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Ladinerinnen wachsen am schnellsten.

Eine Aussage der soeben veröffentlichten Ergebnisse der letzten Volkszählung, die es hervorzustreichen gilt: Ungeachtet des zahlenmäßigen Verhältnisses der Sprachgruppen zueinander sind in absoluten Zahlen alle drei gezählten Gemeinschaften während des letzten Jahrzehnts gewachsen. Am schnellsten — um 50% schneller als die deutsche und mehr als doppelt so schnell wie die italienische Sprachgruppe — sind erstaunlicherweise die Ladinerinnen gewachsen, nämlich um fast 10% (von 18.736 im Jahr 2001 auf 20.548 im Jahr 2011). Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung, die zeigt, dass sich Bürgerinnen aller Sprachgruppen in diesem Land wohlfühlen. Die Italienerinnen wachsen etwas langsamer, als die anderen Sprachgruppen, weil sie vor allem in den Städten leben, wo Familien (egal welcher Sprachgruppe sie angehören) im Durchschnitt kinderärmer sind. Trotzdem sind auch sie in absoluten Zahlen gewachsen, weshalb man aus dem minimalen anteilsmäßigen Rückgang nicht schließen darf, dass viele italienische Südtirolerinnen gezwungen waren, wegzuziehen.
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3 replies on “Ladinerinnen wachsen am schnellsten.”

Ein paar Gedanken zur zukünftigen Entwicklung: Laut ASTAT sind 2011/12 an den Südtiroler Grundschulen 27.544 Schüler eingeschrieben, davon 72,8% in jenen mit deutscher, 22,5% in jenen mit italienischer Unterrichtssprache und 4,7% in den Schulen der ladinischen Tälern. Wenn man die Schüler mit ausländischem Pass subtrahiert, die an den italienischsprachigen Schulen immerhin gut ein Fünftel
ausmachen, dann ergibt sich ein Verhältnis von 75,4% zu 19,6% zu 5,0%.
In den Mittelschulen schaut es ähnlich aus, von 17.606 Schülern sind 73,1% an deutschsprachigen, 22,1% an italienischsprachigen Schulen und 4,8% an Schulen in den ladinischen Tälern eingeschrieben. Subtrahiert man die Schüler mit ausländischem Pass, dann steht es 76,0% zu 18,9% zu 5,1%.

Auch wenn man den Effekt nicht messen kann, ob die Italiener ihre Kinder häufiger an deutschsprachige Schulen schicken als umgekehrt, so scheint die italienische Sprachgruppe im Land -trotz starker ausländischer Unterstützung- doch ein erhebliches Nachwuchsproblem zu haben.

Hier noch die Zahlen (Quelle: ASTAT):
27.544 Grundschüler, davon 2588 mit ausl. und mit 24.956 ital. Pass
20052 dt.Schule (72,8%), davon 1225 Ausländer –> 18827 (75,4%) mit ital. Pass
6197 ital.Schule (22,5%), davon 1310 Ausländer –> 4887 (19,6%) mit ital. Pass
1295 ladin.Schule (4,7%), davon 53 Ausländer –> 1242 (5,0%) mit ital. Pass

17.606 Mittelschüler, davon 1528 mit ausl. und 16.078 mit ital. Pass
12870 dt.Schule (73,1%), davon 645 Ausländer –> 12225 (76,0%) mit ital. Pass
3891 ital.Schule (22,1%), davon 861 Ausländer –> 3030 (18,9%) mit ital. Pass
845 ladin.Schule (4,8%), davon 22 Ausländer –> 823 (5,1%) mit ital. Pass

Bei den sogenannten ladinischen Schulen dürfte ein bedeutender Prozentsatz der Schüler aus deutschen und italienern bestehen. In den ladinischen Tälern gibt es nämlich so weit ich weiß weder deutsche noch italienische Schulen.

Außerdem gibt es genaugenommen gar keine ladinischen Schulen. In den ladinischen Tälern findet der Unterricht etwa zur Hälfte auf Deutsch und zur Hälfte in Italienischer Sprache statt. Bei den paar Stunden Unterricht in Ladinischer Sprache kann man wirklich nicht von einer ladinischen Schule sprechen. Aber das wäre jetzt wieder ein anderes Thema.

Es ist wohl ein wenig Off-Topic, es interessiert mich aber und ich hoffe auf Antworten. Warum können z.B. bei einem Turnier wie der Europeada und auch hier im Blog oder sonstwo alle Volks- und Sprachgruppen einen Namen haben (siehe Ladiner, siehe Deutsche in Dänemark, Kroaten in Serbien usw.)? Und warum werden wir deutsche Südtiroler immer nur als deutsch-sprachige Minderheit in Südtirol bezeichnet und nicht wie alle anderen eben als Deutsche, Österreicher oder Ladiner? Woher kommt dieser Komplex nirgends dazu zu gehören?

Siehe:
http://europeada.eu/index.php?inhalt=teams

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