…und jährlich grüßt das Murmeltier.

Nachdem ich es im vergangenen Jahr haarscharf vor Jahresfrist zuwege brachte, meine erste italienische Steuererklärung zu machen, war ich heuer trotz der letztjährigen Odyssee guter Dinge. Ich hatte nämlich 2013 alles so gemacht, wie mir geraten wurde. Würde ich meine Honorarnoten auf meine italienische Adresse ausstellen, dürfte es keine Probleme geben, hieß es. Ich könne zwar keine Betriebsausgaben absetzen und die Steuer würde auf den Umsatz und nicht auf den Gewinn berechnet (was ich nach wie vor für widerrechtlichen Schwachsinn halte. Ich habe aber weder die Zeit, noch das Geld und die Geduld, dies bis zum europäischen Gerichtshof durchzuprozessieren), aber es gäbe zumindest keine Schwierigkeiten mit der Erklärung. Ich also auf zum KVW. »Ohne Termin geht leider nichts«, erfuhr ich beim Informationsschalter. »Dann hätte ich bitte gern einen Termin«. »Ich kann Ihnen keinen geben. Da müssen Sie diese Nummer anrufen«. Ok. Warum einfach, wenn’s kompliziert auch geht? Zum ausgemachten Termin geh ich schließlich ein paar Tage später mit meinen Unterlagen zum KVW um … nicht meine Steuererklärung zu machen, sondern … verschickt zu werden. »Das geht so nicht. Das können wir nicht machen.« »Aber ich hab doch alles so gemacht, wie ihr mir letztes Jahr gesagt habt.« »Ich hab jetzt nochmals beim Chef nachgefragt. Geht leider nicht. Tut mir leid.« Ich packe meine sieben Sachen wieder einmal zusammen und überlege, ob ich tatsächlich neuerlich zum Steuerberater muss, der mich mehr kostet, als ich Gewinn gemacht habe. Die jetzt aufkommende Sentimentalität, dass ich früher meine Steuererklärung eigenständig, online, gratis und in 15 Minuten erledigt habe, verdränge ich geschwind. Versuch ich’s halt noch bei der Gewerkschaft. Vielleicht habe ich dort mehr Glück. Ich also auf zum ASGB. »Einen Termin für eine Steuererklärung, bitte.« »Sie brauchen keinen Termin.« Na also. Geht ja. »Die Zuständigen sind nur im Moment nicht da. Kommen Sie morgen wieder.« Da ich am darauffolgenden Tag Termine hatte, verschob ich den Besuch um ein paar Tage. Schließlich dann der Tag der Wahrheit. Nach relativ kurzer Wartezeit werde ich zur Sachbearbeiterin geleitet. Diese nimmt meine Unterlagen und macht — nach Rücksprache und unter Mithilfe des Chefs — meine Steuererklärung. Es kommt zum Glück ein Guthaben raus. »Möchten Sie das Guthaben zu einer etwaigen zukünftigen Gegenverrechnung auf dem Steuerkonto belassen oder soll es ausgezahlt werden.« Da es sich um rund 500 Euro handelt, wünsche ich eine Auszahlung. »Das Geld bekommen Sie dann im Laufe der kommenden zwei Jahre zurück.« »Zwei Jahre??? Ich beantrage eine Rückzahlung und bekomme das Geld in zwei Jahren?« »Genau.« Bei meiner letzten österreichischen Steuererklärung ergab sich ebenfalls ein Guthaben. Ich beantragte die Rückzahlung online und hatte das Geld eine Woche später auf meinem Konto. Egal. Keine Sentimentalitäten hab ich gesagt. Für das Gewerkschaftsservice berappe ich zuguterletzt 120 Euro. Danach werde ich noch mit einem (einsprachigen) Bezahlformular, das einen Betrag von 0 Euro aufweist, auf die Bank geschickt, um mir diese 0 Euro bestätigen zu lassen. »Das müssen Sie unbedingt machen, sonst ist die Erklärung nicht komplett.« WTF?

3 Pingbacks/Trackbacks

  • a&a&a

    Erinnert ein wenig an eine Black Box:
    1.) Hinein kommt ein Betrag in €.
    2.) Raus kommt ein kleinerer Betrag in €.
    3.) Was dazwischen passiert weiß nur der liebe Gott.

  • Null Euro musste ich auch schon ein paar Mal »einzahlen«. Ist doch »logisch«… damit kannst du nachweisen, dass du nicht aus Nachlässigkeit nichts eingezahlt hast, sondern in vollem Bewusstsein. Im ersteren Fall gibt’s eine Strafe… obwohl man eh nix hätte einzahlen brauchen. Welcome to Italy.

  • Jim

    das mit den Null Euro hat schon seinen Sinn: es wird eine Steuer eingezahlt und mit dem Guthaben einer anderen Steuer verrechnet (z.B. Regionalzusatzsteuer mit Einkommenssteuer).
    Wenn Sie das Guthaben in 2 Jahren zurück bekommen, haben sie schon Glück gehabt 😉
    Ab diesem Jahr gäbe es ein System, das Guthaben innerhalb 6 Monaten zurück zu kriegen, aber lassen wir das…

    • hunter

      mag sein. aber warum muss ich dafür auf eine bank gehen. das sollte doch über das finanzamt verrechnet werden. ich muss doch dem staat über dem umwege der bank nicht sagen, wieviel bei meiner steuererklärung rauskommt. das sollte der doch wissen. die vernetzung ist eine katastrophe.

  • Steve

    Als Privater hab ich solche Rennereien zum Glück nicht, aber die kleine Anekdote will ich euch trotzdem nicht vorenthalten:
    Vor ein paar Tagen habe ich Post von der Agentur für Einnahmen erhalten, wonach ich ein Guthaben von 28€ hätte, welches ich mit der nächsten Steuererklärung verrechnen könne. Allerdings müsse ich vorher anrufen oder eine PEC-Mail schicken, um mir das Guthaben bestätigen zu lassen. Also rufe ich die (ausschließlich einsprachig besetzte, nicht gebührenfreie) Telefonnummer an und schildere meinen Fall. Die freundliche Person am anderen Ende sagt mir, sie glaube den Punkt gefunden zu haben, wo diese 28€ herkommen könnten (sic!), aber auf jeden Fall müsste das mit dem Verrechnen schon klappen. Wenn ich eine E-Mail-Adresse angebe, so bekomme ich ein Bestätigungsmail, um das Guthaben dann mit der nächsten Steuererklärung verrechnen zu können.
    Man fragt sich natürlich schon, warum ich nicht einfach mit dem Brief die Steuererklärung machen kann, sondern mir die Richtigkeit dieses Briefs noch per Mail bestätigen lassen muss…Wissen die nicht, was sie verschicken? Oder ist das bloß eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme? Und dann von Bürokratieabbau reden…

    • hunter

      unglaublich

  • Pingback: Ein Bild und keine tausend Worte. | Brennerbasisdemokratie.()

  • Pingback: Dialoge des Wahnsinns. – Brennerbasisdemokratie.()

  • Pingback: Bürokratiemonster elektronische Rechnung. – Brennerbasisdemokratie.()