkeit, (die erste in ihrer geschichte) dafür den ungarn den streifen land im süden, wo noch heute mehrheitlich ungarn leben. (es sind ca. 600.000.)
nach dem 2. wk kam dieser streifen zur erneut gebildeten tschechoslowakei. die slowaken waren aufgrund ihrer zwielichten rolle erst recht die juniorpartner. die ungarn in der slowakei hatten aber – wie in fast allen kommunistischen ländern – als minderheit keine so schlechte position. die kommis liessen ethnische konflikte nicht zu und versuchten sie, durch relativ großzügige minderheitenregelungen gar nicht hochkommen zu lassen. das war sowohl in der cssr, in ungarn selbst, wie auch in rumänien so.
die wende kam erst 1989: da platzten alle druckkochtöpfe und die multiethnische suppe ging über! jeder anstand wurde über bord geworfen und die verschiedenen ethnieen in den ehemaligen ostblockstaaten machten fröhlich dort mit dem geprügel weiter, wo sie 1914 aufgehört hatten!
in der slowakei hatte dies zur folge, dass sich die slowakische bevölkerungsmehrheit auf die ungarn stürzte, fast, als wolle man sich für 1000 jahre unrecht rächen. der fastgewordene diktator meciar tat alles nötige dazu, um den konflikt anzuheizen. ende 90er jahre war die slowakei neuerlich auf dem weg in eine diktatur.
dann kamen die christdemokraten an die macht, das klima wurde milder, die ungarn kamen in die regierung, stellten sogar den parlamentspräsidenten. aber sie waren – offensichtlich – nicht imstande, für ihre bevölkerung auch nur annähernd den status der deutschen südtiroler zu erlangen. es war eine reihe von verpassten chancen; obwohl die verfassung der slowakei durchaus minderheitenfreundlich ausgelegt ist.
mit fico kam wieder ein altrot-nationales gemisch an die macht und das klima ist wieder unfreundlich für die ungarn. sie sind an allem schuld und eine gefahr für die einheit des staates (sic!).
das jetzige sprachen-anwendungsgesetz ist der höhepunkt dieser entwicklung.
conclusio:
den slowakischen ungarn müsste man fast eine svp empfehlen, um in einer begrenzten zeit, auch mit hilfe europas, minderheitenrechte durchzukämpfen. (sie hatten das auch die “együttélés”, aber die scheiterte von innen).
man muss wissen, dass es – ausser bei den ortstafeln – keine zweisprachigkeit gibt! in jedem ungarischen betrieb müssen sämtliche dokumente auf slowakisch sein! das soll sich ein südtiroler unternehmer mal vorstellen!
ungarisch unterrichtende schulen stellen die zeugnisse auf slowakisch aus. beamte reden zwar ungarisch, wenn sie es selbst sind, aber alle ausgegebenen papiere sind natürlich nur auf slowakisch.
(die polizei ist hingegen in zweisprachigen patrouillen unterwegs.)
von einer ungarischen mafia würde ich nach 16 jahren arbeit in der slowakei nicht sprechen. wenn mafia da war, war sie von meciars freunden aufgebaut.
sinti und roma sind die ärmste schicht und werden sowohl von den slowaken wie von den ungarn verachtet. (und – wie im obigen kommentar offenbar kritiklos übernommen – auch verschiedener standarddelikte beschuldigt).
was ist der ausblick?
ich finde, die südtiroler sind verpflichtet, den ungarn in der slowakei ihre hilfe anzubieten: auf fuev-ebene, auf eu-ebene, auf zwischenstaatlicher ebene, mit ihren parlamentariern in rom.
es ist eine schande, was heute, mitten in europa, vor unseren toren, noch für unterdrückungsmassnahmen zu gesetz gemacht werden. denn diesen ungarn fehlt das, was uns die österreichische schutzmachtfunktion war: die slowakei verbietet sich strikt jede einmischung ungarns in ihre “inneren” angelegenheiten. und keine institution der welt fühlt sich dafür zuständig!

Das ist die Folge von so heiligen Kühen wie die “territoriale Integrität” (die der internationalen Gemeinschaft auch ein Eintreten gegen die Junta in Burma unmöglich macht), die “Nichteinmischung” und “Souveränität”. Und das in der EU! Da soll Herr Frattini bloß noch einmal mit dem europäischen Geist kommen, die können sich noch alle was von uns abschauen, nicht umgekehrt.
Das Völkerrecht ist in großen Teilen veraltet und bedarf einer gründlichen Überarbeitung, damit Unrecht beendet werden kann. Nur wenn Erdöl im Spiel ist (Afghanistan, Irak…) ist das auch schon heute möglich, dann aber nur über die Köpfe der Menschen hinweg und mit einer tödlichen Kriegsmaschinerie. Ist das schon alles?

APA/AP

Regierungschef der Slowakei, Robert Fico: Solyom ist unerwünscht Politik

Slowakei verbietet ungarischem Präsidenten Solyom die Einreise
Die slowakische Regierung greift zu drastischen Mitteln, um den umstrittenen Besuch des ungarischen Präsidenten Laszlo Solyom in der slowakischen Grenzstadt Komarno (Komarom) zu verhindern.

Wenige Stunden vor der geplanten Teilnahme Solyoms an der Einweihung einer Statue für den ungarischen Nationalheiligen Stephan I. in Komarno teilte der slowakische Regierungschef Robert Fico am Freitagnachmittag in Bratislava nach Angaben der Nachrichtenagentur TASR mit, dass dem ungarischen Präsidenten die Einreise in die Slowakei verweigert werde.

Seine Entscheidung stehe im Einklang mit slowakischem und europäischem Recht, sagte Fico und sei der ungarischen Regierung zuvor in einer diplomatischen Note mitgeteilt worden.

Fico hatte den Besuch als “grobe Provokation” bezeichnet, weil er mit dem Jahrestag der Niederschlagung des “Prager Frühlings” durch Warschauer-Pakt-Truppen zusammenfällt, an der im Jahr 1968 auch ungarische Verbände beteiligt waren.

Die slowakische Staatsspitze hatte Solyom bereits am gestrigen Donnerstag in einer Presseerklärung zur unerwünschten Person erklärt, und Staatspräsident Ivan Gasparovic zitierte den ungarischen Botschafter zu sich, um auf eine Absage des von Budapest als “privat” eingestuften Präsidentenbesuchs zu drängen.

Der konservative ungarische Präsident zeigte sich jedoch unbeeindruckt und erklärte, dass er an seinem Besuch festhalte und “im Geist der Zusammenarbeit” nach Komarno komme.

Die traditionell schwierigen Beziehungen zwischen Ungarn und der Slowakei, in der eine große ungarische Volksgruppe lebt, haben sich nach dem Antritt der links-nationalistischen Regierung Fico im Jahr 2006 massiv verschlechtert.

Budapest wirft der Fico-Regierung vor, die Rechte der 500.0000 Menschen zählenden Volksgruppe zu schmälern. So wurde jüngst ein Sprachengesetz beschlossen, das Sanktionen für den Nicht-Gebrauch der slowakischen Staatssprache in der Öffentlichkeit vorsieht.

Bratislava sieht umgekehrt irredentistische Tendenzen innerhalb der ungarischen Minderheit. Bis zum Zerfall der Donaumonarchie im Jahr 1918 war die Slowakei ein Teil Ungarns.

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