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Freiheitsgewinn.

Serbien und Montenegro.

Nach jener von Tschechien und Slowakei erleben wir heute möglicherweise eine neue friedliche Trennung in Europa: Jene Montenegros (621.000 Einwohnerinnen) von Serbien, im letzten Überrest der ehemaligen jugoslawischen Konföderation. Über die Unabhängigkeit befinden in Ausübung der Menschenrechte und in bester demokratischer Tradition allein die Bürgerinnen Montenegros. Damit könnte auf unserem Kontinent erneut ein Staat mit weniger als einer Million Einwohnerinnen entstehen — wenig mehr Menschen, als in Südtirol leben.

Ungeachtet des Wahlausgangs tragen die Montenegrinerinnen den Sieg davon: Ihre Zukunft wird so sein, wie sie frei beschließen!

Keine Angst vor Demokratie!

Siehe auch: 1/ 2/ 3/ 4/ 5/

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11 replies on “Freiheitsgewinn.”

Hmm. Non lo so. Non so se vale la pena adottare sempre e comunque toni trionfalistici ogni qual volta ne va di una secessione (mi pare che tu identifichi un po’ troppo alla leggera questi due termini: secessione e libertà ). Per una valutazione almeno un po’ più critica dei processi in atto:

http://www.zeit.de/2006/21/Montenegro

à‰, ich weiß um die Bedenken, und ich hab sie bloß nicht angesprochen, weil sie – man sehe die heutige Presse – ohnehin nicht untergehen können. Es besteht keine Gefahr, dass man sich damit nicht auseinandersetzt.

Ich glaube jedoch sehr stark an Demokratie und europäischen Einigungsprozess als wirksame Katalysatoren für eine Entwicklung in die richtige Richtung. So war auch mein Schlusssatz (»Keine Angst vor Demokratie!«) gemeint. Und sollten wir einem (potenziell) korrupten Land die Souveränität absprechen? Wievielen bestehenden Staaten müssten wir dann nachträglich die Legitimation entziehen? Nur die Mündigkeit des demokratischen Wahlvolkes kann m.E. langfristig einen Paradigmenwechsel herbeiführen – eine Gesellschaft, die ihre Zukunft in die Hand genommen hat, wird auch nicht zusehen, wie ihr Wille von korrupten Politikern unterwandert wird. Ich habe großes Vertrauen in diesen Prozess, Zwänge könnten da nur kontraproduktiv, ermattend wirken.

Die heutige Wahl wird von der EU begleitet, mit Fälschungen ist also kaum zu rechnen; dieselbe Union wird dem neuen Land auch ganz genau auf die Finger schauen, Entwicklungen wie im Falle von Rumänien und Bulgarien mehr oder minder erfolgreich lenken. Dass die Risiken schon jetzt sehr breit thematisiert werden, stimmt ohnehin zuversichtlich: Montenegro wird um eine saubere Politik und effizienten Minderheitenschutz nicht herumkommen, will es nicht in die außenpolitische Isolation. Diesbezüglich legt die EU den Neuzugängen strengere Maßstäbe an, als einigen Gründungsmitgliedern.

Aus Südtiroler Perspektive könnte man freilich etwas zynisch sagen: Wenn die internationale Gemeinschaft gestattet, dass dieses Montenegro seine Zukunft selbst in die Hand nimmt, dann dürften auch in unserem Falle gar einige Bedenken wegfallen.

Bei aller Freude über die friedliche Abstimmung in Montenegro, möchte ich doch einen nicht ausgefeilten Gedanken äußern:
Mein Eindruck ist, dass in den letzten Jahren nur “randständige” Länder das Selbstbestimmungsrecht in Anspruch genommen haben (bei allem Respekt ist MN ein randständiges Land). Die Länder des früheren Yu, aber auch Tschechen und Slowaken waren/sind in einer tiefen Krise: Zusammenbruch der Ökonomie, was notwendigerweise zu einer Auflösung der Infrastruktur (materieller Natur, aber auch des Geldes) geführt hat.
Eher im Einklang mit einem wirtschaftlich und infrastrukturell modernen Staat scheint mir das spanische Modell der “Selbstbestimmung” zu sein.

PS: Diese These ist nicht elaboriert bzw. empirisch fundiert, sondern nur ein Gedankenanstoß.

Werner

Dem würde ich zustimmen: Montenegro-, Tschechoslowakei- oder Kossovomodell können wohl kaum auf Südtirol angewandt werden. Zu krass sind die Unterschiede, zu groß die Bedenken: In einem demokratisch unerfahrenen Land wie Montenegro kann – so wie sie sich abzeichnet – eine Nichtanerkennung des Wahlergebnisses durch eine Faktion reichen, um möglicherweise unkontrollierbare Reaktionen hervorzurufen. Dennoch scheint die Ausübung des Selbstbestimmungsrechtes – ob dies nun zur Unabhängigkeit oder zu einer bewussten Beibehaltung (Stärkung) des Istzustandes führt – eine brauchbare Alternative zur Lösung festgefahrener Problemsituationen.

In Spanien wie im Falle Südtirols sind Ausgangslage und Perspektiven völlig andere. Der status quo scheint eine mögliche und vielversprechende Entwicklung zu bremsen, die Loslösung kann neue Kräfte entfesseln, und dies nicht zu wagen scheint mutlos und entmutigend zugleich.

Dessen ungeachtet ist das Referendum in Montenegro, so der demokratische Rahmen nicht gesprengt wird, ein positives Zeichen.

Es stellen sich mir im Zusammenhang mit einem souveränen Staat Südtirol einige Fragen.
– Wie wäre ST innerhalb der EU repräsentiert? Wie könnte sich die Svp-Ebner-Konstellation zugunsten (wenigstens etwas) weniger in persönliche Interessen involvierte Politiker ändern?
– Wäre eine Aufspaltung der SVP in (mindestens) zwei Lager wünschenswert? (Eine “Große Koalition” wäre dann ja möglich; der politischen, demokratischen Auseinandersetzung täte dies auf lange Sicht wahrscheinlich gut.)
– Bliebe ST innerhalb der NATO? Falls ja: Mit welcher Begründung? Falls nein: Welches Militär besäße ST? (Keines? Nur Polizeikräfte? Übertrüge man die “Landesverteidigung” Italien und/oder, was weiß ich, Ö bzw D?.)

Grüße

Was immer vergessen bzw. unterschlagen wird: Ladinien würde in diesem Fall auf zwei Staaten aufgeteilt. Jahrunderte lang war Ladinien bei Tirol (Ladinisch wurde zwar nie anerkannt, aber das ist eine andere Angelegenheit), dann hat Mussolini die Minderheit auf drei Provinzen aufteilen lassen mit dem erklärten Ziel, sie rascher zu assimilieren. Aufgehoben wurde dieses Unrecht nie. Und nun wollen gewissen Leute Ladinien sogar auf zwei Staaten aufteilen. Es wäre das Ende einer gesamten Sprache und Kultur. Das hat selbst der Faschismus nicht zustande gebracht.

Das gesamte Selbstbestimmungsgerede übergeht die Ladiner. Für sie gibt es nur die Deutschen und Ihr Recht auf Selbstbestimmung. Die ladinische Minderheit wird einfach der deutschen Mehrheit (die Deutschen in Südtirol sind Mehrheit, nicht Minderheit) untergeordnet. Wenn eine Volk mehr wert ist als ein anderes …

Minderheitenrechte gelten in diesem Land nur für die Deutschen.

Hallo Matteo,

freut mich, dass Du auch hier reinschaust.
Selbstbestimmung ist eigentlich ein “linkes Konzept”. Und wie die Diskussion in DIESEM und in anderen Foren läuft, kann es in ST nur eine “inklusive” Selbstbestimmung unter Beteiligung aller DREI bzw. mittlerweile VIER oder FÜNF “Sprachgruppen” geben. Wofür viele hier eintreten, ist ein Prozess der Südtiroler Nationsbildung, der niemanden ausschließt. Und schon gar keine Verbindungen kappen will: weder zu Italien noch zu Österreich noch zu den Nachbarn. In diesem Sinn: falscher Alarm.

Werner

hallo,

ja, pervasion hatte mich auf http://www.noeles.net eingeladen, hier reinzuschauen; ich tu es ganz sporadisch.

Auch auf noeles.net habe ich das Thema angesprochen: HIER wird der genannte Aspekt sicher nicht vergessen, aber in der Gesamtdiskussion wird er vollkommen unter den Teppich gekehrt: Pressemitteilungen zum Thema wurden von den Medien in seltener Eintracht ignoriert.

Und übergeht die allgemeine politische Diskussion zur Selbstbestimmung (wie zu allen anderen Themen auch) die Anwesenheit der ladinischen Minderheit in drei Provinzen.

Zur “Nationsbildung”: Sicherlich wäre ein kollektives Identitätsbewußtsein nach Schweizer Modell wünschenswert, aber ich weiß nicht, ob der Begriff der “Nation” dafür verwendet werden sollte.

Die Schweizer hätten uns so vieles vorgemacht:

– vier Sprachen gelten offiziell als Teil der Identität (idée suisse)
– konsequente Anwendung auch des Rätoromanischen in der Öffentlichkeit (in Südtirol sind wir davon weit entfernt)
– angemessener Unterricht in der Schule
– direkte Demokratie
u.v.a. …

hg
Mateo

Zur ”Nationsbildung”: Sicherlich wäre ein kollektives Identitätsbewußtsein nach Schweizer Modell wünschenswert, aber ich weiß nicht, ob der Begriff der ”Nation” dafür verwendet werden sollte.

Si tratta di riuscire a dar vita a qualcosa di descrivibile nei termini di un “nation building” post nazionale. Per intenderci: penso che nell’espressione “nation building” l’accento debba qui cadere più sul verbo che sul sostantivo. Come accade spesso, anche in questo caso il processo è più interessante del prodotto. Non che ovviamente non si debba in linea di principio giungere ad un prodotto (che chiamiamo qui sbrigativamente “nazione”). Ma l’identità  di questa nuova “nazione” deve dipendere esclusivamente dalla qualità  del processo di costruzione che l’ha posta in atto. Mi rendo conto che suoni tutto un po’ confuso. Che volete farci, siamo agli inizi…

@ Schneeflocke
Genau bei deinem Text gibt es nichts mehr hinwegzutun oder hinzuzufügen. Ich bin da ganz deiner Meinung. Da ich auf dem Land lebe, die dortige Mentalität kenne, wird dies (Beteiligung aller drei Gruppen) Schwierig sein, da wir “stückchenweise” selbst im Jahr 2006 im “Volkstumspolitischen Kampf” (Deutsche vs. Italiener) stecken. Habe diesbezüglich in den letzten Monaten von Seiten der Sympathisanten von SVP, F und UfS müssen einiges einstecken, da ich in etwa dies auch Vertrete, mich jedoch konsequent gegen den “Interethnischen” Menschen (Siehe Südtiroler Grüne – Verdi) ausgesprochen habe, jedoch die hier lebenden, vor allem auch hier geborenen Italiener möchte eingebunden wissen. Sie sind hier geboren und haben m.E. nach auch das Recht an diesen Diskussionen teilzunehmen und nicht ausgeschlossen zu werden. Sie sind Bürger des Landes Südtirol. Denn ohne dies so sage ich, brauchen wir NICHT über “Selbstbestimmung / Autodeterminazione” nachzudenken. lg

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