Bei den Wahlen zum Andalusischen Parlament vom vergangenen Sonntag konnte die rechte Volkspartei (PP-A) zwar ihre Position als stärkste Partei verteidigen, sie verlor jedoch die absolute Mehrheit. Im Jahr 2018 hatte die PP eine 35 Jahre währende Dominanz der sozialistischen PSOE gebrochen und 2022 erstmals eine Mehrheit errungen, die es ihr gestattete, allein zu regieren.
Während die PSOE bei der aktuellen Wahl weitere zwei Abgeordnete einbüßte und die rechtsradikale Vox einen Sitz dazugewann, sorgte vor allem die andalusisch-souveränistische Linke von Adelante Andalucía für Furore: Sie konnte ihre Mandate von zwei auf acht vervierfachen und überholte damit die alternative Linkskoalition Por Andalucía, die ihre bisherigen fünf Sitze verteidigte.
Auch in der kommenden Legislaturperiode wird Adelante Andalucía im 109 Sitze umfassenden Parlament wohl keine Schlüsselrolle einnehmen. Die politischen Spielräume dieser Kraft, die für einen deutlich stärkeren andalusischen Selbstbestimmungskurs eintritt, werden jedoch größer.
Das Ergebnis fügt sich in eine breitere Entwicklung auf spanischem Staatsgebiet ein: Während klassische gesamtstaatliche Linksparteien wie Podemos, Sumar, Izquierda Unida oder die Comuns mit ihren jeweiligen regionalen Marken vielerorts an Zustimmung verlieren oder zumindest stagnieren, können territorial verankerte linke Kräfte mit autonomistischem oder separatistischem Profil teils deutlich zulegen — nicht nur in Gebieten, in denen seit jeher starke Unabhängigkeitsbewegungen existieren, wie in Euskadi (Baskenland), Galicien oder Katalonien.
Gerade im Fall Andalusiens ist dies bemerkenswert, weil die Region lange eher mit einem sozialdemokratisch geprägten spanischen Regionalismus als mit ausgeprägtem Souveränismus in Verbindung gebracht wurde. Dass nun eine explizit andalusistisch positionierte, antikapitalistische Linke deutlich zulegen kann, deutet auf eine mögliche Verschiebung im progressiven Lager hin, auch wenn im Parlament weiterhin eine rechte Mehrheit vorherrscht.

Scrì na resposta