Parteizentralen der Zentralparteien.

Laut Zeitungsberichten der letzten Tage zittern Vertreter linker wie rechter »italienischer« Parteien um ihre Listenplätze bei den kommenden Parlamentswahlen. Nach wie vor wird in Rom entschieden, wer für Südtirol ins Rennen geht. Dann frage ich mich aber, wie man sich glaubwürdig um die Weiterentwicklung unserer Autonomie bewerben will, wenn man selbst noch nicht hier angekommen ist.

Bereits vor Monaten hatte ich geschrieben, eine stärkere Emanzipierung von zentralstaatlichen Strukturen sei für Parteien, die sich um die politische Vertretung dieses Landes bewerben unaufschiebbar. Als peripherer Ableger einer römischen Partei kann man den besonderen Bedürfnissen dieses Landes wohl kaum gerecht werden. Vielleicht sollten sich z.B. die Südtiroler Linksdemokraten bei ihren baskischen (PSE-EE), katalanischen (PSC) und galicischen Freunden (PSdeG) umsehen. Die verstehen sich zwar offiziell als regionale Vertretung von Zapateros Arbeiterpartei (PSOE), führen jedoch die Interessen ihrer Länder nicht nur als eigenständige Parteibezeichnung im Namen. Von Madrid lässt man sich da nur ungern dreinreden und ist im Gegenteil auch dort mit eigener Stimme klar und deutlich zu vernehmen. Ein anderes Modell wäre jenes der CSU in Bayern.

Schlössen sich etwa über die Sprachgrenzen hinweg sämtliche sozialen Elemente der Südtiroler Parteienlandschaft zu einer territorialen (autonomistisch-independentistischen) Sozialdemokratischen Partei zusammen, wäre dies ein großer Gewinn für unser Land. Eine etwaige SPS könnte auf Staatsebene das Linksbündnis unterstützen, ohne sich einer einzelnen Zentralpartei zu unterwerfen. Derzeit hingegen bleibt nur die VP als glaubwürdige Vertretung Südtiroler Interessen gegenüber Rom. Der Demokratie ist es bekanntlich nicht gerade zuträglich, wenn man dem Wähler (so ihm unser Land am Herzen liegt) keine Wahl lässt.

Nachtrag: Auch im Blog von Silvano Bassetti ist heute ein Beitrag zu diesem Thema erschienen. Einsicht, das ist der erste Schritt zur Besserung.

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2 replies on “Parteizentralen der Zentralparteien.”

Pervasion: Bin voll auf deiner Linie, die Südtiroler Linksdemokraten sollten, dem regionalen Beispiel der katalanischen PSC, oder der galicischen PSdeG folgen. Dann hätten wir eine territoriale sozialdemokratische Partei, eine territoriale Partei die sozialdemokratisch ausgerichtet ist, die würde mehr als gebraucht werden. Und da in den Südtiroler Linksdemokraten auch deutsche Mitglieder sind, habe ich gesehen, dürfte dieses Vorhaben nun wirklich kein Problem sein.

Zweifelsohne ist die oben genannte Richtung jene, die wir gehen werden müssen. Wer in Südtirol ernsthaft Politik machen will, muss die erfolgte Entwicklung der Autonomie zur Kenntnis nehmen und kann sich nicht bloß als Ableger einer nationalen Partei verstehen. Den Grünen ist das insofern gelungen, als dass sie nur in Südtirol wirklich existieren, und somit der gesamtstaatlichen Grünen Partei einfach ihre Positionen aufdrücken können, ohne befürchten zu müssen, “von da unten” fremdbestimmt zu werden. Schliesslich sind fast alle Mitglieder der Grünen Italiens Südtiroler. Bei den Linksdemokraten ist die Gewichtung völlig anders, und während sich die Trentiner durchaus autonom positionieren können, muss diese “Autonomisierung” bei der Südtiroler DS, die in Zukunft wahrscheinlich Namen ändern werden, erst vollzogen werden. Es hängt vor allem von der Zukunft und der Stärke des Sekretärs Christian Tommasini ab, ob der Plan umgesetzt werden kann. Im Gegensatz zu anderen Genossen, die nur die Stadt Bozen sehen, hat er durchaus ein Gespür für das, was in der “Provinz”, also auf dem Lande, in den kleineren Städten und den Dörfern, passiert. Die Schaffung von Basisorganisationen auf Bezirksebene, deren die DS Unterland die erste ist, kann ein Schlüssel dazu sein.

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