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Hirte Hofer — Donatos Krippendeutungshoheit.

Krippenhofer.Die Neue Südtiroler Tageszeitung (TAZ) hat neulich von einem wirklich unglaublichen Vorfall am Bozner Christkindlmarkt berichtet, der sich so wohl nur in Südtirol zutragen kann. Der neofaschistische Unitalia-Landtagsabgeordnete Donato Seppi hat in der großen Holzkrippe am Waltherplatz doch glatt einen Hirten entdeckt, der niemand anderer als der (abgemagerte) Tiroler Volksheld Andreas Hofer sein soll. Woran er diese krankhafte Beobachtung festmacht, ist unklar — vermutlich daran, dass der Hirte einen Hut und einen Bart trägt. Auf seine über eine Gemeinderatsanfrage (!!) eingebrachte Kritik hin, für die er andernorts bestenfalls ausgelacht worden wäre, hat der Besitzer der Krippe beschlossen — den Hirten zu entfernen! Soviel Ignoranz und Unterwürfigkeit machen mich sprachlos. Frohe Weihnachten!

Im Bild (Ausschnitt TAZ) der entfernte Hirte.

Faschismen Feuilleton Medien Politik | | Donato Seppi | TAZ | Südtirol/o | PDL&Co. | Deutsch

23 replies on “Hirte Hofer — Donatos Krippendeutungshoheit.”

Manchmal schäme ich mich sehr in diesem Land zu leben, zum Beispiel wenn ich so etwas lese. Seppi kann den Gemeinderat doch gleich über die Wiederbelebung einer alten Tradition wie die Befana Fascista abstimmen lassen. Und am Waltherplatz organisieren wir einen Devotionalienmarkt!

Wann wird es verboten sein, einen Sarner zu tragen, weil man dann dem Andreas Hofer zu ähnlich sieht. Wann wird man etwas gegen Kaiserschmarrn und Schlutzkrapfen sagen, weil sie zu österreichisch sind? Müssen wir uns in unserem eigenen Land eigentlich alles bieten lassen von den Faschisten? Wie gesagt, Europa müsste bei diesen rechtsradikalen und faschistoiden italienischen Umtrieben längst einschreiten.
Vom Gerichtsgebäude (eigentlich ein Ort der Gerechtigkeit, nur in Italien ein Ort der Schande) lacht Mussolini mit seinem Spruch “Credere, Obedire, Combattere” ohne Erklärungstafel und in seiner ursprünglichen Form, genauso das faschistische Siegesdenkmal. Man muss sich das einmal vorstellen: Italien ist laut Korruptionsindex hinter der Türkei. Und so ein Land will bei Europa sein, das korrupter ist als die Türkei?
In Südtirol ist es also jetzt üblich, dass irgendein neofaschistischer Abgeordnete gegen Krippenfiguren wettern darf, diese dann entfernt werden, faschistische Reliefs und Denkmäler werden jedoch staatlich restauriert. Bei deutschen Jugendlichen geht das Gesetz (richtigerweise) rigide gegen Rechtsradikalismus vor (wobei viele medial und von der Staatsmacht mit hineingezogen werden, die gar nix mit Extremismen zu tun haben, nur um Südtirol zu diskreditieren), bei italienischen macht man gar nix. Faschismus ist erlaubt in Italien. Hoffentlich bietet sich in Europa endlich die Chance, diesen Klotz (Italien) vom Bein zu schütteln.

Nun, die Holzstatue soll schon seit elf Jahren die Leihgabe eines Laubengeschäfts für Kunsthandwerk (sechs Etagen) sein. Man bedenke bloß, wie lange Herr Seppi brauchte, um diese Assoziation herzustellen!

@hello
nicht Gerichtsgebäude, sondern Finanzgebäude (gegenüber Gericht). Und soweit ich weiss wurde das Relief nach dem Krieg (1957) fertiggestellt, was der eigentliche Hammer an der Geschichte ist! (Off Topic, aber so nebenbei)

Habs schon einmal gesagt, aber ich sags wieder:
nicht über den Benito Deppi aufregen, denn der macht nur das was er am besten kann: provozieren!
Wenn wir uns aufregen (oder auch schämen) sollten, dann wegen des rückgratlosen Typen, der die Figur entfernt hat!!!

@ anonym

C’è ancora uno “Hammer” in più. L’autore del famoso rilievo è un sudtirolese: Hans Piffrader.

@ Pé

Der Grünen-Landtagsabgeornete Hans Heiss sorgt sich um seinen Kollegen: “Hoffen wir, das kein Vertreter der Schützen an einem Ochsen oder Esel der Krippe die Züge von Seppi erkennt und die umgehende Entfernung des Vierbeiners verlangt”.

Was mich an dieser Sache am meisten geärgert hat, ist die Tatsache, dass die Firma Tschager die Statue entfernt hat. Lasse man doch Herrn Seppi an seinem Verdacht – nach elf Jahren sogenanntem “Christkindlmarkt” (zum Glück ist das Grundwort “Markt”) – verzweifeln. Da kommt in mir doch glatt der Verdacht auf, dass man eventuelle italienische Käufer nicht vergraulen möchte. As everyone knows, business comes first – vor Kunst und – was weiß ich, versuche mich mal als “deutschsprachige, heimatverbundene Südtirolerin” – Geschichte und Heimat.

Pensare che una delle più caratteristiche tradizioni del “presepe napoletano” consiste nel riprodurre, tra i vari pastori, i personaggi della politica, della storia e del folklore locale…

Ma ha molto senso dare così tanto rilievo alle emicranee di Seppi?

Ma ha molto senso dare così tanto rilievo alle emicranee di Seppi?

Wie ich im Text geschrieben habe bin ich der Meinung, dass die Chance, Herrn Seppi keine Aufmerksamkeit zu schenken, bereits verpasst wurde. Und zwar vonseiten des Krippenbesitzers (laut Susanne die Fa. Tschager).

@gadilu:
das wusste ich schon, daß es von Piffrader stammt, ist aber kein Hammer für mich. Kollaborateure und Sympatisanten findet man immer und überall.
Daß aber ein angeblich demokratischer Staat ein faschistisches Relief fertigstellt und hegt und pflegt, das ist der Hammer!

@susanne
nichts neues, daß des Geldes wegen Überzeugung, Tradition, usw. über Bord geworfen werden. Grad die Südtiroler Wirtschaftstreibenden würden für 30 Silberlinge doch alles tun.

@ anonym

“@susanne
nichts neues, daß des Geldes wegen Überzeugung, Tradition, usw. über Bord geworfen werden. Grad die Südtiroler Wirtschaftstreibenden würden für 30 Silberlinge doch alles tun.”

nun, so funktioniert einmal die Wirtschaft in einem Marktwirtschaftlichen System (Weltweit, nicht nur in Südtirol).
Sollte es ein Unternehmen geben, welches sozial handelt, wird es zwangsläufig untergehen, da es weniger Gewinn erwirtschaftet als die konkurenz Betriebe, d.h. durch die ständige Konkurenz der Unternehmen (und in dessen Folge der Menschen) wird eine asoziale Kultur des Kapitalismus gefördert, deshalb ist es auch nicht verwunderlich, wenn auch nur ohne mit der Wimper zu zucken die Figur entfernt wurde.

Wenn ich mich an den Zeitungsartikel recht erinnere, hat der Besitzer auch angegeben, dass er daraus keinen Skandal machen will, was aufgrund der vielen italienischen Gäste, welche ja verschunpft darauf reagieren könnten, zu Umsatzeinbussen führen könnte! Das ist zwar nicht richtig, aber in diesem System völlig normal!

Für die Wirtschaft, ist Kultur, Tradition oder soziale Fürsorge nur dann interessant, wenn sich daraus auch Geld verdienen lässt! Auf dem “Christkindl”markt, steht kein Stand aufgrund von christlicher Überzeugung, sondern aufgrund wirtschaftlicher Überlegungen, gleich verhält es sich bei Spendenaktionen, wo Firmen dann groß damit werben, dass sie soundso viel gespendet haben, da geht es im Normalfall auch nur um den Werbeeffekt!

Kein Unternehmen könnte sich sonst sowas leisten, denn jeder Euro, der nicht in das Unternehmen gesteckt wird, unterstützt im Kapitalismus ja die Konkurenz!

p.s.: Seppi ist nur ein Provocateur, ihm geht es nur darum Aufmerksamkeit zu erregen, dabei zeigt es wieder mal, wie stupide solche Leute arbeiten!!!

Einfach nur billig, lächerlich und im Grunde genommen nicht beachtenswert!

Was ihr mir über die Marktwirtschaft sagt, weiß ich doch im Grunde. Aber ich will mich einfach nicht damit abfinden und kann es oft von Prostitution nicht unterscheiden.

…würde sagen wir schaffen auch den nikolaus ab, dann wird herr donato seppi viel besser schlafen, da ja der nikolaus auch einen bart, einen umhang, einen hut und gar einen stab in der hand hält (könnte ja der säbel sein)…bravo herr seppi…

@ susanne

genau genommen ist sie das auch, die moderne Marktwirtschaft basiert darauf, dass diejenigen Menschen, welche keine Produkitionsgüter (oder genügend Geld, um sich welche anzuschaffen) besitzen, ihre Arbeitskraft verkaufen müssen um überleben zu können!

Was heißt dies nun?
Der Arbeiter, muss also seine Arbeitskraft sagen wir mal 8 Stunden am Tag an einen Kapitalisten (derjenige welcher das Eigentum an Produktionsmitteln besitzt) verkaufen (Theoretisch handeln sich beide Parteien dies im Arbeitsvertrag aus – praktisch haben die Arbeiter oft kaum eine Wahl, als einfach zu allen Bedingugen ja zu sagen, da sie immer die schwächere Partei darstelellen ganz nach dem Motto “Vogel friss oder stirb”), damit gehört der Arbeiter diese 8 Stunden am Tag dem Kapitalisten.

Frage: weiss eigentlich jemand ob die Dolomiten darüber auch berichtet hat? Ich hab eigentlich nichts bemerkt, nur 1-2 Leserbriefe.

Kann es sein daß solche Themen absichtlich nicht behandelt werden, um ja den lieben Frieden nicht zu stören (obwohl ich jedem zustimme, daß man dieser Sache wirklich nicht zuviel Beachtung schenken sollte).

Ich glaube die “Dolomiten” hat tatsächlich fast nix darüber berichtet (mir ist jedenfalls auch nix aufgefallen), dafür aber die “Alto Adige” und die Tageszeitung. Soche Sachen bringt die “Dolomiten” praktisch nicht mehr, wahrscheinlich aus parteipolitischen Gründen (kann mir sonst auch nix anderes vorstellen).

@ selbstbestimmung09

Es stimmt, dass jedes Arbeitsverhältnis der Logik der Marktwirtschaft unterliegt. Ich wehre mich jedoch dagegen, dass in diesem notwendigen Übel (für viele jedenfalls, ansonsten landeten sie in der Gosse) nicht wenigestens ein Quentchen Ethik Platz hat.

Übrigens: Ich kenne den Namen besagten Firma aus den Fernsehnachrichten. Ich hatte nie einen Grund, bei dieser Firma einzukaufen, werde ihn in Zukunft umso weniger haben.

@susanne

versteh mich nicht falsch, meine Darlegungen sollen nicht nur Erläuterungen sein, sie sind ebenso Kritik an den herrschenden Verhältnissen!
Gerade die Bewusstwerdung, dh. sich seiner Situation als Mensch in dieser von Menschen geschaffenen(Kapitalismus = keine Naturgewalt) Gesellschaft bewusst zu werden, ist ja schon eine revolutionäre Tat, ganz nach George Orwell, welcher einmal sagte:

“In einer Zeit des Universalbetruges ist die Wahrheit zu sagen eine revolutionäre Tat “!

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