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Spanien: Leserbrief.

Aus: Dolomiten vom 10.03.08.

Windegger: Vorausgeschickt.

Dieser mein Leserbrief zu Windeggers – schwachsinniger – Analyse wurde bis dato nicht veröffentlicht:

Was Herr Windegger am Montag »vorausgeschickt« hat, kann man so keinesfalls stehenlassen: Herr Zapatero hat in Spanien nicht nur »medienwirksame Aktionen« durchgeführt, sondern ein klares, sozialdemokratisches Programm umgesetzt. Handfeste Politik, so handfest, dass etwa nicht einmal die unterlegene Volkspartei (PP) die Homo-Ehen rückgängig machen wollte.
Die »einstige Kolonialmacht« verliert nicht an Bedeutung, sondern ist gesellschaftlich, kulturell und wirtschaftlich eine der dynamischsten und innovativsten Regionen der EU. Und dies, obschon sie sich der Kirchenobrigkeit nicht willig unterordnet, wie man’s zum Beispiel von Italien gewohnt ist. Der König wurde auch nicht von Chavez angepöbelt, sondern ist umgekehrt eingeschritten, um den venezolanischen Präsidenten davon abzuhalten, eine Rede Zapateros durch ständige Zwischenrufe zu unterbrechen.
Was zuletzt die Basken betrifft, deren schlechte Behandlung Herr Windegger anprangert, so muss man (ohne gewisse Zwischenfälle schönreden zu wollen, nichts liegt mir ferner) festhalten, dass »Euskadi« eine weitergehende, besser ausgebaute Autonomie genießt, als unser gepriesenes Modell-Land. Wenn Sie unterdrückte Minderheiten suchen, müssen Sie schon nach Frankreich und – teilweise – Italien schauen.

Verschickt am 10.03.2008.

Nachtrag: Das Video des Zwischenfalls in Chile. Mit englischen Untertiteln.

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13 replies on “Spanien: Leserbrief.”

Tutto bene. Solo: l’ultima frase t’è un po’ scivolata di mano (almeno se alludevi al Sudtirolo: non conosco bene lo status delle altre minoranze che vivono in Italia). Ma l’impressione (anche in me, figurati) è che tu dica che l’Italia “opprima” (ancorché parzialmente) la minoranza tedesca. Suvvia. Proprio tu, proprio noi, non possiamo permetterci di usare questo linguaggio.

Keine Angst, ich habe mich – zum Beispiel – auf das hier bezogen. Und auf diesen meinen Hinweis: All jene, die Italien für den »wunderbaren Schutz der Südtiroler« dankbar sind, mögen sich in Sardinien, Friaul oder Julisch Venetien umtun. Dort werden sie sehen, was ohne Pariser Verträge, UNO und – ja – Österreich aus uns geworden wäre.

Schade, dass das »teilweise« im Leserbrief nicht ausgereicht hat, um diesen deinen Eindruck zu vermeiden. In Südtirol muss man immer noch sehr viele Worte verlieren, um Selbstverständliches zu sagen.

Claus Gatterer (sempre sia lodato) ha scritto un libro di 2000 pagine dimostrando ad abundatiam che l’Italia NON è uno Stato particolarmente versato nella tutela delle minoranze. Come tu stesso dici, però, ciò non rappresenta una particolare eccezione nel panorama europeo, così marcatamente orientato al modello nazionale.

Però tu vuoi pubblicare una lettera rivolgendoti a lettori “sudtirolesi” e allora è veramente necessario spendere qualche parola in più per specificare. Purtroppo – e lo sai meglio di me – qui nulla è così meno “selbstverständlich” di una valutazione oggettiva della nostra situazione. Ci sono gli italiani che parlano di “disagio” e di “apartheid” e ci sono i tedeschi che parlano di “giogo” e di “oppressione” di uno stato straniero. Sono entrambe versioni idiote e da rigettare. Va sempre detto, va sempre ribadito, va sempre sottolineato. Anche se costa qualche parola in più.

In Südtirol wird ein großes Geheimnis um die Situation anderer Minderheiten in Europa gemacht, damit niemand merkt, dass wir uns längst aus einer dynamischen, advantgardistischen Gesamtentwicklung ausgeklinkt haben. Es muss der Glaube vorherrschen, wir seien die Beschtigschtn und ein Modell für alle anderen.

Dieses Blog ist eines der wenigen Medien in unserem Land, das sich diesem Eindruck widersetzt. Auch der Leserbrief schlägt in diese Kerbe, denn was den Dolomiten nicht passt, gehört totgeschwiegen oder kaputtgeschrieben.

Sehr guter Leserbrief. In den Dolomiten muss der Ball natürlich kurz gehalten werden, wenn eine sozialdemokratische Regierung (Spanien) sehr gute Arbeit geleistet hat. Hier gäbe es viele interessante Aspekte zu beleuchten, beispielweise das rabaukenhafte Niveau der spanischen Volkspartei – zu vergleichen mit dem Niveau der italienischen Rechten (die sich selbst gerne als Mitte bezeichnet).
Thomas Benedikter schreibt in seinem Buch “Autonomien der Welt”, dass sich die einzelnen Autonomien aufgrund unterschiedlicher Geschichte und anderer gesellschaftlicher, politischer und sozialer Rahmenbedingungen natürlich nie 1 : 1 vergleichen lassen. Trotzdem bietet jedes Autonomiesystem und jede Minderheitensituation interessante Detailaspekte für unser Land. Die Südtiroler Nabelschau ist für die Entwicklung unserer Autonomie wenig hilfreich. In vielen Bereichen würde Südtirol im Vergleich zu anderen Autonomieregelungen tatsächlich nicht sehr gut abschneiden. Aspekte von Sportautonomie in Schottland und auf den Färöer Inseln, die Finanzregelung von Schottland, die Regionalbürgerschaft der Aland Inseln, die Tatsache (heute in Südtirol nicht mehr relevant), dass die Aland Bewohner nicht dem finnischen Militärdienst unterworfen sind, gar nicht zu reden von der quasi Souveränität Grönlands und den grönländischen Möglichkeiten Abkommen auf beinahe Staatsvertragsebene zu schließen. Die Färöer-Inseln verfügen übrigens auch über die Möglichkeit eigene Geldscheine auszugeben (Wechselkursverhältnis 1 : 1 zur dänischen Krone). Die MünzsammlerInnen Europas würden an Südtiroler Euro Münzen sicher einigen Gefallen finden….

Die heilige katholische Kirche ist Miteigentümerin vom Athesia-Konzern, Windegger muss also Herrchen georchen.

Wer also Homo-Ehen einführt, kann kein guter Mensch sein, und wenn es keine anderen Argumente dagegen gibt muss man halt erfinderisch werden. Die meisten Leser kommen eh nicht drauf, dass die Welt in Wahrheit ein bisschen anders ist als vom Weinbergweg aus gesehen.

Naja, die Dolomiten sind es gewohnt, die Realität in Südtirol nicht nur zu beschreiben, sondern sie zu “machen”. Dass dies mit dem Ausland nicht klappen wird, müssen sie erst begreifen. Dafür ist die Macht der christlichen Brüder wohl doch nicht groß genug.

ni_wo, Benedikters Buch wäre eigentlich ein guter Impfstoff gegen die Unnachahmliche-Modellautonomie-Krankheit.

In Südtirol ist man aber von der brutalen Ausgrenzung von Systemkritikern (A. Langer, Norbert C. Kaser u.v.m.) dazu übergegangen, sie einfach gewähren zu lassen und zu ignorieren. Eine subtilere Art der Unwirksammachung kann man sich kaum ausdenken. Auch Benedikters Buch wird gelesen, ja gefeiert; im Grunde wird es aber von sich aus nichts bewirken.

Noch etwas zum Thema: Hervorragend, wunderbar wie Zapatero seinen politischen Gegner Aznar in dem Video vor untergriffigen Beleidigungen in Schutz nimmt. Ein richtiger Demokrat. Verständlich, dass sich die Athesia vor einem solchen Sozialisten (und Politiker) fürchtet.

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