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Junge Grüne für die Selbstbestimmung.

Früher als geplant nehme ich den »redaktionellen« Betrieb nach einer Pause wieder auf, um darauf aufmerksam zu machen, dass sich die Jungen Grünen in einer Mitteilung für die Ausübung der Selbstbestimmung aussprechen. Sie tun dies mit ausdrücklichem Bezug auf die Brennerbasisdemokratie:

Angesichts des immer autoritäreren Gebarens der rechten Regierungsparteien, sähen die Jungen Grünen es für sehr Sinnvoll an, wenn alle in Südtirol lebenden Menschen über die Zukunft des Landes abstimmen dürften.

Die römische Regierung lässt keine Möglichkeit aus um Minderheiten in Italien klar zu machen, wer das Zepter der Macht in den Händen hält und wer sich fügen müsse. Stück um Stück werden z.B.: die Autonomie und die daraus resultierenden Vorrechte infrage gestellt, wenn nicht gar beschnitten. Teils wird auch mit fragwürdigen Methoden gearbeitet um unsere PolitikerInnen mürbe zu machen. Da die Regierung in anderen Bereichen bereits stark autoritäre Züge aufzeigt, fragen sich die Jungen Grünen wie lange es noch dauert bis die ersten, unserer Rechte beschnitten bzw. gänzlich abgeschafft werden. Bevor es gänzlich unmöglich ist, sollten alle in Südtirol lebenden Mitmenschen, die das 16. Lebensjahr bereits vollendet haben, über die Zukunft des Landes und folglich über ihre eigene Zukunft abstimmen. Dies wäre ein starkes Zeichen für eine Basisdemokratie, in der alle mündigen BürgerInnen mitsprechen dürfen und ihr Wille endlich ernst genommen wird.

Michi Hitthaler & Andrea Urthaler
für das SprecherInnenkollektiv der Jungen Grünen

Siehe auch: http://www.brennerbasisdemokratie.eu/

Meine Einschätzung dazu, wie im Blog der JGS veröffentlicht:

Ich finde die Mitteilung einen an sich sehr positiven, eigentlich längst überfälligen Denkanstoß. Es ist ein gutes Zeichen, dass die Grünen sich einer basisdemokratischen Abstimmung nicht mehr verschließen, was aufgrund ihres politischen Selbstverständnisses stets unkohärent und unverständlich erscheinen musste.

Gleichzeitig kann ich mich Valentin[o] nur anschließen, wenn er sagt, eine Abstimmung allein ohne politische und gesellschaftliche Vorarbeit sei kontraproduktiv. Deshalb würde ich zunächst davon sprechen, sich über die Zukunft dieses Landes GEDANKEN ZU MACHEN — was schlussendlich tatsächlich in eine Befragung münden könnte/sollte.

Ich verstehe freilich, dass das innenpolitische Desaster die Frage stringenter macht. Vielleicht hätten sich aber auch die Grünen schon etwas früher mit dem Thema befassen können, anstatt sich jetzt durch die Ereignisse treiben zu lassen.

Mein Fazit: Besser spät als nie.

Siehe auch: 1/

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20 replies on “Junge Grüne für die Selbstbestimmung.”

Das sind ja höchst positive Neuigkeiten, die von den jungen Grünen kommen.
Interessant wird das Thema Selbstbestimmung in Südtirol ja dann, wenn wir uns endlich auf den inhaltlichen Kern dieser Forderung konzentrieren können.
Inhaltlicher Kern im Sinne des Zieles das ich erreichen will:
a) welche Chancen und (Gefahren) ergeben sich für den gesamtgesellschaftlichen Kontext
b) welche Chancen ergeben sich für unser Land, wenn wir losgelöst von Italien regieren können
c) Wie sieht es mit den Ressourcen aus, die uns zur Verfügung stehen

Bis vor kurzem hieß es von den “Young Greens” noch “wir sind keine Südtiroler” bzw. “wir wollen keine Südtiroler sein”. Und jetzt das? Das ist wohl die schnellste und reiflichst überlegte Entwicklung seit dem Urknall. Aber auch ich bewerte diese neuen Töne positiv.

Tja, und wenn mir jemand vor einem Jahr gesagt hätte, dass ich einen Grünen zum Thema Selbstbestimmung einbremsen müsste, dann hätte ich ihn fett ausgelacht.

grüne + basisdemokratie? “ich glaub mein schwein pfeift”…
oder aber sie haben die dringlichkeit für die aktion erkannt und wollen diesen prozess mitgestalten bzw. sich dieser nicht verwehren; glaube aber nicht, dass sich innerhalb der partei nach diesem “selbstbestimmungstrubel”, diese mittelständische bzw. bürgerliche orientierung halten kann… käme ja einem grundsatzverrat gleich.

Sehr erfreulich, dass sich gerade in der Jugend eine solche Aufbruchsstimmung bemerkbar macht! Schön langsam überreißen das auch alle Etablierten. Diesen Schwung, der sich auch bei den 2008er-Wahlen bemerkbar gemacht hat, müssen wir jetzt bis zur tatsächlichen Selbstbestimmung nutzen!

@Valentino und Alexander

Also ich mach hier mal einen gewagten Interpretationsversuch, wenn ich falsch liege bitte korrigier mich Michi! Bitte beachtet, das ist nicht meine Meinung zur Selbstbestimmung, die dürfte nämlich hinlänglich bekannt sein, sondern ein Versuch zu verstehen wie der Michi und die Andrea von den YGs zur Selbstbestimmung stehen.

Meiner Ansicht nach basiert die Selbstbestimmung, wie sie die Young Greens in dieser vieldiskutierten Pressemitteilung fordern nicht auf dem “Tirolertum” sondern die YGs beziehen sich auf das basisdemokratische Recht auf ein Referendum, bei dem die Menschen ihre politische Zugehörigkeit selbst wählen können und sich deshalb auch unabhängig erklären können, wenn sie sich mit dem Staat dem sie angehören nicht identifizieren können und eine bessere und freiere Zukunft ohne Staatszugehörigkeit sehen. Wenn Italien ein autoritäres Regime aufbaut, dann ist das nicht im Sinne der Grünen und deshalb suchen die YGs nach Alternativen.

Deshalb steht es nicht im Widerspruch dazu wenn die Jungen Grünen sich nicht als Südtiroler oder Tiroler definieren sondern einfach nur als Menschen, sie fordern ihr Recht als Menschen ein, nicht ihr Recht als Tiroler oder Südtiroler. Sie fordern dieses Recht für alle Menschen die hier leben, für alle Gebiete die das wollen, das ist ein bezeichnendes Merkmal der “linken Ideologie”, nämlich international zu denken und nicht national, deshalb hat die Selbstbestimmung, die sich die YGs oder auch BBD vorstellt keine “nationalistischen” Gründe sondern hat sich zum Ziel gesetzt ein besseres Südtirol für alle zu schaffen.

Ottimo intervento, Sosigis. Devo ammetterlo: la tua analisi mi convince e inquadra abbastanza bene anche la logica di [bbd]. Ma per quale motivo allora non condividi (in alternativa alla tua proposta) questo tipo di visione democratica, partecipata, trasversale della autodeterminazione? Non sarebbe più semplice convincere tutti quanti con un modello simile?

Ich teile große Teile des Programms der Brennerbasisdemokratie, aber es gibt einen fundamentalen Unterschied.

Für mich ist Südtirol ein Teil Tirols, genau wie das Trentino auch (falls die Menschen dort noch Tiroler sein wollen, das ist aber eine andere Frage). Ich liebe unsere Kultur und unsere Traditionen und werde mich deshalb immer als Tiroler bezeichnen und es täte mir im Herzen weh wenn unsere Kultur langsam verschwinden würde.

Meine Vision von Tirol ist eine ethnopluralistische, keine interethnische. Das heißt ich wünsche mir den Erhalt der verschiedenen ethnischen Identitäten, der italienischen, ladinischen und deutschen Tiroler. Natürlich in Form eines friedlichen Miteinanders in dem jeder seine eigene Kultur und seine Traditionen pflegt. So wie es auch im historischen Tirol der Fall war, jeder durfte Tiroler sein, egal welche Sprache er sprach. Natürlich dürfen auch Menschen in Tirol leben, die sich nicht als Tiroler bezeichnen und sich nicht so fühlen, aber das Land bleibt immer Tirol.

Wir können die Selbstbestimmung meiner Meinung nach nur durchsetzen, wenn wir uns als Tiroler bekennen. Ansonsten sind wir rein rechtlich nicht in der Lage ein solches Referendum auf die Beine zu stellen, denn nur wer sich als “Volk” definiert kann als Völkerrechtliches Subjekt vom Selbstbestimmungsrecht gebrauch machen. Siehe meinen Beitrag auf Blaun von vor 2 Tagen über den rechtlichen Status der Selbstbestimmung.

Die Jungen Grünen scheinen tatsächlich etwas Bewegung in den Laden zu bringen. In ihrem Blog ist folgender Kommentar von Brigitte Foppa zu lesen:

entschuldigt wenn ich mich mich mit meinen 40 jahren auf dem buckel doch einmisch.
denn bin ich die, die michi im einklang mit sepp k gebeten hat, die aussendung zurück zu behalten. Wir finden, das thema ist in den grünen noch nicht wirklich gereift. Nie (ich bin zwar erst seit 1 jahr dabei) war dieses thema bei de grünen wirklich wichtig und es soll aufgeworfen werden – ok, aber dann möchte ich es diskutieren, in allen fassetten, in allen hintergründen und mit allen jenen, die, wie ich, grün denken. Erst nachher möchte ich mich mit den stimmen & meinungen der anderen messen, die NICHT von ökologischen oder interethnischen gesichtspunkten ausgehen wie wir es tun (denn das tun sie nicht!!! vergesst das bitte nicht!).
Für mich die normale vorgangsweie in einer partei, deshalb stehe ich nach wie vor hinter meiner bitte nach zurückhalten der aussendung und übernehme dafür die volle verantwortung. ICh wurd zur sprecherin der partei gewählt, gerade mit dem auftrag, den grünen laden zusammen zu halten. darum bemüh ich mich und dazu und dafür steh ich.
brigitte foppa

Ich gratuliere den JGS, die zusammen mit Riccardo Dello Sbarba (zumindest) bewirkt haben, dass die Partei das Thema — in allen Facetten — diskutieren will. Anstatt sich ihm a priori zu verschließen.

ich weiß noch wie ich vor 3 jahren in barcelona am “st. jordi-feiertag” (schutzpraton kataloniens) durch die ramblas spaziert bin und begeistert war von den vielen ständen alternativer studenten für die selbstbestimmung kataloniens.
wurde einige male auf katalanisch angesprochen (ich weiß auch nicht wieso, die hielten mich für einen einheimischen ;-)), habe dann schließlich auf englisch mit einem katalanischen studenten ein weilchen über südtirol und katalonien diskutiert. er kannte südtirol, wusste eigentlich recht viel für einen außenstehenden, was mich verwundert und gefreut hat.
vielleicht sieht man am nächsten josefitag (schutzpatron tirols, heute) dann bei uns auf einmal alles alternativ-grüne studenten mit ständen wo draufsteht “für die selbstbestimmung-per l’ autodeterminazione”, das wärs doch mal :).

Tja, die Geister die ich rief… :)
Also der Michi(sosigis) hat es eigentlich treffend formuliert, ich kann nicht im Namen der YGS die Selbstbestimmung fordern, weil es dazu keinen allgemeingültigen Beschluss gibt. Aber ich glaube, dass wir eine eventuelle Voklsbefragung nicht ablehnen können… das wäre auch gegen unser Statut!
Lustig ist nur, dass ich das gleiche vor 3Jahren in einer Radiodiskussion gesagt habe…ohne irgendwelche Reaktionen…

Naja, jetzt wird wenigstens darüber gesprochen…
PS.: Ich habe nie behauptet, dass wie keine Südtiroler wären, im Gegenteil…wir sind keine Tiroler (mehr)….

@PV

Ich kannte diesen Eichberg nicht, hab jetzt aber nach ihm gegoogelt. Den Begriff ethnoplurlaistisch habe ich eigentlich als Gegenteil zum Begriff monokulturell gemeint.

Wusste nicht, das dieser Begriff einer Ideologie zugeordnet wird die mir zutiefst widerstrebt, werde mir wohl einen neuen einfallen lassen müssen ;-).

interethnisch bedeutet nicht, dass die jeweils eigene kultur für etwas anderes aufgegeben wird. es heißt nur, dass die konstruierten grenzen zwischen kulturen, also zwischen lebensweisen, als solche erkannt werden: es gibt unterschiede, aber sie sind im umgang der menschen miteinander, im zusammenleben, zweitrangig.

die vielfalt der kulturen wird damit nicht angetastet.

hinter ethnopluralismus, dem “europa der völker”, steckt meist die kulturelle ab- und ausgrenzung mit kulturrassistischen zügen (siehe rechtsextreme in ganz europa).

@ sosigis

da du so oft den begriff “ideologie” (meist im zusammenhang mit “linker ideologie”) verwendest:

was verstehst du darunter?

Laut Südtirol Online distanziert sich die Mutterpartei jetzt deutlich von den Jungen Grünen:

“Grüne bleiben überzeugte Verfechter der Autonomie, aber …”

Zwei Vertreter der Jungen Grünen, Michael Hitthaler und Andrea Urthaler, haben in einer Aussendung eine Lanze für Selbstbestimmung gebrochen und damit für Aufsehen gesorgt.

“Der unorthodoxe und erfrischende Diskussionsbeitrag ist eine Reaktion auf autoritäre Tendenzen der Regierung Berlusconi und vertritt im Gegensatz zu rechten Selbstbestimmungspositionen – ein demokratisches und nicht nach ethnischen Kategorien ausgerichtetes Prinzip”, kommentiert die Partei den Vorstoß der eigenen Jugend.

Die Grünen ziehen jedoch nicht mit. “Wir bleiben entschiedene Verfechter einer Autonomie für alle Sprachgruppen und lehnen Freistaats- und Selbstbestimmungslösungen ab. Die Zukunft Südtirols liegt nicht in einem neuen Mikrostaat oder in Grenzverschiebungen, sondern im konsequenten Ausbau der Autonomie unter wachsender Zusammenarbeit und Verständigung zwischen den drei großen Sprachgruppen und neuen Zuwanderern”, heißt es seitens der Parteiführung.

Die Zusammenarbeit zwischen den Ländern Tirol, Trentino und Südtirol sei dabei auf neue Grundlagen zu stellen und deutlich zu stärken – im Geiste europäischer Kooperation.

Die aktuelle Selbstbestimmungseuphorie sehe man gelassen: Obwohl der Nationalstaat immer mehr an die Grenzen seiner Handlungs- und Reformfähigkeit stoße, sehe man wenig Heil in einem neuen Regionalismus.

“Wir setzen weiterhin auf den Ausbau Südtirols zu einer europäischen, grenzüberschreitenden Modellregion mit einer offenen Gesellschaft. Unsere Jungen Grünen sind dabei wichtige Diskussionspartner, mit vollem Recht, auch eigene Wege zu gehen und einen kritischen Dialog zu führen”, heißt es abschließend.

Die ist jetzt aber schnell gegangen, die tiefe Diskussion in allen Facetten und allen Hintergründen. Wohl eher eine Verarschung.

Meine Hochachtung gilt ganz den Jungen Grünen, die endlich machen was Jugendorganisationen machen sollten: Neue Lösungswege suchen, aus den Schemen ausbrechen, und nicht nur brav warten bis sie an der Reihe sind. Solchen Wagemut haben wir in Südtirol seit längerem vermisst.

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